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Mittwoch, 22. April 2015

Halal: Scharia-Banking für alle

Bis dato hat es lediglich ausgewählte Finanzdienstleister gegeben, die von Deutschland aus Banking und Geldanlage nach strengen islamischen Regeln im Programm hatten. Zinsfreie Sparguthaben mit dem Segen hoher geistlicher Würdenträger boten allenfalls zweifelhafte Nischenprodukte etablierter Anbieter, die mit einem Halal-Gutachten für ihre Konten warben.

Allerdings eröffnet die aktuelle Niedrigzinsphase jetzt auch anderen Instituten die Möglichkeit, immer mehr deutschen Kunden echtes Halal-Banking anzubieten. Seit die Konditionen für Tagesgeld Anfang des Jahres noch einmal deutlich gesunken sind, hat sich die Durchschnittsverzinsung für Besitzer von Spargroschen mehr als halbiert.

Die Frage der Verzinsung stellt sich so bei vielen Banken gar nicht mehr. Tagesgeld wird hier halal angenommen, also nach den strengen Vorgaben des Koran, der Zinsen rundheraus verbietet. Jede fünfte Bank zahlt mittlerweile überhaupt keine Zinsen auf niedrige Anlagebeträge (2500 Euro) mehr, geht aus einer Untersuchung des unabhängigen Verbraucherportals Verivox hervor. Ein Beispiel dafür ist die Sparda-Bank Hamburg.

Das ehemals verpönte Islamic Banking ist damit europaweit konkurrenzfähig. Entsprechende Angebote richten sich dank der klugen Tiefzinspolitik der EZB nicht mehr nur alleine an die etwa vier Millionen Muslime, die in Deutschland leben. „Auch für Christen und Juden und für alle, die unsere Maßstäbe teilen, ist unser Angebot interessant“, verriet ein Banker dem Nachrichtenmagazin Focus.

So wächst zusammen, was zusammengehört. Nicht nur der Islam ist heute ein Teil von Deutschland, sondern auch das Zinsverbot. Die Wertmaßstäbe, nach denen sich islamisches Banking richtet, sind weit über die bereits gläubige Zielgruppe konsensfähig. Islamische Banken engagieren sich nicht in Bereichen wie Rüstung, Alkohol, Glücksspiel, Tabakwaren oder Prostitution, ein Ethikrat aus Islamwissenschaftlern und Wirtschaftsexperten wacht über die Einhaltung dieser Grundsätze.

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