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Freitag, 20. März 2020

Todesahnung: Die Faszination der Endzeit

Im ersten Teil von Kings "The Stand" hat er seinen großen Auftritt: Der Irre, der ständig ruft "Bringt eure Toten raus!"

Wie die Welt ein Kinofilm, dann liefe dort gerade einer dieser Weltuntergangsthriller. Durchgeknallte Ökokrieger setzen ein Todesvirus frei, das die Wirtschaft zum Absturz bringt und damit das Klima rettet. Ein paar tausend Opfer sind nicht zu viel für die Rettung der Erde, der Menschheit und all der Natur, die noch da ist - der öffentlich-rechtliche Rundfunk steht als Zeuge. "12 Monkeys" ging so ähnlich, auch andere Schriftsteller lieferten große Werke ab, in denen die kleine Menschheit auf diese oder jene Weise vor die Hunde ging.


Der Tod ein Meister aus dem Biolabor


Besonders beliebt ist immer das Virus. Es verwandelte Charlton Heston in den "Omega-Mann" und in "Passage" rottete es 99 Prozent aller Erdbewohner aus. Während die deutsche Politik versucht, wenigstens den Eindruck zu erwecken, man habe die Lage im Griff, liegen in den Buchhandlungen stapelweise Fake News, die einen Vorgeschmack auf das geben, was droht, wenn die Menschheit wirklich mit einer Pandemie konfrontiert wird, wie sie das Coronavirus bisher nicht ist.

Tod, Tod und noch mehr Tod, das fasziniert die Leser. Dennoch beließen es Schriftstellern in den meisten Fällen dabei, nur mehr oder weniger große Anteile der Menschheit auszurotten. Sie blieben damit nahe an der Realität, in der selbst die Pest und das Grippevirus von 1918 nur wenig mehr als ein Drittel der Bevölkerung der Länder ermordete, in denen sie grassierten. Oft wurde als Mittel zum Zweck auch der - früher besonders gefürchtete - Atomkrieg benutzt, so etwa in "Postman" und Mad Max, zwei aus heutiger Sicht fast schon kuschelig wirkenden Endzeit-Fantasien.

In der Post-Panik-Welt


Die es aber ernst meinten, schafften es, die zuweilen, die Post-Panik-Welt in ihren Büchern so zu zeigen, wie sie sich derzeit darstellt. Im Fernsehen die Virus-Zahlen als feste Rubrik, auf der Bühne Politiker, die Durchhalteparolen verbreiten. Hamsterkäufe Verzweifelter. Der brutale Zynismus derer, die wissen, dass im Ernstfall nicht der überlebt, der gehamstert hat, sondern der, der stärker ist als der Hamsterer. Und bei allen immer noch Hoffnung, der Kelch möge noch einmal vorübergehen.

Wenige Autoren haben angesichts der Aufgabe, die Fastnochnormalwelt in Würde hinüberzuführen in ein Land, das leer ist wie Sachsen-Anhalt, aber bevölkert von einer Handvoll unglücklicher Immuner, nicht versagt und Zombie-Horden aufgerufen. Die es taten, ließen ihr Virus eine selbstgefällige Welt überrollen, die Zivilisation zerstören und die Überlebenden wieder dort anfangen, wo alles immer anfängt: Mit kleinen Waffen und kleinen Kriegen.

Schon 1949 ließ George R. Stewart in seinem Buch "Leben ohne Ende" eine rätselhafte Viruspest weltweit 99 Prozent der Menschen dahinraffen. Die Ordnung bricht zusammen, es gibt keine Regierungen, keine Kommunikation, keine Infrastruktur mehr. Die Zivilisation ist am Ende und wer die "Supermasern", wie sie im Buch heißen, übererlebt, weiß nicht, ob er darüber glücklich sein soll.

 Leben ohne Ende


 Zwei Wochen dauert die ganze Sache in diesem ersten Roman, der darauf ein neues Virus, "unterstützt durch Flugreisen", "fast gleichzeitig in jedem Zentrum der Zivilisation auftreten" lässt und vorhersagt, dass es "allen Quarantäneversuchen entkommen kann". Stewarts Held Ish hält durch, er findet Nahrung, Treibstoff und einen Hund namens Princess, der ihn begleitet, während er durchs Land wandert.

So ähnlich ist es bei "The Stand" von Stephen King, das 1978 den "Blue Virus" erfand, eine militärisch entwickelte Supergrippe, den die Menschen im Buch "Captain Trips" nennen. Zumindest so lange sie noch leben. Danach sind alle tot und King erzählt ein Kammerspiel, denn die Grippe hat 99,4 Prozent alles menschlichen Lebens ausgelöscht. King hat Corona vorhergeahnt: Auch Captain Tripps äußert sich in ersten Symptomen, die sich wie eine Erkältung anfühlen. Doch dann stirbt jeder, der sie bekommt, innerhalb weniger Tage.

Captain Tripps zu Besuch


King nutzt die Fähigkeit, um das Ende detailliert zu beschreiben. In Höchstform erzählt er, wie sich das Virus von Mensch zu Mensch verbreitet, eine Gemeinschaft erobert, einen Staat, die ganze Welt. Auch bei King sieht der Pandemieplan der US-Regierung vor, alle Meldungen zu unterdrücken, die der offiziellen Geschichte widersprechen, dass das alles gar nicht so schlimm ist.

Auch in Emily St. John Mandels Buch "Das Licht der letzten Tage" mordet eine Pandemie hat fast die gesamte Menschheit dahingerafft, doch selbst zwanzig Jahre danach geben die Überlebenden nicht auf. Obwohl Tod und Verfall ihre ständigen Begleiter sind, zieht eine Gruppe Übriggebliebener als Fahrende Symphonie durchs Lands auf der Suche nach einem Rest Früher in einem Heute, in dem sich die wenigen Überlebenden der großen Grippe allmählich mit dem Gedanken abfinden, dass es ein Zurück in die Zivilisation des Davor nicht geben wird.

Doch danach ist immer davor.

Und vielleicht ist das eigentlich Berauschende am Gedanken, dass alles nur ein Ende hat, der, dass es nicht so ist.


Kommentare:

Die Anmerkung hat gesagt…

Horst Lüning auch mit einer sehr betrüblichen Endzeitvision.

https://www.youtube.com/watch?v=UUwX1EMHjcw#t=42m50s

Davor kommt noch eine betrüblichere.

Anonym hat gesagt…

Dean Koontz hat schon 1981 den Roman "The Eyes of Darkness" geschrieben (unter dem Pseudonym Leigh Nichols). Da hieß das Virus "Wuhan-400"!

Der lachende Mann hat gesagt…

Hadmut scheint endlich aufzuwachen.

Anonym hat gesagt…

Bernd hat heute seit 5 Uhr fünfundvierzig den bolschewistischen Bazillus im Klo bekämpft .