Freitag, 9. Februar 2024

Neues altes neues EU-Klimaziel: Heute schon ideenneutral

Schon 2021 war das Ziel der Klimaneutralität der EU bis 2050 amtlich. Das ist es jetzt wieder - und einmal mehr ist die mediale Begeisterung mindestens so enorm wie die Aufgabe herausfordernd.

Noch weiter hinten im Kalender, noch weiter weg von der Gegenwart, dafür aber wie immer noch um einiges ambitionierter. Mit ihrem neuen neuen Klimaziel schreitet die EU ein weiteres Mal entschlossen voran auf ihrem weltweit einzigartigen Weg zu Klimaneutralität. Die Strecke, offiziell als "Pfad" bezeichnet, werden schon die meisten der heute Lebenden erreichen, so nicht bereits weit über 60 sind. 16 Jahre noch, umgerechnet viermal Olympische Spiele oder vier Bundesregierungen, dann wird schon 90 Prozent weniger CO2 hergestellt werden. Und ein Vierteljahrhundert straffer Marsch insgesamt, dann werden die ersten 440 Millionen Menschen gänzlich klimaneutral leben.

Absicht und Ziel lösen Probleme

So ist es niedergeschrieben, so entspricht es auch dem, was bereits 2021 verkündet worden war. Damals erreichte der Glaube, dass eine feste Absicht und ein klar formuliertes Zeil zusammen immer genau dorthin führen, wo man hinwill, einen ersten Höhepunkt. Unbeeindruckt von 30 Jahren voller Klimaziele von Kyoto bis Paris, die nie irgendwo zum Stichtag erreicht wurden, formulierte die Brüsseler Kommission neue, noch ehrgeizigere Absichten.

Das große Klimaprogramm "Fit for 55" werde dafür sorgen, dass das erst 2018 verkündete Ziel einer Verschärfung der Reduzierung von 40 auf 45 Prozent bis 2030 schon wieder weiter verschärft werden könne. Warum nicht 55? Aber weil es aktuell allerdings noch an der Umsetzung haperte - EU-Staaten wie Deutschland verfehlten ihre Klimaziele reihenweise - verlegte man sich darauf, als Stichtag der Abrechnung doch lieber auf 2040 festlegen. Alles andere galt nur als "Etappenziel".

Immer mehr, immer später

Dafür aber sollten bis dahin 90 Prozent des CO2-Ausstoßes verschwunden sein. Ein Vorhaben, das gute Erfolgsaussichten hätte, gelänge es den Mitgliedsstaaten, das Kunststück zu wiederholen, dem Deutschland den Großteil seiner CO2-Einsparungen in den zurückliegenden drei Jahrzehnten verdankt: Irgendeine Art DDR finden, sie eingemeinden, ihre Industrie schließen, fertig.  Leider glaubt wohl weder in Brüssel noch in Berlin, dass es noch einmal auf diese Weise funktionieren wird. "Viele Staaten haben noch einen weiten Weg vor sich", klagt die Frankfurter Rundschau angesichts der schieren Unmöglichkeit, in nur fünf oder 15 oder 25 Jahren mehr CO2 einzusparen als in den 34 Jahren seit 1990, in denen nur eine Reduzierung um ein Drittel gelang.

Es brauchte nun eigentlich kein neues neues Klimaziel, sondern eine Idee, wie sich das ganze gloriose Scheitern neu verpacken und als vielversprechende Gesamtentwicklung verkaufen lässt. Niemand weiß besser wie so etwas geht als die EU, die aus Gebäuden heraus regiert, die vielleicht nicht besonders klimagerecht sind, dafür aber mehr Klimazertifikate besitzen als der FC Bayern München Meistertitel. Der Beschluss war schnell gefasst: Sie machen wieder das mit den Fähnchen! Das alte Klimaziel von den 90 Prozent bis 2040 wird als neues Klimaziel noch einmal angeboten. Dazu aber kommt, man weiß ja schon, dass es schiefgehen wird, gibt es das noch neueres Klimaziel der totalen Klimaneutralität bis 2050 gratis obendrauf.

Schon wieder, stöhnt die "Zeit"

Es fällt langsam auf. Sogar die treue "Zeit" stöhnt "Schon wieder ein neunes Klimaziel". Und wieder keine Idee, wie, kein Fingerzeig, was. Wie immer muss Zahlenakrobatik reichen, eingebettet in die Beschwöung des "heißesten Sommers seit Beginn der Aufzeichnungen", (EU-Klimakommissar Wopke Hoekstra), der Schilderung "katastrophaler Zerstörungen", wenn nicht gehandelt werde. Und dem Hinweis, dass der "wissenschaftliche Beirat der EU-Kommission" ja sogar "einen Abbau von Treibhausgasen um 90 bis 95 Prozent im Vergleich zu 1990 empfohlen". Man sich aber mit Rücksicht auf die Industrie geeinigt habe, es bei 90 Prozent zu belassen. 

Das gibt natürlich auch Raum für baldige Verschärfungen, denn die Kommissionsvorschläge sind nur "eine erste Diskussionsgrundlage für die Mitgliedsländer und das EU-Parlament", die ihren Teil an Träumen nun obendrauf packen können. Vielleicht einigt man sich nach langem Streit auf 92 Prozent? Oder belässt es gar bei 87,3? Schreibt aber für alle Zeiten fest, dass die Nulldiät schon 2049 erreicht sein muss. Beschlossen wird alles nach den EU-Wahlen, wenn denn dann noch jemand da ist, der dafür die Hand hebt. "Könnte der Plan noch scheitern?" fragt die drei Fachautoren der "Zeit". Welcher Plan?, fragt der gesunde Menschenverstand zurück.


2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Vereinzelt sieht man noch Mumien in der U-Bahn, welche sich seltsamerweise intelligent dünken, die diesen Dreck lesen. Schamlos in der Öffentlichkeit.

Spaziergänger hat gesagt…

Die Klimapsychopathen wollen ihr Klima um jeden Preis der Welt retten. Der größte Hebel dabei ist die Vernichtung des Wohlstandes und das läßt sich am besten durch immer engere Korsetten für Wirtschaft und Bürger erreichen.
Das ZK der EUdSSR weiß das und handelt entsprechend.