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Freitag, 3. Mai 2013

Midas von München: Free Uli!


Ganz Deutschland hat ihn bewundert. Für sein Händchen. Für seinen Mut. Für die Verwegenheit, mit der er in düsteren Börsenzeiten astronomische Gewinne erzielte. Das in der Schweiz versteckte Geheim-Depot des Uli Hoeneß wurde binnen Tagen zu einer urbanen Legende. Besser als Goldman-Sachs. Stabiler als eine dänische Staatsanleihe. Organisiert von einem "adrenalingetriebenen Zocker, der mit seinem Börsenpager und Millionen an der Steuer und offenbar auch seiner eigenen Vernunft vorbei auf Kurse wettete, gewann und verlor", wie der "Tagesspiegel" zusammenfasst.

Aber wieso verlor? Wie passt das, was Hoeneß selbst nun beichtet, zu seinem Ruf des Midas aus München, der aus 10 Millionen Kredit in einem Jahr zehn Millionen Guthaben zaubert und aus diesen zehn Millionen flugs noch einmal Gewinne presst, die zu mindestens sechs Millionen Steuerschuld führen?

Hoeneß selbst weiß es nicht. "In den Jahren 2002 bis 2006 habe ich richtig gezockt, ich habe teilweise Tag und Nacht gehandelt, das waren Summen, die für mich heute auch schwer zu begreifen sind", gestand Hoeneß der "Zeit". Von Gewinnen spricht er nicht, obwohl der Dax in diesem Zeitraum von 2500 auf 6500 Punkte zulegte. Nein, Hoeneß scheint dagegen spekuliert zu haben: "Ich habe zu viele Verluste gemacht. Ich konnte nicht mehr so viel zocken. Und dann kam 2008 die Finanzkrise, und dann ging es endgültig in den Keller."

Da waren also anfangs Gewinne, die der heutige Bayern-Präsident nach damaliger Rechtslage nicht einmal hätte versteuern müssen, wenn er sie erst nach Ablauf der Spekulationsfrist realisiert hätte. Er aber stellte die betreffenden Positionen früher glatt, versteuerte sie dennoch nicht - und fuhr gegenrechenbare Verluste erst ein, als keine Gewinne zum Ausgleich mehr vorhanden waren. Hoeneß, seit seinem Outing durch die Staatsanwaltschaft auf die Schlachtbank der Fernsehgerichte geschnallt, gibt den bedauernswerten Süchtigen, der von einer Art Krankheit getrieben wurde und für seine Taten eigentlich nichts kann.

Dergleichen ist in Deutschland immer entschuldigt, allerdings eben nur, wenn nicht Nazi-Ideologie, Kindesmissbrauch oder Steuerhinterziehung im Spiel sind. Pech für Honeß, ist er doch in Wirklichkeit ein Fall wie hunderttausende in jenen Tagen gewesen, als rund 1,5 Millionen Menschen, denen der SPD-Bundesfinanzminister Telekom-Aktien der dritten Tranche zu 66,50 Euro angedreht hatte, sehnlichst darauf warteten, das ihre "Volksaktie" die zehn Euro Marke wieder von oben betrachtet. Vergebens. Ihr Geld war nicht weg, das hatte jetzt der Staat, und der behielt es auch.

Lehrgeld, das freilich die Steuereinnahmen des Staates langfristig spürbar minderte. Neid und Hass gegen Uli Hoeneß sind nicht angebracht, denn auch er ist nur ein weiterer Geprellter, wenn auch auf höherem Niveau - und auf dem büßt er nun auch: In der Stunde des fußballerischen Triumphes ist der Ruf ruiniert, im Moment des größten Erfolges flunkert er von Süchten und Schlaflosigkeit, versteckt in den Trümmern seiner gutbürgerlichen Existenz.

Wenige nur fordern Freiheit für Uli und Verständnis für die Nöte des Mannes, der ein Fußballdeutschland geschaffen hat, das sportlich ein genauso großer Riese ist wie Merkels Wirtschaftsdeutschland, das auf den Fundamenten gründet, die der Hades-Plan gegossen hatte.

Hoeneß opfert sich für Höheres. Kostenlos dient er Regierung und Opposition als Anlass, die Gesellschaft ein weiteres Stück umzubauen, Datenschutz als Täterschutz zu diffamieren, Gesetze zu verschärfen und die Zugriffsmöglichkeiten des Staates auf das Private unter allgemeinem Applaus auszuweiten. Nur Bernd Niquet versucht noch, den Delinquenten zu verstehen: Hätte Hoeneß seine Anfangsgewinne in Deutschland beim Finanzamt angegeben, hätte er sofort 50 Prozent der Gewinne an den Fiskus abführen müssen. Danach wären ihm die Steuervorauszahlungen sofort auf dieses Niveau angehoben worden, so dass er im nächsten Jahr den Rest seines Millionenkontos losgewesen wäre.

Selbst die Telekom-Aktionäre und Besitzer von zypriotischen Giro-Konten waren besser dran.

Kommentare:

Die Anmerkung hat gesagt…

Was wußte Stoiber? Man wird ja mal fragen dürfen.

ppq. so hat gesagt…

nach der tappert-regel kommt das erst raus, wenn er selbst nicht mehr gefragt werden kann

derherold hat gesagt…

Mönsch, da müßte Euch Ex-Kommunisten doch das Herz aufgehen: Kritik+Selbskritik à la Spätkapitalismus.

Das war schon bei Paolo Pinkel so.

Anonym hat gesagt…

50% auf Gewinne, nicht auf Kapital.