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Das Erfolgsgeheimnis von "W", benannt nach dem EVP-Fraktionschef Manfred "We" Weber, wird die komplexe Datensicherheit sein. "Vertrau deinem Futter" ist das Motto der neuen Plattform. |
Er hatte die Idee zu Greta Thunberg, er strickte um die kleine Schwedin, die heute in Australien nicht einmal mehr ein Youtube-Video anschauen dürfte, ein eigenes soziales Netzwerk. und er es gelang ihm, mit seinem Unternehmen "We Don't Have Time" ein „soziales Netzwerk für alle, die Teil der Lösung der Klimakrise sein wollen“ zu gründen. Das zwar von niemandem genutzt wurde, aber per Kapitalerhöhung Geld einspielte.
Ein wegweisendes Netzwerk
Sechs Jahre später ist Ingmar Rentzhog mit der Netzwerksimulation "We don't have time" gescheitert. "The World's Largest Media Platform for Climate Action" (Eigenbeschreibung) erreicht auf der eigenen Internetseite kaum eine Handvoll Leser. Bei Youtube sind es unwesentlich mehr. Bei X hat das größte Klimanetzwerk ganze 53 Follower.
Höchste Zeit für etwas Neues, höchste Zeit, dass Ingmar Rentzhog der nächste große Wurf gelingt. Der schwedische Unternehmer ist es, der jetzt hinter "W" steht, dem neuen EU-X, das nicht mehr soziales Netzwerk für Umwelt- und Klimafragen sein will, sondern Europas sichere Antwort auf Elon Musks Kurznachrichtenplattform X, früher Twitter. Der Schwede, geübt im Umgang mit den gesellschaftlichen Stimmungen, die behördlich erwünscht sind, hat im vergangenen Jahr das Unternehmen W Social AB gegründet, eine Tochterfirma der gescheiterten Klimaplattform "We Don't Have Time".
Gescheiterte Klimaplattform
Die wird von der gleichnamigen Stiftung kontrolliert und zählt nach eigenen Angaben mehr als 750 Investoren aus rund 15 Ländern. Doch auch fast ein Jahrzehnt nach ihrem Start und trotz angeblich so namhafter Partner wie dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP), der Naturschutzorganisation WWF, Ikea, Scania und Ericsson kommt der gesamte Laden nur auf einen einstelligen Millionenumsatz. Rentzhog weiß: Das wird nichts mehr. Ein Neustart muss her.
Neuer Name. Neue Aufgabe. Wie hoch angebunden die Alternative zur verhassten Plattform des verhassten südafrikanischen Milliardärs ist, zeigt schon der Umstand, dass W nicht irgendwo vorgestelt wurde. Sondern beim Weltwirtschaftstreffen in Davos. Die erste öffentliche Präsentation fand auf einem offiziellen Podium des Klassentreffens der weltweiten Funktionselite statt. Ein Signal dafür, was sich die EU-Kommission, die eingeschworenen Feinde des Missbrauchs der Meinungsfreiheit und die Freunde streng kontrollierter Äußerungen vom neuen Mitspieler auf der Debattenbühne erhoffen.
Ein halbes Hundert EU-Parlamentarier hatten die europäische X-Alternative gefordert. Das schwedische Klima-Propaganda-Unternehmen nahm sich des Wunsches an. Unter Leitung namentlich noch nicht bekannter Polit-Prominenter, mehrere ehemalige Minister, soll W zeigen, dass Europa saubere Meinungsfreiheit kann, digital-service-sicher und unter vollständiger Wahrung der von Gesetzen begrenzten Grundrechte.
Das nagelneue Mastodon
"Wenn wir die sozialen Medien nicht moderieren, verlieren wir die totale Kontrolle", hatte die frühere demokratische US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton schon vor einiger Zeit deutlich gemacht, weshalb eine formatierte Gesellschaft eine gepflegte Meinungslandschaft braucht. Bisher scheiterte der Versuch, sie aufzubauen, allerdings immer wieder an den individualistischen Anwandlungen der Masse. Ohne allgemeine Teilnahmepflicht verfehlten die vorgesehenen Alternativen die kritische Nutzermasse.
Um diese Hürde zu überwinden, ist für W ein Zwangsumzug vorgesehen. Die gesamte X-Datenbank wird danach am Ende des bereits eingeleiteten EU-Strafverfahrens gegen die Musk-Firma komplett von W übernommen. Der entsprechende Beschluss der EU-Kommission steht, er sieht auch einen zwischengeschalteten Abgleich mit den Daten der Meldeämter vor der Übertragung vor. Die Richtlinie Verification of Say (VoS) (EU/2025/20826) zur Änderung der Richtlinien 2009/102/EG muss noch durchs EU-Parlament. Das aber gilt als Formsache.
Getauft nach W wie Weber
W soll nun endlich werden, was Mastodon, EU Voice und Bluesky schon waren. Ein Ort, an dem unter strengen Auflagen kontrolliert debattiert wird. Nicht jeder soll hier alles sagen können. Nicht alle sollen dabeisein dürfen. Die Europäische Kommission möchte mit W, so getauft nach Manfred "We" Weber, dem Chef der Fraktion der Europäischen Volkspartei im EU-Parlament, ein Umfeld fördern, in dem Nutzer lieber dreimal überlegen, was sie sagen, ehe sie mit einem Satz, einen Meme oder einer unbedachten Bemerkung den Hausbesuch eines Erziehungskommandos provozieren.
Der Name "W", dient zugleich als Abkürzung für "We" (deutsch: WIR). Gesprochen werden soll die Bezeichnung wie das Englische "Dabbelju": Die beiden U im W stehe dabei für "Values", also Werte, und "Verified", die amtliche Bestätigung aller Posts. W soll kein Hetzwerk werden, sondern ein Wertewerk.
Um die Verlässlichkeit der Plattforms zu garatieren, haben sich Rentzhog und sein Team eine Reihe von Sicherheitseinstellungen ausgedacht. W soll nicht wie X frei zugänglich sein, um die Verbreitung illegaler Inhalte einzudämmen. Die Anmeldung bei der speziellen Online-Plattform wird stattdessen ausschließlich für diejenigen Nutzer ermöglicht, die sich beim der jeweiligen nationalen Onlinesicherheitsbehörde persönlich vorstellen. In Brüssel heißt es dazu, der gesmate Aufbau folge dem Prinzip "who has nothing to hide has nothing to fear". Wer nichs zu verbergen habe, habe auch nichts zu befürchten.
Misstrauen ist angebracht
In der Beta-Testphase, die im Februar startet, wird das Mitmachen noch freiwillig sein. Die Beantragung eines sogenannten Bürger*innen-Accounts muss persönlich erfolgen, im Zuge der Behördendigitalisierung und des von der EU-Kommission zugesagten Bürokratieabbaus ist jedoch eine Beantragung eines Vorstellungstermins online möglich.
In Deutschland ist dafür das Bundesblogampelamt (BBAA) im mecklenburgischen Warin zuständig, das als nachgeordnete Dienststelle der Bundesnetzagentur (BNA) tätig wird. Mitgebracht werden müssen Geburtsurkunde, Lebenslauf, polizeiliches Führungszeugnis und zwei Empfehlungen bereits angemeldeter Bürgen. Notwendig sei zudem die Vorlage von 14 Beispielsposts, die in Stil und Zielrichtung denen entsprechen müssen, die der W-Nutzer künftig verfassen will.
Unbürokratische Freischaltung
Die Freischaltung soll dann unbürokratisch erfolgen, sobald der Backgroundcheck erfolgt und die Freigabe der Sicherheitsbehörden erteilt sei, heißt es im Aufbaustab. Warum ist das so wichtig? Online-Plattformen wie W sind starke Innovationstreiber und durch ihre strikt europäische Orientierung spielen sie eine wichtige Rolle in Europas künftiger digitaler Gesellschaft.
Leider haben Beispiele wie das wild wuchernde X und auch das nur zeitweise verlässlich geführte Facebook gezeigt, dass ein Übermaß an Freiheit zu deren Missbrauch führt. Theoretisch decken Plattformen dann ein breites Spektrum an Aktivitäten ab. Praktisch aber tendieren sie dazu, über die gesetzlichen Leitplanken hinaus zu schwappen.
Daraus resultieren Gefahren für die Gesellschaft, die die EU-Kommission bisher mit Vorabwarnungen und empfindlichen Strafen bei Zuwiderhandlungen zu vermindern versucht. Im Kräftemessen mit der US-Administration hatte Europa aber zuletzt seine Besten opfern müssen: Thierry Breton, ein leidenschaftlicher Vorkämpfer für eine auf Fasson zurückgeschnittene Meinungsfrisur, verlor seinen Posten als Vormund für 440 Millionen Menschen.
Europa braucht ein WeChat
Angesichts der amerikanischen Drohungen, Einschränklungen der Redefreiheit durch EU-Richtlinien wie den Digital Service Act nicht mehr hinzunehmen, trennte sich Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen lieber von ihrem Binnenmarktkommissar als auf Druck der Amerikaner von ihrem Posten getrennt zu werden. Spätestens in diesem Moment war klar, dass die EU wie China mit WeChat und Russland mit VKontakte eine Alternative braucht, mit der sich Bürgerbeteiligung an der Gesellschaft verbessern, die Verbeitung von Hetze, Hass, Zweifeln und Desinformation aber vorbeugend verhindern lässt.
W wird deshalb nicht nur strenge Zugangsbedingungen haben - so soll etwa der Ort, von dem aus gepostet wird, automatisch mit der im jeweiligen Meldeamt hinterlegten Adresse abgeglichen werden. Es wird darüberhinaus auch automatisierte Faktenchecks aller Einträge geben. Wo heute noch Trusted Flagger im Nachhinein tätig werden müssen, wird W die Rechenkapazität der EU-KI-Fabriken nutzen, um Posts im laufenden Betrieb und fast in Echtzeit auf Übereinstimmung mit der Tageswahrheit zu prüfen.
Innovative neue Funktion
Eine solche Funktion haben andere soziale Netzwerke bislang nicht vorzuweisen. Europas erste eigene Online-Plattforme weist damit ein wichtiges Merkmal auf, das die Nutzerfahrung sicherer iund die neuartige Informations- und Kommunikationstechnologie zu einer sprudeknden Quelle verlässlicher Daten. Der Ansatz der Europäischen Kommission, ein vertrauensvolles, rechtmäßige und innovationsorientiertes Umfeld für erlaubte Meinungsäußerungen in der EU zu fördern, trägt damit Früchte.
Erstmals gibt es die Chance, verantwortungsvolles Verhaltens von Online-Plattformen zum Schutz der Grundwerte zu gewährleisten, das Vertrauen zu fördern und Diskussionen von Amts wegen diskriminierungsfrei zu halten. W wird nicht nur mit X konkurrieren, sondern auch die Tür öffnen für eine umfassende Klarnamenpflicht im gesamten Netz. Die sollte bisher durch den Ausschluss von Unter-16-Jährigen aus dem Internet durchgesetzt werden, wird nun aber durch die Zwangsanmeldung aller EU-Europäer bei W sichergestellt.
Von Anfang an Millionen Nutzer
Die komplett in Europa entwickelte Alternative zu X startet damit mit einem großen Vorteil. Vor dem Hintergrund wachsender politischer, regulatorischer und technologischer Spannungen zwischen der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten hat die Plattform sofort 440 Millionen über Pass, Geburtsurlunde und Meldeanschrift identifizierte Nutzer*innen, die den Behörden kbekannt sind. Eine koordinierte Manipulation von Stimmungsbildern durch die unkontrollierte Äußerung eigener Ansichten ist daher auf dem in Europa gehosteten, identitätsgeprüften Netzwerk nicht möglich.
Der scharfe Start des öffentlichen Beta-Tests von W, vorerst für Institutionen, Aktivisten und Politiker der demokratischen Mitte, ist für Februar vorgesehen. Sobald Elon Musks X das wegen der Transparenzverstöße nach dem EU-Gesetz über digitale Dienste verhängte Bußgeld in Höhe von 120 Millionen Euro Bußgeld gezahlt habe, sollen dann größere Server-Kapazitäten angemeldet werden, um möglichst schnell allen Bürgerinnen und Bürgern eine niedrigschwellige engagierte Zustimmung zu den neuen Beschlüssen von EU-Kommission, EU-Rat und nationalen Regierungen zu ermöglichen.
Falschnachrichten im Umlauf
Nicht zutreffend, heißt es aus dem Aufbaustab, sei die Behauptung, die EU finanziere die Aufnahme des Wirkbetriebes von W mit 500 Millionen Euro. Auch sei nicht vorgesehen, dass jeder Nutzer einmal am Tag persönlich eine Ergebenheitsadresse an Ursula von der Leyen formulieren müsse. W werde vielmehr eine hochmoderne KI bekommen, der jeder das Verfassen dieses sogenannte MorgengeWets als Dauerprompt auftragen könne.


1 Kommentar:
Jeder außerhalb der Kreise der direkten Profiteure wird da Abstand halten als wäre es radioaktiv.
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