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Samstag, 3. Februar 2018

HFC: Punkte mit Bart


Die Krise ist allgegenwärtig in diesen Tagen beim Halleschen FC, der nur gewinnen kann, wenn er gerade noch verloren hat. Das Geld ist alle, der Vorstand auf dem Abflug, der Bürgermeister, der früher immer auf der Tribüne saß, kommt nicht mehr, und den Klub zu retten, hat er auch keine Lust. Immerhin spricht das Gesetz der Serie vor dem Spiel gegen den Tabellennachbarn aus Osnabrück für die Elf von Trainer Rico Schmitt: Gegen Aalen gewonnen, in Jena verloren, da kommt gegen die Violetten aus Niedersachsen nur ein Sieg infrage, das haben Mannschaft und Coach vorher klargemacht.

Aber ach, es ist dann doch wie noch meistens. Der HFC tut sich schwer im ersten Durchgang, es schneit leicht und bei zwei Grad plus knirschen die Räder des Spielaufbaus, die eigentlich wie selbstverständlich einandergreifen sollten, auf beiden Seiten ungeschmiert. Ein Fehlpassfestival, von dem kaum abzusehen ist, ob es von eigenem Unvermögen und was gegnerischem Dazwischengehen provoziert wird. Schmitt, der nach der Verletzungsmisere der Hinrunde inzwischen nahezu komplett auf die Top-Elf zurückgreifen kann, die eigentlich um den Aufstieg spielen sollte - nur Petr Sliscovic und Martin Röser sind immer noch oder wieder nicht verfügbar - lässt Mathias Fetsch stürmen, auf den Außen sollen der zuletzt so starke Marvin Ajani und der erstmals wieder von Anfang an auflaufende Benjamin Pintol unterstützt von Baumgärtel und Schilk dahinter den Mann in der Mitte mit Flanken füttern.

Ein Plan, der sichtlich nicht aufgeht. Einmal findet Baumgärtel Pintol, der aber köpft drüber. Auf der Gegenseite hat Danneberg nicht mehr Glück bei seinem Kopfball. Abgesehen von einem Fernschuss von Klaus Gjasula, der immerhin deutlich weniger Fehler macht als in Jena, ist alles, was nach vorn noch passiert. Die 5500 auf den Tribünen haben aber wohl auch kein Feuerwerk erwartet, denn zur Halbzeit ist die Stimmung gelassen. 0:0, alles drin, auch wenn es nicht nach dem ersehnten Befreiungsschlag aussieht, einem Spiel, das wie damals im November gegen Münster endlich einmal wieder mit mehr als einem Tor Vorsprung gewonnen wird, auch die Gäste aus Osnabrück wirken nicht, als würden sie hier heute Bäume ausreißen können.

Die Klub-Kicker, mit diesem Aufgebot die bärtigste Mannschaft, die der HFC wohl jemals auf den Platz geschickt hat, zeigen sich zumindest kampfstark. Fetsch läuft schon vorn früh an. Pintol ebenso. In der Mitte ist Gjasula überall, auch Zenga zeigt, dass ihm kein Weg zu weit ist. Schön anzusehen ist das alles nicht, wüsste man nicht, worum es beim Fußballspielen geht, man könnte es glatt vergessen angesichts der jeweils nur drei, vier Stationen überbrückenden Ballstafetten, die regelmäßig in einem Wechsel des Angriffsrechts durch Fehlpass, Freistoß oder Einwurf enden. Und so weiter.

Torchancen gibt es fast gar nicht, nur Ajani zieht noch einmal ab, trifft aber nicht. Der Schneefall hat nun aufgehört und wie aus dem Nichts hat Pintol plötzlich auf rechtsaußen den Ball. Er legt ihn in die Mitte, wo Zenga, der Torschütze von Jena, ihn drei Meter weiter ins Zentrum zu Ajani streichelt. Bart 9 auf Bart 21 auf Bart 22. Innenrist, gut gezielt ins rechte Eck. 1:0 in der 53. Minute.

Gut, in einem so typischen 0:0-Spiel ein Tor zu schießen. Schlecht, gegen die anschließend ratlos wirkenden Gäste nicht nachlegen zu können. Osnabrück rückt jetzt etwas auf, die Niedersachsen wollen gern den Ausgleich machen, haben aber sichtlich keinen Plan, wie sie das anstellen sollen. Am gefährlichsten für HFC-Torhüter Tom Müller wird es noch bei Freistößen und Ecken, aber auch beim Kopfballversuch von Heider ist der 20-Jährige, heute einer von nur vier bartlosen HFC-Spielern, früher dran als der VfL-Stürmer. Auf der anderen Seite stellen sich seine Mitspieler beim kontern allerdings nicht klüger an: Fetsch schießt Gersbeck in die Arme, Gjasula aus 20 Metern drüber, Fennell versagen aus 13 Metern die Nerven.

Die finale Offensive der Gäste versandet, ausgebremst von einem HFC, der jetzt konsequent auf Zeit spielt. Als Schiedsrichter Justus Zorn nach drei Minuten Nachspielzeit abpfeift, reißen die Rotweißen die Arme hoch. Es sind jetzt neun Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz und 15 Rückstand auf die Relegation. Mit dem HFC beginnt im Grunde die untere Tabellenhälfte der 3. Liga, das Land, wo sportlich nichts mehr zu gewinnen ist, aber immer noch alles schiefgehen kann.

Ende Februar ist Termin für die Beantragung der Lizenz für die nächste Spielzeit. Da muss ein Sieg her, mehr als kommende Woche in Unterhaching.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Was genau wird denn spielerisch erwartet? Das, was heute (wieder) zu sehen war, ist normale, biedere Drittligakost. Das, was die grosse Anzahl der in dieser Liga spielenden Teams Woche für Woche anbieten.
Das Problem ist nicht die Darbietung auf dem Platz, sondern das Desinteresse im Umfeld. Was aber selbst als Tabellenführer wohl nicht gross anders wäre. Klingt hypothetisch, ich weiß...

ppq hat gesagt…

von einer mannschaft, dei für einen kampf um den aufstieg zusammengestellt wurde und in bestbesetzung antritt? schon mehr, als da zu sehen war

Carl Gustaf hat gesagt…

"von einer mannschaft, dei für einen kampf um den aufstieg zusammengestellt wurde"

Eine HFC-Führung über eine Mannschaft sprechen zu hören, die für den Kampf umd den Aufstieg zusammengestellt worden ist, entfaltet die gleiche Poesie, wie das Gerede von Angela Merkel oder Manuela Schwesig über die Herausforderung der Digitalisierung, die die neue GroKo nun endlich angehen möchte.

ppq hat gesagt…

wo du recht hast