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| Der nimmermüde Kämpfer eilt aufs nächste Schlachtfeld. |
Einmal noch wird er da stehen, im Studio in Köln. Die Miene ernst, die Wangen leicht unrasiert, der Blick fokussiert auf die Übel der Welt. Eine letzte Sendung noch, um das Schicksal der Menschheit zu wenden. Einige wenige Ansagen, tiefgründig, ernst, auf die gerade geltenden Fakten konzentriert. Georg Reste, eines der bekanntesten Gesichter der formierten Medienrepublik, steht vor dem Abschied.
Schon in der kommenden Woche wird Georg Restle zum letzten Mal das ARD-Politmagazin "Monitor" moderieren, das sein Baby war, sein Schaufenster, der Kraftquell seiner öffentlich-rechtlichen Bedeutung. Acht Wochen Urlaub sollen folgen. Dann zieht es den beharrlichen Aufdecker der Verbrechen von Faschisten, Rechtsextremisten, Liberalen und Konservativen weiter. Afrika soll es sein. Kenia, das gelobte erneuerbare Land, in dem schon Olaf Scholz nachhaltigen Strom fließen sah.
Sein Zelt in Nairobi
Sein Zelt wird der 60-Jährige in Nairobi aufschlagen, wo er die Leitung des "crossmedialen ARD-Studios" (ARD) übernehmen wird. Er wolle die Berichterstattung aus afrikanischen Ländern in der ARD stärken und die Themen aus diesem großen Berichterstattungsgebiet einem deutschen Publikum näherbringen, hat Restle kollegial bereits vor Dienstantritt auf schwere Versäumnisse seiner Vorgängerin Antje Diekhans hingewiesen.
Bis heute wissen die meisten Deutschen deshalb nicht, dass zwei von zehn Schnittblumen, die sie ihren Frauen schenken, aus dem Land am Fluss Tana stammen. Ist das nachhaltig? Ist das ökologisch? Wer steckt hitler den langen Transportwegen? Warum exportiert Kenia im Unterschied zu Deutschland noch immer Erdöl, obwohl die ARD, der Deutschlandfunk, das ZDF und sämtliche Nachrichtenagenturen die Erbdemokratie von Staatspräsident Uhuru Kenyatta doch schon vor drei Jahren zum "Klimachampion" (ZDF) ernennt hatten?
Ein selbstgemaltes Bild der Realität
Es wird spannend. Daheim in Deutschland hatte Georg Restle es in den 14 Jahren seines Wirkens bei "Monitor" geschafft, seinen Zuschauern zuverlässig das Bild einer Realität zu malen, das mit der Wirklichkeit nichts zu tun hatte. Restle zeichnete sich durch Wendigkeit aus, die von keiner Scham gefesselt wurde. Er war ein Profi im Geschäft mit der Besserwisserei, der Fehler im "Vorwärtsschreiten" (Erich Honecker) ausmerzte. Keine Reue, nichts bereuen.
Das Chamäleon der flotten Meinungswechsel warf dem anerkannten amerikanischen Friedenspräsidenten Joe Biden vor, "im Siegesrausch des Kalten Krieges russische Interessen immer wieder ignoriert" (Restle) zu haben. Biden pflege verbotene Verbindungen zu "Falken", der Rüstungsindustrie und Waffenexporteuren, prangerte Restle an, der von 2010 bis 2012 zwei Jahre als Korrespondent in Moskau verbracht hatte. Später wechselte er seine aufrechte Haltung und seine Kritik von denen, die "im friedliebenden Russland nur ein Feindbild" hatten sehen wollen, auf diejenigen, die das nicht getan hatten.Auf dem schnellen Pferd des Zeitgeistes
Ein Paniktrompeter, der das schnelle Pferd des Zeitgeistes ritt. Wie die Karikatur früherer "Monitor"-Chefs wie Klaus Bresser, Gerd Ruge und Klaus Bednarz ging es Restle nie darum, zu sagen, was ist, sondern ausschließlich darum, festzulegen, was sein durfte. Der studierte Jurist verstand sich nicht als Journalist. Er war stets Aktivist.
Der Mann aus Esslingen am Neckar verteidigte die "palästinensische" Sache und beschrieb die Hamas als missverstandene Friedensbewegung. Er nutzte die Corona-Pandemie, um seine radikale Zero-Covid-Haltung auszustellen. Er war ein eifriger Verfechter der Klimapolitik, ohne danach zu fragen, was der Energieausstieg für Menschen ohne ÖRR-Redaktionsleitergehalt bedeutet.
Bei jeder Gelegenheit musste das Fernsehstudio als Bühne seiner eigenen moralischen Überlegenheit herhalten. Wann immer es passte, oder auch nicht, wetterte und wütete die "männliche Anja Reschke", wie Kolleg*innen zuweilen scherzen, über rückwärtsgewandtes Denken und Meinungen, die ihm nicht in die Zeit passen.
Lautsprecher des selbstverliebten Eifers
Restle war ein Pionier mit seiner unbedingten Haltung, die Unterordnung aller forderte. 2012 übernahm er "Monitor" und machte die Sendung nach und nach zum Lautsprecher eines selbstverliebten Eifers, der keine Gegenrede mehr duldet. Womöglich als Reaktion darauf gründete sich ein Jahr später die AfD.
Beide sind seitdem miteinander und aneinander gewachsen. Die rechte Professorenpartei, schon wenige Monate nach ihrer Gründung zum ersten Mal "rechtsextrem" genannt, rutschte von rechts immer weiter nach rechts. Restle, schon damals als "abgehobener Moralprediger, der in einer Blase aus Gebührengeldern lebt und die Realität außerhalb des WDR-Funkhauses nicht mehr wahrnimmt" charakterisiert, strebte immer weiter nach links außen.
Der Entwicklungshelder der AfD
Schon vor sechs Jahren, als der Kampf gegen rechts noch in den Kinderschuhen steckt und der Bund noch nicht einmal zehn Millionen Euro für Demokratieprojekte ausgab, bezeichnete er die AfD als "parlamentarischen Arm einer rechtsextremistischen Bewegung". Der Erfolg gibt ihm recht. Die auf Geheiß des Bundesamtes für Verfassungsschutz zeitweise in sämtlichen Medien als "insgesamt gesichert rechtsextremistisch" ausgewiesene Partei konnte auch mit Georg Restles Hilfe und Unterstützung zu der politischen Kraft werden, die bundesweit als einzige noch auf Augenhöhe mit der Union konkurriert.
Natürlich, Georg Restle war auf seine Art der beste Mann der Ampel. Sein Schützengraben verlief in Richtung rechts. Könnte er mauern, wäre er zweifellos der Architekt der Brandmauer gewesen. So musste er es dabei belassen, ein herausgehobenes Schützennest zu beziehen: Hoch oben auf der Mauer rund um Weltfremdenhausen saß er auf der Lauer, um auf alles und alle zu schießen, was sich rechts von ihm bewege.
Vorgeprägte Feindbilder
Reste wähnte "Radikale Christen auf dem Vormarsch", er witterte "Merz und die Union" auf einem "gefährlichen Rechtskurs?", er zählte das "Stadtbild" als die "neueste rassistische Aussage des CDU-Chefs" und nannte es "unterste Schublade". Mal forderte er von der Politik einen stärkeren Schutz der Meinungs- und Pressefreiheit. Mal stellte er klar, dass das Jammern so vieler darüber, dass die Meinungsfreiheit auch mit strafprozessualen Maßnahmen gegen Rentner durchgesetzt wedren müsse, ein "grenzenloser Infantilismus vom rechten Rand" sei.
Nicht zu finden sind Beiträge, in denen Annalena Baerbock oder Robert Habeck kritisiert wurden. Auch an Olaf Scholz arbeitete sich sein "Monitor"-Team nur selten und ganz sacht ab. Der "Zwangsbeitrag" für den ÖRR, als den Georg Restle die Rundfunkgebühr nicht bezeichnet hören wollte, war bei ihm in guten Händen. Verlässlich wurde im Kölner Studio Munition gegen die Richtigen produziert und abgeschossen. Wer gegen offene Grenzen war, gegen "kein Mensch ist illegal" und für das individuelle Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit, der bekam hier verlässlich sein Fett weg.
Das Gegenteil von Fakten
Georg Restle war dabei nie zimperlich. Er stutzte Tatsachen und verkehrte Fakten in ihr Gegenteil. Er blendete Zusammenhänge aus und verzichtete überall dort, wo es seiner Agenda zuwiderlief, darauf, Umstände einzuordnen. Seine Bilanz nach einem Jahr Javier Milei in Argentinien verzichtete etwa konsequent auf jeden Hinweis darauf, dass der argentinische Präsident durchaus große Erfolge im Kampf gegen die galoppierende Inflation vorzuweisen hatte.
So unbestreitbar das aufgrund der Zahlen ist - Restles Regiment aus Scharlatanen und Dschurnalismusdarstellern schaffte es doch, kräftig Wasser in den Wein zu schütten: Die Inflation sei zwar von 160 auf 30 Prozent gesunken, doch die Trendwende sei damit "nicht erreicht", flunkerte Restle und er verwies stolz darauf, dass in Mileis Amtszeit sogar "bei 292 Prozent" gelegen habe.
Hauptsache, die Botschaft stimmt
Dass diese Zahl sich der Berechnung der Inflationsrate in Jahresscheiben verdankt, ihren Ursprung in diesem Fall den acht Monaten der Regierungszeit des Vorgängers des Kettensägenmannes hat, fiel unter den Tisch. Hauptsache, die Botschaft stimmt und die Zuschauer können davon überzeugt werden, dass Javier Milei gescheitert ist. "Die Bevölkerung zahlt für die niedrigere Inflation einen hohen Preis", verkündete Restle. Die Wirtschaftskrise verschärfe sich, die Konsumnachfrage sei eingebrochen, dazu stiegen Arbeitslosigkeit und Armutsquote.
Der Glaubwürdigkeit des gesamten öffentlich-rechtlichen Systems leistete Georg Restle damit einen Bärendienst. Seinem Ruf in der Branche schadete das nicht. Für seine "haltungsstarke Berichterstattung", wie Experten den moralisierenden Verzicht auf Objektivität nennen, bekam Restle den Otto-Brenner-Preis, den Deutschen Menschenrechts-Filmpreis, den Marler Medienpreis Menschenrechte, den Grimme-Preis und den renommierten Karl-Eduard von Schnitzler-Publikumsaward in der Kategorie "Besondere Journalistische Wachsamkeit".
"Journalist über den Tag hinaus"
Trotz solcher unbestreitbarer Triumphe: Georg Restle wirkte oft, als treibe ihn ein gewisser Selbsthass an. Der "Journalist über den Tag hinaus" (Restle über Restle) entlarvt am liebsten alte, weiße cis-Männer wie er selbst einer ist. Eine Projektion, sagen Beobachter, die sein Wirken in den zurückliegenden Jahren verfolgt haben. Georg restel sehe sich als Einmann-Armee im Widerstand gegen eine Welt, die er nicht haben wolle, aber wegen der immer noch herrschenden Demokratie auch nicht verhindern könne.
Der Lieblingsfeind des an der Front grau gewordenen Aktivisti ist Donald Trump - und je weniger das Weiße Haus je auf seine Enthüllungen reagierte, desto energischer insistierte er. "Trumps Amerika: Ist das schon Faschismus?", hieß eines der großen Werke, "Trumps Weltordnung: Schluss mit Völkerrecht?" ein anderes. Es gab "Putins Krieg gegen die Ukraine und Trumps Staatstreich (im Original) in den USA" und "Wer stoppt Trump?", dazu "Trumps beste Freunde: Tech-Giganten an der Macht" und "Wie US-Präsident Donald Trump die Demokratie aushöhlt".
Dervon sich selbst Berufene
Immer die alte Leier, immer das alte Lied, immer wieder neu verpackt. Er wolle "der Ermüdung nicht erliegen", hat Georg Restle einmal verkündet, als er gefragt wurde, woher er die Kraft für seine anmaßenden Forderungen nehme. Restle, von allen ausgehalten, doch von niemandem gewählt, hatte zuvor verlangt, dass Vertreter der AfD weder in Talkshows noch in Nachrichten auftreten dürften. Nicht der Wähler könne bestimmen, wer an der politischen Debatte teilnehmen dürfe. Er, Georg Restle, sei dazu berufen.
Wer sich anders äußerte, bekam Ärger: Bei Facebook nahm Restle etwa den damals noch Grünen Boris Palmer ins scharf ins Gebet, nachdem der Asylbewerber aufgrund von Statistiken bezichtigt hatte, "überdurchschnittlich häufig an der Begehung von Straftaten beteiligt" zu sein. Der Vorfall bei einem Volksfest, auf den sich Palmer bezogen hatte, sei doch gar nicht so schlimm gewesen. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart kam schlussendlich nur auf vier Sexualdelikte, 25 Körperverletzungen und einige Widerstandshandlungen gegen die Polizei. "Lieber Boris Palmer, da haben Sie wohl – mal wieder – etwas vorschnell aus der Hüfte geschossen", rief Restle seinen Glaubensbruder zur Ordnung.
Wo die Gesetze der Physik nicht gelten
Jetzt also Afrika, ein exotischer Kontinents, auf dem nach Recherchen der ARD selbst die Gesetze der Physik nicht gelten. Annalena Baerbock hatte beim traditionellen Melonentragen im N-Land (früher: Niger) das Kribbeln spüren dürfen, dass deutsche Politiker überall befällt, wenn sie Länder betreten, in die deutsche Armeen schon einmal einmarschiert sind. Kai Clement, ein ARD-Kollege Restles, hat sich hier in nachhaltige grüne Energiearmut verliebt.
Jetzt kommt Restle über ein "riesiges Berichterstattungsgebiet, das sich vom Senegal bis nach Somalia erstreckt". Ausdrücklich betont er, dass es keinen Rauswurf gab, keine Bitte an ihn, sich zurückzuziehen, um das Publikum nicht weiter zu reizen. Er gehe auf eigenen Wunsch, sagt Georg Restle. "Ich freue mich sehr auf die neue Herausforderung, der ich mit großer Demut begegne."



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