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Dienstag, 26. November 2013

Dave Hause: Ein Seemannsgrab in Sachsen

Es ist wie bei vielen Großen – sie werden kleiner, je näher man ihnen kommt. Auch Dave Hause aber, nur knapp über 1,70 hoch, bestätigt Napoleons Beobachtung, dass Größe eben nicht Länge braucht. Im Dresdner Beatpol liefert der Mann aus Philadelphia, von Beruf eigentlich Zimmermann, eine derart mitreißende, zu Herzen gehende Vorstellung, dass der ganze Saal noch Minuten nach dem Abgang des früheren Frontmannes von The Loved Ones von der Bühne selig singend in Gefühlen schwelgen.

Dabei hat Hause es sich und seinem Publikum bei seinem ersten Ausflug in die ostdeutsche Rock-Diaspora nicht leicht gemacht. Statt auf Hits wie „The Bridge“ oder „Pretty good year“ zu setzen, die viele noch aus den Auftritten mit der Revival-Tour und im Vorprogramm von The Gaslight Anthem kennen, vertraut Hause ausschließlich auf Material aus seinen beiden bisherigen Solo-Alben „Resolutions“ und „Devour“.

Eine gute Wahl, auch hier in der tiefsten ostdeutschen Provinz. Vom Opener „Damascus“ bis zum Ende mit dem beschwörenden „Benediction“ entwickelt das knapp zweistündige Konzert eine beinahe schon beschwörende Kraft. Ohne Band, nur begleitet von Gitarrist Mitchel Townshend und im Zugabenteil vom Supportact Matt Goud, der sich Northcote nennt, kocht Hause auf den Studioalben manchmal etwas zu produziert und glatt geratenen Songs wie „The Great Depression“ und „We could be Kings“ zu Stücken herunter, die gerade durch die Reduktion auf zwei Gitarren oder die Kombination Gitarre/Klavier aufblühen.

Emotionale Hymnen mit Melodielinien, die den zumeist düsteren Texten über gebrochene Versprechen, quälende Gewissen und unglückliche Beziehungen trotzig widersprechen. "The way we learned to live is fading fast", besingt er die große Krise, "I guess we never bargained for a crash". Dave Hause, vom reinen Punk der Anfangsjahre auch unter dem Einfluß von Chuck Ragan zu Folk und Springsteenrock konvertiert, versteht es wie derzeit kein Zweiter, auf Trümmern und geplatzten Illusionen Lieder zu machen, die Hoffnung behaupten. Ist "Damascus" noch ein fast ohne Refrain marschierender Song, zitiert „Same Disease“ den Rock´n`Roll der 50er Jahre und „The Shine“ gestattet sich ein großes Gospelfinale zusammen mit dem Publikum.

Es geht um Glauben, um Liebe und vor allem um Hoffnung, ein Seemannsgrab von Dingen, die sich nie so entwickeln, wie sie sollen. Das Konzert zut das Gegenteil: "The Great Depression" am Klavier, "We Could Be Kings" mit Who-Gitarre, spontan „Meet me at the Lanes“, das von alten Freunden erzählt und von Hause beschrieben wird als bizarrer Moment, „wenn man tausende Meilen entfernt von zu Hause an einem Ort, wo man noch nie war, ein Lied über Freunde singt, die hier keiner kennt – und das Lied kennen alle“ und schließlich gleich drei Duette mit Northcote, der sein „Worry“ singt, ehe Hause „Prague“ rockt und beide schließlich mit dem erlösenden „Benediction“ enden. Als es vorbei ist, steht Hause am Merchandisingstand: Vier Konzerte der „Devour“-Tour hat er hinter sich, mehr als 200 liegen noch vor ihm, 95 davon zusammen mit Northcote. Dave Hause lächelt, das Hemd verschwitzt, die Haare nass. Er sei dieser Tage, sagt er, völlig überwältigt von den begeisterten Reaktionen. Nächstes Jahr will er wiederkommen, dann mit kompletter Band.

Pankowblogger über das Berliner Konzert
Dresden-Konzert zum Download

Interview mit Dave Hause bei Whiskey-Soda


Kommentare:

Anonym hat gesagt…

http://www.wdrmaus.de/lachgeschichten/geschichten/leb_wohl_lieber_dachs.php5

Anonym hat gesagt…

Die Scientologen empfehlen m.W.beim Zufliegen auf das Licht abzudrehen - Sonst landet man in einem Labor, wo man neu programmiert wird. Es gibt natürlich auch andere Jenseits-Konzepte, von Lucretius Carus bis zu Carlos Castaneda, von Michael Winkler ganz abgesehen.
-Hildesvin-