Google+ PPQ: Wissenschaft enträtselt Kanzlererfolge

Donnerstag, 25. März 2010

Wissenschaft enträtselt Kanzlererfolge

Helmut Kohl war der Straege des aussitzend. Gerhard Schröder regierte mit ruhiger Hand und vollbrachte seine volkswirtschaftlich erfolgreichsten Taten, als er im Dauerwahlkampf acht Monate lang keine Zeit hatte, sich um das Land zu kümmern. Angela Merkel, so glaubten Beobachter bisher, eifert dem Erfolgsrezept der beiden Alt-Kanzler einfach nach: Wie ein Boxer, den ankommenden Schläger durch Mitgehen die Wirkung nimmt, schöpft die ehemalige FDJ-Funktionärin aus der Ruhe alle Kraft und entscheidet erst, wenn es gar nicht mehr anders geht.

Doch das ist allerdings, wie ein britisches Forscherteam jetzt herausfand, gar keine bewusste Taktik, sondern Ergebnis eines tiefsitzenden Instinktes, nach dem auch Menschen zu handeln versucht sind, die keine Partei vertreten: Sich einfach mal hängen (Foto oben) und den Dingen ihren Lauf lassen, denn am Ende wird es ja doch irgendwie gut gehen. Nach der Untersuchung der neuronalen Pfade im Gehirn, schreiben die Forscher in den "Proceedings of the National Academy of Sciences", neige der ganz normale Kanzler wie auch jede Kanzlerin dazu, Entscheidungen besser lieber nicht zu treffen. Dabei gilt die Faustregel: Je schwieriger die Entscheidung, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie ausbleibt.

"Ob es darum geht, in ein anderes Haus zu ziehen oder den Fernsehsender zu wechseln - es gibt eine beachtliche Tendenz, sich mit der gegebenen Situation zu arrangieren und sich dafür zu entscheiden, nicht zu handeln", bestätigt Stephen Fleming vom University College London Großvaters Erkenntnis darüber, dass nur etwas verkehrt machen kann, wer überhaupt etwas macht. Der daraus resultierenden "deutlichen Neigung zum Nichthandeln" (Fleming) haben man nachgehen und die Gehirnregionen untersuchen wollen, "die daran beteiligt sind."

Da der kommende CDU-Wiederehrenvorsitzende Helmut Kohl, sein Nachfolger Gasgerd Schröder und die amtierende Aussitzerin Angela Merkel für Experimente nicht zur Verfügung standen, wurden sechzehn andere Versuchspersonen gebeten, bei Ballspielen an einem Monitor zu entscheiden, ob der Ball noch im Feld war oder schon draußen. Für jede einzelne Situation wurde vom Computer eine Deutung vorgeschlagen, der sich die Probanden durch Festhalten einer Taste anschließen konnten. In dem Fall, dass sie sich der "Meinung" des Computers nicht anschließen wollten, mussten sie die Bestätigungstaste loslassen und zu einer anderen Taste wechseln, um den Vorschlag des Computers zurückzuweisen.

Viel Arbeit für wenig Ertrag offenbar. Es zeigte sich, dass die Probanden sehr viel häufiger dem Computer folgten, statt eine eigene Gegenentscheidung zu treffen. Wenn sie jedoch ihre eigene Entscheidung trafen, habe sich sofort "eine erhöhte Aktivität im Nucleus subthalamicus" gezeigt - eine Hirnregion, die in der Politik kaum benutzt wird.. Außerdem stellten die Forscher einen größeren Informationsfluss vom präfrontalen Cortex zum sogenannten Nucleus subthalamicus fest. Das deute darauf hin, dass diese Hirnteile irgendwie wichtig seien, wenn sich ein Individuum sich aufraffen wolle, eine Entscheidung zu treffen. Ihr Vorkommen bei Kanzlerinnen und Kanzler sei vor diesem Datenhintergrund jedoch zumindest zweifelhaft.

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