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Sonntag, 2. Juni 2019

Peak Trump: Nachhutgefechte


Einmal noch, mit letzter Kraft. "Die Angstmaschine", nennt die Hamburger "Zeit" den US-Präsidenten, der schon "irre" (FR) war, "wahnsinnig" (Spiegel), ein "Hassprediger" (Steinmeier) und ein "Kriegstreiber" (taz) war, weshalb "Angstmaschine" schon fast liebevoll zugeneigt klingt.

Ein Wort, das andeutet, wie vorbei er ist, der Feldzug gegen den Mann, den deutsche Medien vom ersten Tag an als ihren Feind betrachtet haben, weil er eine Wahl gewonnen hatte, als deren Gewinner sie seine Konkurrentin Hillary Clinton bereits verkündet hatten. "Angstmaschine", das dräuet dunkel, das erinnert noch einmal an die großen ersten anderthalb Jahre des neuen Präsidenten, als eine Springflut an Trump-Nachrichten den Erdball überschwemmte: Er war von den Russen gekauft, ein Vernichter der Wirtschaft, Bekämpfer der Freiheit, bereit, einen Atomkrieg vom Zaun zu brechen, kein Milliardär, aber korrupt, und nur erpicht darauf, die gemeinsamen Werte des Westens zu verraten.

In jenen Monaten, als sich die deutschen Medien vom großen "Spiegel" bis zur am Kiosk kaum noch wahrnehmbaren "Frankfurter Rundschau" entschlossen hatte, so lange mit dem mächtigen Schwert der Feder und dem Schreibmaschinengewehr gegen Trump zu kämpfen, bis der Demiurg und Teufel in Prädidentengestalt aus dem Amt geschrieben oder an Altersschwäche gestorben sein würde, dominierte Trump alles. Zwischen seiner Wahl im November 2016 und den Weihnachtstagen 2018 zierte Trump sagenhafte 31 Spiegel-Titelbilder. Ein Weltrekord, mit dem er Helmut Kohl und Angela Merkel, aber auch Adolf Hitler, die anderen drei ambitionierten Covermodelle, deutlich distanzieren konnte.

Unter dem damals noch amtierenden Spiegel-Chef Klaus Brinkbäumer schnitt Trump der Freiheit den Kopf ab. Er a0ß die Erde auf, verschlang die Vereinigten Staaten, zeigte das dunkle Gesicht eines ausgewiesenen Rassisten und wie sich der Mensch vom stolzen, selbstbestimmten intelligenten Wesen zurückentwickelt zum regressiven Schlipsträger mit gebeugtem Rücken und der Körperhaltung eines Kretins. "Spiegel"-Reporter erfanden sogar eine ganz eigene Art der Anti-Trump-Reportage, die den US-Präsidenten schwer belastete.

Die Fantasie kannte keine Grenzen, die Angstmaschinen in Hamburg, Berlin und München liefen auf Hochtouren, die Hassprediger des eingeschworenen Antiamerikanismus feuerten sich gegenseitig zu Höchstleistungen der Pöbel-Publizistik an. Welcher Anlass auch immer sich bot, die Reaktion war stets identisch. Als Trump sich vor einem Jahr mit dem Mordkoreaner Kim Jong Un traf, hatten die Berichterstatter schon Routine: Die Ankündigung wurde verhöhnt, die zwischenzeitliche Absage kritisiert, die Durchführung bezweifelt und der Erfolg, dass es überhaupt zu einem Treffen gekommen war, anschließend kleingeredet, als hätten Merkel, Macron und Juncker in den vergangenen zwei, sieben oder 15 Jahren durchaus Bedeutenderes erreicht, um den Weltfrieden zu sichern.

Eine Angstmaschine, die mit dem Jahr 2019 allerdings arg ins Stottern geriet. Auf einmal - den früheren Spiegel-Chef Brinkbäumer hatte der in einen imposanten Auflagenverlust mündende Trump-Krieg den Posten gekostet - gab es keine Trump-Titelbilder mehr. Auf einmal versagte die Fingerfertigkeit beim Versuch, entlastendes Material zuungunsten des Mannes im Weißen Haus auszulegen.

Peak Trump. Den Kampf mussten nun todkranke Illustrierte führen, unterstützt von bereits aufgebahrten Hilfstruppen, deren rasende Schreibtischreporter so lange gehofft hatten, die eine oder andere Rezension eines trumpfeindlichen Kinderbuches von ihrer Hand sei wirkmächtig genug, das so lange herbeigewünschte Impeachment doch noch Realität werden zu lassen.

Richtige Überzeugung aber kann heute selbst der "DONALD TRUMP TICKER"®© nicht mehr vermitteln, mit dem ein Daniel Dillmann von der Frankfurter Rundschau penibel auflistet "Was Trump so treibt: Die Peinlichkeiten des US-Präsidenten" (FR). Ein Spiegelkabinett der Bosheit, das Tippfehler und Flugzeugpannen, Versprecher, ernstgemeinte Tweets und alltägliche Peinlichkeiten am Rande von Reisen mit einen Grundton von manifestem Hohn nacherzählt. "Donald Trump lügt, schimpft und macht absurde Dinge", heißt es zur Begründung, er "twittert Lügen, Unfug und Hetze", also liefere die FR einen "Überblick" über des Präsidenten "Kopfsprünge in metertiefe Fettnäpfchen" (FR) "vom missglückten Händeschütteln bis zu Sprachproblemen".

Das Blatt aus Hessen, das in den zurückliegenden zehn Jahren eine Auflagendiät gemacht hat, die es von mehr als 140.000 verkauften Exemplaren täglich auf heute noch geschätzte (offizielle Zahlen werden seit 2012 nicht mehr veröffentlicht) 40.000 führte, kennt keine Gnade, nicht einmal mit sich selbst. Zum Muttertag etwa warf der Trump-Ticker dem Präsidenten vor, er habe ihn glatt vergessen. Trump habe "weder seiner aktuellen Frau Melania noch seine Ex-Frauen Ivana oder Marla Maples" zum Muttertag gratuliert, behauptete der Trump-Ticker im Brustton sicheren Faktenwissens, was er mit Sicherheit nicht wissen kann, sollte die FR nicht Möglichkeiten entdeckt haben, die gesamte Kommunikation des Präsidenten zu überwachen.

Zudem: Mother`s Day ist, zumindest in den USA, traditionell der Tag, an dem Kinder ihren Müttern danken, nicht Männer ihren Frauen. Und Donald Trumps Mutter starb bereits im August vor 19 Jahren.


Kommentare:

Florida Ralf hat gesagt…

der trump hat gestern als niemand gekuckt hat ein kleines maedchen gehauen, und dann hat er auch noch laut gelacht ("ha ha ha ha!"). ich habe zufaellig alles hoechstselbst mitbekommen.

Florida Ralf hat gesagt…

aber darueber schweigt sich dillmann natuerlich geflissentlich aus!!!

Nachhutträger hat gesagt…

Tja, wenn der piefkeeske Gehorsamspinscher hysterisch einen amerikanischen Puma ankläfft, dann kommt dabei das raus, was man gemeinhin einen grotesken Größenwahn nennen muss, der sich in der Parole: "Am deutschen Wesen soll die Welt genesen." zu artikulieren pflegt.

Oberlehrerhaft besserwisserisches Schildbürgertum taumelt beseligt jubelnd durch seine Gutmenschen-Starallüren und hält sich komplett fieberfantasierend für die oberste moralische und wissenschsáftliche Instanz auf diesem Planeten.

Sobald die Narren in der Überzahl sind, gilt deren Verblödung als das Normalmaß. Genau da befinden wir halluzinierenden Überflieger vom Volk der Dichter und Denker uns gerade mal wieder.

Kaliber wie Trump werden sich souverän denken: "Was kümmert es die Eiche, wenn sich eine Rotte Wildschweine an ihr scheuert?" bzw. "Was kümmert es den Vollmond, wenn eine Meute Köter ihn anjault?"

Nur der selbstgefällig aufgeblasene Michelballonkopp jedoch kapiert mal wieder nichts.

Bitterling hat gesagt…

Ich finde, das Einzige, was man Trump vorwerfen kann: daß er nicht schon längst zu einem anständigen Friseur gewechselt ist. Ansonsten pflege ich inzwischen jeden Bericht, jeden Kommentar im mainstreamgeformten Netz, in dessen Titelzeile das Wort "Trump" auftaucht, wegen Desinteresses an der stets gleichen Herabsetzungsleier nach Art einer Tibetanischen Gebetsmühle schlicht zu überblättern.