Sonntag, 27. Dezember 2020

Doku Deutschland: Letzte Mahnung aus dem Schloss

Pünktlich zum Heiligen Abend zündete Walter Steinmeier in seinem Schloss auch in diesem Jahr eine Christbaumkugel an.


Es hätte das übliche leere Ritual sein sollen, das sich irgendwann nach Erfindung des Fernsehens eingebürgert hat, ohne dass heute noch jemand sagen könnte, weshalb um weswegen der erste Mann im Lande sich am Ende eines verkorksten Jahres aufschwingen sollte, Mut und Optimismus zu verbreiten, wo doch der Beginn der Impfsaison schon recht sicher verspricht, den Beweis zu führen, dass das Maskendesaster vom Frühjahr kein Zufall war. 

Doch dann geschah, was nicht abzusehen war: Walter Steinmeier,  vor Jahren nach einer komplizierten Ämterrochade in der SPD zum Bundespräsidenten befördert, wagte am Ende des Corona-Jahres den Tabubruch: Die Menschen draußen im Lande haben guten Grund, der Spitzenpolitik zu vertrauen, denn es gibt keine andere.

Nein, sagte der neue Bundespräsident, zuversichtlich.  Von den Vätern des Grundgesetzes si das alles genau so vorgesehen worden. "Ich versichere Ihnen: Der Staat handelt nach den Regeln, die unsere Verfassung für eine Situation wie diese ausdrücklich vorsieht", sagte Steinmeier, der im politischen Berlin gelegentlich auch als "Bundesmahner" bespöttelt wird. Nicht ohne Grund, denn die fundamentale Rede, über die das das PPQ vorliegende Manuskript mit der Überschrift "Letzte Mahnung aus dem Schloss" Auskunft gibt, hat es in der Tat in sich.

Auffallend vor allem, was nicht direkt gesagt wurde, sondern aus dem Subtext hervorging. PPQ ist es gelungen, die mit unsichtbarer Tinte geschriebenen Passagen der Weihnachtsansprache des diesjährigen Bundespräsidenten lesbar zu machen - und wirklich: Selten zuvor hat ein Präsident derart schonungslos die Karten offengelegt, dem Virus und dem politischen Gegner gleichermaßen die Faust gezeigt und dazu aufgerufen,  angesichts der boomenden Wirtschaft und des wachsenden Wohlstandes zuversichtlich zu bleiben. "Wir können Vertrauen haben", sagte Steinmeier.

PPQ.li dokumentiert den Wortlaut nachfolgend:

Das Leid, das uns heimsucht, das unsere Welt zerstört und viele von uns in die ewige Verdammnis geführt hat - es ist ein altes Leid. Seit Adam und Eva vom Baum der Erkenntnis aßen, seit Prometheus den Menschen das Feuer brachte, sind wir zum Untergang verurteilt. Seit diesem Augenblick sind wir alle verdammt, denn unsere Vorfahren haben der Natur einen Tort angetan, immer wieder. Und wir haben sie ausgenutzt, ausgebeutet und  missachtet. Wir müssen dafür nun büßen.

Doch diese Tage des Krieges und des Todes, die wir, die letzten Kinder der Sünde, durchleben, sind die Tage der Läuterung, die Zeit der Katharsis. Es sind drei mal zehn Jahre bis 2050, die uns noch bleiben, um die Natur mit dem Leben des Menschen zu versöhnen. Drei mal zehn Jahre, um die Fehler unendlich vieler Generationen menschlichen Lebens wieder gut zu machen. Raus aus der Braunkohle. Das Virus besiegen. Atomkraft abschalten. Flächenversiegelung beenden. Die Waldbrände in Australien löschen. Und die menschenverachtende Konsumgesellschaft einhegen.

Ein jeder von uns muss danach streben, seine Unschuld wiederzuerlangen. CO2-neutral zu leben. Seine Ansprüche in Verzichtswünsche zu verwandeln. Ein jeder von uns muss danach streben, seine Reinheit vor den Augen des Planeten zu beweisen. Wir, die letzten, die auf Erden wandeln, müssen zurückgehen in der Zeit, weit zurück, zurück vor die Zeit der Industrialisierung, gab um uns zu prüfen, und noch weiter zurück. Zurück vor den Sündenfall. Zurück ins Paradies. 

Als wir aßen, was wuchs, und schließen, wo Gras war. Als wir barfuß gingen, statt in den Schuhladen. Als kein Virus uns  im Restaurant anfallen konnte, weil wir daheim kochten.

Es war unsere Hybris, die wir "Erkenntnis" nannten, die zu unserer Verdammnis geführt hat. Es war unsere eigensinnige Vorstellung, "Wissenschaft" zu besitzen, die uns die Welt erklärt, die uns verführte, die Welt zu ändern. Es war unser Wunsch, die Welt zu formen, die Bakterien und Viren in den Krieg gegen uns ziehen ließ.

Unser Wunsch, Großes zu erschaffen. Unser Wunsch, es der Schöpfung gleich zu tun und Schöpfer zu werden. Unsere Einbildung, unser eigenes Sein erkennen und beeinflussen zu können. Der Drang, mehr sein zu wollen als die anderen Kinder der Natur. Das alles hat zu dieser Zeit des Todes und der Verdammnis geführt, die wir im Augenblick erleben - in Deutschland weniger als anderswo, denn dank der klugen Führung in unserem Lande konnte das Schlimmste vermieden werden.

Klar werden aber muss uns: Wir, die Kinder der Natur, sind nicht dafür geschaffen mehr zu erträumen als Nahrung und Fortpflanzung, mehr als unschuldige Lust und selige Gedankenlosigkeit. Wir müssen umsteuern, anders leben lernen, bescheiden sein und voller Zutrauen in das Vermögen unserer Führer*innen, den richtigen Weg zu finden.  

Die AHA-Regeln zur Bewältigung der Corona-Krise zeigen uns beispielhaft, wie mächtig Disziplin sein kann, wird sie von allen befolgt. So haben wir uns nun entschlossen, mit neuen Gebote und neuen Verboten aufzubrechen in eine neue Zeit voller Licht und Zuversicht.

Es sei verflucht das Wissen - denn es nimmt die Demut. 

Es sei verflucht das Streben - denn es zerstört die Natur. 

Es sei verflucht die Moral - denn besser sind zwei. 

Es sei verflucht der Konsum - denn er entspringt der Gier. 

Es sei verflucht das Gesetz - es muss der Verordnung gehorchen. 

Es sei verflucht die Sprache - es sei denn, sie formt den Menschen. 

Es sei verflucht die Technik - denn sie schadet der Welt.

Es sei verflucht der Fortschritt - denn er ist wider die Natur. 

Es sei gelobt, wer kein Gewissen hat - denn die Unschuld ist ihm Eigen. 

Es sei gelobt der Tumbe - denn er weiß nicht, was er tut.

Es sei gelobt, wer nach Vergessen strebt - denn Unschuld ist sein Ziel. 

Es sei gelobt, wer vergessen hat - er ist angekommen.



1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Eine Maßregel ist von der Schuld unabhängig und wird zum Schutz vor gefährlichen Straftätern oder zu deren Besserung angeordnet. Daher können Maßregeln der Besserung und Sicherung auch gegen schuldunfähige erwachsene Straftäter angeordnet werden