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Samstag, 25. Februar 2017

HFC: Das Selbstmordkommando von der Saale

Auch der Ball geht nicht rein. Was prinzipiell eigentlich gar nicht gehen kann.

Als der Ball zum zweiten Mal wie gelähmt auf der Torlinie des Großaspacher Kastens liegenbleibt, zieht eine leise Ahnung durch den erneut nur mit spärlichen 5.500 Menschen besetzten Erdgassportpark. Hier könnte heute Geschichte geschrieben werden. Als der Ball dann kurz nach der Halbzeit zum zweiten Mal an die Latte des Großaspacher Tores knallt, wird es zur Gewissheit. Hier wird heute Geschichte geschrieben werden. 


Vierzig Minuten später ist es Gewissheit: Der Hallesche FC, zum ersten Mal seit 25 Jahren wieder in Rufweite zur zweiten Bundesliga, verabschiedet sich aus dem Aufstiegsrennen. Der Club von der Saale wird den Rest der Saison in Ruhe herunterspielen und die zum sicheren Verbleib in der 3. Liga noch nötigen 13 Punkte holen. Die letzten davon dann sicher vor einem kleinen Kreis von Leuten ohne Kleingarten, die aus lauter Gewohnheit jeden zweiten Samstagnachmittag in das alte Kurt-Wabbel-Stadion kommen.

Chancen im Minutentakt


Da jubelt der falsche Röser.
Alles also wie immer, eigentlich ist nichts passiert in diesem Spiel gegen die Mannschaft aus Großaspach, die in Halle nie schlecht aussah. Oder doch jedenfalls nie so schlecht wie heute. Zwar gehört den Gästen die Anfangsphase, nach einer Viertelstunde aber beginnt der HFC, Druck nach vorn aufzubauen. Die Gäste, bis dahin über den wieselflinken Rodriguez gefährlich, kommen nun nicht mehr aus ihrer Hälfte. Und die Männer von Trainer Rico Schmitt zu hochkarätigen Chancen im Minutentakt. Marvin Ajani vergibt gleich zweimal freistehend, dann ist es Fenell, der die Latte trifft, anschließend stochert Kleineheismann den Ball bis exakt auf die Torlinie und Martin Röser gelingt kurze Zeit danach genau dasselbe noch einmal.

Und immer noch steht es 0 zu 0 und immer noch deuten die Gäste vom Gasthof "Sonnenhof" an, dass sie trotz aller Personalprobleme nicht gekommen sind, dem HFC die drei Punkte zu schenken, die reichen würden, bis auf einen Punkt an den ewigen Rivalen aus Magdeburg heranzukommen und zwei Punkte Abstand zum nächsten Anwärter auf Tabellenplatz 3 zu schaffen. Halle spielt nicht gut, aber mit acht Offensivaktionen, die zum Tor hätten führen können, stehen die Rot-Weißen deutlich besser da als zuletzt gegen Regensburg, als ein Big Point im Aufstiegsrennen vergeben wurde.

Die Führung müsste eine reine Frage der Zeit sein, so sieht es auch nach der Halbzeit aus. Jetzt kommt die Szene, in der Fenell, schön angespielt von Florian Brügmann, beim Lattenschießen seinen zweiten Treffer landet. Ein Signal. War bis dahin schon kein System im HFC-Anrennen zu erkennen, fällt nun auch das noch auseinander. Ajani verhungert auf seiner Seite, Lindenhahn hat wieder einen zumindest schon angebrochenen Tag erwischt. Über allen Köpfen der HFC-Spieler schwebt die Sprechblase mit dem ewigen Zweifel aller Fußballspieler, denen es selbst in guten Phasen schwerfällt, das Tor zu treffen: Geht denn heute wirklich keiner rein?

Keiner geht noch rein


Nein. Zumindest nicht ins Großaspacher Tor. Dafür klingelt es bei Fabian Bredlow. Ein Großaspacher Verteidiger macht einfach mal, was Ajani und Röser bis hierhin nicht fertiggebracht haben. Durch zur Grundlinie, Flanke nach innen, Bredlow schaut, als sei das so nie vorgesehen gewesen. Lucas Röser, der Bruder von Martin Röser, dem ersten HFC-Spieler des letzten Vierteljahrhunderts, für den Ablöse gezahlt wurde, steigt im Fünfmeterraum hoch wie im Training und köpft zum 0 zu 1.

Danch läuft es bei Halle, aber nur noch die Beine runter. Was bis hierher eine kleine Spur in der Hose aus lauter Angst vor der dünnen Luft an der Tabellenspitze war, ist nun eine unübersehbar dicke, fette schwere Buxe, die das Laufen, Rennen und Passen zu einem Kraftakt macht.

Da vorn im Sturm, der im Falle Halle traditionell als laues Lüftchen weht, ist kein Zielspieler wie Röser, kein Torgaran, wie ihn der FCM mit Beck hat. Und dahinter ist kein Mittelfeld, das das ausgleichen kann. Hinzugerechnet die streckenweise an die Bemühungen einer C-Jugendmannschaft im ersten Großfeldjahr erinnernden Bemühungen bei Ecken und Freistößen, kann hier nicht weiter passieren, als was passiert. Während die Zuschauer schon langsam wegtröpfeln, suchen Kapitän Klaus Gjasula und Co die Brechstange. Können aber nicht mal die finden.

Eine Heimniederlage, die erste seit fast einem Jahr, aber absehbar. Die Weichen wurden in der Winterpause gestellt, als die Klubführung mit dem Finnen Timo Furuholm den numerisch besten HFC-Stürmer seit dem legendären Denis Koslow nach Hause schickte. Und als Ersatz einen vierten Torwart holte.

Der Rest der Saison wird damit absehbar zu einer Selbstmordmission für Aufstiegsträume. Benjamin Pintol, mit bis dahin fünf Toren in 20 Spielen etwa so gefährlich wie ein kopfballstarker Innenverteidiger, sollte allein dafür sorgen, die eklatante Offensivschwäche in der Rückrunde zu verbessern. Schließlich gewinnt der Sturm ohnehin nur Spiele, die Abwehr aber Meisterschaften, so steht es in den Lehrbüchern.

Doch der Plan, falls es einer war, geht allerhöchstens als Signal an Mannschaft und Umfeld auf. Wir haben keine Ambitionen, hieß die Botschaft, wir spüren keine Euphorie, wir wagen nichts und können so auf keinen Fall irgendetwas verlieren.

Das wars für diese Saison


Nur gewinnen eben auch nicht mehr: Drei Tore hat der HFC seit Rückrundenstart geschossen, aber vier kassiert, in der Bilanz steht ein Sieg bei zwei Unentschieden und zwei Niederlagen. Das macht fünf Punkte aus fünf Spielen und zehn Punkte, die jetzt jemand anderer hat. Nah dran an dem, was mal war. Und weit vorbei an dem, was hätte sein können.

Mancher wird sich nun vielleicht doch einen Kleingarten zulegen.


1 Kommentar:

Die Anmerkung hat gesagt…

Der HSV verkleidet sich als Bundesliga-Mannschaft

https://www.welt.de/sport/article162409104/Der-HSV-verkleidet-sich-als-Bundesliga-Mannschaft.html