Google+ PPQ: Extrawurst vom Schnellgrill

Montag, 9. März 2009

Extrawurst vom Schnellgrill

Beim Verfahren Althaus in Österreich rieben sich viele Beobachter verdutzt die Augen. Kaum angeklagt, schon verurteilt! Was waren die Experten da empört: Ein Fall von Sonderjustiz ganz offenbar, aus dem Kanzleramt bestellt, damit der Thüringer "möglichst unbelastet in den Wahlkampf gehen kann" (dpa). Dort muss Althaus nun ohne Erinnerung gegen die PDS bestehen, die sich verwirrenderweise inzwischen auch noch "Die Linke" nennt, was Althaus, der auf der Piste falsch nach links abbog, zusätzlich belasten wird.

Sonderjustiz aber gibt es nur in Österreich, in Deutschland sind die fliegenden Standgerichte seit dem 23. Mai 1949 gelandet, als zur Feier des vierten Todestages von Heinrich Himmler das Grundgesetz in Kraft trat. Seitdem sind vor Justizias blindem Blick alle Menschen gleich. Kommt es in Fällen von Kapitalverbrechen zu einem Geständnis des Angeklagten, dann mag die Geschädigte auch die reichste Frau des Landes sein wie Susanne Klatten, es wird dennoch keine Extrawurst gebraten. Tja, schade, denn so musste sich Susanne Klatten, Erbin des Vermögens der früheren Wehrwirtschaftsführer-Familie Quandt, die es seinerzeit in guter Zusammenarbeit mit Heinrich Himmler zusammenzwangsarbeiten ließ, mit einem kurzen Prozess gegen den "Gigolo" begnügen, der sie ausgenommen hatte wie eine Weihnachtsgans. Susanne Klattens Großmutter Magda Quandt, die später Volk, Reich und Führer als Joseph Goebbels zweite Ehefrau diente und Anlaß für dessen Ex-Kommunizierung durch den Papst war, begründete diese Familientradition: Sie betrog den Reichspropagandaminister seinerzeit mit dessen Adjutanten Karl August Hanke, dem späteren Gauleiter und Schlächter von Breslau, den Hitler mit dem letzten Atemzug zum Nachfolger des ungetreuen Heinrich Himmler als Reichsführer SS bestimmte.

Eine große deutsche Familie, vor einem kleinen deutschen Gericht. Das geht doch nicht. Der offenbar unzureichend in die Prozessabsprachen eingeweihte Staatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch sprach laut Financial Times in seinem Plädoyer von einem "Zweckgeständnis". Der Gigolo Sgarbi habe "Ross und Reiter" nicht genannt und sich weder zum Verbleib des Geldes oder der Videos, mit denen er Susanne Klatten und eine weitere Frau erpressen wollte, geäußert, noch mögliche Mittäter genannt. Aber mit Rücksicht auf das prominente Opfer, das alle Zahlungen an Sgarbi freiwillig geleistet hatte, weshalb von einer "Beute" gar nicht die Rede sein kann, war man schnell handelseinig. Für das halbe Geständnis gibt es drei Viertel der Strafe, statt der geforderten neun Jahre also nur sechs. Es traf ja keine Arme. Der Angeklagte könne allerdings nicht damit rechnen, nach zwei Dritteln seiner Strafe auf freien Fuß zu kommen, hieß es dazu vom Gericht, das zumindest den Anschein erwecken will, eine unabhängige Justiz frage nicht danach, ob das Opfer 10 Euro oder 20 Milliarden hat. Wovon in vier Jahren selbstverständlich niemand mehr etwas wissen wird.

Gern hätten wir noch mehr schockierende Einzelheiten darüber erfahren, wie einsam Geld macht und wie verführbar dieser ganze fürchterliche Reichtum. 20 Milliarden! Mein Gott! Mancher wird ja schon beim Gedanken an eine Million ganz ängstlich, weil er nicht weiß, wie das mit der Steuer läuft. Aber wie Die Anmerkung heute anmerkt: "Der Erpresser der Milliardärin und Imperiumsverwalterin Klatten wurde nach Geständnis und Frühstückspause zu 6 Jahren Haft verurteilt." Extrawurst vom Schnellgrill, sozusagen. Guten Appetit.

Kommentare:

npr hat gesagt…

Die Klattengeschichte ist völlig an mir vorbeigegangen, habe erstmal recherchiert:

„Dann kommt die Geschichte, die Sgarbi in diesen Monaten noch anderen Frauen auftischt: Bei einem Besuch in den USA habe er einen Autounfall gehabt und ein Kind schwer verletzt. Um einen Prozess zu vermeiden, müsse er zehn Millionen Euro Schadensersatz zahlen, er habe aber nur drei. Die anderen Opfer bekommen das Rührstück in Variationen: Mal ist die Mafia mit im Spiel, mal wird Sgarbi von Zigeunern erpresst.

Susanne Klatten packt sieben Millionen Euro in einen Umzugskarton und übergibt ihn Sgarbi in der Tiefgarage des Holiday Inn in München. Die Kiste ist so schwer, dass Sgarbi ihr beim Schleppen helfen muss. Sie ist im guten Glauben, das Geld wiederzusehen, sie benutzt den Code „Seven up“. Das zurückgezahlte Geld solle später einem höheren, wohltätigen Zweck zugutekommen, versichert sie ihm.“

Wenn man noch nicht mal ein Dreitausendstel seines Geldes selber schleppen kann, dann ist man schon arm dran!

politplatschquatsch hat gesagt…

und immer der druck, mehr draus zu machen!!!