Google+ PPQ: Populistische Hetze: Kein Gespräch, keine Plattform, keine Gnade!

Donnerstag, 24. Oktober 2019

Populistische Hetze: Kein Gespräch, keine Plattform, keine Gnade!

Freundin klarer Kante: PPQ-Kolumnistin Svenja Prantl.

Ein mutiger Trupp von Antifaschisten kämpft in Hamburg gegen das "Nazischwein" (StuRa) Lucke, engagierte Linke hindern den "Nazi" (FridaysforFuture) de Maiziere in Göttingen daran, mit seinen menschenverachtenden Thesen über das "Regieren" (Buchtitel) weiter Reklame für Waffenexport, SUVs und Mord zu machen und zivilgesellschaftliche Proteste gegen rechte Kräfte im Netz sorgten endlich auch dafür, dass Putin und Trump ihre Kriegspläne im Nahen Osten begraben mussten.

Und doch wird der Aufstand der anständigen Nazi-Gegner von interessierten Kreisen bis in die etablierten und eigentlich in den Kampf gegen rechts gut intergrierten Medien als gewalttätig und rechtswidrig dargestellt. Das ist eine Gefahr für die Möglichkeit in einer freien Gesellschaft, eine Debatte mit Ewiggestrigen, Klimaleugnern und Leuten, die einen Hitler zurücksehnen, auch mal ganz abzulehnen.

Die Demokratie braucht solche Menschen nämlich bestimmt nicht, und ebensowenig braucht sie solche Debatten, schreibt PPQ-Kommunistin Svenja Prantl in ihrer PPQ-Kolumne.

Lucke tut es wieder: Statt seine Pflicht zu erfüllen, geht der Herr Professor.
Es bisschen rempeln, ein paar Türen zustellen, auch mal schubsen und das Wort verbieten. Niederschreien. Einen Stoßtrupp bilden. Schrecken verbreiten. Ist das etwa Gewalt? Verglichen mit den Zuständen in Syrien, in Afghanistan oder Mali sicher nicht. Und doch ist der Aufschrei interessierter Kreise ohrenbetäubend laut, seit aufrechte linke Aktivist*Innen und AktivIxten in Hamburg gegen den AfD-Gründer Lucke und den neoliberalen FDP-Chef Lindner und in Göttingen gegen den früheren Innenminister de Maiziere Front machten, um die weitere Verbreitung von Lügen über Makroökonomie, Weltwirtschaft und Waffenexporte zu verhindern.

"Friedlich und ohne Waffen" wie es das Grundgesetz vorsieht, hatten die Interventionisten gemeinsam mit Vertretern des neuen Klimakampfes sich versammelt, die Eingänge zum Alten Rathaus in Göttingen blockiert, waren auf Bäume geklettert und hatten im Hörsaal in Hamburg "Wir wollen keine Nazischweine" gerufen. Ziel der Aktionen: Den Meinungskorridor verengen, denen, die es immer noch nicht bemerkt haben, klarmachen, dass hierzulande nicht jeder immer ungestraft und ungestört sagen kann, was er will.

Freiheit des Protests


Thomas de Maizière musste seine angebliche "Lesung" absagen, Lindner durfte gar nicht erst anreisen, Lucke zollte dem Widerstand Rechnung, indem er seine zweite Vorlesung "abbrach" (FR). Doch wie dreist ist es, diese gelungenen Maßnahmen einer Gegenwehr von unten nun als gewalttätige und rechtswidrige Versuche darzustellen, Andersdenkende daran zu hindern, ihre Meinung zu sagen? Rechte Blogs, fragwürdige Twitteraccounts und sogar manches große Zeitungshaus müht sich nach Kräften, eine "Gefahr für die Demokratie" heraufzubeschwören, weil der zivilgesellschaftliche Protest angeblich den demokratischen Disput ein bisschen behindert.

Wie verlogen! In Göttingen und Hamburg konnte man doch sehen, was demokratisch organisierte Kräfte im Kampf gegen rechts bewirken können! Kein Fußbreit den Faschisten, kein Gespräch, keine Diskussion, keine Plattform, keine Gnade! Stattdessen klare Kante! Kontrakultur!

Stattdessen Kontrakultur


Die Bundesregierung, die seit Jahren auf eine menschenfeindliche rechtsgerichtete Flüchtlingspolitik setzt, die Milliarden Menschen den Weg nach Deutschland verbaut, die mit einer neoliberalen Politik auf Privatisierungen setzt, die Mieten hochtreibt, das Klima vernichtet und Millionäre schont, wo immer sie kann, muss nun begreifen, dass sie so nicht weitermachen kann, weil das Volk dagegen aufstehen wird.

Die Blockade von de Maizières Lesung in Göttingen und von Luckes rückwärtsgewandten Vorlesungen in Hamburg war nur ein Anfang. Morgen schon könnte der Bundestag blockiert werden, wenn er sich weiter weigert, den Braunkohlen- und Ölheizungsausstieg für nächste Woche und ein sofortiges Verbot von SUVs, dem Wort "Neger" und neoliberalen Steuergeschenken wie der Pendlerpauschale zu beschließen.

So geht es Nazischweinen


So geht Nie wieder! Und so geht es den Nazischweinen, die sich in den vergangenen Jahren überall breitgemacht zu haben scheinen. Aber das ist ihnen natürlich gar nicht recht. Wirtschaftsminister Peter Altmaier hat sich beschwert, dass die Blockade des unseligen Auftrittes des von Kanzlerin Angela Merkel sicherlich nicht ohne Grund aussortierten ehemaligen Dienstherren des uns allen noch wohlbekannten Herrn Maaßen durch eine endlich einmal robust auftretende antifaschistische Linke "eine unerhörte Missachtung von Recht und Person" sei. Der seit Jahren für seine frühere Kumpanei mit dem ehemaligen FDP-Chef Jürgen Möllemann berüchtigte Wolfgang Kubicki legte auf Facebook sogar einen drauf, indem er die aus Gründen der politischen Hygiene gebotene Blockade eine "rechtswidrige Aktion" nannte, die von "Antidemokraten" benutzt werden, "um politische und moralische Vorstellungen umzusetzen".

Was hat Ghandi gesagt?


Was aber, wenn es diese "Vorstellungen" sind, die vielleicht nicht von einer Mehrheit, sehr wohl aber von denen geteilt werden, die sie teilen? War es nicht Mahatma Ghandi, der gesagt hat "Neu denken, neu handeln, Neu Delhi"? Und wo ist die harte verbale Haltung der beiden alten weißen Männer eigentlich, wenn es um tatsächlich demokratiefeindliche Aktionen geht? Um Trumps Twitterei, Putins pompöse Empfänge oder Beiträge in bestimmten Gazetten, die unseren Staat und seine Regierung schlechtmachen?

Die beiden strammen Rechtspolitiker überhöhen einen unaufhaltsamen Aufstand des Gewissens gegen den Aufmarsch mordender Faschisten zu einem "Rechtsbruch" und liefern Verschwörungstheoretikern Stoff, die behaupten, in Deutschland könnten heute nicht einmal mehr ein früherer Verfassungsminister, ein ehemaliger EU-Abgeordneter und der amtierende Parteichef einer fast 71 Jahre alten Partei frei sagen, was sie denken.

Das ist verantwortungslos. Damit bedienen sie das Narrativ der eingeschränkten Meinungsfreiheit, obwohl sie genau wissen, dass niemand Herrn Lucke, Herrn Maiziere oder Herrn Lindner daran hindert, zu sagen, was immer sie sagen wollen. Aber sie sollen es eben daheim tun, in Wohnzimmer, Schlafzimmer oder Bad, ganz egal. Und nicht vor einer Öffentlichkeit, die das weder möchte noch will noch es sich gefallen lassen muss, jeden Blödsinn und Quatsch zu hören.

Schamlose populistische Hetze


Nein, die Kritik an den entschlossenen antifaschistischen Aktionen grenzt nicht an populistische Hetze, wie eine ehemals entschieden antifaschistische Zeitung schreibt, die jetzt offenbar auch ihre klare Linie verliert und am rechten Rand fischt. Sie geht weit darüber hinaus!

Antifaschismus, das Blut, das im deutschen Volkskörper kreisen sollte, wird verächtlich gemacht und zum Feind erklärt. Daran erkennt man, wie weit nach Rechtsaußen unsere Politiker und unsere Zeitungen gerutscht sind. Freiheit, meine Herren, ist immer auch die Freiheit der Andersdenkenden! Sie lässt sich nicht mit einer Einschränkung des Demonstrationsrechts herbeizwingen, um legitimen linksmotivierten Protest gegen die herrschende Politik der Luckes, de Maizieres und Lindners zu einem rechtswidrigen Gewaltakt zu erklären. Erdogan lässt grüßen. Trump, Xi, Putin und Bolsanero auch!

Ja, wer Antifaschismus, kleine Rangeleien und linke Stoppzeichen für rechte Politiker in diesen entscheidenden Tagen des Klimakamüfes um die Zukunft unserer Kinder als Bedrohung für den Rechtsstaat verunglimpft, stellt sich außerhalb der Gemeinschaft der Demokraten. Er wird selbst zum populistischen Rechtspopulisten und damit zu einer Gefahr für die Demokratie.

Kommentare:

Die Anmerkung hat gesagt…

SPIEGEL ONLINE 24. Oktober 2019, 07:03 Uhr
Vorwurf der Kampagne

Grünen-Politiker Nouripour will nicht mehr mit "Bild" sprechen

Die "Bild"-Zeitung hat Claudia Roth, Frank-Walter Steinmeier und anderen Antisemitismus vorgeworfen. Der grüne Bundestagabgeordnete Omid Nouripour zieht Konsequenzen und kündigt an, das Blatt zu meiden.

Sauer hat gesagt…

Genial! Besser kann man den gewalttätigen Aufmarsch der Demokratiefreunde nicht karikieren. Schade, daß PPQ keine Plattform hat, von der aus die von scharfen Analysen geprägten Artikel eine weite Verbreitung finden könnten. Sie sind das beste Bollwerk gegen den grassierenden Irrsinn und lassen jegliches Geschreibsels der etablierten Medien armselig aussehen, natürlich auch das Geschwätz im ÖRR.

PPQ präsentiert wahren Journalismus mit dem Anspruch und dem Ziel, dem Leser einen Erkenntnisgewinn zu verschaffen. Danke für all die Zeit und Mühe, die Sie in Ihre Texte investieren

Die Anmerkung hat gesagt…

Ein Kollege von Svenjas Namensvetter.
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23. Oktober 2019, 18:43 Uhr Rechtsextremismus

Das Vertrauen schwindet

Es kann einen nur ängstigen, wie der Staat gegen Rechtsextremismus in Deutschland vorgeht. Es wird gestümpert, unterschätzt und fehlinterpretiert. Das Vertrauen der Bürger sinkt, dass sie vor rechter Gewalt sicher sind.

Kommentar von Thomas Radlmaier
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Eigentlich verschwindet kein Vertrauen, denn es kann nicht verschwinden, was es nicht gibt, aber das ist dem süddeutschen Relotius wohl egal.

Anonym hat gesagt…

Lindner ist weit gekommen mit seinem strammen Anti-AfD-Kurs. Bleib tapfer, Astloch.

Anonym hat gesagt…

Wie schon Rosenfeld (Der Hohe Gemahl des Engelsgesichts Eleanor) sinngemäß sagte, gibt es keine Zufälle in der "Pulletick" (Frisör Kleinekorte), sondern, was abgeht, war auch mehr oder minder so geplant.

Volker hat gesagt…

Schon x-mal gebracht, schon 180 Jahre alt, passt aber immer wieder

"Gedankenfreiheit genoß das Volk,
Sie war für die großen Massen,
Beschränkung traf nur die g'ringe Zahl
Derjen'gen, die drucken lassen."

ppq hat gesagt…

oh, sauer, so süß. spread the word!

Anonym hat gesagt…

Die Betroffenen Lucky Bernd, de Merde oder Lindner sind keine Lichtgestalten. Und eine Sau pißt, entgegen einer alten Redewendung, eine andere eben doch an.
Wobei die Frage bleibt, was davon gewollt bzw. geplant ist.
Lucky Bernd z.B. würde ich gerne einmal scharf inquirieren. Die beiden anderen Philanthropen auch.