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Mittwoch, 26. Oktober 2016

HFC: Ein Abend mit den Horrorclowns

Nun also auch hier, im Erdgas-Sportpark von Halle, in dem gelegentlich noch der Geist des alten Arbeitersportlers Kurt Wabbel gespenstert. Heute hat er Verstärkung, die Horrorclowns sind da, bisher als reine Medienerfindung betrachtet, ziehen sie pünktlich zum Anpfiff des Pokalspiels Hallescher FC gegen Hamburger SV ihre Tarnjacken aus. Und stehen da, wie der Gruselgott sie geschaffen hat: Mit abstrus beißend rosafarbenen Trikots, an denen dunkelblauviolette Schlauchärmel hängen, die abgesetzt sind mit kunterbunten Borten. Als Socken tragen die Clowns blankes Blau, abgesetzt mit Ringeln, die wohl komisch wirken sollen. Auf den Schockhemden links ein goldener DFB-Pokal, recht ein Logo der Dieselschummelfirma VW.

Wäre es nicht ernst, es wäre zum Kaputtlachen. Aber die Mannschaft des Gastgebers ist nicht zum Spaß hier, sondern erstmals in der Geschichte des HFC gewillt, eine zweite Runde im DFB-Pokal zu überstehen. Das letzte Heimspiel gegen Zwickau hat Mut gemacht, Halle will sich nach einer Serie von sieben ungeschlagenen Spielen auf Augenhöhe mit dem noch zwei Klassen höher etablierten Bundesliga-Dino messen.

Horroclowns auch auf der Hamburger Tribüne.
Das geht schief. Gleich in der zweiten Minute verpasst Kapitän Klaus Gjasula ein leichtes Zuspiel kurz vor dem eigenen Strafraum. Ein Zeichen gesteigerter Nervosität, die die Mannschaft von Trainer Rico Schmitt an diesem feuchtkalten Herbstabend vor 14.004 Zuschauern nicht mehr ablegen wird, bis es zu spät ist.

Nur fünf Minuten nach Gjasulas folgenlos überstandenem Aussetzer findet das Spiel sein Muster. Halle setzt zum ersten Mal überhaupt zu einem Angriff an. Verliert aber den Ball im Vorwärtsgang. Die kreischbunten Horrorgestalten des HSV, gestraft von einem augenscheinlich schwerkranken und zudem farbenblinden Designer, kontern über drei Stationen. Bobby Wood hat keine Mühe, den Ball an HFC-Torwart Fabian Bredlow vorbei ins Netz zu schieben.

Ein Horror für den HFC-Anhang, der tatsächlich der vorab verbreiteten Stimmung verfallen war, dass es diesmal, diesmal, ja, wirklich diesmal, eine wirkliche Chance gebe, zum ersten Mal in die dritte Pokalrunde einzuziehen. Aber der HFC war nie eine Pokalmannschaft - und er ist auch heute keine. Das liegt auch an der Taktik, die nach acht Minuten pulverisiert ist, aber in der Folge konsequent beibehalten wird. Der HFC greift früh an, der HSV nun gar nicht mehr. Mal um Mal erkämpft sich der HFC Ecken und Freistöße. Die Mal um Mal kläglich vergeben werden.

Bis zur ersten richtigen Chance dauert es 25 Minuten. Aber auch Kapitän Gjasula bringt den Ball nach einer Flanke von Baumgärtel nicht über die Linie.

Immerhin ist jetzt Augenhöhe erreicht. Halle tut, was es kann. Hamburg tut, was es muss. Sie gut aus für die Rot-Weißen, die angesichts der grellrosa Leibchen ihrer bedauernswerten Gegenspieler ohnehin aussehen wie die einzigen richtigen Fußballer auf dem Platz, die ein ungnädiges Schicksal verurteilt hat, gegen eine wahnsinnige Truppe von maskulinen Balleteusen aufzuspielen.

Der HFC macht streckenweise ordentlich, denn er macht es ganz allein. Die Hamburger lauern nur noch auf Konter, geben den Raum bis zur Mittellinie preis und laufen den meist harmlosen Bemühungen der Hallenser in Strafraumnähe dann flankierend hinterher. Einmal nur rächt sich das, als Selim Aydemir nach der 15 Standardsituation der Hallenser abzieht, Rene Adler im HSV-Tor nur abklatschen lassen kann. Und Klaus Gjasula einen Schritt zu spät kommt, um den Ausgleich zu machen.

Im Gegenzug eine Dublette des 0:1: Wieder schneller Konter, wieder Wood, Bredlow, der bis dahin keinen Ball halten musste, wieder chancenlos. 0:2.

Angesichts der Abschlussschwäche des HFC sind die Messer damit schon zur Halbzeit gesungen, was aber nicht bedeutet, dass es nicht vielleicht doch noch ein schöner Abend werden kann. Offiziell wollte der HFC den HSV "ärgern". Und praktisch tut er das mit Wiederanpfiff.

Nun schon im Alles-oder-Nichts-Modus, drückt der Drittligist den angehenden Zweitligisten in die eigene Hälfte. Moment großer Schönheit entfalten sich vor der Publikum, das in der Hamburger Ecke beginnt, die mitgebrachten bengalischen Feuer zu entzünden, weil das Spiel der eigenen Mannschaft nicht mehr stattfindet. Muss aber auch nicht, denn der HFC macht heute alles allein - erarbeitet sich Chancen, macht sie zunichte, setzt wieder an. Und versagt im Abschluss.

Der Knackpunkt ist ein Sturmlauf der eingewechselten Marvin Ajani, den der herausgeeilte Adler in vollem Lauf zu Boden rammt. Könnte Rot geben, gibt aber nur Gelb, umgeben von viel Aufregung. Halle am Drücker, emotional jetzt im Spiel angekommen, der HSV noch in Vorlage, aber alle wissen, ein Gegentor, und die Gisdol-Truppe fällt vielleicht aus einander.

Nach einer knappen Stunde platzt der Traum, einmal mehr nach dem Muster des Abends: Ein Horroclown erobert den Ball, zwei, drei Stationen auf dem Weg nach vorn. Diesmal ist Lasogga der letzte Komiker am Ball. Bredlow ist wieder chancenlos. 0:3.

Alle Messen gesungen, die Zuschauer sehen einen Triumph des kalten, abgebrühten Zweckfußballs einer Mannschaft, die ihrer Mittel sicher sein konnte, weil ihr die Chance dazu gegeben wurde.
Benjamin Pintol blieb auch einmal mehr wirkungslos.

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