Google+ PPQ: Bis es schließlich hieß, wir brauchen nicht mehr zu denken

Sonntag, 27. März 2011

Bis es schließlich hieß, wir brauchen nicht mehr zu denken

Die Masse der deutschen Bürger und Bauern, der Intelligenz, der Kaufleute, Handwerker, Beamten und Angestellten, selbst ein bedeutender Teil der Arbeiter, haben leider einen sträflich geringen Sinn für Freiheit und Demokratie bewiesen. Diese Selbstentmündigung politisch so breiter Kreise unseres Volkes fand immer schmählicheren Ausdruck, bis es schließlich hieß, wir brauchen nicht mehr zu denken.
Wäre eine solche willenlose und widerstandslose Selbsterniedrigung und Selbstvernichtung eines Volkes möglich gewesen, wenn es seine Pressefreiheit und seine Redefreiheit behauptet hätte? Es hat Millionen gefallen, dass sie sich keine Mühe geben brauchten, selbst einen Weg zu suchen, sich selbst eine Meinung zu bilden in offener Aussprache und Auseinandersetzung mit den politischen Parteien. Ihnen schien es ein "großes Wort" zu sein, wenn sie erklärten, sie seien unpolitisch, sie kümmerten sich überhaupt nicht um Politik, und sie ahnten nicht, wie sie gerade dadurch Werkzeuge der erbärmlichsten, gemeinsten, betrügerischsten und der verlogensten Politik wurden.
Der mangelnde Sinn für den Kampf um die bürgerlichen Rechte und Freiheiten, für kämpferische Demokratie, gegen den Feind im eigenen Lande, für selbständige, entschlossene Massenaktion des Volkes gegen die plutokratischen Nutznießer, Ausbeuter und Unterdrücker gegenüber der ehrlichen Arbeit der breitesten Volksmassen hat leider tiefe Wurzeln in einer alten Tradition unseres Volkes. Der Militarismus und der Untertanengeist sind durch die tragische Geschichte unseres Volkes in den letzten vier Jahrhunderten stärker entwickelt als irgendwo anders. Der Ausweg aus unserer nationalen Katastrophe, die das Letzte und Beste und unserem Volke zu ihrer Überwindung fordert, ist jedoch nur möglich, wenn dabei gleichzeitig auch die Grundschwächen überwunden werden.
Sagte Bernhard Koenen. 1946

Kommentare:

daniel hat gesagt…

Militarismus und Untertanengeist sind nicht die Grundschwächen des dt. Volkes, sondern die besondere Einseitigkeit ihrer Ausprägung. Diese Einseitigkeit hat sich bedauerlicherweise im Anti-Militarismus und im Ressentiment gegenüber jeglicher Form von Herrschaft - wie unserer Tage üblich - erhalten.

vakna hat gesagt…

Wer "die Grundschwächen eines Volkes überwinden" will, bereitet doch nur den nächsten Massenmord vor und hat - wie immer - nur "das Beste fürs Volk" gewollt.

Die Deutschen wollen sich etwas aufbauen und im wesentlichen in Ruhe gelassen werden. Dazu brauchen sie einen klugen und starken Führer, auf den sie zeigen und den sie hängen können, wenn er doch nicht so klug und stark war, wie erhofft. Viele Jahrhunderte Untertanentum gehen eben nicht spurlos an einem Volk vorbei.

VolkerStramm hat gesagt…

Liberty means responsibility
that´s why most men dread ist

Georg Berhard Shaw

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Bernhard Koenen zwar einen wichtigen Punkt anspricht, der sich jedoch im historischen Umfeld (Versailles) durchaus anders darstellen könnte.

Anonym hat gesagt…

Unter Stalin war alles besser! Da herrschte echte Demokratie. Und der Mensch wurde nicht mehr vom Menschen ausgebeutet. Er arbeitete freudig, hart und fleissig für ein besseres Morgen, und, um nicht als Volksschädling abgeurteilt zu werden.

derherold hat gesagt…

"Die Masse der Genossen hat leider einen sträflich geringen Sinn für Freiheit und Demokratie bewiesen. Diese Selbstentmündigung unserer Parteimitglieder fand immer schmählicheren Ausdruck, bis es schließlich hieß, wir brauchen nicht mehr zu denken."

Der Unterschied zwischen Opfern des Naschionalsoschialismus und der verschiedenen Spielarten des Kommunismus ist, daß die Opfer der letzteren auch weiterhin mit der roten Fahne um den Christbaum gelaufen sind.

... auch als PeterSodann-Syndrom bekannt.

derherold hat gesagt…

P.S.

Warum ist denn "Militarismus" eine Schwäche ?

Die Grundschwäche des dt. Volkes ist, daß man es x-mal schütteln kann und am Ende kommt immer ein Denunziant dabei heraus.

"... Ressentiment gegenüber jeglicher Form von Herrschaft ..."

*lol*
Dieses "Ressentiment" gibt es nur solange, solange man nicht selber die Makarow durchladen darf.

ppq hat gesagt…

haha, der war gut.

korrekt ist, dass ich fand, das zitat sagt genau das: alle sind sie gute menschen mit hehren zielen. bis sie anfangen, die durchzusetzen.

man wird das demnächst in ba-wü angucken können. in echtzeit. live. ohne skyabo