![]() |
| Der Golfspieler Trump wird neuerdings kaum mher beachtet. |
Er ist aussortiert worden, weggestrichen aus den Nachrichtensendungen, kein Thema mehr für die Aufregungsökonomie. Eine ganze Branche aus Experten, Analysten, Buchautoren und Enthüllungsdokumentaristen, die ihr Auskommen mit und durch ihn gefristet hatte, steht vor einer ungewissen Zukunft.
Ohne Donald Trump fehlt Millionen Menschen etwas. Kein morgendliches "Trump hat gesagt" mehr, sobald Radio oder Fernsehen eingeschaltet werden. Kein "Faktenchecker haben nachgewiesen" in der örtlichen Tageszeitung. Ein Loch in zahllosen Leben von Menschen, die die tägliche Trump-Dusche passiv genossen hatten. Ein neues Leben aber für die, die sich an Trump aktiv abarbeiten. Ihnen ist ihr Ein und Alles genommen, der Lebensinhalt und Lebenssinn.
Der sogenannte "Decline of Importance", mit dem der US-Präsident weitgehend aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwand, war kein Selbstläufer. Statistische Verlaufsdaten aus dem Internet zeigen, dass Donald Trump über Jahre hinweg eine überaus verlässliche Zielscheibe für Kritik, Beschimpfungen und ausufernde Bedrohungsszenarien war.
Im Auftrag Russlands
Dem heute 80-Jährigen wurde bereits in seiner ersten Amtszeit unterstellt, das Präsidentenamt mit Hilfe und im Auftrag Russlands übernommen zu haben. Er war demnach angetreten, die Vereinigten Staaten in eine Diktatur zu verwandeln, die bürgerlichen Freiheitsrechte abzuschaffen, Lesben, Schwule und Ausländer (2020 gab es noch keine queeren Menschen) einzusperren und zu unterdrücken und den Klimawandel zu leugnen. Der "Irre" (Frankfurter Rundschau) oder aber auch "Wahnsinnige" (Spiegel) "war für viele junge Frauen traumatisierend", wie die Süddeutsche Zeitung herausfand.
Als er zum zweiten Mal kandidierte, verdankte er das auch diesen traumatisierten Mädchen. Immer noch hatten sie mehrheitlich für die Europas Kandidatin Kamala Harris votiert. Die Jungen, die Latinos und Frauen aber, die nach vier Jahren Dauerfeuer auf den Präsidenten umgefallen waren, gaben den Ausschlag.
So tief der Schock auch saß, so glücklich waren die unzähligen Mitarbeiter der Trump-Ressorts bei "Spiegel", Taz, Frankfurter Rundschau, Merkur, "Stern" und bei den großen Gemeinsinnsendern. Ein Aufatmen war zu hören, als fest stand, dass der alte Feind weitermachen und der Welt noch einmal vier Jahre mit der "größten Polit-Oper ein billiges Schmierentheater" (Die Welt) liefern würde.
Der "verrückte Faschist" als beliebter Popanz
Sie waren gewappnet, sie waren aufmunitioniert und kampfbereit in den Schreibmaschinengewehrstellungen bei der "Zeit", bei DPA, in der Meisterwerkstatt für Mediale Manipulation (MMM) in Mainz. Auch sonst überall, wo der "verrückte Faschist", "Staatsfeind", "Frauenfeind", "verurteilte Straftäter" und "Rassist" als Popanz benutzt werden konnte, um die selbstgemachte Misere eines Industriestaats im Niedergang zu externalisieren.
Der große Krieg gegen Trump er war auch großes Ablenkungskino. Die Führer der Sowjetunion und der DDR hatten für das Elend ihrer kommunistischen Planwirtschaft immer den Westen verantwortlich gemacht. Der war schuld daran, dass ihre nachgewiesenermaßen weit fortschrittlicheren Systeme je mehr Armut und Rückstand produzierten, je weiter sich der Sozialismus entwickelte. In Kuba gilt die US-Blockade bis heute als sehr gute Begründung für ein Ausmaß an Mangelwirtschaft, Armut und Unterversorgung, das so hoch ist, dass das Politbüro der herrschenden kommunistischen Partei sämtliche Wirtschaftsdaten streng geheim hält.
Der gute Feind als bester Freund
Wenn es daheim schlecht läuft, ist ein guter Feind dein bester Freund, sagt ein altes sorbisches Sprichwort. Je mehr eine Gesellschaft ihren inneren Halt verliert, desto größer ist ihre Sehnsucht nach äußerem Druck. Nur der hilft ihr, sich zu erinnern, wer sie ist. Der "Klassenfeind", die "Bonner Ultras", der "Kriegstreiber", der Hetzer - Trump spielte alle Rollen und er spielte sie bewundernswerterweise gleichzeitig. Doch so sehr auch ganze Armeen von Schreibtischtätern gegen ihn anschrieben.
Die Ergebnisse waren ernüchternd, die Bilanz nach zehn Jahren Antitrumpkampf traurig. Der Ruf des 47. Präsidenten beim deutschen Publikum ist zwar ruiniert. Ein Großteil der Deutschen hält ihn inzwischen für den weitaus schlimmeren Hitler. Dennoch waren bei den "Organen der Niedertracht" (Max Goldt) die meisten Opfer zu beklagen.
Abarbeiten am Klassenfeind
Deutschlands beste Propagandisten hatten sich an dem New Yorker abgearbeitet bis zur Erschöpfung. Bei Klaus Brinkbäumers "Spiegel" schnitt Trump der Freiheit den Kopf ab. Großdichter wie Karl Doemens, Jakob Augstein, Georg Restle und Stefan Kornelius entwickelten ein eigenes Trump-Genre, das anprangerte, wie der US-Präsident den Prozess der "Refeudalisierung, der Aushöhlung zivilgesellschaftlicher Errungenschaften, der kulturellen Rückständigkeit im Hintergrund" ablaufen ließ.
Das alles nützte nichts. Selbst in den Tagen des großen Zollkrieges, als die Angstmaschinen in Hamburg, Berlin und München auf Hochtouren liefen und die Hassprediger des eingeschworenen Antiamerikanismus sich gegenseitig zu Höchstleistungen der Pöbel-Publizistik anfeuerten, entpuppten sich die schweren Geschütze Europas als Konfettikanonen. Alle waren sie mit nassen Schnipseln geladen.
Die 15 Minuten des Bernd Lange
Bernd Lange, der etwa 15 Minuten lang der Anführer der EU bei einem Aufstand, der dann nie stattfand, verschwand über Nacht aus den Schlagzeilen. Sowohl der deutsche Kanzler als auch die EU-Kommissionspräsidentin, die so viel lieber deutscher Kanzler geworden wäre, warfen sich in Washington stumm in den Staub. Die Medien daheim lobten, dass sie es so tatsächlich geschafft hätten, nicht vor aller Augen zusammengefaltet und jenseits der Hosennaht glattgebügelt zu werden.
Es war bald nach diesen Begegnungen auf Augenhöhe von Europas Pupillen und Trumps Hühneraugen, als sich langsame, wie tektonische Verschiebungen in der Tonalität des Umgangs europäischer Politiker und deutscher Medien mit dem Präsidenten zeigten.
Das Ende einer aufgeregten Ära
Wie mit einem Schieberegler abgewürgt, endete eine Ära, in der jeder Satz des Präsidenten Myriaden von erregten Schlagzeilen produziert. Seit Anfang 2025 hat sich die Aufmerksamkeit, die deutsche Medienhäuser Donald Trump widmen, um zwei Drittel reduziert. Verglichen mit dem Niveau des Interesses rund um seine Wiederwahl liegt der Rückgang bei drei Vierteln. Gemessen am Peak Trump, der in Deutschland rundum den Sturm auf das Capitol in Washington erreicht worden war, beträgt er sogar vier Fünftel.
Der flammende Hass auf Donald Trump, ein Jahrzehnt lang das Lebenselixier einer Branche, für die ihre Zeit als Personenschutz von Barack Obama und Angela Merkel die schönste ihres Lebens war, ist herabgedimmt. Nur ein kümmerliches Flackern ist übrig von den lodernden Flammen, die Trump ausbrennen sollten. Statt hysterisch jede Äußerung des Präsidenten auf dessen eigenen Netzwerk Truth Social zur Ursache allen Unbills auf der Welt zu erklären, werden die Posts aus dem Weißen Haus nur noch achselzuckend zur Kenntnis genommen.
Wo bleibt der Atomkrieg
![]() |
| Das Interesse an Trump flaut ab. |
Auch die vom früheren Nachrichtenmagazin "Spiegel" geäußerte Vermutung, Trump plane, die gesamte Erde auffressen, nachdem er sich mit dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un zur Vernichtung der Menschheit verbündet habe, stellte sich als Fantasiegebilde heraus. All die Erfindungen haben großen Schaden angerichtet und viel zerstört. Weil alles, was jemals über Trumps Absichten behauptet wurde, viel schlimmer war als das, was der Egomane wirklich tut, scheint Trump nur noch wie eine unangenehme, aber vorübergehende Störung im Kontinuum.
Zehn Jahre als Gottseibeiuns
An die Stelle der Verteufelung trat nach zehn Jahren, in denen Trump den Gottseibeiuns seiner Generation spielen durfte, eine unübersehbare Verharmlosung: Der "Faschist" (Spiegel), der aus den Vereinigten Staaten ein neues Hitlerreich machen wollte, mutierte gar zum radikalen Christen.
Das Übelste, was sich noch über den Mann sagen ließ, der sich nicht wie erwartet mit lauter gewalttätigen Rassisten und extrem extremistischen Faschisten umgeben hatte, war sein schlechter Umgang. Sein Umfeld bestehe aus strenggläubigen christlichen Glaubensbrüdern, hieß es anklagend. Lauter Männer, für die - bei allem, was rechts ist - der Papst in Rom noch immer die höchste Autorität auf Erden darstellt.
Nachschub an Nichtigkeiten
Niemand, der all den Gerüchten bis dahin zumindest zeitweise vertraut hatte, ist inzwischen noch bereit, Nachschub an Nichtigkeiten für bare Münze zu nehmen. Denjenigen, die geschäftsmäßig mit der Herstellung solcher Vorwürfe beschäftigt sind, fällt auch nichts mehr ein. Frauenhass. Pädophilie. Die Freundschaft zu Milliardären. Die Feindschaft mit Billionären. Kriegstreiberei. Friedensdrohungen. Alles war schon. Alles war vergebens.
Tief sitzt in den großen Redaktionsstuben die Enttäuschung über die Erkenntnis, dass man Trump mittlerweile wissenschaftlich korrekt nachweisen könnte, dass er in Wirklichkeit ein Echsenmensch ist, der wiedergeborene Stalin oder Hitler selbst. Und er würde doch Recht behalten mit seiner großspurigen These, dass in aller Öffentlichkeit jemanden erschießen könne und die Leute ihm auch das verzeihen würden.
Bestraft mit Nichtachtung
In jüngster Zeit wurde Trump deshalb nach Möglichkeit mit Nichtachtung gestraft. Nicht mehr über jedes Stöckchen hüpfen. Lieber die Regler hochgeziehen, über die die eigene Bedeutung erhöht wird. Europa, ein in allen technischen Belangen zu spät gekommener Kontinent, brüstet sich plötzlich mit brusttrommelnder Entschlossenheit.
Eine Weltmacht der künstlichen Intelligenz werde man sein. Das Weltall samt Sonne, Mond und Sternen erobern. Auch sich selber verteidigen werde man eines Tages können, heißt es in Brüssel, wo heute schon mehr Spezialkommissionen zur Verteidigung tagen als die Bundeswehr einsatzbereite Kompanien zählt.
Geschwätz statt Geschütze
Das Geschwätz von gestern muss die Geschütze von morgen ersetzen, bis Donald Trump gescheitert sein wird mit seinen frivolen Friedensbemühungen. Um dafür zu sorgen, heißt es standhaft bleiben. Schuld am Krieg ist der, der ihn beenden will. Frieden kann nur kommen, wenn weitergekämpft wird, weiter und immer weiter. "Eine Kapitulation der Ukraine kommt nicht infrage", hat Friedrich Merz ein für allemal alle Spekulationen darüber beendet, dass Europa in seinen Anstrengungen nachlassen könnte, die Kriegsanstrengungen der Ukraine zu unterstützen.
Ja, Bulgarien, Ungarn, die Slowakei und Tschechien wollen nicht mehr zahlen, Ja, Marine Le Pen wird das nach ihrem möglichen Wahlsieg im nächsten Jahr nutzen, um auch Frankreich aus der finanziellen Verantwortung zu lösen. Deutschland wird bis 2029 allein weitermachen. Dann kommt bekanntlich der Russe und er wird damit vermutlich genau in den Wahlkampf hineinplatzen.
Wie auch immer die Abstimmung dann ausgeht, per Ukas aus dem Kreml wird anschließend eine Koalition der vier russlandfreundlichen Parteien SPD, Linke, BSW und AfD gegründet werden. Sobald das BSW seine Parteifarbe in Weiß geändert hat, kann dem offiziellen Zusammenschluss zur neuen Großpartei Einiges Russland dann auch mit Weiß-Blau-Rot geworben werden. Wagenknecht Kanzlerin. Schwesig und Weidel Vize. Ein Traumtrio.



2 Kommentare:
Man mutmaßt gelegentlich, dass der Antitrumpfront nach der Zerschlagung der zivilgesellschaftlichen Geldwaschanlage USAID einfach die Mittel ausgegangen sind.
Hat mit Putin gemeinsam: (((Die))) haben ihm gezeigt, wo das Shofar-Horn hängt. Und sie haben entsprechend umdisponiert.
Putin wiederum hat mit IHM (nicht: Trump) gemeinsam, dass sie ihm solange auf die Pelle gerückt sind, vorsichtig ausgedrückt, bis es dann eben nicht mehr anders ging.
Kommentar veröffentlichen