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Mittwoch, 25. März 2020

Doku Deutschland: In Zeiten des Zorns

Sechsmal nachgefüllt und schon wieder leer: Das Nudelregal im Supermarkt ist das Fieberthermometer der Corona-Krise.

Ich kann sehen,was das für Typen sind, schon wenn sie reingerollt kommen. Leerer Wagen, leerer Blick. Wie Jäger schauen sie sich um. Das geht seit ein paar Wochen so, nicht erst seit ein paar Tagen. Das ganze Geschreibe in den Zeitungen, man solle nicht nervös werden, es gebe immer genug zu essen und Solidarität zeige sich darin, dass man auch mal ruhig bleibe und auf die Regierung vertraue, das haben die Leute keine Sekunde für voll genommen.

Wenn Sie wie ich an der Kasse stehe, ich sage jetzt nicht, in welchem Supermarkt, dann lernen sie ganz schnell, die Angst zu riechen. Schon wenn die Kunden reinkommen, wette ich mit mir, was am Ende im Wagen liegen wird: Zehnmal Nudeln, fünfmal Reis, zehn Packungen haltbares Dauerbrot, 20 Konserven. Das ist ein Kunde, der morgen wiederkommen wird, weil seine Frau daheim durchgezählt hat und der Meinung war, dass das sicher nicht reichen wird.

Wir verkaufen im Moment doppelt so viel von dem ganzen Zeug, das sonst niemand kauft. Diese ganzen Linsensuppen in der Büchse, die Aufbackbrötchen, die in tausend nicht schlecht werden würden. Erbsen, Großpackungen Kaffee, Milch im Zehnerpack. Manchen sieht man an, dass sie sich ertappt fühlen und sich schämen, weil sie eigentlich von sich selber denken, dass sie keine Menschen sind, die für den Weltuntergang planen. Aber wenn du sie freundlich fragst, sagen die wenigsten, dass sie Zelten nach Mongolien fahren und dafür einkaufen. Sondern eigentlich alle sowas wie "besser man hat als man hätte" oder "essen kann man das auch wenn's nicht so schlimm kommt".

Wir Kollegen sitzen auch auf dicken Tüten, das muss man zugeben. Es steckt einen an, diese Vorratssammler an sich vorüberziehen zu sehen, jede Schicht, immer wieder. Sechsmal am Tag füllen wir im Moment das Nudelregal, der Reis ist wenigstens dreimal alle und das Mehl reicht höchstens von Ladenöffnung bis Mittag. "Kommt nach", sagen wir, wenn die ganz Ungeduldigen fragen, das ist auch so. Aber hallo: Im Moment! Was denn, wenn sie die Stadt absperren? Wenn die Kollegin zu husten anfängt?

Ich lebe allein und ich brauche nicht viel. Das habe ich aber langsam zusammengepackt. Ich glaube ja nicht daran, dass es einen Unterschied macht, ob du nach dem Untergang der Zivilisation noch eine Woche lebst, bis Du verhungerst, oder ob du dich drei Wochen halten kannst. Tot ist tot. Aber dumm wäre es doch, wenn du nach acht Tagen abklappst und nach zwölf Tagen verkündet die Kanzlerin, die bestimmt nicht hamstern muss, dass sie ein Impfmittel oder sowas erfunden haben. Das würde ich dann schon gern noch erleben. Deshalb die 20 Packen Reis, der Rindergulasch in der Dose aus dem Angebot und die Stiege Tütensuppen. Das sage ich ganz ehrlich.

Den anderen geht es doch auch so, nur dass die vorhaben, auf einem viel höheren Niveau abzunippeln. Stehen Sie mal hier den ganzen Tag und staunen Sie: Die meisten Kunden holen nicht das Nötigste für den Notfall, sondern schon das Zeug, das sie sonst auch immer holen.

Lecker geht's zu Ende, das sage ich ihnen. Kasten Bier noch dabei für die letzten Tage, drei Flaschen Schnaps, vielleicht kann man sich's schön saufen, dass die Welt vor die Hunde geht. Apfelsinen, Joghurt, Dauerwurst vom Feinsten, Import aus Spanien. Wenn ich's recht bedenke, ist das aber auch irgendwie logisch. Warum sollst du denn irgendwelchen Zwieback kauen und dünne Rinderbrühe dazu schlürfen, wenn du auch ein paar feine Sachen haben kannst.

Am Anfang, ganz am Anfang, als das losging, unauffällig fast, habe ich immer geraten ob das jetzt so ein Typ ist, der da reingefahren kommt und gleich für 250 Euro  Büchsenfraß und Dosenwurst rausschleppen wird. Heute weiß ich das gleich. Ich rate also immer, was sie an Belohnung dabeihaben. Schokolade? Bier? Drei Stangen Zigaretten?

Ich denke ja, das nützt alles nichts. Wenn es kommt, wie die alle glauben,  brauchst du keine volle Vorratskammer, sondern ein paar schnelle Fäuste oder noch besser einen großen Knüppel. Dann gehört das alles dir und denen nichts mehr.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Gestern gab's nach 17 Uhr noch Küchenrollen. Abstellkammern und Keller sind vermutlich allmählich voll.

Die Anmerkung hat gesagt…

Dann beherzigt den Basteltipp und tragt die auch. Funktioniert aber nur einmal, also für Einkauf und zurück, Spaziergang, Gang zum Doktor usw.

Morgen bringe ich dann noch die Ergänzung, daß diese Dandybrillengummis, womit die die Brille auf der behaarten Brust baumeln lassen können, auch gut sein sollen. Das ist aber ungeprüft.

Und wenn die Regale wieder gefüllt sind, denkt dran, was ihr einlagert. Also, denken hilft natürlich nicht. Bunkern hilft.

Anonym hat gesagt…

Elitebernd hat nur wenige Dosen gebunkert .

im V-Fall zählen ganz andere Werte .

Die Anmerkung hat gesagt…

Ja ich weiß. Elitebernd zieht mit seinen Katschis (Zwillen) los und verteidigt mich mit der Tapferkeit eines Hongkonger Nichtsnutzes gegen die anrückenden Schergen der Regimes.

Ich sitze derweil zuhause und probiere siebzehn Schmalzfleischrezepte durch.

Das nennt man Arbeitsteilung. Wenn Bernd dann von einem mit Corona getränktem Gummigeschoß darniedersinkt und seiner Vollendung entgegenfault, habe ich Zeit, mir einen schicken Nachruf auszudenken, also mit dicken Büchern über den ersten Kriegswinter seit Führers Ableben fettes Geld zu verdienen, um mir den Altersruhestand zu versüßen.

ppq hat gesagt…

elitebernd muss aufpassen, dass ihm niemand auf diesen gerissenen plan kommt. er möge sich erinnern: et sapienti homini tacet

Die Anmerkung hat gesagt…

Der Don meint:

Es sind 130 Tage Sofa und nicht 130 Tage Stalingrad, also reisst Euch zusammen.

Hase, Du bleibst hier... hat gesagt…

Da jammert ein Volk und streitet sich um Klopapier - derweil das ganze Land und ein "Generationenvertrag" schrittweise, aber bestimmt, zur Plünderung freigegeben wird.

Ich brauche auch so nè Zwille.

Anonym hat gesagt…

Ich bin ein absoluter Fan von Elitebernd!

Der lachende Mann hat gesagt…

Wie geht es denn nun weiter mit Holger, Beate und Rotlicht-Ronny? Bitte unbedingt weiter berichten! Mag sein, daß wir keinen Anspruch auf Rechtsstaatlichkeit bis in alle Ewigkeit haben, aber einen Anspruch, diese Geschichte zu erfahren, haben wir.

Die Anmerkung hat gesagt…

Frage für einen sächsischen Kumpel. Wenn der Griech gewonnen ist, davon geht er aus, und das Bärenfell verteilt wird, davon geht er auch aus, kommt dann der DEuro?

Anonym hat gesagt…

Jim Beam statt Mr.Bean. In Sachsen gibt es nur Kameraden.

Anonym hat gesagt…

re Anmerkung : ich verteidige mich und meine Leute - gehörst Du dazu ?

Die Anmerkung hat gesagt…

@anonym

Ich gehöre insofern dazu, als daß ich genügsam die Schmalzfleischkochbücher studieren kann, derweil du mindestens zehn Schlingel bindest, die uns an den kragen wollen, und davon sicher 5 erledigst. Die können mir dann nichts mehr.

Viele verstehen Exponentialafunktion nicht. Noch mehr winken bei Wahrscheinlichkeitsrechnung ab. Ich kümmer mich darum, die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, heil aus dieser Phase herauszukommen. Da ist jeder Katschikrieger ein Beitrag für.

ppq hat gesagt…

das ist das leiden dieser gesellschaft. der wohlstand hat uns dazu erzogen, unwissenheit und ignoranz nicht als fehler, sondern als uns zustehendes privileg zu begreifen. niemand muss wissen, wie ein handy funktioniert, was eine mikrowelle macht, worauf gps-navigation beruht, wie man einen fahrradschlauch flickt, käse macht oder einen vollständigen satz schreibt.

es reicht, zu wissen, wo es steht, wer es kann oder wie viel es kostet

Anonym hat gesagt…

niemand muss wissen, wie ein handy funktioniert ...

Ein paar sollten das schon wissen, aber skämt åsido, ich weiß auch nicht, wie ein Rotpunktvisier funktioniert, aber ich kann es benutzen, und es bietet für uns Stahlgreise, welche die Presbyopie beutelt, gar manchen Vorteil.
Nachteil: Mindestens dreihundert Bernanke-Shekel. ---

Martin hat gesagt…

Hihi. Auf den ersten mit "schnellen Fäusten" oder einem "dicken Knüppel" freu ich mich schon....never bring fists to a swordfight.