Sonntag, 11. April 2021

Corona-Koma: Ein Bauchladen, der auseinanderfliegt

Kommando späte Reue: Nach einem Jahr ganz klar - jeder Tag kostet Leben. 
 

Jetzt nur noch ganz schnell den Föderalismus schleifen und auch der Bundesrepublik, wie sie die Alliierten wollten und die Gründerväter wollen durften, einen Zentralstaat machen. Seht doch nur, wie gut es in Frankreich läuft! Mit einer Bundesnotbremse für die Laschet-Brücke, aber ohne Corona-Kabinett beginnt das vielleicht schon vorletzte Kapitel  des deutschen Pandemie.-Dramas: Die Kanzlerin, geschwächt, aber aufrecht, wenn auch unsichtbar, ist allein auf der Brücke. Unter Deck formieren sich die Meuterer, der ein hier mit seinen Fans, der andere dort. Wüssten sie wirklich guten Rat, müssten sie sofort übernehmen. Doch sie trauen sich selbst nicht, wie auch sie sich selbst nicht mehr traut.

14 Tage Unendlichkeit

Man sollte etwas tun. Sie werde nicht noch einmal "14 Tage warten", hatte Angela Merkel bei der letzten großen Audienz angekündigt, die sie der Talkshow-Master*I_n Anne Will gegeben hatte. Die letzten 14 Kanzlerinnen-Tage dauern immerhin seit 2016 an, die Frist ist zuletzt nicht einmal mehr verlängert worden, die große europäische Flüchtlingslösung aber immer noch nicht in Sicht. Bei Corona jedoch drängt nun die Zeit. Ein Infektionsangebot für alle Deutschen bis zum Herbst, wo die Brexit-Briten schon Herdenimmunität feiern - die Ehe von Schwarzgrün könnte es nicht mal bis zum Altar schaffen. Man darf sich nichts vorwerfen lassen und muss es doch. Man muss etwas tun, und weiß nicht was. "Jeden Tag, den wir später handeln, verlieren wir Menschenleben", hat RKI-Cjhef Lothar Wieler jetzt überraschend ermittelt. Gut, dass sich bis heute bei Zulassungsverfahren für Impfstoffe nicht aus der Ruhe bringen lässt.

Dazu gehört Charakter, mindestens ebenso viel wie dazu, nach 156 Tagen Lockdown in einem Lockdown im Lockdown samt bundesweiter Ausgangssperren das letzte Mittel zu sehen, noch einmal eine kollektive Entsagungsanstrengung zu mobilisieren. Noch "drei, vier harte Monate" hatte Angela Merkel im Oktober angekündigt. Drei, vier harte Monate sah sie auch im Februar noch voraus. Jetzt noch drei, vier harte Monate, hat ihr Gesundheitsminister gerade als Perspektive umrissen, mit nur noch einer Treffperson am Tag und einer Stallpflicht in der Nacht. Und in drei, vier Monaten könnten alle ihr Impfangebot noch erleben dürfen, die dann noch am Leben sind.

Kampf der Kanzlerkandidatenkandidaten

Der Kampf um den Kurs der Pandemiepolitik ist mittlerweile zur Königsdisziplin im Kampf um die Kürung zum Kanzlerkandidaten geworden. Während die Amtsinhaberin gern möchte, aber kein Gehör mehr findet, weil sie auch nicht so recht sagen kann, was eigentlich, inszenieren sich die Kronprinzen als Stichwortgeber für Konzepte, die nur aus Stichworten bestehen. Der eine baut eine Brücke, der andere kauft unsichtbaren Impfstoff vom Klassenfeind. Die SPD mit ihrem Kanzlerkandidaten hat sich seit dessen letztem peinlichen Pandemieversprechen aus der Corona-Politik zurückgezogen. Ihre Ministerpräsidenten öffnen und schließen gleichzeitig, überall "Modellprojekte", mit denen ausprobiert wird, ob Ärzte impfen und Cafés auf der Terrasse Kaffee ausschenken können.

Es ist so viel geredet worden, dass nun gar nicht mehr geredet werden muss. Abgesagt wurde die Sitzung des Corona-Kabinettes, angekündigt dafür eine Entmachtung der Länder durch den Bund. "So kann es nicht weitergehen", hatte das viertelstaatliche Nachrichtenportal T-Online zuvor gemahnt. Deutschlands Medikamentenwächter von der Ständigen Impfkommission ignorieren verbindliche Zulassungsempfehlungen der Europäischen EMA zur Anwendung von Astrazeneca für alle Altersgruppen. Ministerpräsidenten bindende Vereinbarungen im Inzidenzzirkus. Städte die Anweisungen ihrer Staatskanzleien. In Europa macht schon länger jeder, was er will, eine "gemeinsame Strategie", wie sie vor einem Jahr noch als Morgengebet Pflicht war, ist so fern wie Ursula von der Leyen von einem eigenen Stuhl in Recep Erdogans Präsidentenpalast.

Überall Sonderwege

Neue Versprechungen müssen es richten, sonderbare deutsche Sonderwege, Trostsprüche auf allen Kanälen und ein Bauchladen an Bekämpfungstaktiken. Wie längst jedes EU-Land sich um seinen Impfstoffnachschub selbst kümmert, kümmern sich auch die Bundesländer selbst. Eine Bund-Länder-Konferenz, auf der man sich wieder auf nichts einigen können wird, was irgendwer danach auch wirklich erst nimmt, scheint den Beteiligten inzwischen schlimmer als keine Kommunikation miteinander. Wer nicht spricht, vermeidet Missverständnisse. Wer nicht handelt, sondern vom Handeln spricht, lässt erkennen, dass er weiß, was getan werden müsste, aber auch, dass die Not womöglich noch nicht groß genug ist, das ersehnte Durchregieren bis in jeden einzelnen Haushalt rechtssicher zu ermöglichen.

Morgen ist Angela Merkels 14-Tage-Frist abgelaufen. Am Dienstag schon soll das Bundeskabinett eine bundeseinheitliche "Notbremsen-Regelung in Hotspot" (FR) . Unter Missachtung aller vorgeschriebenen gesetzlichen Fristen könnte der neue einheitliche Rechtsrahmen für Ausgangssperren, Behördenschließungen, Sendeverbote für Rundfunk- und Fernsehsender und Kontaktbeschränkungen auf "die Angehörigen des eigenen Hausstandes und eine weitere Person pro Tag" bereits in einer Woche inkraftttreten. Oder in 14 Tagen. Oder, falls Quertreiber, Kritikaster und Bundeseinheitlichkeitsleugner, dagegen klagt, irgendwann später.


Kommentare:

Die Anmerkung hat gesagt…

tiefdunkeltot bei der Tagesschau wieder en vogue

äh rot rot rot

https://www.tichyseinblick.de/daili-es-sentials/tagesschau-corona-grafik-deutschlandkarte/

https://www.tichyseinblick.de/wp-content/uploads/2021/04/Bildschirmfoto-2021-04-10-um-22.07.18-600x0-c-default.png

Bauchtanzpuppe hat gesagt…

Jaja, ganz schlimm, dieser tägliche Verlust an Menschenleben.

Besonders die heute als unnatürlich geltende Tatsache, das so viele anderweitig vorerkrankte Greise in Coronazeiten sterben wie in den hunderttausenden coronafreien Jahren zuvor, gibt jedem Diktator genug Munition in die Hand, alle einzusperren und fortan in Isolation zu halten, von einer zerstörten Wirtschaft mal ganz zu schweigen.

Regiere das Schafsvolk in Panik vor dem Wolf (Muselmanierimport und Coronaeinschleppung) und schon fressen sie dir jede Beruhigungspille freiwillig aus der Hand, oder lassen sich begeistert ins nix-mehr-Angst-fühlen-Delirium spritzen. Just hört man, dass all die supertollen Impfungen gegen eine (neue) afrikanische Mutante keinen Schutz bieten.

Da fliegt also noch lange noch nichts auseinander.

Im Gegenteil, dieser Bauchtanzladen wird noch prosperieren, denn Menschen sind rotz Atombomben und Raumfahrt immer noch Primaten mit der archaischen Furcht vor Raubtieren. Zudem haben bei ihnen trotz Demokratie wenige Alphatiere das Sagen, während die Horde unterwürfig kuscht. Die werden sich aus Angst vor dem bösen draußen fortan selber einmauern und in ihrer Hysterie nicht kapieren, dass ihr Schutzwall zugleich ihre Gefängnismauer ist.

Da wäre dann nur noch die Frage der Versorgung zu klären, weil ja keiner dieser Einzeller mehr Nahrung produziert und liefert.

Wir steuern also auf interessante Fastenzeiten zu.
Eine Art Selbstmumifizierung in sicherer Heimarbeit.

So, jetzt muss ich aber Schluss machen, sonst wird der mal wieder vorbildlich spartanisch verlinkende Stenograf Die Anmerkelung wieder kostenlos berufs- und verdienstberatend tätig.

Die Anmerkung hat gesagt…

@Türsteher mit Bauchtanzpuppe und Schrumpelsack.

Ich kann mich nur wiederholen. Bei diesen fein ziselierten Texten voller Poesie lohnt sich das Betreiben eines eigenen Blogs, zumal die für einen Kommentar eh zu lang sind.

Ich gebe keine kostenlose Produktberatung. Da halte ich die Hand auf. Wird nächste Woche auch so in meinem Blog kommuniziert. Kurz und knackig.

Ergo. Mumifizier dich von dannen.

Johnlo hat gesagt…

Seine Ausführungen scheint mancher zu lang finden. Bei der Beschreibung der Hypochonder Gesellschaft hat die Bauchtanzpuppe allerdings recht. Zur Spätrömischen Dekadenz gehört auch die falsche Hoffnung ewig zu leben.