Donnerstag, 11. Februar 2021

Mächtige Mutante: Geschwätzdesign aus dem Sprachlabor

Seltener Einblick: Im Kellergeschoss der BWHF wird eine neue Worthülse zur Verwendung in Politik und Medien geladen.

Im alten Österreich war es ein Junge, der im Stimmbruch ist, in der Biologie steht es für die eingedeutschte Version des Lateinischen "mutans", dem Partizip von "mutare", zu deutsch mutieren, das für verändern oder verwandeln steht. Die "Mutante", nach einem Vorschlag des Bundesalarmbeauftragten Karl Lauterbach aktuell auch als "Kombinationsmutante" unterwegs, war über Jahrzehnte als "Mutation" gebräuchlich, damals allerdings noch nicht in Nachrichtensendungen und Talkshow-Runden. Als die Corona-Pandemie in ihr zweites Jahr ging, reichte das nicht mehr aus: Wie ein Gutachten von Forschern und Sprechingenieuren der Bundesworthülsenfabrik (BWHF) in Berlin bereits kurz vor Weihnachten warnte, bedarf eine pandemische Lage von nationaler Tragweite jeweils auch pandemisch passfertiger Begrifflichkeiten, der Zuschnitt gebrauchsgenau erfolgen muss.  

Endemitisches Vokabular 

Worthülsendreher und Geschwätzdesigner sprechen in diesem Zusammenhang von Endemiten, einem vom altgriechischen Begriff ἔνδημος éndēmos oder zu deutsch "einheimisch" abgeleiteten Wort, das der Natur abgelauscht wurde. Als Endemismen werden dort Tiere und Pflanzen bezeichnet, die im Gegensatz zu den sogenannten Kosmopoliten, die ausbreitungs- und anpassungsfähigen Arten angehören,  nur in einer bestimmten, räumlich abgegrenzten Umgebung vorkommen. 

Ähnlich verhält es sich im Krisenkampf an der Sprachfront mit endemischen Verbalien: Politische Buchstabenmunition wie "Rettungspaket", "Konjunkturspritze", "Abwrackprämie", "Schuldenbremse" und "Rettungsschirm", aber auch aktuelle Pandemie-Begrifflichkeiten wie "Lockdown" und "Inzidenzwert" sind im Alltagsleben nicht überlebensfähig. Schon ihre Haltbarkeitsdauer auf der politischen und medialen Bühne gilt als äußerst begrenzt, die mittlerweile 1.200 Vollzeitbeschäftigten der BWHF in der Berliner Pilotenstraße müssen deshalb derzeit in wenigen Wochen mehr Als-Ob-Worte herstellen als der seinerzeit noch von SED-Politbüromitglied Kurt Hager geleitete Vorgängerbetrieb VEB Geschwätz im gesamten letzten Fünfjahrplanzeitraum der DDR. 

Alphabetische Arbeitsinstrumente

Doch es geht nicht anders, das zeigt das auf Anforderung des Bundesinnenministeriums im Dezember erstellte geheime Gutachten mit dem Titel "Empfehlungen für zielgerichteten Ressourceneinsatz alphabetischer Arbeitsinstrumente in Ministerien und informellen Arbeitsstäben in pandemischen Lagen nationaler Tragweite". Ausdrücklich weisen die Sprachforscher der BWHF hier darauf hin, dass ungewöhnliche Zeiten nach ungewöhnlichen Formulieren verlangten. 

Ausdrücklich genannt, wenn auch erst auf Seite 372, wird als Beispiel der Begriff "Mutationen", der kurz vor Weihnachten wegen aufkommender Gerüchte aus Großbritannien zu einer möglichen spontan aufgetretenen, aber dauerhaften Veränderung des Erbgutes des Corona-Virus in Umlauf gekommen war. Mit einer Verwendungsanzahl von 651, einem Bedeutungsrang von 53.677 und der Zugehörigkeit zur  Häufigkeitsklasse 15 (Wortschaftlexikon Universität Leipzig) entspreche der Begriff nicht den Anforderungen an ein wirksames Krisenvokabular. Nach dem zweiten Propagandalehrsatz der Marketingwissenschaft - besser bekannt als "Das König der Biere"-Gesetz - müsse Krisenkommunikation ohrfällig, ungewöhnlich und schnell haftend sein.

Endemisches Aufgebot

Gemeinsam mit dem führenden SPD-Experten Karl Lauterbach wurde das Wort "Mutante" entwickelt, bis dato in Singular und Plural amerikanischen Kinderfilmen vorbehalten, nun aber mit Hilfe eines nachgeschalteten "e", das im Katalog der BWHF für "endemisch" steht, als zwischenweltliche Beschreibung für das tote Leben des bedrohlichen Virus verwendet.  Mit einer Anzahl von nur 8, einem Rang 1.096.506 und der Zugehörigkeit zur  Häufigkeitsklasse 21, die etwa einem Amazon-Verkaufsrang von jenseits der zwölf Millionen entspricht, wurde die bis dato nur im schweizerischen Sprachgebrauch verwendete Wortmutante zum Standardbegriff der Krisenkommunikation: Weitgehend unverständlich, aber bedrohlich, erklärungslos wirksam und in Talkshows und Nachrichtensendungen nicht hinterfragbar. 

Nur in der Bundesworthülsenfabrik (BWHF), die seit Jahren radikal auf zusammengesetzte Substantive als Propagandageschosse setzt, war man nicht zufrieden. "Mutante" schien zu knapp, zu schlecht trennbar und zu speziell, um über Monate hinweg auf einem Bedrohlichkeitslever verwendet werden zu können. Mit der "Kombinationsmutante", die nach einer Sonderschicht in der BWHF aus dem neuen Reinstraumsprachlabor nachgeliefert wurde, gelang den Geschwätzdesignern unter Leitung von BWHF-Chef Rainald Schawidow dann schließlich mit Hilfe einer sogenannten Keimbahn-Mutation, eingeleitet im Reaganzglas, der Durchbruch zu einer nach DIN-Norm und EU-Vorgaben genehmigungsfähigen Kombinationsworthülse, deren Eintragung ins Wörterbuch des Medienmenschen nichts entgegensteht.


Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Zwischenzeitlich wurde von KL schon die "Turbomutante" erschaffen....
Herr, schmeiß Hirn!

Jodel hat gesagt…

Mit der Mutante hat man jetzt endlich das richtige Vehikel gefunden, die Repressionen gegen die eigene Bevölkerung bis in alle Ewigkeit fortzusetzen. Irgend eine Mutation vor irgendwas lässt sich immer finden. Das ist diesen bitterbösen und doch so gelegen kommenden Viren ja bereits in die RNA-Wiege gelegt.

Das Einzige was uns aus den Klauen dieser machttrunkenen Minderleister reißen wird,
ist der wirtschaftliche Zusammenbruch, der sich bei einem weiterso irgendwann einstellen muss. Freiwillig lassen die nicht mehr ab von der neuen Machtfülle. Auch bei allen sonstigen totalitären Versuchen läuft es immer auf dieses Szenario hinaus. Vor dem völligen Zusammenbruch ist kein Umsteuern mehr möglich.

Jetzt möge jeder selbst für sich entscheiden, was ihm lieber ist. Mit dem Abschlag auf die Novemberhilfe maskentragend weiter allein zu Hause sitzen oder sich mürrisch in die Schlange vor der Suppenküche einreihen. Einen dritten Weg gibt es wohl leider nicht.

Eine echte Entscheidung gibt es hier ja auch nicht zu treffen. Otto Normalmichel wird beides durchleiden müssen, da er auch in diesem denkwürdigen Jahr brav sein Kreuzchen bei den Immergleichen machen wird.

Anonym hat gesagt…

Die Worthülsenfabrik sieht aus wie eine MiG-Werkstatt, in der schwarz Wodka gebrannt wird. Vermutlich ein Relikt der DDR-Vergangenheit.

Anonym hat gesagt…

"deutschlandfunk" , 02:36 , ein "Bericht" über eine weinerliche Sterbebegleitung .

überhaupt : "Sterbebegleitung" - oder auch "achtsam" . "wir sind alle sehr achtsam " - wir sind auch lieb - wir singen gemeinsam ein lala-Lied - dann wieder : kurze "Berichte" aus der bösen weißen Männerwelt. Die weiße Männerwelt wird von bösen weißen Seppmännern regiert ; unempathische Techkrieger die weiße Produkte für die weiße Weltherrschaft bauen tun .

zurück zu den schwererkrankt-weinerlichen Verlierern - verloren sitzen die weinerlichen Begleitungsbetschwestern im Neonlichtsterbebereich der kalten Sterbeklinik . Gut - es gibt hübsche lala-Buntbilder von der Aische ( 7 ) .

Die Moderatorin berichtet von ihrer lala-Buntweltrealität - gut - sie ist auch queer-tranzmenschlich - aber darum geht es nicht - es geht um Sterbebegleitung ( "ich habe auch eine Webseite mit Sterbebegleitung in achtsam-einfacher Sprache " . Die Judith kennt die Anna -Lena schon seit "ihrer" Studienzeit in Tübingen - damals waren beide im lesbisch-achtsamen Deutschkurs für LeeramtzbeamtInnen , Judith war auch in Israel und aufm EKD-Kirchentag .Judith war eigentlich immer ein achtsamer Mensch - dachte die Lena so bei sich -achtsam umklammert die Lena ihren selbstgetöpferten Angstbecher den sie selber getöpfert hat .

Lena hat Angst - viel Angst denn sie hat den P. , einen betrunkenen Polizeischüler ermordet - das Kollektiv ist natürlich solidarisch - aber : draußen vor der Türe lauert der weiße Mann - ein Mann ohne Gesicht , ein Mann mit eigener Moral - er kennt die Lena .

"hallo Lena " sagt das Telefon . Lena nimmt Tabletten . Sie kann ihr schreckliches Geheimnis nicht teilen .

"HALLO LENA" steht da im Fahrstuhl . Lena geht nicht mehr zum Kollektiv - sie will jetzt was mit Medien machen - vielleicht nochmal nach Israel fahren . Der Vater von P. hat viele Freunde - Seppfreunde mit Überwachungstechnik - Dinge die eine Lena nicht versteht .

Lena ist ein Mörder - Lena umklammert ihren Achtsamkeitsbecher - an der Wand der Kirchentagsbeutel vom Kirchentag den die Lena achtsam an die Wand gehängt hat .Am Horizont eine Drohne . Weiße böse Techseppdrohne denkt Lena und stellt den Bescher achtsam auf den Stapel mit den Büchern - sind so wichtige Bücher .

aus : "Lena und der Maßstab aller Dinge "

Der lachende Mann hat gesagt…

Bitte weitere Auszüge veröffentlichen! Sie haben uns in der letzten Zeit ganz schön kurz gehalten.

ppq hat gesagt…

das finde ich auch. so lange das so elegische fantasien sind, bleiben sie hier auch stehen, sepp

Die Anmerkung hat gesagt…

Schawidows wichtigste Erfinderin geleakt.

Aus dem streng geheimen Sprachlabor der Bundesregierung. Interna, wie die Bundesregierung unter Zuhilfenahme von Wortverdrehern ein ganzes Volk in den Wahnsinn treiben möchte.

Wir müssen die Lockerungen als etwas Perverses darstellen, das die Leute anekelt.

https://www.youtube.com/watch?v=N59zbQKXsWo