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Dienstag, 4. November 2014

The Gaslight Anthem: Maskenball zu Halloween

Es ist zufällig Halloween an diesem Konzerttag in Berlin, an dem die US-Band The Gaslight Anthem nach einem Jahr zurückkehrt aus Übersee, um ein neues Album vorzustellen. "Get Hurt" hat die Gemeinde gespalten, die Abkehr von den einfachen Strophe/Refrain-Strukturen und den Girl/Boy-Geschichten früherer Jahre vergnatzt die Kritik, hält aber den Anhang nicht ab, die Halle am Tempelhofer Feld bis zum letzten Platz zu füllen.

Die Band freut sich und mixt die alten und die neuen Songs zu einer beeindruckenden Setlist, die zeigt, dass der Unterschied zwischen Oldies wie "The ´59 Sound" und neuen Stücken wie "Stray Paper" so groß nicht ist. Brian Fallon, zuletzt beschuldigt, seine Scheidung zu sehr zum Grundton der aktuellen Platte gemacht zu haben, ist an diesem Abend bester Laune. Wie die ganze Band in Skelettanzug und Zombie-Schminke, zeigt der 34-Jährige sich als großartiger Unterhalter: Von ein paar als Hero Turtles verkleideten Fans will er wissen, ob sie denn auch ein Schwert dabeihaben? Er bekommt Messer und Gabel gezeigt. Einem Mädchen, das ihn aus 50 Metern mit ihrem Handy zu fotografieren versucht, bietet er an, ihrem Freund eine SMS zu schicken. Wenn sie ihm das Handy nach vorn durchreichen lässt.

Sie traut sich nicht, dabei sind die 3500 in der einst als Sporthalle für die US Air Force gebauten Konzertarena längst so guter Stimmung, dass das Smartphone unterwegs mit Sicherheit nicht verschwunden wäre. Aber lange Zeit zum Überlegen hat sie auch nicht, denn schon geht es weiter: Eine Parade aus letztlich mehr als 30 Songs, nicht unterbrochen von einer Pause vor den Zugaben, denn nach Fallons aktueller Auffassung zerstört das rituelle Rufen nach mehr Musik nur den Ablauf.

Der ist hier, bei zweiten Auftritt mit Ersatzgitarrist Brad, der Ian Perkins an der Gitarre ersetzt, weil der für den in Familienangelegenheiten verhinderten Alex Levine am Bass ersetzen muss, auf den Punkt perfekt. Zwei Stunden fegen die fünf Musiker durch "Old Haunts", "We came to dance", "Stray Paper" und "Handwritten", mittendrin gibt es eine Improvisation zu Glen Danzigs "Mother" und eine balladeske Band-Version des von Charles Dickens inspirierten Klassikers "Great Expectations".

Große Band, großer Abend, wie immer beendet mit "The Backseat". "Dark Places", die neue, finstere Nummer die das ewig letzte Lied eigentlich als standardmäßiges Finale ablösen sollte, spielen sie gar nicht.


Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Gigi und die braunen Stadtmusikanten finde ich besser.

ppq. so hat gesagt…

geschmack ist halt glückssache. und mancher hat echt pech