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Mittwoch, 25. März 2020

Triumph der Prepper: Wer zuletzt lacht

Untergang Coronakrise Prepper leere Regale
Wenn die Regale sich leeren, lacht der Prepper vor Vorfreude auf das Ende.

Was sind sie verlacht worden. In ihrem Hang, sich vorzubereiten, den Ernstfall zu planen, Vorräte anzulegen und bereit zu sein, wenn alles zusammenbricht. Sie hatten Nudeln, Reis und Wasser gehortet, um prepared zu sein, wenn es zum Äußersten kommt. Der Blackout, das Ende der gewohnten Welt. Prepper pflegten den unerschütterlichen Glauben, hinter der sichtbaren Wirklichkeit verbürgen sich geheime Kräfte, dunkle Schattenwelten, allmächtige Herrscher, die das Leben der einfachen Menschen mehr bestimmten als Angela Merkel, die Uno und Donald Trump zusammen.

Treffpunkt Internet


Das Internet war ihr Treffpunkt, hier tauschten sie ihre Codes, hier verabredeten sie ihre gemeingefährlichen Aktivitäten. Nudeln, Reis, Bier und Löschkalk. Löschkalk für die, die es nach dem Ende nicht mehr lange machen würden, wenn die Bilderberger, die Freimaurer und das Haarp-System die Macht übernommen hätten. Kommt der Russe? Kommt der Chinese? Kommt ein Virus? Zwischen Salon-Antisemitismus und Verschwörung des Großkapitals war stets Platz für Fantasie. Die Mondlandung war erfunden, die Anschläge vom September 2001 verantwortete in Wirklichkeit der amerikanische Geheimdienst, der mit einem weltweiten System namens Echelon sämtliche elektronischen Lebensäußerungen aller Menschen jederzeit auffangen, filtern, ordnen und auswerten konnte.

Sicher auf jeden Fall: Eines Tages wären die Supermärkte leer, der Strom fiele aus, es kommt kein Wasser mehr aus dem Hahn und es wird keine Zeitung mehr geliefert, so dass nicht einmal mehr Notklopapier greifbar ist. Die normalen Menschen würden dann stranden, verzweifelt und überrascht von einer Entwicklung wie die deutsche Regierung, die immer nur bei strahlendem Sonnenschein regiert hatte und nun auf einmal mit einem Ernstfall konfrontiert wäre.

Der weitverbreitete Glaube, dass jeder neue Kanzler von seinem Vorgänger einen atombombensicheren Aktenkoffer mit Papieren übergeben bekommt, in dem alles steht, was die Welt wirklich im Innersten zusammenhält, ist Unsinn. Kein Kanzler weiß etwas, schon gar nicht über Dinge, die man noch nicht wissen kann. Die große Verschwörung der Mächtigen besteht allein darin, dass sie verabredet haben, dass niemals jemand erfahren darf, wie wenig Macht und wie wenig Wissen sie wirklich haben.

Wer vorsorgt, wie zum Feind erklärt


Droht die Lage schwierig zu werden, verbreiten sie Durchhalteparolen. Es gebe keinen Grund zu Beunruhigung. Alles im Griff. Wer jetzt vorsorge, sei eine Feind der Gesellschaft, ein "Hamsterer", der sich am Gemeinwohl vergeht.

Nicht einmal 15 Prozent der Deutschen haben nach einer Untersuchung des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz wenigstens für zehn Tage Vorräte daheim gelagert, weitere 20 Prozent könnten sich im Krisenfall etwa drei tage selbst versorgen. 75 Prozent aber brauchen den Supermarkt an der Ecke, den Bäcker, den Fleischer und den Starbucks nebenan spätestens an Tag 4. Sie verhungern sonst. Prepper wissen das, Medien mühen sich dennoch, gegen die Empfehlungen der Behörden anzuschreiben. Wird schon gut gehen. Ist doch immer gutgegangen.

Prepper mussten standhaft bleiben. Die Vorräte umwälzen, den Keller ausbauen, Tarnkleidung bügeln und sich Waffen verschaffen, denn nicht der mit den größten Vorräten überlebt, sondern der, der im Ernstfall an die Vorräte herankommt. Keine leichte Aufgabe, viele Jahre lang. Was wurde da nicht gelästert! Als Spinner mussten sich die Wackeren veräppeln lassen, als gefährliche Idioten, die dem Staat nicht trauen , also Staatsfeinde sind. Verfolgungswahn wurde ihnen attestiert, Weltuntergangsfantasien und ihr Hang, statt in vermögensbildende Lebensversicherungen einzuzahlen, alles in Krügerrand anzulegen, brachte ihnen Kopfschütteln ein. Gold wirft doch nicht mal Zinsen ab!

Leere Supermarktregale


Doch "nur weil du paranoid bist, heißt das nicht, dass sie nicht hinter dir her", hat der US-Schriftsteller Joseph Heller schon vor vielen Jahren festgestellt. Und wie recht er hatte, zeigt sich jetzt, wo der Corona-Virus den Alltag von Millionen durcheinanderswirbelt. Plötzlich sind die Klopapierregale leer, Reis ist aus, der Berg Wasserflaschen-Sixpacks im Supermarkt deutlich niedriger. "Wir kommen kaum hinterher", stöhnt die Verkäuferin, aber immerhin: Noch kommt der Nachschub.

Prepper warten auf den Tag danach, wenn der Abgrund sich auftut und die Normalität verschlingt. Dann,so wissen sie, ist nichts mehr wie vorher - und die Spinner mit dem Aluhut, der nach einer Idee von Julian Huxley, Bruder des berühmten "Schöne neue Welt"-Autors Aldous Huxley, vor außerirdischen Strahlen und Gedankenkontrolle schützen soll, sind auf einmal die Weitsichtigen, Cleveren. Die, die das alles schon immer gewusst haben. Die, die 300 Gläser Marmelade im Keller haben, 200 Kilo Mehl, sechs vollaufgelade Autobbatterien, 500 Liter Diesel, warme Ersatzsocken für 30 Jahre und Atemmasken, dass es für die ganze Nachbarschaft reichen würde.

In Wirklichkeit lachen sie dann zuletzt. Nur dass es niemand hört.


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