Mittwoch, 10. Februar 2021

Joe Biden: Der Verschwundene

Zwischenstand 12:2: Joe Biden gilt schon nach vier Wochen im Amt als lame duck.
Zwei schmale Auftritte auf dem "Spiegel"-Titel, dem Präsentierteller des Deutungsjournalismus, hat er bisher gehabt, der Hoffnungsträger nicht nur der Amerikaner, sondern auch des Restes der Menschheit, die nicht vom Trumpismus befallen ist. Soweit es deutsche Medien betrifft, könnte das mächtigste Amt der Welt auch gar nicht mehr besetzt sein, ach was, die gesamten Vereinigten Staaten könnten nicht mehr existieren. 

Nach vier Jahren, in denen der deutsche Journalismus so viele Sonderkommandos an die US-Front geschickt hatte, dass zeitweise jeder Tweet des US-Präsidenten Donald Trump zu einer Papier- und Elektronachrichtenflut anschwoll, die alles andere wegriss, ist seit der Wahl im  November Diät angesagt. Joe Biden kommt in deutschen Medien kaum vor, nach den ersten paar Tagen, in denen sein Sieg gefeiert wurde, ist die Begleitung seiner Präsidentschaft zu einer Aufgabe für Nachrichtenagenturen und Abschreibpraktikanten geworden. Zwölf Titelbilder beim "Spiegel" zählte Donald Trump in den Monaten rund um seine Wahl und seinen Amtsantritt. Joe Biden kommt auf ganze zwei.

Biden existiert nicht

Biden, soweit es deutsche Medien betrifft, existiert nicht. Hatte sich Trumps Präsidentschaft schon im Vorfeld durch drohende und dunkel dräuende Titelblätter wie "Fünf Minuten vor Trump" und "Trumps Spiel" angekündigt, schaffte es sein Nachfolger bei seinen beiden Auftritten nur zu freundlicher Unverbindlichkeit: Einmal durfte er als Hintergrundtapete an den großen, gerade bei den Deutschen und erst recht bei deutschen Journalisten hochverehrten Barack Obama erinnern. Und einmal mit Trumps Spruch versprechen, Amerika wieder great zu machen.

Seitdem nichts mehr. Kein Wahlbetrug, keine russische Unterwanderung, keine Chinesenkontakte, keine Spal1tung der Nation, kein wirtschaftlicher Zusammenbruch, keine umstrittenen Stellenbesetzungen im Weißen Haus, keine Nachrichten von Sohn Hunter Biden oder den Klimahunden, die Joe und seine Frau mit in den Amtssitz  gebracht haben, wie es sich gehört. Verglichen mit den turbulenten ersten Wochen, Monaten und Jahren der Präsidentschaft Trump, als alles, was aus Amerika kam, behandelt wurde wie deutsche Innenpolitik, sind die USA zurückgefallen auf den Stand von Myanmardasfrühereburma, Burundi oder Serbien.

Die USA wie Myanmardasfrühereburma

Solche exotischen Schauplätze tauchen gelegentlich in den Nachrichten auf, allerdings immer nur, wenn es Ereignisse zwingend diktieren. Massaker, Menschenopfer, Putsch oder Fährunglück mit betroffenen Deutsche - alles darunter mag dort stattfinden, hierzulande jedenfalls existiert es nicht. Ein erstaunliches Phänomen, denn nicht nur die schlechten  Nachrichten aus dem Land, das unter Trump stöhnte, schaffen es nicht mehr bis nach Deutschland.

War das Corona-Management des Demiurgen im Weißen Haus fast ein ganzes erstes Pandemie-Jahr lang der Goldstandard des Seuchen-Versagens, vor dem sich die brillanten Vorsorge-Leistungen der deutschen Regierung wohltuend und beruhigend abhoben, so verschwand mit Trump aus dem Amt auch die amerikanische Corona-Katastrophe aus den deutschen Medien. Verbreitet dort die britische Mutante, findet das Erwähnung, allerdings ohne den bisher unerlässlichen Hinweis auf die Verantwortung des Präsidenten. Biden wird nicht beim Super Bowl unter den 25.000 Zuschauern gezeigt. Biden existiert nur als Unterzeichner präsidialer Verfügungen, die heilen und lindern.

Der verschwundene Führer der freien Welt

Der Führer der freien Welt ist schon verschwunden, noch ehe er das großmütige Angebot des deutschen Außenministers hatte annehmen können, der amerikanischen Demokratie mit deutscher Entwicklungshilfe wieder auf die Strümpfe zu helfen. Nicht einmal, dass es den USA gerade gelungen ist, an einem Tag zwei Millionen Menschen zu impfen - eine Zahl, die Deutschland seit Jahresanfang zusammengebracht hat - ist der Erwähnung wert. Stattdessen Trump, immer wieder Trump: Das vom ersten Tag an totgeborene zweite Impeachmentverfahren gegen den Ex-Präsidenten hat deutsche Medien erstmals wieder veranlasst, die Vereinigten Staaten auf die Landkarte der aktuellen Ereignisorte zurückzuverlegen.


Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Der heimliche Präsident scheint ja weiterhin Trump zu sein.

Zumindest erweckt sich in mir der Eindruck, dass Trump weiterhin mehr Platz in der Berichterstattung deutscher MSM-Journaille einnimmt als Präsidentendarsteller Biden.

nonsibi hat gesagt…

Biden weiß ja selbst schon nicht mehr, dass er zum Prädidenten gewählt wurde.

nonsibi hat gesagt…

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