Freitag, 2. Januar 2026

Unfehlbar: Der erste Fünfjahrplan

Der erste Fünfjahrplan
Der Sowjetmensch erduldete unter Stalin die härtesten Jahre beim Experiment, ein kommunistisches Himmelsreich auf Erden zu errichten.

Sozialismus als Lebensziel! Sozialismus als Vision für eine ganze Gesellschaft! Als hätte es die sozialistischen Experimente in Russland, China, der DDR, in Kuba, Nordkorea und Venezuela nicht gegeben. Nicht die Toten Stalins, die Maos, Castros und Ulbrichts. Der Kommunismus, seit seiner Entrückung in eine ferne Zukunft noch durch Lenin, einen der Vordenker der Ersatzreligion, zum "Sozialismus" gewandelt, ist nie da, aber immer dort. Je weniger er real ist, desto größer ist die Sehnsucht nach ihm, diesmal aber richtig.  

Der Sozialismus, eigentlich ein totes Pferd von Geburt an, versteht es dabei, immer wieder irgendwo anzudocken. Nach dem Zusammenbruch des real existierenden sozialistischen Weltsystems wurde er als einziger Ausweg aus einer Welt gehandelt, in der der Kapitalismus mangels Systemalternative nun durchregieren könne, inklusive der kompletten Verarmung aller Arbeiter und kleinen Angestellten.

"Alles allen bis alles Alles allen ist", forderten die Jünger von Greta Thunberg, Luisa Neubauer und Annalena Baerbock mit einer Logik, die darauf vertraut, dass kluges Teilen dafür sorgen kann, dass alles für alle reicht. Jesus, ein früher Kommunist, gilt hier als leuchtendes Vorbild: Der Gründer des anderen großen  Volksglaubens der Neuzeit fütterte mit einem Brot ganze Heerscharen. Warum also soll im kommenden Klimasozialismus nicht ein Brötchen für alle reichen?

Weil das Gegenteil erwiesen ist. 

Doch hartnäckig hält sich das Vorurteil, dass Eigentum Diebstahl ist, Besitz immer Betrug und Arbeit Unsinn überhaupt. Von dieser festen Überzeugung getrieben, wächst eine junge Generation heran, festentschlossen, aus dem "Wachstumswahnsinn" auszusteigen. Der Bäcker, der das Brötchen herstellt, das sie zu verteilen planen, wird natürlich weiterackern dürfen, jeden Morgen ab halb vier. Aber sein Backofen, sein Mehl, seine Ladentheke und seine Gewinne werden nicht ihm gehören, sondern allen: 

Den Brötchenessern, den Passanten, den Langschläfern und sogar den Leuten in der Nachbarstadt. Alles allen, bis jeder hat, so geht gerecht. "Wer Sozialismus negativ verwendet, hat halt einfach keine Ahnung, so", hat die frühere SPD-Vorsitzende Saskia Esken Kritikern entgegnet, die versuchten, den nächsten sozialistischen Menschenversuch schon vor seinem Start zu diskreditieren. 

"Das Ende des Staatssozialismus sowjetischer Prägung hat die Idee des demokratischen Sozialismus nicht widerlegt", heißt es im Hamburger Programm der Partei, die sich wegen ihrer jahrelangen Kuschelei mit dem diktatorischen SED-Regime in der DDR lange schamhaft krümmte, wenn es um einen neuen Anlauf zu einem Versuch ging, Millionen Menschen zu ihrem Glück zu zwingen. Die Schamfrist ist vorüber. Jetzt kann man wieder.

Die Jugendlichen, die fest daran glauben, dass der Bäcker weiterhin pünktlich in seiner Backstube stehen wird, damit sie anschließend etwas zu verteilen haben, sind mit hoher Wahrscheinlichkeit zur Schule gegangen, mit einer nur wenig geringeren sogar in eine weiterbildende Schule. Dort lehrte man sie offenbar nicht nur, "Alles" immer groß zu schreiben, sondern auch, nicht an die ökonomische Logik zu glauben, die fast jedem menschlichen Verhalten zugrundeliegt. 

Während des ersten Fünfjahresplans blieben die Bauernhöfe in der Ukraine hinter ihrer jährlichen Zielsetzung zurück. Das Politbüro hatte diese Ziele nicht aufgrund der Nachfrage, der Kapital- und Arbeitskosten des gebundenen Kapitals, der Betriebsausgaben oder sonstiger praktischer Erwägungen gesteckt.  

Seine Zielsetzung von 1927 orientierte sich ausschließlich an der Menge, die die Bauernhöfe nach seinem Dafürhalten produzieren mussten, um einhundertfünfzig Millionen Menschen die nächsten fünf Jahre zu ernähren. Es gab Zielreduktionsalgorithmen, statistische Wahrscheinlichkeiten, logische Annahmen. Der Plan war unfehlbar, der Triumph quälend langer Treffen der hellsten Wirtschaftsköpfe des Politbüros. Er musste nur noch ausgeführt werden.

Ein paar Dinge hatte die Partei allerdings nicht vorausgesehen, ungeachtet ihrer Weisheit und ihres Plans. Wie sich zeigte, waren die Menschen hungriger als angenommen. Sie benötigten mehr Weizen, Roggen, Kartoffeln, Milch. Bis 1928 war die Nachfrage in die Höhe geschossen. Im selben Jahr herrschte in der Ukraine eine schreckliche Hungersnot. 

 Ausbeuter und Volksfeinde

Der Vorrat ging zur Neige. Hinzu kam eine Typhus-Epidemie. Die Arbeitskraft nahm ab. Außerdem wurden Millionen Ukrainer mit großen, leistungsfähigen Bauernhöfen in Schutzhaft genommen, als Kulaks – Ausbeuter und Volksfeinde vor Gericht gestellt und erschossen und ihre Höfe anschließend unter staatliche Kontrolle gestellt. So sanken nicht nur weiterhin die Vorräte, sondern auch die Produktionsmittel, und die Höfe in der Agrarrepublik Kasachstan sahen sich außerstande, diesen Engpass auszugleichen. Die Preise stagnierten auf dem Niveau von 1927. So fing es an.

Um die Hungernden in den Industriestädten zu versorgen, kamen die Sowjeträte, bewaffnete Männer und Frauen mit Schießbefehl – und forderten die erwirtschafteten Nahrungsgüter der Bauern, ohne sie dafür zu entlohnen. In Zentralasien gab es kaum Widerstand. Doch in der Ukraine, aus der neunzig Prozent der Landwirtschaftserträge der Sowjetunion stammten, setzten sich die Bauern zur Wehr. Sie wurden erschossen, wodurch die Arbeitskraft weiter schwand.

So nahm es seinen Lauf.

Die neuen Kollektivhöfe konnten nicht genug erwirtschaften. Die Arbeiter bestellten die Felder von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Anschließend wurde die Ernte auf Lastwagen verladen und in die Städte gefahren, während den Bauernfamilien in der Ukraine – einer der fruchtbarsten Regionen der Welt – weder ein Einkommen noch Nahrung blieb. 

Allgemeine Überraschung 

Zur allgemeinen Überraschung arbeiteten die Bauern, die ihre Frauen verloren, ihre Eltern begraben und ihren Kindern beim Sterben zugesehen hatten, allmählich immer weniger. Sie wurden wegen Faulheit erschossen und die verbliebenen verwaisten Kinder umgehend zum Arbeiten in die sibirischen Kollektive geschickt, das heißt diejenigen, die den Transport in den Transitzügen überlebten.

Ungeachtet dieser kleinen Rückschläge setzte die Ukraine den Fünfjahresplan bis 1929, 1930 und 1931 fort. Während 1930 und 1931 die Ernte besser wurde, blieb die Lage der Bauern unverändert. Sie waren so weit mit den laut Plan geforderten Getreidelieferungen in Rückstand geraten, dass die Parteiapparatschiks ohne Unterlass sämtliche Erträge gewaltsam von den Höfen einforderten. Die Bauern taten das einzig Mögliche. Sie begannen zu stehlen. Dafür wurden sie erschossen, wodurch das menschliche Kapital weiter schrumpfte.

Das letzte Jahr des Plans 

Diejenigen, die der Hungersnot von 1933 – das letzte und schlimmste Jahr des ersten Plans – noch nicht zum Opfer gefallen waren, hatten schließlich genug. In einem Akt sinnlosen Protests schlachteten sie ihr Vieh, bevor es ihnen weggenommen werden konnte, und aßen die Reste auf den Straßen ihrer Dörfer. Sie zündeten eigenhändig ihre Kollektive, Fuhrwerke und Hütten an und brannten die Felder ab, die sie nicht länger bestellen wollten.

Quer durch die Ukraine wurden die Arbeiter auf den Straßen gehängt, in der Öffentlichkeit erschossen oder gemeinsam mit ihrem Vieh verbrannt. Silage, Pflanzgut, Inventar und Getreide wurden konfisziert, sämtliche Eisenbahnschienen und Straßen von der Roten Armee und der Staatspolizei OGPU gesperrt. Die Arbeitskraft – das gebundene Kapital – konnte bei zehntausend Exekutionen pro Woche nicht mehr gesichert werden. Durch Hunger und Krankheit stieg die Zahl der Toten allein in der Ukraine zwischen 1932 und 1933 auf mehrere Millionen an. 

Genosse Stalin gelobte, es beim nächsten Fünfjahresplan besser zu machen.

Der verbesserte Fünfjahresplan

Beim zweiten Fünfjahresplan von 1933 bis 1938 setzte das Politbüro das Produktionssoll etwas niedriger und die Preise etwas höher an. Ungeduldig wartete man die Dürre von 1933 und die staatlich geförderte Hungersnot von 1933 und 1934 ab. Doch 1934 hatte Stalin genug. Als ihn ein Brief des Schriftstellers und Nobelpreisträgers Michail Scholochow erreichte, in dem er, der Große Führer und Lehrer, beschuldigt wurde, die Landschaft der Ukraine zu zerstören und ihre Bevölkerung verhungern zu lassen, antwortete er postwendend: Nein, Genosse Scholochow. Sie lassen mich verhungern.

Wiederaufbau und Industrialisierung des Landes schritten eilig voran. Aber Stalin erkannte, dass Arbeitskräfte – der teuerste Teil der Produktion – in den nächsten paar Jahren nur sehr schwer zu beschaffen sein würden, aus Gründen, für die er seiner Ansicht nach überhaupt nichts konnte. Glücklicherweise hatte er in den Zwanzigerjahren einen Plan ersonnen, der die anfänglichen Probleme des noch jungen Staates lösen sollte. In den Dreißigerjahren baute er dieses Lösungskonzept aus. Ein organisiertes System aus staatlichen Arbeitslagern.

Staatliche Bauernhöfe 

Ein organisiertes System aus staatlichen Bauernhöfen. Wider jede Vernunft starben die ukrainischen Bauern lieber den Hungertod, ließen sich aufhängen oder erschießen, als ihr Getreide, ihr Vieh oder ihre Höfe aufzugeben. Der Reichtum des Landes und damit die Zukunft der Sowjetunion ruhte in den Händen der ukrainischen Bauern.

Stalin, plötzlich Verfechter des freien Willens, änderte seine Taktik. Er ließ den Bauern in der Sowjetunion die Wahl: Entweder arbeiteten sie auf den Höfen des Kollektivs oder im Gulag. Diese Umwandlung der Sozialstruktur eines so riesigen Landes erforderte die massive Mithilfe von ganz unten.

Hilfe gegen Bezahlung 

Und so heuerte die GPU Leute an, die sie gegen Bezahlung unterstützen sollten. Junge Männer, Frauen und Kinder, die die richtige Einstellung und Bereitschaft für diese Art der Arbeit mitbrachten, standen vom Morgengrauen bis in die Nacht hinein mit Gewehren auf den Feldern und sorgten dafür, dass die Bauern sich auch weiterhin gern in den freiwilligen Kollektiven abplagten und keine Diebstähle begingen.

Diese Leute nannte man Säuberer.


12 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Artikel über Stalins ersten Fünfjahrplan (Google und besteht auf 'Fünfjahresplan') gibt es in 20 Sprachen, aber nicht auf Deutsch. Ist auch gut so, das könnte ja instrumentalisiert werden.

Anonym hat gesagt…

Wie war nochmal der Geburtsname von Lenins Mutter? Na?

Anonym hat gesagt…

Na?

Anonym hat gesagt…

Lenin hat die Pogrome beendet, über Stalin wurde hingegen berichtet, sein Ableben habe einigen jüdischen Leibärzten das Leben gerettet. M.a.W. der Geburtsname der Mutter ist nur von statistischem Wert.

Anonym hat gesagt…

Danke, super Zusammenfassung! Dies in Relation des heute Geschehenen mal betrachten! So sehr die Russen heute richtig liegen, so sehr lagen sie damals falsch.
Ich las noch Nichts über eine Entschuldigung dahingehend.
Ach so, der Stalin, der war ja garkein Russe! Er war Georgier!
Wieviele Schmerzen bereitete es ihm sowohl ukrainische als auch russische Dörfer (ab 1941) zu vernichten und die Verantwortung Anderen in die Schuhe zu schieben?
Garkeine, ganz im Gegenteil!
Und sein Wirken von der Nachwelt, zumindest derjenigen, die sich dazu hochoffiziell zu positionieren hat, bis heute nicht entlarvt!
Das wäre der erste Schritt, bevor alles Andere folgt
Und da wird so viel folgen, dass uns allen schwindelig dabei werden wird - versprochen!


btw.
Der Name der Mutter, jetzt mal Butter bei die Fische!

Anonym hat gesagt…

Nachtrag: Warum wird ujns schwindelig?
Schlicht, weil erstmals Fakten gedeckelt von militärischer Strategie und Logik den Platz einnehmen werden.
Und dann kommt noch ein Punkt, den Niemand auf der Pfanne hat.
Die Atttentäter rund um Stauffenberg, die sind der stalinistischen Lüge auch aufgesessen!
Stauffenberg und Co. waren keine Bolschewisten oder Kommunisten.
Es waren Vertreter der BÜRGERLICHEN RECHTEN und des traditionell militärisch engagierten Adels.
Der Grund des Versuches des Attentates, ruhte auf den stalinistischen Märchen über die Vorkommnisse an der Ostfront. Damit wollte sich das traditionelle Militär freiliich nicht "schmücken", und das vollkommen zurecht.
Genauso wie Lenin ein "Agent" des Deutschen Reiches war, mit der Zielsetzung der inneren Zersetzung des Feindes (das zaristische Russland), was mit dem Teilfrieden von Brest Litowsk belegt ist, wodurch die Ostfront für das Deutsche Reich beendet wurde, sollte Stauffenberg als (im Zweifel unfreiwilliger) Agent Sowjetrusslands, ebenda im WKII eine Beendigung der Kampfhandlungen für die Sowjetunion erzielen.
Und wie machte das Stalin?
Er erschoss oder verbrannte Russen in Scheunen und schob es der Wehrmacht als Verursacher zu.
Militärisch aus Deutscher SIcht vollkommen absurd, weshalb Stauffenberg und Konsorten nachvollziehbar der Kamm schwoll!
Hinsichtlich dessen, was Stalin auf dem Kerbholz hat (aktueller Konflikt Donbass) ist in den Geschichtbüchern heute genau GAR NICHTS nachzulesen!
Warum nicht?
Weil er das Geschichtsbuch diktierte.
Und die Deutschen Länder Schlesein Pommern Ostpreussen sowie die freie Stadt Danzig, Bezahlung für die Polen und dem sowjetischen Raub Ostpolens.
Die Geschichtsaufarbeitung in Bezug auf Stalin, den Menscheitsverbrecher Stalin, hat noch gar nicht begonnen!
Und wer muss damit beginnen?
Die Russen, die sich endlich die Scheuklappen abnehmen müssen und erkennen sollten, dass es sich bei dem Georgier Stalin um klaren eindeutigen Feind, aber keinesfall Freund Russlands handelte!

Anonym hat gesagt…

Nach Alledem, was Du sehr eindrucksvoll beschreibst, kann man auch nachvollziehen, dass in den Augen der Ukrainer, die Deutsche Wehrmacht 1941 als Befreier wahrgenommen wurde.
Logisch, dass das auch Keiner der Sieger, ins Geschichtsbuch übernehmen wollte! Aber die Wahrheit bahnt sich erkennbar irgendwann selbst den Weg!

Anonym hat gesagt…

Blank, wahrscheinlich ne jidische Putze.

Anonym hat gesagt…

... der Geburtsname der Mutter ist nur von statistischem Wert ...
Mitnichten - der sagt einiges über seine Ethnie aus, oftmalen alles ...

Anonym hat gesagt…

Das Kommentarwesen, es entwickelt sich ...

Anonym hat gesagt…

Die fragwürdige Rolle der Wissenschaften in diesem Zusammenhang kann man unter dem Schlagwort "Lyssenkoismus" nachlesen. Auch hier tun sich zahlreiche Parallelen zur heutigen Zeit auf.

Anonym hat gesagt…

Laut "Schwarzbuch des Kommunismus" haben rotchinesische Wissenschaftler um 1960 festgestellt, dass der Chinese einen einzigartigen Stoffwechsel hat: Er kommt völlig ohne Proteine in der Nahrung aus. Kein Witz jetzt. Mir war so, als hätte ich so was schon mal als Knäblein gelesen (deschavüh), bei Alan Winnington - von dem Alphachamber eine sehr, sehr geringe Meinung hat ...