Dienstag, 1. Februar 2022

Olaf Scholz' Impfversprechen: Halbe Miete

Das erste Mal ging episch schief, beim zweiten Mal setzte Bundeskanzler Olaf Scholz dann auf die Solidarität der Medien, die ihn nicht enttäuschten. Obwohl der neue Mann an der Regierungsspitze schon nach kaum vier Wochen eigentlich hätte einräumen müssen, dass sein Ende November verkündetes Ziel von 30 Millionen gesetzten Spritzen bis Weihnachten auch zu Silvester noch in weiter Ferne war, ging die mit viel kreativer Zahlenzauberei Erfolgsmeldung überall glatt durch. Die "Tagesschau", ein steter Quell aufmunternder Nachrichten, verkündete "Impfziel erreicht", der "Spiegel" assistierte, auch der Bayrische Rundfunk zählte nach und war zufrieden und der "Stern" ließ sich nicht lumpen und feierte mit.

Das wundersame Boosterwunder

Wenige Stimmen nur hatten zu meckern, weil die zahlen die Nachricht nicht hergaben. Das "Boosterwunder" aber klang einfach zu gut, ein Leugner, wer da nicht mitritt, vier Monate nach dem großen Erfolg der EU-Kommission, die ihr Impfziel gleich zwei- oder sogar dreimal erreicht oder auch nicht erreicht, aber und immer gute Presse bekommen hatte.

Kaum war Olaf Scholz, im März 2021 sang- und klanglos mit einem ersten Versuch der Immunisierung durch die Ausgabe von Zielen gescheitert, erneut nicht dort angekommen, wo er hingelangen hatte wollen, gab es schon die nächste klippundklare Zusage: "Weitere 30 Millionen Impfungen bis Ende Januar" seien der neue Plan, ließ der Sozialdemokrat seinen Krisenstabchef Carsten Breuer verkünden, als seien die ersten 30 Millionen tatsächlich Realität geworden.

Marslandung der ESA

Das aber waren sie erst ganze 19 Tage später. Für die zweiten 30 Millionen blieben da ganze 12 Tage, Deutschland hätte mit 2,5 Millionen Menschen am Tag doppelt so viele "Impflinge" (DPA) "piksen" (DPA) müssen wie auf Höhepunkt der ersten Impfkampagne 2021. Angesichts der Fortschrittszahlen des des Impfdashboards der Bundesregierung  ähnlich wahrscheinlich wie eine Marsmission der ESA im Sommer 2022 oder eine deutsche Fußballmeisterschaft der Retortenelf von Greuther Fürth noch in dieser Saison.

Am Tag der Abrechnung ist es die Hälfte geworden, solidarisch gerechnet. Mal gelangen an einem Tag 37.000 Impfungen, mal 600.000, mach nur 350.000. Nie aber auch nur annähernd viele, um dem ausgegebenen Ziel nahezukommen, 80 Prozent aller Erwachsenen bis Ende Januar geimpft zu haben. Stand heute sind es 73,9 Prozent. Verglichen mit dem Tag der ersten Scholz-Ansage ist es gelungen, die Zahl der zweimal Geimpften um 2,5 Millionen von 59,5 Millionen auf 62 Millionen zu steigern. 

Ein enges Rennen

Es ist ein enges Rennen, denn im selben Zeitraum infizierten sich in Deutschland mehr als 3,4 Millionen Menschen mit dem Corona-Virus, von denen derzeit nur noch 531.000 als infiziert gelten. Gleichzeitig verschwanden und verschwinden weiterhin faktisch bis zu 20 Millionen Menschen aus der RKI-Statistik der vollständig Geimpften, weil sie zwar zwei Impfungen bekommen haben, aber keine dritte. Dass sie trotzdem weiterhin allesamt in der Gesamtstatistik der Impfungen geführt werden, hat vermutlich optische Gründe: Der Aufmunterung der Impfgemeinschaft kann nicht aus sinkenden Zahlen kommen, sie braucht Erfolge - und so wird wohl auch das dritte verfehlte Impfziel am Ende ein Erfolg gewesen sein müssen.


2 Kommentare:

Die Anmerkung hat gesagt…

Wir wären längst fertig mit der Spritzerei, wenn man das den Könnern der Logistikbranche überlassen hätte. 2 Einwegspritzen bei Aldi für alle. Alles wäre längst vorbei. Wer ALDI nicht mag, hätte zum LIDL gehen können.

Der Börsenwert der Corona-Schutzbekleidung (Spahn-Burka) ist rapide gefallen. Eine FFP2-Maske gibt es in der Grabbelkiste beim ALDI für 45 Cent. Beim Penny auch.

Anfang Januar, bei meiner Bevorratung für Teneriffa, lag der noch zwischen 80 Cent und 1 Euro. Was kommt da auf uns zu, was die Marketingstrategen der Großkonzerne schon wissen, wir aber nicht?

Anonym hat gesagt…

https://www.merkur.de/politik/soeder-corona-gipfel-lockerung-omikron-csu-rki-sport-kultur-stadion-mpk-muenchen-news-91270137.html
Söder:
...man in der „Omikron-Wand, die auf uns zukommt, eine Tür suchen, durch die man hindurchgehen kann in eine neue Zeit“.

Er meint natürlich, ...eine Tür suchen, durch die ich hindurchgehen kann in eine neue Amtszeit“.