Google+ PPQ: Protest mit dem Messer

Montag, 14. Januar 2008

Protest mit dem Messer

"Bittere Nachricht für Wahlkämpfer Roland Koch" fabuliert der immer noch führungslos dahintuckernde Nachrichtendampfer "Spiegel" unter der starken Zeile "Statistik entlarvt Wahlkämpfer Koch": Hessen habe nach Berechnungen des Kriminologen und Töpfchen-Theoretikers Christian Pfeiffer seit dem Regierungsantritt von Ministerpräsident Koch 1999 "mit die stärkste Zunahme" (Der Spiegel) von Gewalttaten Jugendlicher zu verzeichnen.

Pfeiffer gilt als ausgewiesener Experte für alles, seit er im Jahre 2000 mit einem Gutachten den so genannten Mordfall des kleinen Joseph in Sebnitz aufdecken half. Der Wissenschaftler attestierte der Aussage der Mutter Glaubhaftigkeit, die behauptete, ihr Sohn sei ermordet worden. Rechtsradikale Jugendliche hätten Joseph im örtlichen Freibad ertränkt. Die versammelten Medien der Republik übernahmen Pfeiffers Deutung ungeprüft und schwelgten eine Woche lang in den Abgünden einer Geschichte, bei der eine Gruppe brutaler Neonazis einen kleinen Jungen vor den Augen einer ganzen Stadt in einem Schwimmbecken meuchelt und niemand etwas dagegen unternimmt. Dann stellte sich heraus, dass Joseph in Wahrheit einfach nur ganz tragisch verunglückt war.

Pfeiffers Ruf tat das sowenig Abbruch wie seine lustige „Töpfchen-These“, wonach der gemeinsame Klogang in DDR-Kinderkrippen den Hang junger Ostdeutscher zum Rechtsradikalismus verstärkt habe. Rein rechnerisch müsste das gemeinsame Töpfchengehen allerdings inzwischen in die Gene eingesickert sein, um heute noch Rechtsradikale produzieren zu können. Pfeiffer kommentiert das denn auch schon länger nicht mehr.

Zuletzt beruhigte der Wissenschaftler lieber die Gemüter. „Unser Land ist sicherer denn je. Seit zehn Jahren sinken Überfälle, Vergewaltigungen, Morde“, hatte Pfeiffer da herausgefunden.

Jetzt nun wieder Kommando zurück, denn wer Gehör finden will, muss zur richtigen Zeit das Richtige sagen. Pfeiffers offensichtlich neuen Erhebungen zufolge stieg die Zahl schwerer und gefährlicher Körperverletzungen durch 14- bis 18-Jährige in Hessen zwischen 1999 und 2006 um 66 Prozent, im restlichen Bundesgebiet dagegen nur um 28 Prozent. Die Gewaltkriminalität Jugendlicher insgesamt, zu der auch Raub und Vergewaltigung zählen, rechnet Pfeiffer vor, habe in Hessen um 35 Prozent zugenommen, in den anderen Ländern nur um 12 Prozent. Während Deutschland, nun ja, das Zitat steht "sicherer denn je" (Pfeiffer) geworden ist.

Nur 12 und nur 28 Prozent mehr Fälle von gefährlicher Körperverletzung, versuchtem Totschlag und geglückten Mord außerhalb Hessen - Fakten, die laut "Spiegel" deutlich zeigen, dass Roland Koch nicht auf Stimmenfang mit einem real existierenden gesellschaftlichen Problem geht. Sondern dass die Kriminalitätsrate bei Jugendlichen und jugendlichen Ausländern eigentlich nur gestiegen ist, weil Koch an die Macht kam. Immer mehr jugendliche Ausländer entschließen sich quasi, kriminell zu werden, um ein Zeichen gegen die Herrschaft des selbsternannten schwarzen Sheriffs Roland Koch zu setzen.

Ja, so muss es gewesen sein.

1 Kommentar:

Dr. Bernardy hat gesagt…

"Alle haben es gewollt"
Ob DDR oder Nazi-Deutschland, - die einen haben gelitten, die anderen wollen nichts davon bemerkt haben.

http://www.poolalarm.de/kindersuchdienst/ddr-schule.htm
http://www.poolalarm.de/kindersuchdienst/leserbriefe.html