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Mittwoch, 31. März 2010

Abriss-Exkursionen: Vom Wahrzeichen zur Wiese

Nur knapp 15 Jahre war er in Betrieb, Zeit, die dennoch ausreichte, den "Palast der Republik" zur Legende zu machen: Nach der Schließung des vermeintlichen Symbols der DDR-Diktatur im September 1990 folgten acht Jahre Streit um die Zukunft des Gebäudes, fünf Jahre Asbest-Sanierung und abschließend sechs Jahre Abriss.

Den hat der Berliner Maler Christopher Lehmpfuhl nach Angaben seiner Agentur "künstlerisch festgehalten". 25 Abbruchphasen der Jahre 2008 bis 2010 - den ganzen Weg vom Wahrzeichen bis zur Wiese habe er "bildlich auf großflächigen Ölgemälden umgesetzt".

Es ist alles, was nach einem "behutsam Rückbau" (dpa) von dem Gebäude geblieben ist, dem ARD-Korrespondenten einst stellvertretend für die DDR-Bevölkerung den Namen "Erichs Lampenladen" gegeben hatten. Wo seinerzeit die Volkskammer tagte, wurde zuletzt noch einm,al Theater gespielt, dann aber kamen die Bagger, um das Vorzeigehaus der Volksdemokratie in 76000 Tonnen Staub zu verwandeln. Ein Verein kämpfe stoisch weiter gegen die Vernichtung von Volksvermögen, Chefarchitekt Heinz Graffunder starb schließlich inmitten der Schlacht gegen die Ignoranten, die beschlossen hatten, das alte Stadtschloß wieder zu errichten, das einst abgerissen worden war, um Platz für den Palast zu machen.

Die Geschichte ein großes Hamsterrad, in dem alles wiederkehrt, nur unter anderem Namen. Das Stadtschloß, von Kurfürst Friedrich II. um 1450 erbaut und im Ersten Weltkrieg von Kaiser Wilhelm II. als Tribüne für kämpferische Durchhaltereden genutzt, soll nächstes Mal "Humboldt-Forum" heißen. Das neue, alte Haus könnte aus Geldmangel zunächst ohne die umstrittene Barockfassade entstehen, wurde neulich bekanntgegeben. Die ursprünglich anvisierten 80 Millionen privater Spenden sind in weiter Ferne. "Eine gewisse Entkopplung zur Wiedererrichtung der historischen Fassaden gegenüber dem übrigen Baukörper ist machbar."

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