Samstag, 20. März 2021

Wegen Stern:_*in: PPQ-Kolumnistin unter Feuer

Seit PPQ-Kolumnistin Svenja Prantl in ihren Texten mit Gernderstern*innen arbeitet, sind viele rückwärtsgewandte Lesende voller Groll.

Sie hat es selbst lange abgelehnt, fühlte sich eigentlich immer mitgemeint, wie sie sagt. Wenn in Medien von Schülern, Kapitalisten, Spekulanten oder Soldaten die Rede war, glaubte PPQ-Kolumnistin Svenja Prantl nie, dass es nur um Männer gehen könnte. "Frauen sind all das auch", sagt sie, "und so wie der Postbote eine Postbotin sein kann, kann das auch jeder andere Berufsausübende." Prantl, aufgewachsen in einer eher fortschrittlichen Haushalt im westdeutschen Wendtland, in dem schon Anfang der 90er Jahre stolz mit Holz aus eigener Ernte geheizt wurde, verweigerte sich dem neuen Brauch aus den Bionadeadelviertel strikt. "Ich spreche keine Sterne", sagte sie, "und also werde ich auch keine schreiben."

Ein Irrtum aus dem Inneren 

Ein Schwur, der nun gebrochen ist. Nachdem mit der ZDF-Moderatorin Petra Gerster eine weitere Gallionsfigur der Gemeinsinnsender beschlossen hat, dem Beispiel von Anne Will und anderen KollegInnen zu folgen und das Gendersternin als deutliche Pause in ihre Moderationen einzubauen, hat ein Umdenken bei Prantl eingesetzt. "Als ich hörte, dass Gerster daraufhin viele wütende Nachrichten bekommen hat, bin ich schon ein wenig neidisch geworden", sagt sie. Fakt sei ja leider, dass Sprachanweisungen von oben, die von Prominenten als Pioniere exekutiert werden, nur den ersten, die mitmachen, einen gewissen Bekanntheitszuwachs bringen. "Fängst du als 30. damit an, interessiert das keinen Menschen mehr", konstatiert die meinungsstarke Autorin traurig.

Prantl hat ihre Schlüsse gezogen. "Was nützt es denn noch, wenn man damit anfängt, wenn es alle tun?", fragt sie. Nicht einmal dunkeldeutsche Hass-Sachsen locke es noch hinterm Ölofen vor, wenn auf Fernsehsendern, die man sowieso nie einschalte, in einer geschlechtersensiblen Fantasiesprache gesprochen werden. Svenja Prantl, knappen Shirt, langes Haar und selbstbewusste Vertreterin in eigener Sache, will nicht abgehängt werden, nicht im Bummelzug den Trends hinterherfahren und die neue Sprache der woken Weltmenschen erst in ihren Texten verwenden, wenn jeder das für vollkommen normal hält. "Wenn ich jetzt mit dem Gendern beginne, habe ich noch die Chance, damit Aufmerksamkeit zu erregen", beschreibt sie ihre Strategie, "die Umsetzung dagegen ist wirklich nur eine Gewöhnungsfrage“. 

Der Wille zur Wokeness

Im Augenblick feilt sie zwar noch an der genauen Ausgestaltung ihrer eigenen Genderei, wie sie es pragmatisch nennt. Es gehe um die Frage, ob sie Sterninnen oder Doppelpunktinnen verwenden werde. „Die Mehrheit der Lesenden lehnt beides ab“, sagt Svenja Prantl. Schon nach ihren ersten öffentlichen Ankündigungen, das Deutsch von morgen heute schon nutzen zu wollen, „bekam ich viel Lesendenpost und ich musste viele Fragen beantworten.“ Mehrere Schreibende hätten ihr sogar angedroht, künftige Texte nicht mehr zu lesen, wenn sie Asterixe, Unterstriche oder andere sogenannte Frauenmarkierungen enthielten."Einer schrieb, er halte das für diskriminierend, da ein Fantasiewort wie "Politiker*innen" aus seiner Sicht weder Frauen noch Männer meinen könnte, weil es nach den Regeln der deutschen Sprache und den Vorgaben der Rechtschreibreform von 1996 überhaupt nicht existiere."

Hier sei wohl die Kultusministerkonferenz gefragt, meint die junge Wortartistin, die ihre ersten Gehversuche bei slam poetry-Vorlesungen in Dunkeldeutschland unternahm und auch dort "stets gegen das Vorurteil ankämpfen musste, dass halbenglischsprachige Großstadtpoesie nichts für die Provinz sei", wie sie sagt. Mit harter Arbeit und einer leidenschaftlichen Performance gelang es ihr damals, die Skeptiker zu überzeugen - ob es allerdings diesmal so einfach sein wird, daran hat die digitale Nomadin ihre Zweifel. Die Spaltung der Gesellschaft entlang des Buchstabengrabens, sagt sie, sei heute deutlich tiefer, breiter und unüberbrückbarer geworden. "Wir brauchen sehr lange Bohrer*innen, um diese sehr dicken Bretter*innen zu durchdringen", zeigt sie sich entschlossen, nicht  nachzulassen, bis es geschafft ist. "Und ich freue mich heute schon auf den Tag*in, an dem wir alle um ein Feuer*in sitzen, das mit heißen Flamm*innen für alle Mensch*innen gleichermaßen brennt."


Kommentare:

Der lachende Mann hat gesagt…

Das Bild zeigt doch gar nicht Svenja Prantl. Vielleicht handelt auch der Text nicht von ihr?

Anonym hat gesagt…

Dann lese ich die Texte nicht mehr, danngucke ich mir nur noch die Fotos an.

ppq hat gesagt…

natürlich ist das svenja!!!

Anonym hat gesagt…

Der sogenannte Gender-Stern "*" gehört derzeit nicht in den Zeichensatz der deutschen Orthografie.
In den Schulen ist er da wohl als Fehler anzustreichen.
Das hat er (der Stern) mit einigen typografischen Zeichen gemeinsam:
wie etwa das Paragrafen-Zeichen oder das Prozent-Zeichen.
Der Rechtschreib-Rat wird 2022 zusammenkommen, und wohl auf der Agenda haben, was Bestand der Zeichensetzung sein wird und was nicht. Dann wird man das "*" wohl in diese Kategorie packen.
Davor wird es noch eine ganz packende Auseinandersetzung in den Kulturredaktionen des Landes kommen, sind die doch mit Germanisten gut bestückt.
Buscher

Anonym hat gesagt…

Tja Svenja, du kannst natürlich dicke Bretter bohren, aber vielleicht ist es origineller einen Zombiefilm mit dem Titel "Die toten Radfahrenden" zu drehen.
Ich hab gar nicht gemerkt, dass Svenja gendert. Es gibt da nämlich schon Add-On gegen:
Binnen-I be gone.
Frohes gendern allerseits!

Brandlöscher hat gesagt…

Ihr Gesicht mag sie linkisch gegendert haben, ihre beiden außenliegenden Lungenflügel jedoch sehen noch bröselig oginool aus.

Hat der Fotograf einen Flusenfilter benutzt, oder was sind das für helle Hautflecken? Beginnt sie etwa ausgerechnet jetzt, wo Melatonin in der BlackLivesMatter-Aera zur Überlebensgarantie wird, unter Vitiligo zu leiden?

Naja, als Entsafterin der massenweise importierten Ficki-Ficki-Fachkräfte (FFF) mag sie noch eine feuchtfröhliche Karriere vor sich haben. Schließlich haben die Bereicherer ihre eigenen ja daheim in Krieg und Elend zurück gelassen, um hier unbelastet unsere Renten zu erarbeiten.

Nur Mut, Svenja, denn es wird trotz Lockdown hot werden im Corona-Kühlschrank Dschörmoney. Grenzenloser Verkehr kann auch ohne Auto klappen, wenn die Bio-Motorik stimmt. Dabei kann die engagierte Frauenbewegung prima helfen, besonders die rhythmische. Trotz aller neuen Leckereien bleibt der alte Hunger. Einige verschlingen gerne Würstchen, andere einverleiben sich lieber Gurken. Wir haben für alles und jeden Platz.

Lasst jucken, Kumpel*innen.

Die Anmerkung hat gesagt…

>> Hat der Fotograf einen Flusenfilter benutzt, oder was sind das für helle Hautflecken?

So sahen Papierabzüge früher nach einiger Zeit aus, wenn sie nciht korrekt entwickelt worden waren.

Und so sehen sie heute aus, wenn man sie digitalisiert und zu faul ist, die Schönfärbrei in als Nacharbeit zu bewältigen.

ppq hat gesagt…

das ist ein selfie, sagt sie und der spiegel war nicht geputzt