Dienstag, 7. April 2020

Die EU und Corona: Zum Glück, dass keine Krise ist

Der aktuelle Dienstkalender der EU-Gesundheitskommissarin: Zum Glück, dass keine Krise ist.

Es ist den mehr als 400 Millionen EU-Europäern kaum bekannt, aber tatsächlich hat die Europäische Kommission auch einen Kommissar, der für Gesundheit zuständig ist. Zwar hat die EU den europäischen Verträgen zufolge keine Zuständigkeit für dieses Gebiet. Doch da denselben Verträgen zufolge jedes Mitgliedsland mit einem Kommissarsposten am gemeinsamen Wasserkopf zu beteiligen ist, hatte Stella Kyriakides Glück: Die Christdemokratin aus Zypern bekam den Posten als EU-Gesundheitskommissarin, den ihr weitgehend unbekannt gebliebener Vorgänger Vytenis Andriukaitis genutzt hatte, um für Grippeimpfungen zu werben und sich entschieden gegen die "Überversorgung" zu wenden, die sich die Deutschen mit ihrem aufgeblasenen Gesundheitssystem leisten.

Kritik, über die die Zeit ein bisschen hinwegging, derzeit sorgt sich der seit seinem Abschied von der EU-Kommission politisch ein bisschen unterversorgt wirkende Litauer vor allem um die mentale Gesundheit der Europäer in der Corona-Krise. seine Nachfolgerin dagegen hölt sich ein wenig mehr zurück: Seit einem letzten Gefälligkeitsgutachten in der Süddeutschen Zeitung, das der neuen EU-Gesundheitsministerin hoch anrechnete, dass sie damit beschäftigt sei, "die Mitgliedstaaten zu einer engen Zusammenarbeit aufzufordern und die Europäerinnen und Europäer davor zu warnen, in Panik zu verfallen", gibt es nichts Neues von Stella Kyriakides zu berichten. Der Kalender der höchsten gemeinsamen Gesundheitsinstanz Europas ist leer, Kyriakides warnt nicht und sie mahnt niemanden, sie fordert weder europäische Lösungen noch schnellere Impfungen oder die Entwicklung eigener europäischer Vaccines.

Nur gut, dass gerade keine Krise ist! Bedrückend und beängstigend wäre die Vorstellung, der Teil der EU-Kommission, der für die Gesundheit von hunderten Millionen Europäern jeden Alters verantwortlich ist, tauchte in einer Situation ab, in der es darauf ankommt, schnelle Lösungen zu finden! Stella Kyriakides dagegen ist zwar nicht direkt da, aber sie führt Europa doch "ruhig und souverän gegen das Coronavirus" (Süddeutsche). Das ist umso beachtlicher, als dass ihre eigentlich Aufgabe in der Klimakommission von der Leyen hatte sein sollen, sich "um E-Health für mehr Qualität in der Gesundheitsversorgung und Überwindung von Ungleichheiten" zu kümmern - wichtige Themen, die sicher trotz Corona nicht liegenbleiben, denn Kyriakides arbeitet federführend im "Corona Response Team der EU mit, das Ursula von der Leyen Anfang März vorgestellt hatte.

Seitdem arbeitet die Truppe im Geheimen und ohne je wieder mediale Aufmerksamkeit erregt oder auch nur irgendwo erwähnt worden zu sein.daran mit "entschlossenen Maßnahmen" das "öffentliche Gesundheitswesen in der EU zu stärken" und "die Auswirkungen auf Gesellschaft und Wirtschaft abzufedern", wie nicht Stella Kyriakides, aber ihre Kommissionschefin von der Leyen zum Stapellauf der neuen Kommissionskommission für Corona angekündigt hatte.

Ganze Gebirge an Verantwortung, die die "stets elegant gekleideten 63-Jährigen" (Süddeutsche) in einer "Schlüsselrolle" (Süddeutsche) schultern muss. Denn mag sich auch die Situation "sehr schnell ändern, bei der EU-Kommission laufen alle Informationen zusammen". Gleich zu Beginn vor einem Momnat hatte Kyriakides den Stand der nationalen Vorsorgepläne an allen Ländern abgefragt, "damit Probleme erkannt und Hilfe organisiert werden kann". Zudem sprach sie den Familien der 38 nach einer Covid-19-Erkrankung-Infektion verstorbenen EU-Bürgern ihr Beileid aus.

Das große Glück derer, die vorangehen. Denn später ließ sich der schöne Anwendungsfall einer bürgernahen Verabschiedung einfach nicht beibehalten: Würde Stella Kyriakides heute noch allen trotz der tipptoppen nationalen Vorsorgepläne ums Leben gekommenen EU-Bürger kondolieren wollen, hätte sie auch bei einer 24-Stunden-Schichjte nur eine knappe halbe Minute für Hinterbliebenenfamilie.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ein investigatives Bravourstück von Matthias Kolb. Seine Profilseite bei SZ ist von ähnlicher Qualität. Matthias Kolb berichtet nicht aus Brüssel, er schreibt nicht in Brüssel sondern er „schreibt von Brüssel aus“. Vorher hat er „von Washington DC aus“ tatsächlich berichtet und nicht nur geschrieben. Auch wenn das Profil in der dritten Person und damit vielleicht von einem anderen ewigen Anfänger geschrieben wurde, scheinen ihm die Stilblüten nicht aufzufallen und er kann die Meriten dafür locker auf sich buchen.

Die Anmerkung hat gesagt…

Die besten Formulierer reichen ja auch solche Stilblüten durch.
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MONIKA KENNEDY 07.04.2020 - 05:55 Uhr

Laut der Zeitung „The Guardian“ ist Johnson bei Bewusstsein, muss im Augenblick nicht künstlich beatmet werden. Er benötigte jedoch vier Liter Sauerstoff, wie die Zeitung „Times“ unter Berufung auf einen Arzt des Krankenhauses berichtet.

Die normale Menge für Intensivstation-Patienten liege bei 15 Litern ...
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Pro Minute, Stunde Tag?

Was ist, wenn die 4 Liter alle sind? Wenn meine 3 Rollen Klopapier, die ich benötige, alle sind, nehme ich Wurstblätter wie die BILD und artverwandte. Dann werden sie wenigstens ihrer zweckgemäßen Bestimmung zugeführt.

Anonym hat gesagt…

Das wird ja immer unerträglicher, mit diesem System Journalismus. Pfui deibel.

Die Anmerkung hat gesagt…

Auflösung

Wieviel Sauerstoff (ver)braucht der Mensch?

https://www.creoven.de/blog/Wieviel-Sauerstoff-ver-braucht-der-Mensch/b-11/

ppq hat gesagt…

@sauerstoff diese beatmungsgeräte heißen auf englisch ja ventilators, also wird diese johnson-beatmung vielleicht durch einen normalen zimmerventilator vorgenommen, der eine frische sauerstoffbrise ins krankenzimmer bläst

PS: gute besserung nach london

Volker hat gesagt…

"Was ist, wenn die 4 Liter alle sind?"

Auch tät einen interessieren, ob die "4 Liter" festen, flüssigen oder gasförmigen Sauerstoff meinen.

Die Anmerkung hat gesagt…

Weiter mit den dümmsten Schriftstellern deutscher Zunge.

SCHÖNHEITSCHIRURG RÄUMT MIT HÄNGEBUSEN-MYTHOS AUF
Brauchen Sie im Homeoffice einen BH?

„Mich sieht doch sowieso niemand, dann kann ich auch den BH weglassen“, denken sich viele Frauen, die jetzt im Homeoffice arbeiten.
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Woher wissen die eigentlich, was viele Frauen jetzt denken?
Ein Busen hängt nicht. Gemeint sind wohl die Titten.
Und was Frauen im Homeoffice machen, das wurde bisher nicht untersucht. Arbeiten? Vielleicht.

Ansonsten. Wenn sie derzeit keine anderen Sorgen haben, geht es ihnen womöglich zu gut.