Google+ PPQ: Daumenabdruck gegen Demokratie

Freitag, 15. Juni 2007

Daumenabdruck gegen Demokratie

Der Chaos Computer Club ist besorgt über die Pläne der Bundesregierung, allen Bürgern ab dem 1. November zusätzlich zum digitalen Gesichtsbild auch noch die Abdrücke zweier Finger abzunehmen. Unter den Beteiligten sei längst klar, dass die Einführung der Fingerabdrücke in den Reisepass kein Mehr an Sicherheit brächten. Dennoch solle die gesamte Bevölkerung künftig auf den Meldeämtern erkennungsdienstlich behandelt werden. “Wie Kriminelle werden die Bürger gezwungen, ihre Fingerabdrücke beim Staat abzuliefern, ohne dass die Bundesregierung jemals sinnvoll begründet hat, warum diese biometrische Vollerfassung nötig ist”, schimpft CCC-Sprecher Andy Müller-Maguhn.Nach Ansicht der ins bürgerschaftlich-engagierte gewandelten Ex-Hacker liegt der Grund für die biometrische Überwachungsmaßnahme liegt im "immer weiter wachsenden Interesse des Staates an der Erfassung aller Daten seiner Bürger". Nebenher werde aber auch die Biometrie- und RFID-Industrie gefördert. Die Interessenverquickung zwischen Politikern wie dem Ex-Innenminister Schily, der Aufsichtsrat bei den Biometrie-Firmen Byometric Systems und Safe ID Solutions AG ist, sei "äußerst
anrüchig".

Für die Zukunft warnt der CCC schon mal vor den Auswirkungen der Fingerabdruck-Identifikation auf Reisende. Statistische Untersuchungen hätten gezeigt, dass drei bis fünf Prozent der Bevölkerung keine ausgeprägten Fingerabdrücke aufwiesen. Die Betreffenden könnten also demnächst beim Versuch eines Grenzübertrittes außerhalb der EU zurückgewiesen werden, weil sie nicht als sie selbst identifizierbar seien.

“Mit dem sofortigen, schrankenlosen Online-Abruf der Passbilder schon bei Ordnungswidrigkeiten wird eine neue Dimension des staatlichen Biometrieterrors gegen die Bürger erreicht. Kombiniert mit Verfahren zur automatischen Gesichtserkennung sind der permanenten Alltagsüberwachung nun keine Grenzen mehr gesetzt”, glaubt Maguhn.

Der Chaos Computer Club rufe daher alle Bürger auf, die Abnahme der Fingerabdrücke zu boykottieren. Schon wenn sich ein kleiner Teil der Bevölkerung der erkennungsdienstlichen Behandlung verweigere, könne die Totalüberwachung noch verhindert werden. Das allerdings scheint sehr idealistisch gedacht - schließlich sollen Fingerabdrücke und RFID-Chips vorerst nur in Pässe eingebaut werden, nicht in Personalausweise. Pässe aber haben längst nicht alle Deutschen - der Boykott, zu dem der CCC aufruft, findet also seit Jahren permanent und hartnäckig statt.

1 Kommentar:

panzerbummi hat gesagt…

isch abe auch keinen pass :-) nimm das, schily, du leviathan des überwachungsstaates.