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Mittwoch, 14. Dezember 2011

Schwarzbraun ist der Straßenname

Karl-Marx-Straße, Straße der Freundschaft, Wilhelm-Pieck-Platz: Mit Straßenschildern setzen Staaten ihren Idolen und Ikonen Denkmäler. Auch 22 Jahre nach dem Fall der Mauer tragen viele Straßen und Plätze in Sachsen-Anhalt nach den diesjährigen Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur dpa noch die Namen der sozialistischen Vorbilder, während im Westen des Vaterlandes die anhaltende Verhrung für Helden des 1. und 2. Weltkrieges, für die Orte großer verlustreicher Schlachten deutscher Truppen und Heimatgebiete außerhalb der Heimat ausgedrückt wird. Die «Hitlerstraße» etwa oder die «Göringallee» mussten weichen, als 1945 die Amerikaner kamen. Doch von der «Admiral-Spee-Straße" wollten sich die Freiburger im Breisgau nicht trennen. Auch anderswo im neuen Westen wehr auch 66 Jahre nach Kriegsende der braune Atem des 3. Reiches: Viele Ortschaften des Landes behielten hingegen die alten Bezeichnungen bei. So gibt es noch heute noch eine Memelstraße in Duisburg, eine Skagerrakstraße in Oberhausen und die «Langemarkstraße» in Bremen. Anwohner hätten bislang keine Bestrebungen unternommen, um die Begriffe zu ändern, erklärte eine Sprecherin.

Auch in Mönchenglattbach und Bad Hersfeld leben die Vorbilder der Nazidiktatur weiter - jedenfalls auf dem Straßenschild. Hier gibt es ebenfalls noch immer die «Ostmarkstraße», die an den "Anschluss" Österreichs ans Reich erinnert, und die Carl Peters-Straße, mit der die Nationalsozialisten an ein deutschen Massenmörder in Afrika erinnerten. In Hannover kann man sogar durch die «Kolbergstraße» wandeln und sich an den gleichnamigen letzten goebbelschen Propagandafilm erinnern.

Keinen Grund, sich von den großen Persönlichkeiten aus Kaiserreich und Nazidiktatur zutrennen, sieht man im ehrwürdigen Münster. Hier gibt es deshalb noch heute sechs Straßen, die 1936 nach Personen benannt wurden, die sich im Ersten Weltkrieg „heldenhaft“ verhalten hatten: Otto-Weddigen-Straße, Manfred-von-Richthofen-Straße, Boelcke­weg, Gorch-Fock-Straße, Admiral-Spee-Straße und Admiral-Scheer-Straße. Die Von-Esmarch-Straße ehrt einen bekannten Heeresmediziner aus dem 19. Jahrhundert. Stolz sind die Münsteraner auch auf ihre zwischen 1936 und 1938 nach berühmten Kriegsschauplätzen benannten Tannenbergstraße, Skagerrakstraße, Masurenweg, Fehrbellinweg, Flandernstraße und Langemarckstraße. Ein Monopol haben sie damit nicht: Eine Tannenbergstraße hat auch Braunschweig, Giengen, Karlsruhe und Stuttgart ehren ihren großen Sohn, den Wüstenfuchs Rommel, mit einer "Rommelstraße" und Soltau, Delmenhorst und Lüneburg tun es Bad Hersfeld nach und leisten sich Carl-Peters-Straßen.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Puuh, schäm, ich wohne sogar in einer Flandernstrasse in einer nicht genannten Stadt. Gut
, dass du mir die Augen geöffnet hast, dass sowas schon gar nicht geht.

eulenfurz hat gesagt…

Um Gottes Willen, ich wohne im Stiefelweg! Ich werde eine Eingabe an den ABV schreiben, daß der Stiefelweg in Jesuslatschenallee umbenannt wird!

ppq hat gesagt…

es war mir einfach ein bedürfnis, dem alljährlich von dpa gelieferten beitrag "noch immer heißen viele straßen im osten so wie karl marx" eine art ergänzung nachzuschicken.

stiefelweg? schlimm. das ist doch der gründer vom mediamarkt, oder? ich dachte immer, straßen werden heute nur noch nach toten benannt

Oels hat gesagt…

Mit der Konterrevolution war das Schicksal der Ostberliner Karl-Marx-Allee besiegelt, während die Karl-Marx-Straße im Westteil noch heute existiert. Das Rathaus Neukölln liegt an der Karl-Marx-Str.

Selbst Frankfurt am Main, die Stadt des Kapitals, ehrt Karl Marx mit einer Straße, auch Rosa Luxemburg ging nicht leer aus.

eulenfurz hat gesagt…

In Trier wird an jeder Ecke Karl Marx geehrt, die wollen das Nest demnächst in Karl-Marx-Stadt umbenennen. Das wird auch Zeit, mehr als 20 Jahre nach der Angliederung der BRD an die DDR.

In Rostock gibt es gar eine Ilja-Ehrenburg-Straße. Sein deutsches Pendant war Julius Streicher. Gibt's für den eigentlich auch Straßen, wenigstens in Rußland?