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Dienstag, 5. Mai 2015

Europa beschließt Überwachungspflicht

Ab 2018 wird das automatische Überwachungssystem eCall in allen neuen Pkw-Modellen in der EU zur Pflicht. Das EU-Parlament stimmte abschließend für das neue Big-Brother-System, mit dem nach Schätzungen der EU-Kommission die Zahl der unbeobachteten Fahrzeugbewegungen europaweit um 90 Prozent verringert werden könnte. Bei der eCall-Debatte im Parlament war der Datenschutz der wichtigste Aspekt.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum neuen Überwachungssystem im Überblick:

Wie funktioniert das eCall-System?
eCall übermittelt automatisch unter anderem Standortdaten, die Zahl der Insassen und die Art des Treibstoffs zur nächsten Leitstelle. Hierfür hat das eCall-System eine Mobilfunkeinheit, einen GPS-Empfänger und einen Antennenanschluss.

Wann überwacht das Notrufsystem den Autofahrer?
Fortwährend. Durch eine Mobilfunkeinheit ist das System dauerhaft mit der Überwachungszentrale verbunden, die greift allerdings nur ein, wenn es zu einem schweren Unfall des Autos kommt. Damit eCall zum Beispiel nicht bei einem leichten Auffahrunfall beim Parken die Leitstelle informiert, ist das System dafür an verschiedene Sensoren und Sicherheitstechniken des Fahrzeugs gekoppelt, so weiß die zentrale Verkehrsüberwachungsstelle immer, wer sich wo mit wie vielen Begleitern befindet.

Was kostet mich eCall?
"Für den Verbraucher wird dieser Service kostenfrei sein", sagt Lacroix. Da der Staat auf die Daten zugreife, werde er eine Lösung finden, die entstehenden Gestellungs- und Betriebskosten auf die Hersteller abzuwälzen. Die Beträge, die hier fällig werden, schätzt die EU allerdings auf weniger als hundert Euro pro Fahrzeug, so dass die überwachten Autobesitzer nicht viel von den Mehrkosten merken werden.

Kritiker fürchten den gläsernen Autofahrer. Zu Recht?
Grundsätzlich kann das System nicht nur Informationen wie den Unfallort aufzeichnen, sondern ständig Daten sammeln und Bewegungsprofile erstellen. Die EU versichert bislang, dass eCall zwar fortwährend Informationen aufzeichne - etwa wie eine Black Box im Flugzeug - diese Informationen aber absolut total sicher seien. So soll verhindert werden, dass darüber gesprochen wird, dass Fahrzeuge mit Hilfe von eCall dauerhaft verfolgt werden könnten.


Warum wird überhaupt ein solches Notrufsystem eingeführt?
Ziel ist es, ein System zu etablieren, dass in jedem EU-Land funktioniert und alle Bürger so überwacht, dass sie auch bei Auslandsreise eindeutig identifizierbar sind. Langfristig soll das standardisierte System eCall die Verkehrsüberwachungsmaßnahmen der Mitgliedsstaaten überflüssig machen - bei Geschwindigkeitsüberschreitungen würde das System dann nach einer angemessen Karenzzeit ebenso zum Zuge kommen wie bei der Abrechnung von gefahrenen Mautstrecken. Begründet werden soll das später wie stets mit alternativlos notwendigen Maßnahmen im Antiterorkampf.

Weshalb wird das nicht so klar gesagt?
Nach den Snowden-Enthüllungen herrscht europaweit eine hysterische Furcht vor Überwachung, auch wenn sie zum Besten aller Menschen durchgeführt wird. Um eCall einzuführen, wird deshalb klug mit der Senkung der Zahl der Verkehrstoten in der EU argumentiert. Durch den sofortigen Alarm im Falle eines Unfalls und die Kenntnis vom genauen Unfallort könne die Reaktionszeit der Rettungskräfte um bis zu 50 Prozent in ländlichen und bis zu 40 Prozent in städtischen Gebieten reduziert werden, hat die EU-Kommission errechnen lassen. Die in Deutschland geltende Hilfsfrist von acht Minuten in dicht besiedelten Gebieten Nordrein-Westfalens bis hin zu maximal 17 Minuten in ländlichen Gebieten Thüringens verkürzt sich damit auf nur noch vier bis acht Minuten. Die meisten Verkehrstoten leben da noch und können gerettet werden.

Kommentare:

Kurt hat gesagt…

Zumindest wer in einer Metropole wohnt, sollte dann durchrechnen, ob er mit Taxi nicht genauso teuer kommt wie mit einem eigenen KFZ. Auf dem flachen Land (der Frühaufsteher) mag sich das nicht lohnen, aber so Terroristen und so wohnen doch meistens in Ballungsräumen.

Gerry hat gesagt…

Unfassbar, wie wenig Widerstand unter den vom Wohlstand versauten Bürgern herrscht. Das System als Notrufsystem zu bezeichnen ein Euphemismus sondergleichen, so fadenscheinig wie lächerlich wie sonst nur was. Das EU-Parlament durfte sich wieder als Durchwinkparlament profilieren, eine Groteske der Demokratie. Ein weiterer Fall von Test -> gucken ob Protest, wenn nicht -> weitermachen.

Guter Kommentar @Kurt. Automodelle von vor 2018 dürften dann auch im Wert steigen.

Anonym hat gesagt…

Glauben diese feisten EU-Parlametarier wirklich was sie da erzählen?
Ich wäre dafür jeden von denen einen Chip einzusetzen der dass Maß der aktuellen Dummheit angibt....
Ich dachte alle Autos müssen dann nachgerüstet werden?

Gernot hat gesagt…

"Begründet werden soll das später wie stets mit alternativlos notwendigen Maßnahmen im Antiterorkampf."

Genau, null Toleranz gegen den Staatsfeind Nr. 1: den Falschparker!

Wie allerdings der Chip die Insassenanzahl ermitteln will, bleibt rätselhaft. Optische und Gewichtssensoren? Das wird ein Spaß mit Riesenteddybären und Getränkekisten!

ppq. so hat gesagt…

das ist nicht rätselhaft! jedes taxi hat heute schon einen sitzsensor. das kostet doch nichts, das in alle autos einzubauen, wie es offenbar geplant ist. zahlt doch der kunde! und für sicherheit zahlt der sehr, sehr gerne!

Geier hat gesagt…

*googelt Sitzsensor*

Das ist im Zusammenspiel mit eCall ja eine ungemein praktische Angelegenheit. Der Öko-Blockwart kann dann diese bürgerlichen Subjekte abmahnen, die häufig allein im Auto sitzen, statt Ressourcen zu schonen und Fahrgemeinschaften zu bilden. Und wenn das nicht besser wird, dann muß man halt den Führerschein einziehen. Nur so kann die Parteitagsdirektive »aus jedem Euro, jedem Gramm Material, jedem Liter Sprit einen größeren Nutzeffekt« auch wirksam umgesetzt werden. Da haben unsere Genossen Neuerinnen und Neuerer sich wirklich was feines einfallen lassen.

Anonym hat gesagt…

In trüben Stunden wähne ich, daß Friedrich Engels (der Barmener Schabbesgoj des Trierer Dienstmädchenschänders) damit recht gehabt hätte, daß die Bourgeoisie vor allem von ausgebüxten Leibeigenen abstammt (Stadtluft macht frei). Daher die Sklavenmentalität und CDU-Wählerei der lieben Kollegen, aber nicht nur der.

-Halbgott in Weiß-