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Sonntag, 20. April 2014

Die fünfte Schlager-Kolonne

Lettland hat sich schnell entschieden: Das Pop-Festival New Wave, das jeden Sommer das Kurbad Jūrmala in ein Mekka der russischen Musikbranche verwandelt, wird in diesem Jahr nicht stattfinden. Weil bei der Veranstaltung russische Pop-Stars aufzutreten drohten, bei denen die Gefahr besteht, dass sie die chauvinistische und völkerrechtswidrige Politik von Putin unterstützen könnten, hat die russenkritische Partei Latvijas Avīze mit Nachdruck eine Absage gefordert.

Eine konsequente Haltung, die in Deutschland noch Schule machen muss. Hier, wo Putin seine fünfte Kolonne in der Hitparade platziert hat, während die sechste im Untergrund zur Gewalt gegen Andersgeborene aufruft, weigert sich die Öffentlichkeit, in gefällige Schlagermelodien verpackte Putin-Verehrung zu boykottieren, wie sie in den Textzeilen "Du bist ein Phänomen, Du kannst die Erde drehen, Du dich fängt niemand ein, der Wind trägt deinen Namen" deutlich wird.

Sanktionen, die in ausgewählten norddeutschen Dorfkneipen verhängt wurden, werden unterlaufen und durch gesellschaftlichen Druck der Helene-Fischer-Ultras (Foto oben) ausgehebelt. Wo früher Vielfalt des künstlerischen Ausdrucks war, hat die Frau aus Krasnojarsk es geschafft, die Deutschen mit einem Gemisch aus Uffta-Sound und vermeintlich harmlosen Texten kollektiv zu verzaubern.

Dabei geht es subtil offenbar stets darum, Putin von jeder Verantwortung freizusprechen. "Keiner ist fehlerfrei, was ist denn schon dabei?", singt die erfolgreichste Popstar-Darstellerin der Neuzeit, "Spinner und Spieler, Träumer und Fühler hat diese Welt doch nie genug".

Das ist genau so gemeint, wie es klingt, denn "von ironischer Distanz kann bei Helene Fischer keine Rede sein", analysiert das Popkultur-Board Beves Welt: "Helene ist perfekt. Alles ist perfekt. Das Haar, die Garderobe, die Bühnensninszenierung, das Lächeln." Deutschland gefällt das, und Deutschland fällt gern auf diese Art Unterwanderung herein. Das ZDF will der schönen Schlagerdame jetzt alle offenen Sendeplätze übereignen. "Wir würden mit Handkuss sehr gern weitere Shows mit ihr machen“, hieß es offiziell.

Kommentare:

Volker hat gesagt…

"russenkritische Partei"

Nur so lange Rußland unser Feind ist. Sollten wir wieder auf der Seite des Aggressionsopfers stehen, ist die Partei nicht mehr russenkritisch, sondern "russophob"

Orwell hat gesagt…

Naja, in jedem Falle ist diese Partei Toleranzophob.

Kalaschnikow hat gesagt…

Wieso soll die russische Politik völkerrechtswidrig sein? Die Bevölkerung auf der Krim hat sich ja für Russland entschieden. Immerhin haben die Russen die Krim schon gegen die Wehrmacht verteidigt. Habt ihr euch schon mal überlegt, dass auch die Amerikaner und ihre deutschen Vasallen völkerrechtswidrige NATO-Einsätze unternehmen?

Gernot hat gesagt…

"der Wind trägt deinen Namen" Huch, wie heißt er denn noch? Wladimir Boreas Putin? Ghibli? Föhn? Scirocco?

Anonym hat gesagt…

Vielen Dank für die Links. Diesen entnehme ich, dass die TAZ, die Wiedergeburt des Stürmers, die Millionen Fans von Helene Fischer als "Matschbirnen" bezeichnet. Bisher war mir Frau Fischers Werk praktisch unbekannt. Ich habe die Beleidigung des Plebs also zum Anlass genommen den weiteren Links zu folgen, in der Annahme, dass immer das Gegenteil von dem stimmt was die TAZ hervorwürgt, dass hier also großartige, professionelle Pop/Schlagermusik geboten wird. Das Genre ist zwar nicht ganz mein Fall, aber siehe da: Ich hatte recht. Professionellere Popsongs und Bühnenshows dürfte es hierzulande noch kaum gegeben haben. Ich erfahre in den Links, dass in Kölner Kneipen schon Stundenpläne herausgegeben werden müssen, wann "Atemlos" von Helene Fischer gespielt wird, damit das Volk nicht alle drei Minuten danach verlangt. Des weiteren erfahre ich, dass die Fans von Dynamo Dresden das Lied fröhlich hymnenartig mitgröhlen. Jetzt warte ich noch auf einen Artikel in der FAZ, in der ein Journalistenschulenabgänger versucht mich zu Tode zu langweilen, mit der These, wenn die Fans des FC Liverpool das "You'll never walk alone" brummen, dann sei dies große proletatische Kultur, wenn Ultras aus Köln oder Dresden aber "Atemlos durch die Nacht" schmettern, dann sei das Kitsch. Populismus sozusagen. Das wäre dann der Ritterschlag

Anonym hat gesagt…

Sollte es denn möglich sein! Dieser junge Kalaschnikow hat in seinem Walde noch nichts davon gehört, daß es Ironie bzw. Sarkasmus gibt! ...... Ihr habt den Weg vom Wurme zum Menschen gemacht, und vieles in euch ist noch Wurm...
-Hildesvin-

Die Anmerkung hat gesagt…

Politiker will Helene Fischer auf Wasen verbieten

Bei Helene Fischers „Atemlos durch die Nacht“ steigen die Werte aber auf bis zu 110 Dezibel – das ist so laut, wie eine Kettensäge aus einem Meter Entfernung.


Oder meinte der Nervensäge aus 1 Meter Entfernung?