Google+ PPQ: Wem die Schulden der Deutschen gehören

Montag, 13. September 2010

Wem die Schulden der Deutschen gehören

Die Armen werden immer ärmer, die Reichen aber immer reicher - und das auch noch schneller, als die armen Armen ärmer werden. Im vergangenen Jahr hat das Geldvermögen der Deutschen nach Angaben des Bundesverbandes deutscher Banken um 239 Milliarden Euro zugelegt - ein Zuwachs in einem Jahr, der halb so hoch ist wie der Zuwachs an Staatsschulden in den vergangenen zehn Jahren. In denen stiegen die Schulden der öffentlichen Hand von 1.199 Milliarden Euro - das war 1999, als Gerd Schröder begann, die Staatsverschuldung zu bekämpfen - auf 1.657 Milliarden Euro anno 2009, als sich Wolfgang Schäuble und Angela Merkel ganz entschieden demselben hehren Ziel verschrieben.

Die emsige Sparsamkeit des Staates mündete in Schulden, die heute um 458 Milliarden höher liegen als zum Beginn der Sparperiode - allerdings stieg das Geldvermögen im gleichen Zeitraum von 3.539 Milliarden Euro auf 4.672 Milliarden Euro, also sogar um 1.133 Milliarden Euro.

4,67 Billionen Euro haben die Deutschen heute auf der Kante, der private Reichtum ist damit zweieinhalbmal höher als die öffentlichen Schulden, die von der staatstragenden Gemeinschaft aller Staatsbürger damit jederzeit und ohne Probleme getilgt werden könnten. Doch was dann? Heute schon finanzieren die Ersparnisse der Deutschen etwa zur Hälfte die deutschen Staatsschulden - das heißt, das Vermögen der Bürger wird verkörpert durch die Rückzahlungsversprechen des Staates. Den Rest der Staatsschulden finanzieren Anleger aus dem Ausland. Nach einer Studie des McKinsey Global Institute hat Deutschland damit eine recht gesunde Investorenstruktur. In Kanada, Japan und Südkorea etwa halten die einheimischen Bürger beinahe die gesamten aufgenommenen Schulden selbst, in Spanien und Frankreich dagegen wird mehr als die Hälfte der benötigten Kredite von Ausländern zur Verfügung gestellt.

In Deutschland hingegen liegt derzeit zwar nur jede zweite Staatsanleihe im Ausland, dennoch wäre auch der deutsche Staat ohne die Spekulanten nicht lebensfähig.

Getreulich verspricht der Staat deshalb Zinsen auf Kredite, die er inzwischen schon braucht, um den laufenden Staatsbetrieb zu finanzieren. Sowohl Zins als auch Tilgung erarbeiten neben den Anlegern auch alle anderen Berufstätigen im Land, bevor sie die Regierung über Steuern und Abgaben eintreibt, um sie an die Reichen unter der Armen auszuschütten, die sie erarbeitet haben. Zur Hälfte allerdings nur, denn der Rest geht an Kreditgeber in anderen Ländern, während deutsche Anleger für von ihnen gehaltene Papiere anderer Staaten auf demselben Wege an Zins und Tilgung kommen. Auf dass sie noch reicher werden. Damit auch in Zukunft jemand da ist, der dem Staat Kredit geben kann.

Kommentare:

nwr hat gesagt…

Es sind nicht nur private Geldwerte, die notfalls zur Tilgung von Schulden herangezogen werden können, sondern auch private Sachwerte, vor allem Grundstücke und Häuser. Von daher ist noch viel übrig, das verhökert werden kann.

VolkerStramm hat gesagt…

Nur zur Vervollständigung ...
Die 1.657 Milliarden Euro sind die Schulden, die in den Büchern stehen.
Tatsächlich belaufen sich die staatlichen Zahlungsverpflichtungen auf 8.000.000.000.000 (hoffe habe richtig abgezählt, zwölf Nullen hinter der Acht).
In Deutschland leben 49% der Bevölkerung von Arbeitseinkommen. Ungefähr die Hälfte arbeitet im wertschöpfenden Bereich - von denen jeder also mit schlappen 400.000€ belastet ist.

Das alles kein Problem. Habe Geißler vor einer Woche (allerdings nur 2 min, länger hält man es nicht aus) in der Talk-Show gesehen. Wir müssen noch ein paar Hundertausend Messerstecher, Schläger, Vergewaltiger, Mörder, Sozialhilfeempfänger und Rauschgifthändler ins Land holen, dann wird alles gut.

@nwr
Ist ja nicht neu. Der letzte große deutsche Sozialist hat das schon mal durchgezogen.
Die deutschen Hausbesitzer mussten Ende 1942 eine Sonderabgabe von acht Milliarden Reichsmark entrichten. Das entspräche heute mindestens 80 Milliarden Euro.

nwr hat gesagt…

@VolkerStramm
Man lernt nie aus - ich hatte von dieser Art "Lastenausgleich" nur vernommen, daß er nach dem Krieg angewendet wurde:

Wer sein Haus durch Kriegseinwirkungen nicht verloren hatte, stand sich nach dem Krieg nur bedingt besser als die anderen. Die Hausbesitzer Westdeutschlands wurden für den Lastenausgleich zur Kasse gebeten.
http://www.haus-und-grund-bremen.de/vereinsgeschichte_ab_1945.html

Diese Umverteilung erfolgte dadurch, dass diejenigen, denen erhebliches Vermögen verblieben war (insbesondere betraf das Immobilien), die Hälfte dieses Vermögens nach dem Stand vom 21. Juni 1948 in 120 vierteljährlichen Raten, also verteilt auf 30 Jahre, in einen Ausgleichsfonds einzahlen mussten. Zu diesem Zweck wurden eine Vermögensabgabe, eine Hypothekengewinnabgabe und eine Kreditgewinnabgabe eingeführt, die an die Finanzämter zu zahlen waren.
http://de.wikipedia.org/wiki/Lastenausgleichsgesetz