Google+ PPQ: Stille Nacht, heilige Nacht: Eine Päpstin in der fantastischen Stadt

Montag, 24. Dezember 2018

Stille Nacht, heilige Nacht: Eine Päpstin in der fantastischen Stadt



In einer kleinen Stadt, mitten zu Weihnachten, begab es sich, dass das, war eben noch wahr war, nicht mehr wahr war. Die Wirklichkeit, ein veränderlicher, ja, veränderbarer Zustand, macht e aus dem Aufenthalt "In einer kleinen Stadt" den "In einer fantastischen Stadt". Früher hieß dergleichen Gegendarstellung, und es war peinlich, jedes Mal, wenn es geschah.

Heute trabt der Premiumjournalist auf den ersten Pfiff der Geschichte nach, die sich seine Chefredaktion von ihm wünscht. Findet er sie nicht, erfindet er sie. Im zweiten Anlauf dann, wenn das Märchen auffliegt, spurtet ein nächster Auftragsschreiber herbei, diesmal mit neuen Arbeitsziel: Gutmachen, was schlecht gewesen war, begradigen, zurechtrücken, Sympathie wecken für die, die Schuld an Trump sind, nun aber doch Opfer der eigenen Feder und damit anspruchsberechtigt für Regress.

Ein Gewerbe, geplagt von Auflagenrückgang und Vertrauensverlust, schraubt am Turbo für die Beschleunigung des eigenen Untergangs. Wie ein Wanderer, der in Treibsand zu versinken droht, erhöht jedes Rudern und Strampeln nur das Tempo, in dem das Vertrauen aus der Filterblase entweicht, in der sich die Edelfedern der Nachrichtenfabriken schon vor Jahren vor der Wirklichkeit verbarrikadiert haben.

Zwischen Wunschdenken und Verzweiflung wird die Zeit knapp, die Kanonen noch einmal herumzudrehen und dem zu widersprechen, was man selbst über Jahre propagiert hat. "Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er dann die Wahrheit spricht", sagt ein altes Sprichwort - und wenn es Recht behält, wäre es das Todesurteil nicht nur für den "Spiegel".

So viel Heimlichkeit, so viel Verzweiflung. "Wie die Kirche Geschichte umschrieb", überschreibt das Hamburger Magazin aktuell eine verschwörungstheoretische Weihnachtsgeschichte, nach der Maria Magdalena die erste Päpstin gewesen sein soll. Ein bemerkenswert stimmiges Beispiel für die aktuell überall anzutreffende Mischung aus Unterhaltung, Missionierung und Clickbait: Nicht einmal Petrus war der erste Papst, sondern allein Bischof von Rom, um den Titel wirklich tragen zu können, hätte Maria Magdelena rund 400 Jahre alt werden müssen.

Aber auf Einzelheiten, die der geplanten Geschichte widersprechen, kommt es nicht an. Wichtig ist, was oben draufsteht, zumindest, so lange es der eigenen Agenda entspricht. War ein Shutdown der US-Regierung für die Süddeutsche Zeitung im Jahr 2013 "keine Katastrophe für Amerika" (SZ, so ist derselbe Shutdown heute nichts weniger als "eine Naturkatastrophe" und ein "Unheil". Einziger Unterschied. der Name des Mannes im Weißen Haus hieß lautete vor fünf Jahren Barack Obama. Heute regiert dort Donald Trump.

Mit jedem Leser, der sich erinnert, stirbt ein Abonnent. Mit jeder Zeile, die Voreingenommenheit über Information stellt und Beeinflussung von Leserinnen und Lesern für wichtiger erachtet als deren eigenes Urteil, rückt der Tag, an dem die letzte Zeitung und das letzte Magazin gedruckt werden, um eine Woche näher. Die Reaktion des "Spiegel" mit seiner akuten Affäre lässt vermuten, dass diese Erkenntnis inzwischen auch die ersten Chefredaktionen und Großraumbüros erreicht hat. Der Umgang mit den bisher bekannten Tatsachen aber legt nahe, dass dieses Pony nur einen Trick beherrscht: Immer genauso weitermachen.


Kommentare:

Die Anmerkung hat gesagt…

http://www.spiegel.de/plus/boris-palmer-nur-die-tuebinger-lieben-ihren-oberbuergermeister-a-00000000-0002-0001-0000-000161498508

Umstrittener Grünen-Politiker

SPIEGEL+ Exklusiv für Abonnenten

Deutschland lacht über Oberbürgermeister Boris Palmer und seine Tiraden...

Von Felix Bohr, Anna Clauß
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War da was? Mir ist das Lachen vergangen.

Die Anmerkung hat gesagt…

Relotius ist derzeit für aktuelle Stellungnahmen nicht erreichbar.

red

Volker hat gesagt…

"Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er dann die Wahrheit spricht"

"einmal" ist gut.

Volker hat gesagt…

"Zwischen Wunschdenken und Verzweiflung wird die Zeit knapp, die Kanonen noch einmal herumzudrehen und dem zu widersprechen, was man selbst über Jahre propagiert hat."

Maximilian Popp hat es zumindest schon mal versucht.

Der lachende Mann hat gesagt…

Es ist zu wünschen, daß in den USA möglichst viele Menschen und Institutionen, die durch den "Spiegel" diffamiert und beleidigt worden sind, auf dermaßen saftige Entschädigungszahlungen klagen, daß es diesem Blatt das Lebenslicht ausbläst.

Anonym hat gesagt…

SPIEGEL, SPIEGEL aus Papier,
zum Arsch abwischen, diene du mir.

Anonym hat gesagt…

direkt aus dem Vatikan , seine allerkatholischste Omnipotenz Papst Seppizius III erteilt allen Lesern des ppq Magazins die Absolution ; alle geistigen und fleischlichen Sünden werden , unter bestimmten Voraussetzungen .... vergeben bzw. erneut geprüft .

i.A. Knüll, Sekretär

Die Anmerkung hat gesagt…

Vielen Dank noch für den kleinen Trommler, der diesen Post veredelt.

Anonym hat gesagt…

suizit..? was anderes fällt dir nicht vorher ein?