Dienstag, 9. Februar 2021

In der Hitze des Gefechts: Ich, der Klimaclown

Auf einmal ist alles wieder wie früher.

Ja, es passiert dauernd, gerade jetzt. Zwei-, dreimal am Tag werde ich angesprochen. Immer hämisch, immer mit diesem spöttischen Unterton. Hähähä, waren Sie das damals nicht, der diesen Spruch gebracht hat? Hähähä, sind Sie immer noch weitsichtig? Hähähä, da lagen Sie aber ganz schön daneben! Die gemeinsten dieser Leute haben den Satz sogar noch komplett drauf. "Winter mit starkem Frost und viel Schnee wie noch vor zwanzig Jahren wird es in unseren Breiten nicht mehr geben“, heißt esd ann. Und natürlich auch wieder: Hähähä!

Ich, der Klimaclown! Das ist sowas von ungerecht! Niemals habe ich doch gemeint, was ich damals gesagt habe. Ich habe ausdrücklich von einer Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent gesprochen, mit der die Temperaturen noch weiter steigen. Und vom so genannten Treibhauseffekt, durch den es in Mittel- und Nordeuropa künftig mehr Westwindlagen geben werde, die regenreiche und noch mildere Winter zur Folge haben. Das war im Jahr 2000 und Vorhersagen, die die Zukunft betreffen, waren noch viel schwerer zu treffen als heute. Das muss man ja auch mal sehen. Ich ging damals einfach davon aus, dass Deutschland verstärkt unter dem Einfluss von Island-Tiefs geraten wird. Warum denn nicht? 

Die Nordatlantische Oszillation wurde doch erst viel später entdeckt, so dass dann klar war, warum das Wetter nicht so werden konnte, wie es hätte werden müssen, wäre sie geblieben, wo sie war. Und heute wieder ist, muss ich dazusagen. Denn schaut man es sich mal genauer an, wissenschaftlicher und meteorologischer, dann ist die letzte Erwähnung der letzten kalten Winter fast drei Monate her. Drei warme Monate, das wissen wir alle. Monate also, in denen es gar keine Notwendigkeit gab, dieses Phänomen, das mit letzter wissenschaftlicher Sicherheit Verursacher der Wintereinbrüche von 2012 und 2013 war, als Auslöser für den kalten Winter 2020/2021 heranzuziehen.

Wie hätte denn auch das wegen des Klimawandels schmelzende Arktiseis dafür einstehen können, dass in "hiesigen Breiten kalte Winter eher wahrscheinlich“ und seit Jahren weitverbreitet sind, wenn es nicht kalt war? 2013 etwa lag die neue Eiszeit, über die kurzzeitig alle stöhnten - die Älteren erinnern sich vielleicht noch an die "Russenpeitsche" und die "Klimakälte" - eindeutig an einem „Wechselspiel der Luftdruckverteilung“, das seine Ursache selbstverständlich in einer Auswirkung der Klimaerwärmung hatte. Dadurch sorgten damals blockierte Wetterlagen für Kälte, wo hätte Wärme sein müssen. 

Mit einer naheliegenden Folge: Die vorhergesagte Erwärmung blieb wegen der Erwärmung aus, der Ozean saugte durch die zunehmende Hitze mehr Wärme auf, das Wetter wurde kälter, weil die Wärme dann natürlich woanders fehlte.

Wir Klimawissenschaftler hatte also auf jeden Fall recht, auch wenn wir selbst noch nicht so richtig wussten weswegen. Es lag jedenfalls an der Energieaufnahme der Ozeane, dass Winter mit "weniger Schnee“ auskommen mussten und auf „trocken-heiße Sommer mild-feuchte Winter" folgten. Bis dann endlich der Polarwirbel entdeckt wurde, ein gigantisches Phänomen, das der Weltklimaforschung bis vor kurzem vollkommen entgangen war. Um nun nur umso machtvoller einzuspringen: Der "Polarwirbel" oder auch "Polarwirbel-Split" sorgt nicht nur für "extremen Winter in Deutschland" (FR), er ist auch eine weitere fürchterliche Folge des Klimawandels!

Wie, bitte, hätte ich das ahnen können? Vor 20 Jahren? Woher hätte ich wissen sollen, dass  20 Jahre nach meiner Prognose, dass ”in Deutschland klirrend kalte Winter der Vergangenheit angehören und es Winter mit starkem Frost und viel Schnee wie noch vor zwanzig Jahren es in unseren Breiten nicht mehr geben wird, ein ganz neuer Mitspieler auftaucht, der über den Umweg einer plötzlichen Erwärmung Polarwirbel verschiebt, von denen man bis vor ein paar Jahren annahm, sie würden allenfalls ein wenig am Ozonloch bohren oder den Meeresboden aufwühlen?

Niemand! Niemand konnte das ahnen! Und ich erst recht nicht. Als mich mein amerikanischer Kollege Judah Cohen 2017 provozierte und behauptete, wir würden künftig "mehr Winter mit arktischer Kälte, Kälteeinbrüchen und größeren Schneestürmen haben", habe ich nur gelacht. Cohen saß da an seinem Massachusetts Institute of Technology und es dauerte ein ganze Jahr, bis seine krude These es wenigstens in den Boulevard schaffte. Für Kälte im Winter hatten wir schließlich unsere Nordatlantische Oszillation! Mir war die offen gestanden auch lieber, klingt sehr viel wissenschaftlicher als die stumpfe Übersetzung von "weak stratospheric polar vortex can lead to cold-air outbreaks in the midlatitudes", wenn man dann noch zugeben muss, dass "the exact relationships and mechanisms unclear" sind. 

Da lasse ich mich lieber Klimaclown rufen, während ich warte, dass das Wetter wieder besser wird. Und klirrend kalte Winter der Vergangenheit angehören.


8 Kommentare:

Carl Gustaf hat gesagt…

Wie mir der Medienwissenschaftler Hans Achtelbuscher vom An-Institut für Angewandte Entropie auf meine Anfrage, eine besonders verleumderische Behauptung zum Wahlverhalten der Ostdeutschen zu entwerfen, grad schrieb, wird es in den nächsten Tagen vor allem dort sehr frostig, wo die AfA Rekordergebnisse erzielt hat.
Er möchte zwar keine Korrelation ausmachen, glaubt aber doch, dass grade die Klimaleugnung durch die AfA-Wähler der Grund für die Ausbeulungen im Jetstream sind.

Carl Gustaf hat gesagt…

Ersetze AfA durch AfD.

Anonym hat gesagt…

Hätte die Regierung etwas Fantasie, hätten sie ein paar Experten gekauft, die Stein und Bein schwören, dass dieser Winter ein erster großartiger Sieg unserer Führerin an der Klimafront ist und wir jetzt unsere Anstrengungen (und Ausgaben) verdoppeln müssen, um das gewonnene Terrain zu halten.

Carl Gustaf hat gesagt…

"Hätte die Regierung etwas Fantasie, hätten sie ein paar Experten gekauft"

Unsere Regierung samt EU-KOM steckt ab sofort jeden EURO in die Impfung und nicht mehr in die Werbung. Sagt Hans Achtelbuscher im Auftrag des Bundesinnenministeriums.

Die Experten müssen derweil die Arbeitgeber auf Einhaltung der Home-Office-Pflicht überwachen.

Anonym hat gesagt…

Das Wetter ist doch wieder nur 'n Komplott der Bundesregierung. Die wollten einmal 'n IQ über Außentemperatur haben ...

... ist aber noch nicht kalt genug.

Anonym hat gesagt…

Vortrefflich auf die Schippe genommen - aber was nützt es?
Rahmstorf und Latif reißen doch schon wieder das Maul auf - das wäre eben das letzte Aufbäumen von Mutter Natur, bevor die große Hitze nun endgültig kommt.
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Und ein recht großer Teil der Pleitegehenden stellt, so sieht es mir aus, gar nicht dieses, oder eben auch die Todesseuche, so uns umkrallet, in Frage. Sie sind lediglich mürrisch, daß sie nicht genug bunte Scheine, oder gar keine, zum Ausgleich bekommen.

Anonym hat gesagt…

https://connectiv.events/greta-thunberg-hat-versehentlich-enthuellt-dass-sie-nur-eine-marionette-ist-sie-wird-jetzt-in-indien-strafrechtlich-verfolgt/

Anonym hat gesagt…

Herrlich, auch sind die bösen Ostdeutschen, die natürlich mit der AfD immer anbandeln, daran schuld, dass Corona einfach nicht gebändigt werden kann, koste es auch, was es wolle.