Sonntag, 13. Dezember 2020

Im Zeichen der Seuche: Freiheit von Freizügkeitkeit

Im Gespräch mit Unternehmern in Köln zeigte Gesundheitsminister Jens Spahn noch im Januar mutig Gesicht gegen die Seuche.

Erst der lockdown light zur Rettung von Weihnachtsabendland, dann die harten Grenzkontrollen zwischen Sachsen-Anhalt und Sachsen. Und nun der "Blitz-Lockdon", wie ihn die Bundesworthülsenfabrik (BWHF) in Berlin nach einer aufregenden und anstrengenden Nachtschicht kurzerhand getauft hat: Frisch "Schockzahlen" (NZZ) bei Corona-Toten und Neuinfektionen verlangen nach "autoritären Maßnahmen" (Michael Kretschmer). Zu muss, was noch offen ist. Untersagt wird, was noch darf. Aus kontaktlos zahlen wird kontaktlos leben, sobald sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten im informellen Corona-Kabinett auf die neuen Details geeinigt haben. 
 
Die mediale Vorbereitung lief diesmal über zwei Wochen, eine chinesische Wasserfolter, darauf angelegt, Bürgerinnen und Bürger in einen mentalen Zustand zu versetzen, in dem die Sehnsucht danach, dass das Gequatsche und Gefordere nach Härte und Verboten endlich enden möge, so groß wird, dass selbst die Aussicht, nicht mehr aus dem Haus zu dürfen, dagegen verlockend wirkt. 
 
Zum ersten Mal seit mehr als 30 Jahren gegen die innerdeutschen Grenzbäume wieder runter. Ja, 350 Kilometer borderline zwischen Sachsen und Sachsen-Anhalt können kontrolliert werden, im Unterschied zu den deutschen Außengrenzen, die sich kilometerlang einmal um ganz Deutschland schlängeln. Die "Freizügigkeit im Bundesgebiet", von der das Grundgesetz in Vor-Corona-Zeit sprach, bleibt gewahrtt, denn "Freizügigkeit" muss nicht heißen, dass jeder überall hinfahren darf.
 

Heil liegt in Abschottung

 

N
icht in diesen Zeiten im Zeichen der Seuche, in denen das heil in der Abschottung, der Abgrenzung und der strikten Kontrolle liegt. Nur der alte Hitlergraben in der Nähe des Ikea-Hauses bei Günthersdorf ist schwer zu überwachen. Mit Schilfflößen schmuggeln sich verzweifelte Sachsen auf Geschenkejagd hier durch die Grenzgatter aus dem Belastungsgebiet des seit den großen Corona-Leugnungsdemonstrationen durchseuchten Sachsen ins Anti-ARD-Nachbarland. Um wenige Kilometer später Einsatztrupps der Bundespolizei in die Hände zu fallen, die bei der Schleierfahndung dank Infrarotbrillen und Wärmebildkameras auch Waldwege und Schleichpfade durchs Unterholz im Blick haben.

Deutschland macht zu, wie selbstverständlich bei weiterhin geöffneten Grenzen. Die Zahlen müssen runter, die Stimmung muss 'rauf. Und um besser werden zu können, muss es erst einmal schlechter werden. Nur so können die Menschen im nächsten Jahr vor der Bundestagswahl ganz deutlich merken, wie gut für sie gesorgt worden ist und wie gut es den Überlebenden schon wieder geht. 
 

Kann 2021 durchgeführt werden?

 
Weihnachten wird sicherlich stattfinden, Silvester eher nicht. Und ob 2021 überhaupt durchgeführt werden kann, hängt ganz davon ob, wie es mit dem Impfstoff weitergeht: Um ein Zeichen zu setzen, sind zwar überall Bautrupps ausgerückt, die unter strenger Beachtung der Abstandsregel gewaltige Impfzentren in die Landschaft klotzen. Doch was mit dem vaccine wirklich wird, jetzt, wo der Brite schon spritzt, steht in den Sternen.

Kommt es zum harten Bruch mit dem Königreich, zum gefürchteten no deal-Deal, stünden die Impfstoff-Lastzüge von quer durch Europa, eine verzweifelte Schlange unterbezahlter polnischer und litauischer Retter, die wegen der englischen Zollkontrollen keinen Meter vorwärts kommt.

Doch ein Zurück gibt es nicht. Seit sich die Politik im Frühjahr entschloss, aus dem Beruhigungsmodus in rasenden Alarmismus umzuschalten und die Medien zeitgleich begannen, ihre Schautafeln zu Ansteckungszahlen und Todesfällen durchweg in Rot und Dunkelrot zu zeigen, ist der Rückweg verbaut. Die Katastrophe war groß, die politische Klugheit, die sie einen ganzen Sommer lang besiegt hatte, war noch größer. Der Herbst dann wurde schrecklich und immer schrecklicher. Als die deutschen Todesraten die der USA überschritten, war das eher keine Schlagzeile. Ebenso uninteressant wie der Fakt, dass sich in Europa mehr Menschen ansteckten als in Trump Amerika.

Sieg des Alarmismus

 
Jeder Bürger muss nur wissen, was zur Erfüllung seiner unmittelbaren Aufgabe notwendig ist. So ist auch im zehnten Monat der Pandemie unbekannt, wie viele der 30.000 täglich Infizierten eigentlich krank im Sinne von "mir geht es schlecht, ich lege mich hin" sind. So können Ministerpräsidenten nach zehn Monaten Pandemie stolz verkünden, sie hätten "jetzt schon" Schutzmaßnahmen für Alten- und Pflegeheime befohlen. Und der Gesundheitsminister plant - im elften Seuchenmonat - die fast kostenlose Massenausgabe von je drei Einmalmasken mittlerer Schutzklasse. Aber der Rest der Datenlage ist klar: Die Infiziertenzahl wird korrekt erfasst, die der Intensivpatienten ebenso.
 

Dazwischen ist nichts, was uns interessieren müsste. Gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen! Wer die infizierten Pfleger sind, die in der höchsten Not im Altenheim zugreifen müssen, und wie sie das mit den absehbaren Spätschäden vereinbaren, wäre eine Frage. Ist aber keine, so lange der Rausch der hohen Zahlen regiert. Stabilisieren sich die aktuellen Infektionsraten auf diesem Niveau, sind in 2.700 Jahren alle in Deutschland lebenden Menschen angesteckt!! Und bleibt es bei 600 Corona-Opfern am Tag, ist in 374 Jahren niemand mehr da, der noch sterben kann.
 

Der Preis ist heiß


Es lohnt sich, dafür mal auf den Weihnachtsmann und das Sekt-Stößchen zu "Sylvester" (SZ) zu verzichten, selbst wenn das gesamte kommende Jahr ausfallen müsste, wäre der Preis angemessen dafür, dass es wenigstens in den Jahrzehnten, Jahrhunderten und Jahrtausenden danach wieder zivilisatorische Selbstvergewisserungsübungen wie das "Unwort des Jahres" und das "Wort des Jahres", die "Blume des Jahres", den "Vogel des Jahres", den Mann die "Person des Jahres" und den "Baum des Jahres" geben kann.

Kommentare:

Die Anmerkung hat gesagt…

>> Es lohnt sich, dafür mal auf den Weihnachtsmann und das Sekt-Stößchen zu "Sylvester" (SZ) zu verzichten

Dr. Campbell hatte neulich die für ihn unergründlichen Russen drauf. er haßt die ehrlichen Herzens. So sind die Engländer.

Es ging da um die Empfehlungen einer Gesundheitsbehörde, ab 14 Tage vor der 1. Impfung keinen Alkohol mehr zu konsumieren, bis zum zweiten Schuß auch keinen, und nach der Folgeimpfung erst recht keinen.

Medizinisch gesehen, meint er aus seiner Erfahrung heraus, gibt es für derlei restriktive Empfehlung keine Notwendigkeit. Ist Quatsch, aber eben Rußland. Die haben es nötig.

https://www.youtube.com/watch?v=noaTw8a_5gQ#t=12m40s

Volker hat gesagt…

Tut mir leid, wenn ich ein wenig Wasser in den Glühwein schütten muss ...

Der Zeitungsausschnitt zeigt den Neujahrsempfang der IHK Köln im Januar 2020.

ppq hat gesagt…

eines der ersten superspreaderevents

Freizüg Keitkeit hat gesagt…

Lasst der deutschen "Köterrasse" doch ihren untertänigen Gossenspaß, endlich wieder ihre Obrigkeit als unfehlbar anzuhimmeln und das aus Kaiserreich und zwei Diktaturen vertraute und beliebte Denunziantenspiel zu genießen. Andere bei der Staatsmacht "reinhängen" macht diesem erbärmlich besserwisserischen Oberlehrergesindel, das die Welt schon wieder großmäulig an ihrem verblödeten Verwesen genesen lassen will, doch diabolischen Riesenspaß. Dieses Generationen übergreifende Gebaren muss wohl an ihren schäbigen Rechthaberei-Genen liegen.

Hier eine ältere aber treffliche Charakterbeschreibung durch Napoleon Bonaparte:

“Es gibt kein gutmütigeres, aber auch kein leichtgläubigeres Volk als das deutsche. Zwiespalt brauche ich unter ihnen nie zu säen. Ich brauchte nur meine Netze auszuspannen, dann liefen sie wie ein scheues Wild hinein. Untereinander haben sie sich gewürgt und meinten, ihre Pflicht zu tun. Törichter ist kein anderes Volk auf Erden. Keine Lüge kann grob genug ersonnen werden: die Deutschen glauben sie. Um eine Parole, die man ihnen gab, verfolgten sie ihre Landsleute mit größerer Erbitterung als ihre wirklichen Feinde.“

Seit Jahrhunderten ohne Hoffnung auf Besserung verdammt brandaktuell ... aber wir debattieren hier emsig über tägliche Presswurst-Petitessen.

Auch eine Art Seuche.

Prinz Eugen hat gesagt…

Der Napoleon wart hier schon zum Zweiten Male feilgeboten. Schäm Er sich.

Anonym hat gesagt…

Eliten müssen keine Maske tragen - ich finde das völlig oké .

Jodel hat gesagt…

Gottseidank werden jetzt auch noch die letzten Läden mit Hygienekonzept zugesperrt, die den gemeinen Leuten Ablenkung und Freude bereitet haben. Offen bleibt natürlich das, was zu Aufständen führen würde, wenn es geschlossen werden würde. Die Besserwisser und Amazonbesteller aus den Gemeinsinnsmedien fordern das ja schon lange. Dann findet dieser entwürdigende Einkaufstourismus und Konsumterror auch endlich sein Ende. Müssen halt alle anderen die Gürtel noch ein Loch enger schnallen. Das muss dem Gesindel seine Rettung schon Wert sein.

Ist es nicht wunderbar, wie unser großzügigster Staat aller Zeiten im Gegenzug den ganzen Händlern, die jetzt auf ihrem Weihnachtsplunder sitzen bleiben, eine teilweise Erstattung der Fixkosten in Aussicht stellt. Da wird einem doch warm ums Herz. So viele Güte und Zusammenhalt war selten. Jetzt können die Festtage kommen. Wir sind bestens vorbereitet.

Anonym hat gesagt…

Offen bleibt natürlich das, was zu Aufständen führen würde, wenn es geschlossen werden würde ...

Sogar da wäre ich gar nicht so sicher, ohne Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung jetzt.