Google+ PPQ: Dresden und die Rache der Enterbten

Donnerstag, 25. Juni 2009

Dresden und die Rache der Enterbten

Eigentlich mag es die Uno-Welterbekommission ja kaputt. Die meisten der als "Welterbe" in eine umfängliche Liste geschriebenen Orte und Plätze auf Erde sind Ruinen oder - wie die Altstadt Havannas oder die Lehmruinen von Shibam im Jemen (Bild oben) - doch wenigstens auf einem guten Weg dorthin.

Auch das Dresdner Elbtal wird nun nach Ansicht der Unesco-Welterbekommission, in der derzeit Staaten wie Kuba, Marokko und Mauritius sitzen, demnächst irreversibel zerstört, wenn die geplante Waldschlösschenbrücke "die Kulturlandschaft mit ihren Flussauen zerschneidet". Doch zum Weltkulturerbe wird das Elbtal deshalb nicht ernannt, stattdessen verliert es nach fünf Jahren erfolgreichen Jahren als wertvoller Teil des Welterbes seinen Titel. Dresden ist nun eine Stadt wie jede andere, auf Augenhöhe mit Hohenmölsen in Sachsen-Anhalt, Seligman in Utah und dem Städtchen Hammamet in Tunesien. Nichts zu sehen dort in Sachsen, sagt die Unesco, nix wert, was es zu sehen gibt, "gucke se dich an, Rambo, alles kaputt hier nach der Wende" (Elsterglanz).

"Die Blamage ist jetzt amtlich", knirscht der "Spiegel", der traditionell vom Blamagen lebt. Da bricht ein Pfeiler weg, der die Berichterstattung des ehemaligen Nachrichtenmagazins drei Jahre lang prägte. Denn nun ist das Thema nun hoffentlich auch durch. Das Elbtal wird es weiter geben, glaubt auch Zettel, und es wird weiter schön aussehen für jeden, der Augen im Kopf hat und Dresden wird weiter Touristenströme anlocken. Nur von der Welterbekommission mit ihren anonymen Mitgliedern, die in den letzten drei Jahren deutschlandweit weltbekannt wurde, weil sie drohte, Dresden den Titel abzuerkennen, wird man künftig nichts mehr hören.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Preisfrage: Welche Altstadt gehört zum Welterbe: Die von Erfurt oder die von Stralsund? Erfurt, wird einer sagen, der beide Städte kennt. Es ist aber Stralsund. Also, was soll´s.

binladenhüter hat gesagt…

und das, wie hier neulich jamnd hinwies, obwohl stralsund eine wunderschön häßlich brücke gebaut hat

Anonym hat gesagt…

Der ganze Streit war und ist eh Schwachsinn hoch X.

Die Touristen kamen schon immer wegen der Stadt an sich, seiner Geschichte und den Sehenswürdigkeiten nach Dresden.

Und nicht wegen einem Titel, von dem man sich außer etwas "Prestige" eh nichts kaufen kann.

Und die Waldschlösschenbrücke ist eine Entlastung der Innenstadt.

Einfach nur reiner Populismus der Brückengegner

nwr hat gesagt…

Das Weltkulturerbe besteht offensichtlich sowieso nur in dem einen Blickwinkel über die Elbe, von wo aus man die alterthümlichen Stadtfragmente ohne Plattenbauten wahrnimmt. Die ganze Metropole ist doch eine städtebauliche Katastrophe, von einzelnen Arealen mal abgesehen. Das macht auch der barocke Kitsch zwischen architektonischer Beliebigkeit nicht wett.

Man hätte die Brücke auch als Tunnel ausführen können, jedoch sind die Zeiten vorbei, "als Rom seine innovativen Trassen baute". Jetzt wird nur noch der Untergang verwaltet, und die billigste ist die beste Lösung.

ppq hat gesagt…

wie die projektion einer "kommission", die keinerlei demokratische legitimation, kein erkennbares mitglied, keine nachgewiesene fachliche kenntnis, keine persönliche verantwortlichkeit und kein widerspruchsrecht kennt einen derartigen medienaufruhr bis zur offensichtlich ernsthaft empfundenen moralischen empörtheit verursachen kann, ist mir schleierhaft. hier geht es um verleihung und aberkennung der goldenen hausnummer, um nicht mehr

Pisaner hat gesagt…

"Einfach nur reiner Populismus der Brückengegner"

Nee,das war schon PR vom Feinsten,wie die nach dem verlorenen Volksentscheid die an sich desinteressierten UNESCO-Spesenritter aktiviert haben.

Anonym hat gesagt…

Hat es Bomber Harris gestoert, dass Dresden voll mit Kulturguetern und zweifelsohne in einer Vorkriegs unesco liste waaere, so es sie damals gegeben haette.

Anonym hat gesagt…

Daher sind solche Listen fuer die Katz siehe Dresden Hamburg für korrekte natuerlich auch Canterburry und Stalingrad und in neuerer Zeit Bagdad und Irak. Wenn ein Land seine Kultur nicht verteidigen kann oder will ist diese potentiell verloren.

nwr hat gesagt…

@anonym
"...Canterburry und Stalingrad..."

Nicht zu verwechseln mit Coventry und Warschau! Es gibt überall aber auch feine, kleine Unterschiede.

Natürlich ist auch nichts gegen Neubauten einzuwenden, wenn sie sich dem stästebaulichen Stil anpassen und urban strukturbildend sind.

Dresden ist verkorkst, wie alle bombardierten deutschen Städte und wie alle DDR-Bezirksstädte noch dazu bzw. doppelt. München vielleicht noch am wenigsten.