Montag, 8. März 2021

Frauenvertröstungstag: Die Furcht vor der besseren Hälfte

Der Feminismus ist zwar so erfolgreich, dass nun auch Männer mitmachen - gleichzeitig aber dient er als Schutzgeist des Patriarchats.

Der 8. März, er war in der Geschichte der Deutschen immer wieder ein großer Tag. Vor 320 Jahren besiegelte der Hamburger Vergleich die dritte Teilung von Mecklenburg, vor 100 Jahren dann besetzten Truppen des EU-Partners Frankreich Duisburg und Düsseldorf, um sich ein Pfand zur Sicherung der Reparationszahlungen aus dem Ersten Weltkrieg zu sichern. 1951 wurde das Bundeskriminalamt gegründet und 1957 zeigen die Kinos der alten Bundesrepublik Wolfgang Staudtes DEFA-Spielfilm "Der Untertan" nach dem gleichnamigen Roman von Heinrich Mann in einer fürsorglich eingekürzten Fassung. 2012 schließlich wird Bundespräsident Christian Wulff an diesem historischen Datum verabschiedet, in einem zu Tränen rührenden Trauerakt, mit dem die Hoffnung vieler Ewiggestriger endete, das Kaltblut aus Niedersachsen könnte dereinst der Mann sein, der die ewige Kanzlerin herausfordert. 

Eine ungewollte Innovation

Angesichts der Vielzahl historischer Momente, die sich gerade am 8. März ballen, gerät  dass es dieses Datum war, an dem 1947 in Berlin der Demokratische Frauenbund Deutschlands (DFD) gegründet wurde. Trotz des eigens im Gedenken an dieses Ereignis geschaffenen "Internationalen Frauentages" ist heute kaum noch bekannt, dass der DFD der sich als weiblich begreifenden Hälfte der Bevölkerung erstmals die Möglichkeit gab, sich in eigener Sache stark zu machen, für ihre eigenen Interessen einzutreten und unabhängig von politischen Frontlinien einfach nur Frauenpolitik zu machen. In der Volkskammer der DDR saßen stets Frauenabgeordnetinnen, die für Frauenthemen einstanden und Frauenpower entfalteten - eine ungewollte Innovation, die nach dem Ende des kommunistischen Experimentes umgehend eingestellt wurde.

Von Frauenfeinde als "DFD - Dienstbar, Folgsam, Dumpf" verunglimpft und in der horizontal geordneten Parteienlandschaft des nach den Lehren des ideologischen Farbspektrums durchdemokratisierten Gesamtdeutschlands ohne Platz zum wurzeln, verloren die 1,5 Millionen DFD-Mitgliederinnen ihre feministische Heimat. Bereits 1990 gelang es der männerbündischen Herrenherrschaft der Kohl, Schäuble und Seiters, die als der alten BRD nach Osten griff, den Demokratischen Frauenbund komplett zu delegitimieren und seine Auflösung in die Wege zu leiten.

Freundlich verpackter Frauenhass 

Seitdem stehen Frauen in Deutschland ohne eigene Vertretung da. Sie leiden weiter unter dem Menstruationstabu, unter einem klaffenden Gender-Pay-Gap, einer Unterpräsentation etwa im Kfz- und Ausbaugewerbe und in der CDU, die sich bis heute darauf verlässt, dass die Kanzlerin eine Frau ist, was den Mangel an Frauen im Staatsmanagement allemal ausreichend ausgleiche. Je nachdem, wie der Gedenktag für den DFD fällt, hagelt es Sonntags- oder auch Montagsreden. Der Bundespräsident, bezeichnenderweise seit mehr als 70 Jahren immer ein Mann, empfängt politisch engagierte, aber machttechnisch marginalisierte Frauen in seinem Amtssitz, "würdigt zur Begrüßung - eher gönnerhaft - ihre Arbeit und erklärt ihnen anschließend in einem länglichen Vortrag, was er für die Grundsätze der Gleichstellungspolitik hält", wie es der selten unter Humorverdacht stehende Walter Steinmeier einmal witzig selbst beschrieben hat.

Alles dient der Ablenkung, der Verzögerung, der Inabredestellung des "Glamours des Eisprungs" (Tagesspiegel). Die Furcht vor der besseren Hälfte der Menschheit diktiert der machthabenden Männerelite zwar nicht mehr den früher verfolgten Kurs der brutalen Unterdrückung. Aber einen des betulichen Betreuens, des symbolischen Verstehens und der heuchlerischen Aneignung von Frauenforderungen.

Eine Frauenpartei, die von allen Frauen gewählt schnell ihre eigene Frauenkanzlerin stellen würde, gilt Männern als Alptraum. Und unter diesen Umfeldbedingungen auch in den Medien als strenges Tabu. Anstelle wahrer Machtteilhabe, die männliche Pfründe bedrohen würde, werden Frauen, Mädchen und intersektionelle Feministen und Feministinnen mit einem einzigen Tag von 365 abgespeist. Dann gibt es einen Strauß Blumen und ein paar warnende Worte vor einem "Rückfall in überwunden geglaubte Rollenmuster" (Merkel), die reichen müssen, die Frauenseele zu beruhigen und auf bessere Zeiten irgendwann in einer fernen Zukunft zu vertrösten. Frauen lassen sich das gefallen, immer noch, sie wagen nicht den Schritt, die eigenen Angelegenheiten in die eigenen Spülhände zu nehmen, sondern sie warten darauf, dass ihr Betteln um etwas mehr Teilhabe erhört werden möge.

 



Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hiobsbotschaft aus der Welt einer unverzichtbaren Branche:

„...nur ungefähr ein Drittel der Chefdramaturgen sind Frauen.“

Die Ausreden des Patriarchats sind dünn wie die Bewerberlage:

„Gerade bei kleineren Theatern sei die Bewerberlage oft dünn, die Bewerberinnenlage meist noch dünner.“

Männer einzustellen, bloß weil sich keine Frauen bewerben, ist ein fadenscheiniges Argument.

https://www.mdr.de/kultur/theater/gleichberechtigung-frauen-thueringen-sachsen-anhalt-102.html

Eine mögliche Lösung:

„Die Kontrollgremien und die Entscheidungsgremien haben da eine Fürsorgepflicht“

Ja, Frauen brauchen Fürsorge, weil sie allein zu dämlich sind. Das ist die richtige Botschaft zum Tage.

Unknown hat gesagt…

Im Straßenbau ist die Teilhabe auch noch unter aller Schublade ...

Hexenhammer hat gesagt…

Die Kerle haben es doch Jahrzehnte zugelassen, dass diese Xantippenbrut sich ungebremst überall einnisten konnte und nimmersatt mehr Sonderrechte forderte.

Wer keine Eier hat, muss sich eben von Eierstöcken züchtigen lassen.

Anonym hat gesagt…

Vorhin im MDR Radio gehypet: Keychange. Die wollen, dass Weiber oder Transen bessere Songs schreiben, damit sie im Musicbusiness besser repräsentiert sind. Nee war nur Quatsch, die wollen, dass Weiber und Transen im Musicbusiness besser repräsentiert werden OHNE dafür bessere Songs schreiben zu müssen und ohne sich wie Miley Taylor Beonzeh die Titten machen lassen zu müssen oder sich wie Madonna zum koreanischen Schoolboy umoperieren lassen zu müssen.

Zitat von der Website keychange.eu: „Supported by the Creative Europe Programme of the European Union,...“

genügt schon