Sonntag, 19. April 2020

Pandemie-Poesie: Es prosten sich zu die Ertrinkenden

Ein Blick in den Abgrund gebrochener Versprechen: Eigentlich sollte der Untergang schon am 14. September beginnen, es wurde dann aber der 14. März.


Seit das begann, was nach den Vorgaben der Bundesworthülsenfabrik (BWHF) in Berlin mittlerweile amtlich als "Corona-Krise" bezeichnet wird, hat das bürgerschaftlich engagierte Kleinkunstportal PPQ sich für die verständlichen Interessen Kunst- und Kulturschaffender aller Altersgruppen, Hautfarben und Herkünfte stark gemacht. Eigens eingerichtet wurde ein virtueller Marktplatz für krisenhafte Gedichte, die sich mit den vielen Spielarten der Möglichkeiten der Pandemie-Poesie beschäftigen.

Wie einst das vom großen Geist des großen Bertolt Brecht geprägte PPQ-Poetenseminar "Es war nicht alles Brecht" förderte auch der Versuch, sich einen Reim oder auch zwei auf die Verheerungen der neueren Gegenwart zu machen, das Beste in vielen Teilnehmers zutage: Im Vers fasste man Mut, in der Suche nach dem passenden Reim fand sich manchmal auch Gewissheit, dass das Leben, Lieben und Leiden noch nicht zu Ende ist.

Dass es oft um Viren ging, um Virologen, um aberkannte Grundrechte, Niesetikette, Handhygiene und die fast unheimlich erscheinende Fähigkeit der Gemeinsinnsender, dieselbe Corona-Heldengeschichte in hundertfacher Abwandlung immer wieder mit demselben Aplomb zu erzählen, um den Widerstandswillen des Volkes zu stählen, ist naheliegend. Corona war ein Einschnitt in die Biografien von Millionen, denen nie gesagt worden war,  dass es das Unvorstellbare aus den Horrorfilmen wirklich gibt, dass es zu Besuch kommen kann und dann von Verantwortungsträgern wie selbstverständlich hereingebeten werden wird.

Doch seit dem Start der Reihe ist auch Nachdenklichkeit eingekehrt und der Fokus wandelt sich. Statt der aufrüttelnden Kampfgesänge, die Corona den Krieg erklärten und die Grundrechte selbstbewusst verlachten, erklingen nun leisere Töne, die die immer noch laufende Menschheitskatastrophe in einen größeren Rahmen einordnen.

In der heutigen Neuvorstellkung "Es prosten sich zu die Ertrinkenden" geht es dem Autor Lars Leibrecht augenscheinlich gar nicht um Corona. Der Nachwuchspoet, nach eigener Aussage in Kindertagen von einem poesiebegeisterten Grundschullehrer an das Lesen auch längerer Gedichte herangeführt, versucht sich in einem Gleichnis, das das bei Versschmieden von alters her beliebte Sujet der Seefahrt aufgreift, um uns vor Augen zu führen, wie perspektivabhängig der Blick auf jede Katastrophe ist.



Es prosten sich zu die Ertrinkenden


Mit einem Leck in Rumpf, kein Wunder,
gehn selbst die schönsten Schiffe unter.

Wie schnell, hängt von der Größe ab,
doch jedenfalls ist Hoffnung knapp.

Vorm Ersaufen fragt der Kapitän:
Ich muss dann wohl als Letzter gehn?

Während die Stewardessen
noch ein Häppchen essen,

Weinen die Passagiere
vor Angst wie wilde Tiere.

Und es prosten sich zu die Ertrinkenden
auf die Schiffe, bis auf die sinkenden.



Unter politplatschquatsch@gmail.com können weiterhin Poeme, Kurzgeschichten und Menuette eingeschickt werden. Allerdings ist die Warteliste für den Abdruck im Netz bereits gut gefüllt und der zur Verfügung stehende Platz dem Medium gemäß begrenzt. Wir bitten also von Nachfragen nach geplanten Veröffentlichungsterminen nach Möglichkeit abzusehen.


Kommentare:

Anonym hat gesagt…

https://kohlchan.net/.media/392ba61b2f3587cca2d65c02125cbbe1-imagejpeg.jpg

ganz viel Weini bei den Zecken

Anonym hat gesagt…

ODE AN CORONA

"Es röcheln sich zu die Erstickenden,
atmen aus dem letzten Loch.
Und wenn sie auch noch eine Hoffnung haben,
versterben werden sie doch.

Es gestikulier`n die Beatmeten,
die Intubation tut so weh.
Doch zieht dann der Arzt heraus den Schlauch,
ruft Ihnen zu der Sensenmann: "Es ist genug und nun geh!"

Es verbleichen die Verstorbenen,
wiederauferstehen werden sie nimmer.
Sie hofften auf einen gnädigen Tod,
doch das Sterben kam sehr viel schlimmer.

Es verwesen die Begrabenen,
eine Feuerbestattung tat not.
doch eigentlich ist das einerlei,
denn sie sind nun jedenfalls tot."

(c) Anonym (bekannt aus der "ODE AN PUTIN"

Anonym hat gesagt…

OT
Helge Lindh: Kennt sich jemand mit Physiognomiologie bzw. mit Rassenkunde aus?

Anonym hat gesagt…

re Anon & Rassenkunde - was wollen Sie denn konkret wissen ?

Die Anmerkung hat gesagt…

@anonymen youtube-Reaktionär

Wer sich im Jahr 2020 solch technischen Schrott zumutet, der hat sich das redlich verdient.

Gute Mikrofone kosten heutzutage nicht mehr die Welt, und mit wenigen Stunden Übung bekommt man auch ein Video wohlfeil geschnitten.

Mailab oder Oli und einige andere zeigen nicht umsonst, welchen Tonaufnehmer sie benutzen. Die investierte Qualität hört man dann auch.

Anonym hat gesagt…

re Anmerkung : der gute Wille UND der Inhalt zählen .

Dr.Zepp La Douche , Reichspreppforschung und Bonkertechnik .

(irgendeinen Geburtstag vergisst man ja immer ... was war denn da ..? )

Anonym hat gesagt…

@ Dr. Zepp La Douche: Na dat is doch klor: Der Geburtstag von Napolium III.
Meinen kleinen gelblichen Südwegern (Vietnam = Südwegen) ist er ein Begriff.


re Anon & Rassenkunde - was wollen Sie denn konkret wissen ? Na, wo er diese Schlauchlippen
her hat - ob von den Ufern des Jordan, oder denen des Niger …

Die Anmerkung hat gesagt…

@Sepp

Das war in Klasse 4

Fleiß Note 2
Ordnung Note 3

Aus dem Alter bin ich lange raus und mute mir Ohren- und Augenkrebsprodukte nicht mehr zu.

Wenn der guter Wille und Inhalt zählt, dann ist Neil Finn um Längen besser und weiß die Zeichen der zeit auch deutlich besser rüberzubringen.