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Samstag, 5. Januar 2019

Promi-Leaks: Nichts zu verbergen


Der gläserne Bürger, er ist mindestens so sehr Traum jedes Regierenden wie ein Fernflugverbot traditionell der feuchte Traum jedes anständigen Umweltpolitikers ist. Alles wissen heißt alles beherrschen können, gegen Überraschungen gefeit zu sein und eingreifen zu können, noch ehe eine Entwicklung so viel Eigendynamik gewinnt, dass sich nicht mehr ohne öffentliches Aufsehen einhegen lässt.

Der gläserne Politiker hingegen, das ist seit Rudolf Scharpings Poolbildern eine Binse, kann kein Ziel sein, denn zu scharf gesehen, entpuppt er sich zumeist als gewöhnlicher Mensch mit erschütternd alltäglichen Eigenschaften: Nicht schlauer als andere, nicht souveräner, nicht einmal sicherer in der Beherrschung von Grammatik und Rechtschreibung.

Der Promi-Leak, der die Medienrepublik zu Jahresbeginn schwerer beschäftigt als es die Silvesterorgien von Köln vor drei Jahren in denselben Tagen taten, entspricht so gesehen tatsächlich einem Tabubruch, tief empfunden von politischen Akteuren und ihren medialen Claqueren. Was soll aus einem Land werden, in dem der Wähler plötzlich die Telefonnummer seines Abgeordneten kennen kann? Wie soll jemand noch regieren, wenn die Email-Adresse der Kanzlerin im Netz kursiert? Und was wird erst werden, wenn demnächst vielleicht sogar nicht nur völlig unbekannte SPD-Hinterbänkler über ihre unsicheren Passwörter stolpern, sondern Spiegel-Redakteure, SZ-Reporter und FR-Korrespondenten?

Die Bundesregierung ist alarmiert. Nirgends ist die Rede davon, dass es keine absolute  Sicherheit geben kann. Herrschte nach den Übergriffen von Köln und dem Terroranschlag von Berlin noch ohrenbetäubendes Schweigen, wird der "Hackerangriff" im Chor als verheerende Attacke auf den Kern der medialen Blase gewertet, in der Politiker und Medienschaffende, verbunden durch die nur gegenseitig bekannten Rufnummern, daran arbeiten, die Politik der Bundesregierung noch besser zu erklären und in immer noch ergreifendere Geschichten zu verpacken. Die "Veröffentlichung von Kontaktdaten der Bundes- und Landespolitiker inklusive Telefonnummern, persönlicher Daten und parteiinterner Dokumente" (heise) erscheint im Lichte einer aufgeregten Berichterstattung, die erst die in ihr beklagte Aufmerksamkeit auf die bis dato von kaum jemandem wahrgenommene Enthüllung richtet, als Sensation. Bundestagsabgeordnete sind über "name.name.mdb@bundestag.de" zu erreichen! Europa-Abgeordnete über "Name.name@europarl.europa.eu.int"! Nein!!!!!!

Wer das bisher nicht wusste, den wird es vermutlich auch heute nicht um den Schlaf bringen. Und wer es sich denken konnte, der staunt nur, dass der "Spiegel" einst selbst Hillary Clintons private Email-Adresse hdr22@clintonemail.com bekannt machte. Nun aber erschüttert ist, dass Diether "Arschloch" (Wolf Biermann) Dehm offenbar die vom halbstaatlichen Anbieter Deutsche Telekom angebotene Adresse diether.dehm@t-online.de benutzt.

Aus Personen der Zeitgeschichte werden mit dem "massiven" (Bundesregierung) "Hackerangriff" (Welt) von "G0d" (dpa) Geheimnisträger selbst der eigenen Kontaktinformationen. Wie damals, als die inzwischen weitgehend abgetauchte CSU-Hoffnungsträgerin Ilse Aigner ihrer Karriere mit markigen Sprüchen gegen Telefonbücher und Fassadenfotos Schwung zu verleihen versuchte, werden erst die Maßstäbe verschoben. Und dann wird Angst geschürt: Ist nicht, wer die Handynummer von Katja Kipping und Gregor Gysi besitzt, in akuter Gefahr, in den Terror abzurutschen? Muss nicht, wer das "Regierungsviertel in Aufruhr" Handelsblatt) versetzt, vom Generalbundesanwalt verfolgt und angeklagt werden? Wegen des in Paragraph 202a StGB erwähnten Kapitalverbrechens "Ausspähen von Daten", auf das eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren steht - übrigens genau wie bei Paragraph 233 StGB zur "Ausbeutung der Arbeitskraft".

Ein Delikt, das  tagtäglich in jeder deutschen Fußgängerzone zu betrachten ist, wenn der rumänische Bettlerpate sein bestrumpften Geldsammler ausschüttet, das aber weder von Staatsanwaltschaften verfolgt noch von Regierungssprechern als demokratiegefährdend beklagt wird.

"169 Megabyte", wie es drohend raunt, als wäre das nicht gerademal ein Viertel der Datenmenge, die auf eine gewöhnliche CD passt, "169 Megabyte" die in den kommenden Wochen zweifellos die Tür öffnen werden zu noch mehr symbolischer Verschärfung der Netzkontrolle, zu noch mehr Zensur, flotten Geschichten über russische Trollarmeen und ministerielle Sockenpuppen und schließlich einem Ende, über das sich heute schon sagen lässt, dass es dem in vergleichbaren Fällen entsprechen wird: Es wird dann in Kürze nicht mehr darüber geschrieben werden.

Kommentare:

Volker hat gesagt…

Wie jeder weiß, muss man differenzieren. Negative Leaks verurteilen wir selbstverständlich. Das ist voll Nazi, Daten der Machthaber in die Öffentlichkeit zu bringen.

Ganz anders als bei positiven Leaks. Um Daten von den Pösen zu erlangen, kann ... nein ... soll man schon mal richtig hinlangen.
Und damit kann man sich auch brüsten. Ungestraft, versteht sich (Courage ist nicht illegal).

@KatharinaKoenig ((((Katharina König-P) Tweeted:
#Antifaschist*innen haben Arne #Schimmer, #Neonazi & bis 2014 MdL der #NPD #Sachsen den Laptop abgenommen. Umfangreich Infor über #Nazi-Szene enthalten. Er schrieb u.a. für #Sezession.
"Antifaschistische Büchewürmer" kündigen Veröffentlichung an
https://de.indymedia.org/node/22742

ppq hat gesagt…

so ist das

Volker hat gesagt…

Danisch hat auch was zum Thema ausgegraben.

Hacker- und Journalistenethik - Doppelstandards at its best

Die Anmerkung hat gesagt…

@Volker

Das ist ja der Grund warum Linke nichts, aber auch gar nichts zum NSU geleakt haben. Der Pöbel hätte gemerkt, wie er hinter die Fichte geführt wird.

NSU-Leaks sind schlechte Leaks, weil sie der ideolgischen Linie zuwiderlaufen.

Anonym hat gesagt…

re Volker : für 100 oiro / Hausbesuch bekommt man im Donkelnetz sehr viel Spaß geliefert .

demnächst Vollbeschäftigung für osteuropäische Kraftsportler ; der Sommer wird sehr sehr heiß .


Serdar Somuncu
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