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Donnerstag, 18. September 2014

Euro in der Krise: Wertverfall als Menetekel

Der kurze Sommer der Friedens- und Konjunktureuphorie scheint vorbei. Wie die "Welt" in einer aufsehenerregenden Analyse verdeutlicht, stehen Europa, der Euro und nicht zuletzt auch Deutschland, die Führungsnation des Hades-Planes, vor unglaublichen Herausforderungen und Tiefschlägen. PPQ dokumentiert den Aufsatz im Rahmen der Reihe zur Euro-Rettung.

Die Leidensfähigkeit der Europäer ist berüchtigt. Und genau diese Leidensfähigkeit wird derzeit auf eine harte Probe gestellt, zumindest auf finanziellem Gebiet. Die Zentralbanken testen die Schmerzgrenze der europäischen Volkswirtschaften, die Sparer müssen mit Mini-Zinsen auskommen, die Politik versucht, Inflation zu erzeugen: Der Euro muss Woche für Woche neue Tiefschläge einstecken.

45 Tage in Folge ist die Währung des Riesenreiches abgesackt und hat jedes Mal einen neuen Jahrestiefstand zum Dollar markiert. Zuletzt brachte ein Euro nur noch 1,29 Dollar ein. Damit beträgt der Wertverlust zum Dollar seit Jahresanfang fast neun Prozent.

Gegenüber dem Rubel nimmt sich der Absturz nicht ganz so dramatisch aus, da auch die russische Währung an Wert verloren hat, doch der Jahresverlust liegt noch immer bei rund vier Prozent.

Der Euro befindet sich bereits seit Sommer 2009 massiv unter Druck. Mehrfach hatte die europäische Spitzenpoltik milliardenschwere Rettungspakete geschnürt, um die Gemeinschaftswährung vor sogenannten "Spekulanten" zu schützen. Das war auch von großem Erfolg gekrönt: Der Spekulant als Verantwortlicher für die Staatsschuldenkrise ist inzwischen nahezu vollkommen aus der öffentlichen Erzählung verschwunden. Das Tempo der Talfahrt des Euro allerdings hat sich in den vergangenen Wochen erneut deutlich beschleunigt. Die einzige Währung einer größeren Staatengemeinschaft, die noch stärker verloren hat, ist die Großbritanniens. Wegen des angedrohten Austrittes Schottlands sackte der Pfund-Kurs seit Januar um zehn Prozent zur Fluchtwährung Schweizer Franken ab.

Das Gros der westlichen Devisenexperten rechnet mit einer fortgesetzten Talfahrt: "Bald werden die Marktteilnehmer nur noch 1,20 Dollar für den Euro zahlen müssen" prognostiziert Manoj Pradhan, Stratege bei der Investmentbank Morgan Stanley in London. Über der Gemeinschaftswährung braue sich mit dem Schottland-Dilemma, der Wirtschaftsschwäche, der französischen Reformverweigerung, den Nullzinsen, der anhaltenden italienischen Schuldenwirtschaft und separatistischen Bestrebungen in Spanien und Belgien ein perfekter Sturm zusammen.

Zu Sanktionen, Vertrauensverlust und den daraus resultierenden Deflationsrisiken geselle sich auch noch die von der EZB erklärte Bereitschaft, demnächst alte Socken, Schneeschieber und gebrauchte Kondome als Sicherheit aufzukaufen.

Die EU ist, mehr noch als andere große Volkswirtschaften, von Energieimporten abhängig. Geht es nach den Terminmärkten, befindet sich der Euro in einem langjährigen Abwärtstrend. Bereits in wenigen Monaten dürfte die 1,25-Dollar-Marke fallen. Im Jahr 2017 wären dann sogar nur noch 1,10 Dollar nötig, um einen Euro zu kaufen, spekulieren Devisenhändler. Investoren ziehen jetzt schon Geld aus Europa ab, Energieimporte würden sich damit dramatisch verteuern, während gleichzeitig Exporte in die nach dem Ausfall von Russland verbliebenen Märkte für Investoren aus dem Dollarraum weniger lukrativ würden, weil sich zu viele Länder dann die billigen deutschen Waren nicht mehr leisten können, wie der SPD-Devisenexperte Sigmar Gabriel früher bereits gewarnt hatte.

"Finanzielle Engagements in Europa sind in Ungnade gefallen", sagt Alexey Massulow, Ökonom bei der Volksbank in Berlin. Aus Furcht vor einem neuen Kalten Krieg wollen Anleger ihr Geld nicht mehr im größten Staatenbund der Erde investieren, ziehen sogar Kapital ab. Zugleich bringt eine beträchtliche Zahl von Inländern ihr Vermögen außer Landes.

Wie ernst die Lage ist, machen frühere Äußerungen aus Berlin deutlich: Ein zu niedriger Euro-Kurs bedrohe die Sparguthaben der Deutschen, hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel im Mai 2010 bei einem Euro/Dollar-Kurs von 1,26 gewarnt.

Damals beschloss sie zusammen mit Frankreichs Präsident Sarkozy die kürzeste Rettung der Welt, es gelang durch ausgeweitete Staatsschulden, den Euro-Kurs noch einmal auf 1,50 hochzutreiben. Doch das war nur ein Strohfeuer, wie sich jetzt zeigt. So haben beispielsweise börsennotierte US-Fonds im Juli 1,1 Milliarden Dollar aus europäischen Anlagen abgezogen. Hält der Trend an, würde 2014 sogar das bisher schlechteste Jahr 2008, als die Finanzkrise ihren Tribut forderte, in den Schatten stellen.

Für die europäischen Bürger bedeutet der Wertverfall des Euro einen dramatischen Wohlstandsverlust. Sparguthaben werden wertlos, Investitionen lohnen nicht mehr. Wer ins Ausland fährt, erhält dort für seine Euro deutlich weniger als noch vor einem Jahr.

Und zu Hause wird zumindest inoffiziell alles teurer. Für Produkte, die ehemals die Hälfte kosteten, müssen die Verbraucher zum Teil das Doppelte zahlen. Das gilt insbesondere für Lebensmittel, die sich seit 2001 um 100 Prozent verteuert haben. Doch auch andere Güter und Dienstleistungen kosten mehr, obwohl die offiziell angegebene Inflation unter einem Prozent liegt.

EZB-Chef Mario Draghi versucht zwar, die Bürger zu beruhigen. Er werde die Geldschleusen öffnen, kündigte er an, auch die Regierungen versicherten, es würden Schritte unternehmen, um die Wachstumsschwäche im siebten Krisenjahr zu dämpfen. Die große Finanzkrise ist inzwischen jedoch länger als der Zweite Weltkrieg und die ökonomischen Strafmaßnahmen, die der Westen wegen der Ukraine-Politik von Präsident Wladimir Putin gegen die frühere Supermacht Russland verhängt hat, verschärfen das Problem. Inzwischen zeigt auch die deutsche Wirtschaft, die bisher als einzige der großen Euro-Länder noch gewachsen war, wieder Schwächetendenzen.

Die härteren Sanktionen haben auch wesentlich zur Abschwächung der Konjunktur beigetragen: Bereits vor der Ukraine-Krise angeschlagen, steht Europa nun am Rande der Rezession.

Kommentare:

Gerry hat gesagt…

Staatlich geschütztes Falschgeld, genannt FiatMoney, gesteuerte Zinsen.

Und man braucht nicht 2 Papiergeldwährungen miteinander zu vergleichen, befinden sich beide im Sturzflug.

ppq. so hat gesagt…

die frage ist immer: verglichen womit? im vergleich zu brot ist sturzflug richtig, im vergleich zu plasma-tv-geräten nicht

Anonym hat gesagt…

Papiergeld kann man mit der ältesten Währung der Menschheit vergleichen, dem Gold.

Nun gibt es ja Leute die Gold kaufen, wenn es überall chrasht und sich dann wundern, dass beim Aussitzen der Krise der Goldpreis wieder fällt.

Gold kauft man aber dann, wenn ihr Finanzberater davon abrät. Das ist überhaupt das Geheimnis der Geldanlagen, sofern man welches hat.
Mache das Gegnteil von dem was ihr Bankberater sagt, und du gewinnst.

Bei Gold kann man wenigstens sicher sein, dass es keinen Totalverlust gibt, sofern man es physisch zu Hause hat. Allerdings dürfte dem sog. "Gesetzgeber" auch in diesem Fall eine Enteignungsmassnahme einfallen.

Wie auch immer, Papiergeld taugt im Extremfall noch nicht mal zum Hintern abwischen.

Anonym hat gesagt…

"Wie auch immer, Papiergeld taugt im Extremfall noch nicht mal zum Hintern abwischen."

Stimmt ja garnicht, man kann es für die Kleinen zum Falten, Schneiden und Kleben verwenden.

Gerry hat gesagt…

Gute Idee, den Euro immer mit Dingen des tägl. Bedarfs (Brot, Milch, Energie, PlasmaTV gehört richtigerweise nicht dazu) zu vergleichen. Wurde ja hier schon des öfteren gemacht.

ppq. so hat gesagt…

nein, wenn dann mit allem, das ist doch sonst quatsch