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Samstag, 10. August 2013

HFC: So wird das nichts

Zehn Minuten gut, dann ein Abwehrfehler, dann das 0:1, dann 35 Minuten zum vergessen, dann Halbzeit, dann ein Comeback, mit dem kaum jemand im Stadion noch gerechnet hat. Schließlich der verdiente Ausgleich, dann weiter straffes Spiel nach vorn, Torchancen im halben Dutzend, der Ligaspitzenreiter längst froh, dass er hier noch das Remis hält. Und kurz vor Schluss eben doch wieder das Gewohnte: Ein Foul, das keines ist, wird vom Schiedsrichter, der nie ins Spiel gefunden hat, gepfiffen. Die neuformierte Abwehr des Halleschen FC ist wieder nicht im Bilde. Der Ball läuft einmal quer an allen vorbei. Kommt wieder rein. Und liegt im Netz.

Im Schnelldurchlauf ist das schon die ganze Geschichte des zweiten Heimspiels der zweiten Drittliga-Saison der Männer von Trainer Sven Köhler, der die Begegnung in seiner Coachingzone nachtanzte. Erst aufgeregt, dann ratlos, nach dem 1:1 schließlich erstmals in dieser Spielzeit sitzend. Und nach dem erneuten Rückstand mit dem Kinn in die Hand gestützt stehend k.o. Hinter ihm schaut Co-Trainer Dieter Strozniak genauso. Und auch Manager Ralph Kühne stellt die Pose mit gesenktem Blick nach.

Es sind Muster zu erkennen, schon am zweiten Spieltag. Zwar ist der Hallesche FC dieser Begegnung gegen den Tabellenführer Wehen-Wiesbaden ist nicht zu verwechseln mit dem des desaströsen Auftritts in Erfurt, der 0:3 verloren ging. es ist eher der HFC vom Auftaktspiel gegen RB Leipzig, der den Favoriten anfangs unter Druck setzt. Dann aber doch wieder in die Falle läuft: Die erste Torchance der Gäste folgt auf einem Freistoß aus dem Halbfeld. Marcel Franke, eigentlich gekauft, um die Abwehr stabil zu halten, sie aber nach vorn handlungsschneller zu machen, klärt nicht zur Ecke, sondern baut ein Kerze. Vunguidica staubt ab, fertig.

Franke, der hier seinen zweiten großen Bock schießt und damit mit Innenverteidigerkollege Adli Lachheb gleichzieht, ist am Boden zerstört. Die Mannschaft mit ihm. Erstmal geht jetzt gar nicht mehr - der alte Gedanke aus der Vorsaison, dass eigentlich jedes Spiel bei einem Rückstand verloren ist, wenn man selbst keine Tore schießt, scheint auch bei den neuen Spielern nur allzu präsent. Zudem muss Andy Gogia, insgeheim von vielen Fans für einen potentiellen Retter gehalten, verletzungsbedingt gehen. Tony Schmidt kommt.

Trotzdem geht es nach der Halbzeitpause ganz anders weiter. Die eben noch totgeglaubte Mannschaft reißt sich am Riemen, bestürmt das Tor des Favoriten. Vor allem Toni Lindenhahn macht ein hervorragendes Spiel, immer anspielbereit, immer dribbelstark, kaum vom Ball zu trennen und mit all der Übersicht, die dem ganz allein vorn stehenden Pierre Merkel auch beim dritten Punktspiel im HFC-Dress fehlt. So muss es Tony Schmidt richten, der nicht auf dem Platz stände, hätte Gogia in der ersten Hälfte nicht wutentbrannt seinen Schuh ausgezogen und den Platz zornbebend verlassen. In der 48. Minute dribbelt sich Schmidt links durch, er wird gefoult, bekommt den Strafstoß. Und Sören Betram verwandelt sicher.

Jetzt spielt hier nur noch der Gastgeber, teilweise sogar traumhaft. Ziebig und Schmidt reißen die Abwehr von links auf, Lindenhahn stürmt einmal mit solcher Dynamik nach vorn, dass ihn drei Leute nicht halten können. Doch statt weiterzugehen und den Abschluss zu suchen, versucht er ein Abspiel. Das danebengeht.

Wie so oft. Pierre Merkel, dem in der zweiten Hälfte immerhin ein straffer Fernschuss und eine souveräne Balleroberung an der gegnerischen Eckfahne gelingt, könnte das Spiel allein entscheiden. Wäre er in der Lage, den Ball anzunehmen, mit dem Ball zu laufen, ihn zu köpfen oder im richtigen Moment auf einen besser postierten Nebenspieler abzulegen. Doch auch heute bleibt der Ex-Braunschweiger der Beweis schuldig, dass er ein besserer Stürmer als seine Vorgänger Andis Shala, Michael Preuß oder Nils Pichinot ist.

So wird das nichts, nicht heute und nicht nächste Woche. Die Chancen sind da, die Tore fehlen und draußen auf der Bank fehlt längst der Glaube, mit dem vorhandenen Kader Änderungen bewirken zu können. Einmal mehr schöpft Sven Köhler sein Auswechselkontingent nicht aus, einmal mehr zeigt er damit seine eigenen Zweifel am vorhandenen Spielermaterial. Das Üble daran: Alle können es sehen. Das Gute daran: Noch sind bis zum Ende des Transferfensters drei Wochen Zeit, nachzurüsten.

Offizieller Spielbericht

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