Google+ PPQ: Keine Belege, dass Jugendliche im Rheinbad böse Absichten hatten

Dienstag, 2. Juli 2019

Keine Belege, dass Jugendliche im Rheinbad böse Absichten hatten


Am 29. Juni veröffentlichte die Rheinische Post im Internet einen Bericht, der zwischen den Zeilen geschickt nahelegte, dass angebliche „Jugendliche“ in einem Freibad, das angeblich „Rheinbad“ heißt, einen Großeinsatz der Polizei provoziert hätten.

Rechtspopulisten und andere Hetzer nutzen den Artikel seitdem, um zu behaupten, hinter den Jugendlichen verbürgen sich Migranten und ganze 400 von ihnen hätten sich zusammengerottet, um einen türkischen Familienvater ausländerfeindlich zu beleidigen und zu bedrohen. Die Faktenfinder von PPQ haben den Fall medienforensisch geprüft und festgestellt: Der Bericht ist echt, für die Behauptungen gibt es aber keine Belege.

Von Alice Nochechtermann


Ein Artikel der Rheinischen Post wird als angeblicher Beweis genutzt, dass Migranten in deutschen Freibädern für Terrorstimmung, Unruhe und Verunsicherung sorgen. So wird auf der Webseite WDR.de behauptet,, wegen „aggressiver Stimmung“ habe das Freibad geräumt werden müssen, der Berliner Tagesspiegel sekundiert, dass ein Massenstreit einen großen Polizeieinsatz ausgelöst habe, und die Welt lässt vermeintliche Bademeister zu Wort kommen, die über mangelnden Respekt von „Jugendlichen“ klagen.


Richtig ist: Den Vorfall im Rheinbad hat es wohl gegeben, eine Pressemeldung dazu stammt sogar von der Polizei. Bilder der Danachrichtenagentur DPA zeigen hingegen durchaus friedliche Szenen von der Kasse und dem großen Nichtschwimmerbecken, Aggressionen sind nirgendwo zu entdecken, auch auf älteren Bildern aus der Innenstadt von Düsseldorf nicht.

Dass der Bundesverband deutscher Schwimmmeister Grund hat, vor einer zunehmenden Aggressivität in Freibädern zu warnen, lässt sich anhand der Fotos nicht nachweisen. Auch Gründe für den Einsatz von Wachpersonal in vielen Schwimmbädern sind nicht zu erkennen. Auch auf Youtube stehen ältere Videos, die ausschließlich friedliche Badende zeigen. Streit oder Hader, wie sie Rechtsextremisten gern hätten, sind nicht zu sehen.

Dennoch greift auch die  Bild-Zeitung die Behauptung der Polizei auf, dass der mutige Familienvater nach dem Versuch, aggressive junge Männer zur Ordnung zu rufen, von mehreren hundert Unruhestiftern bedroht worden sei. Die Polizei habe daraufhin Verstärkung anfordern müssen, es seien "Getränkekartons" (Polizei) in Richtung der Einsatzkräfte geflogen und die Polizisten hätten in ihrer Not Pfefferspray einsetzen müssen, heißt es. Zudem habe die Familie des Unruhestifters aus dem Bad begleitet werden müssen, ehe das gesamte Rheinbad auf Wunsch des Betreibers geräumt worden sei.


Facebookseiten verbreiten diese Darstellung ungeprüft, auch renommierte Zeitungen und Magazine reiten die rechtspopulistische Welle. Beiträge, die den zwischen den Zeilen wahrnehmbaren hetzerischen Gehalt übernehmen, dass es sich bei den erwähnten 400 Jugendlichen um sogenannte "junge Männer" gehandelt haben soll, wurden mehr als 500 Mal geteilt. Vor allem rechtsextremistische Politiker hängen sich an die Klickmaschine Rheinbad-Vorfall und kommentieren das vermeintliche Ereignis fleißig, obwohl sie selbst nicht anwesend waren.

Richtig ist offenbar, dass es ein Ereignis gab, das allerdings lokaler Natur war. Dabei passierte ein Vorfall, der im Nachhinein womöglich nie mehr ganz aufzuklären sein wird, so dass die Polizei, weil keine schwere Straftat geschah, wohl auch keinen Ermittlungsbedarf sieht. Schon dieser Umstand bestätigt, dass es gar keinen Grund für die Aufregung gibt. Ein einziger angeblicher Unruhestifter unter den jungen Leuten wurde festgenommen, die Familie, die den Streit ausgelöst hatte, gelangte wohlbehalten nach Hause.

Zwar bestätigte die Frankfurter Rundschau einen Zwist mit "mehreren Hundert Beteiligten", das Blatt verweist jedoch auf deren Eigenschaft als "Badegäste" (FR), die sich nur möglicherweise "danebenbenommen" hätten. Das deutet darauf hin, dass es sich bei den mutmaßlich jungen Menschen vermutlich um Opfer des sogenannten "Klimasommers"gehandelt hat. "Eigentlich verspricht ein Freibad-Besuch Abkühlung", analysiert etwa die Seite Tag24, "doch in jüngster Zeit scheint sich die Stimmung dort schnell aufzuheizen." Die Wortwahl deutet auf die Ursache hin: Immer heißere Sommer, ein Klimanotstand am Badebecken und entnervte Besucher, die kleinen Platz mehr im großen Becken finden.

Davon, dass sich die jungen Männer in Düsseldorf absichtlich übergriffig geworden seien, schreibt die Polizei nichts, weder auf Twitter noch auf Youtube. Und auch auf Nachfrage von PPQ gab es dazu keine weitergehende Aussage. Stattdessen wurde bekannt, dass das fragliche Bad nach "Streits und kleineren Schlägereien" am Tag nach Auftritt der 400-köpfigen Gruppe erneut vorzeitig geschlossen wurde.

Unsere Bewertung:

Keine Belege. Die Polizeinachricht ist echt, ältere Videos aus dem Rheinbad sind es auch, aber beides liefert keinen Beweis, dass überhitzte Jugendliche auch gruppenidentitätsidentisch sind mit den jungen Männern, denen seinerzeit die Verantwortung für die Silvesterfeier am Kölner Dom zugeschrieben worden war. Dass die zuständigen Behörden "verbalen Auseinandersetzungen im Rheinbad" sprechen, deutet darauf hin, dass die laufende Medienwelle überzogen ist. Statt sich auf den Klimawandel als Ursache zu konzentrieren, sollen hier die Opfer der Erderhitzung verantwortlich für deren Folgen gemacht werden. 



Kommentare:

Gerry hat gesagt…

Faktenchecken von heute. Ja, das Video ist echt, nein, es ist nicht das, was Sie sehen.

derherold hat gesagt…

Ich dachte noch bei Lübcke ...
"Hört sich ein bißcen wie Mölln oder Solingen an. Auf einmal ein Geständnis. Nach mehreren Tagen. Mal sehen, wann er widerruft!"

https://www.tagesspiegel.de/politik/mordfall-walter-luebcke-stephan-ernst-widerruft-ueberraschend-gestaendnis/24516004.html

Anonym hat gesagt…

Leidet der Blog jetzt hier auch schon unter der Klimakatastrophe?

Arminius hat gesagt…

Erschwerend kommt noch die große Anzahl islamophober Kartoffelfrauen hinzu, die sich dort in nicht korangemäßer Kleidung aufgehalten haben und dadurch den Hormonspiegel der Diskriminierten Minderheit negativ beinflußten.

Anonym hat gesagt…

Apropos Lübcke: Einige, die sich weise dünken, durchaus zu unrecht, halten doch wahrhaftigen G_ttes die NZZ für eine "seriöse" Zeitung.
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„Enthemmte Sprache“
28. Juni 2019
by Julius Rabenstein
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Die AfD und der Dünger der Gewalt

Ein Neonazi hat den CDU-Politiker Walter Lübcke erschossen, und viele geben der rechtspopulistischen Partei eine Mitschuld. Zu Recht? Die Debatte über diesen Vorwurf ist wichtig. Enthemmte Sprache macht aus denen, die sie benutzen, keine Mörder. Aber sie kann Menschen, die sich radikalisiert haben, das Gefühl geben, handeln zu müssen.

schreibt die „Neue Züricher Zeitung“.
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Des Weisen Herz ist wenig froh - heißt es in der Edda.

Nordlandfahrer

Anonym hat gesagt…

Plan B :

zum Freibad fahren
Gefährder genau beobachten
die Mobilität einschränkende Maßnahmen einleiten
Reaktion der Gefährder beobachten
wiederholen