Donnerstag, 3. Mai 2007

Aus für Buchpreisbindung


Die Buchpreisbindung im deutschsprachigen Teil der Schweiz ist Geschichte. Der Schweizer Bundesrat hat ein letztes Gesuch der Buchhändler und Verleger zur Beibehaltung der traditionellen Einheitspreise abgelehnt. Zuvor hatten die Schweizer Wettbewerbskommission und das Bundesgericht ebenso entschieden.

Nach Ansicht der Bundesräte hatten Verlage und Händler nicht nachweisen können, dass die Preisbindung notwendig ist, um die das Kulturgut Buch zu schützen. In ihrem Gesuch hätten sie keine neuen Argumente für die Buchpreisbidnung vorgebracht, die die Wettbewerbsbehörden bei ihrer Entscheidung vor zwei Jahren nicht beachtet hätten. Damals war man zu dem Schluss gekommen, dass es keine Zusammenhänge zwischen der Buchpreisbindung einerseits und der Titelvielfalt, Sortimentsbreite und der Buchhandelsdichte andererseits gibt. «Somit kann auch nicht nachgewiesen werden, dass die Buchpreisbindung notwendig ist für die Erzielung der kulturpolitischen Leistung», heisst es in der Mitteilung.

Die Fakten sprechen eine klare Sprache. So ist die Anzahl der verlegten Buchtitel in der romanischen Schweiz, in der keine Buchpreisbindung gilt, genauso hoch wie in der Deutschschweiz. Die Buchhandlungsdichte dagegen ist in der Romandie mit einer Buchhandlung für je 10.060 Einwohner sogar höher als in der Deutschschweiz, wo auf je 11457 Einwohner eine Buchhandlung kommt.

Die Auswirkungen der Schweizer Entscheidung dürften bis nach Deutschland reichen, wo Verleger und Buchhändler seit Jahren mit denselben Argumenten, aber weitaus größerem Erfolg für den Erhalt der Buchpreisbindung kämpfen. Wird der Markt in der deutschsprachigen Schweiz freigegeben, könnten die Preise für Bücher dort deutlich sinken - auch wenn der Verband der Schweizer Buchhändler als Reaktion auf die Entscheidung mit steigenden Buchpreisen gedroht hat. Nicht-preisgebundene Bücher ließen sich zwar nicht problemlos nach Deutschland importieren. Ob sich dauerhaft unterschiedliche Preise vor allem für Bestseller halten lassen, ist fraglich: So war die englischsprachige Ausgabe von "Harry Potter" in Deutschland teilweise zu einem Drittel des Preises der deutschsprachigen Ausgabe zu haben. Weil sie nicht der Buchpreisbindung unterlag

Mittwoch, 2. Mai 2007

Wenn ein Bundesamt denkt

so heißt es offiziell: "Unter jungen muslimischen Zuwanderern der zweiten und dritten Generation sind nach Beobachtung des Verfassungsschutzes Demütigungsgefühle, Diskriminierungs-Erfahrungen und Misserfolgs-Erlebnisse verbreitet. Daraus resultierender «Frust, Wut, oder gar Hass auf die deutsche Gesellschaft» könne dazuführen, dass die Jugendlichen und jungen Erwachsenen radikalisiert werden, heißt es in dem vor kurzem veröffentlichten Dossier «Integration als Extremismus- und Terrorismusprävention» des Bundesamtes für Verfassungsschutz in Köln."
und so könnte es auch heißen: "Unter jungen muslimischen Zuwanderern sind «Frust, Wut, oder gar Hass auf die deutsche Gesellschaft» nach Beobachtung des Verfassungsschutzes weit verbreitet. Daraus resultierende Demütigungsgefühle, Diskriminierungs-Erfahrungen und Misserfolgs-Erlebnisse können dazu führen, dass die Jugendlichen und jungen Erwachsenen radikalisiert werden, heißt es in dem vor kurzem veröffentlichten Dossier «Integration als Extremismus- und Terrorismusprävention» des Bundesamtes für Verfassungsschutz in Köln."

Reich ohne Hallorenkugeln

Das Geld liegt auf der Straße und man muss sich vielleicht doch nicht bücken oder gar in Aktien der Hallorenfabrik investieren, um richtig reich zu werden. Denn es gibt am Aktienmarkt durchaus andere, sehr viel seriösere Angebote, wie eine brandaktuelle Rundmail vermuten lässt, deren schneller Erfolg in der Grafik links abgebildet ist. Was wäre das wohl geworden, wenn Dr. Temperio (übersetzt wohl so viel wie "der Zeitweise" oder "der Zeitweilige"?) sich hätte erinnern können, wie sich die Firma nun eigentlich richtig schreibt?

Guten Tag, ich heisse Doktor Temperio.
Hiermit moechte ich Sie ueber den Erfolg einer Netzverkaufsgesellschaft informieren. Die Verkaufsvolumen ueber das Netz steigen mit jedem Jahr und das wundert niemanden. Ueber das Internet sind die Waren preiswerter, es ist bequemer sie zu bestellen, fast jedes Internet-Geschaeft bittet Lieferung und Rabatte an. Eines der besten Beispiele vom Netzbusiness ist die Firma Tier-spezi AG.Dieses Unternehmen verkauft Waren fuer unsere Lieblinge . Dieses Unternehmen hat eigenes Geschaeftenetz und eigene Produktionslinien, den groessten Verkaufswuchs beobachtet man im Netz. Der Verkaufswuchs der Gesellschaft ist ausserordentlich, nur in zweijaehriger Taetigkeit ist es der Firma gelungen, auf den offenen Markt aufzutreten und eigene Aktien den Privatunternehmern anzubieten. Durch Knut-Geschichte hat sich die Denkensweise der Menschen umgewandelt, man holt jetzt immer mehr Tiere aus den Tierpflegeheimen. Die Verkaufsvolumen der Tierspesi AG sind unwahrscheinlich gestiegen. Deswegen braucht das Unternehmen neue Investitionen fuer die Produktionserweiterung.

Pruefen Sie die Marktdaten des Tier-spezi AG (WKN: A0LB1T)
Das ist eine wunderbare Chance fuer das weitere Wachstum der Gesellschaft!

Alle Dämme brechen

nun hat es auch matschdattel erwischt. unser aller lieblings-präsident gerät ins visier der tugendwächter. wenn das so weiter geht, wird sich das regime nicht mehr lange halten. dpa berichtet: "Irans ultrakonservativer Präsident Mahmud
Ahmadinedschad hat ein Tabu gebrochen und islamische Geistliche gegen sich aufgebracht: Vor Fernsehkameras umarmte der 50-jährige Staatschef der Islamischen Republik seine 70-Jahre alte frühere Grundschullehrerin und küsste ihr die Hand. Dafür wurde er am Mittwoch in islamischen Kreisen heftig kritisiert."

Dienstag, 1. Mai 2007

Im Spätprogramm von RTL

kommen wundersamerweise stimmen der vernunft zu wort. hier und hier kann man sich eine reportage ansehen, die zu dem (die apokalyptiker) ernüchternden schluss kommt: es wird wärmer, und das ist gut so.

Halle geht an die Börse

Börsentechnisch gesehen ist Halle, im Unterschied etwa zu Jena, bis heute Niemandsland. Das soll sich jetzt ändern, wenn die traditionsreiche Halloren-Schokoladenfarik den Gang in den wenig regulierten Entry Market der Frankfurter Börse wagt. Nach dem Geschäftsbericht 2006 hat die Vorziege-Süßigkeit der DDR den Alteigentümern eine runde Million Euro eingebracht - im Vergleich zu gerade 70.000 Euro im Jahr zuvor sieht das aus wie Gewinnexplosion. Mit dem Geld, das an der Börse eingesammelt werden soll, will der Vorstand weiteres Wachstum finanzieren, vor allem sollen die westlichen Bundesländer erobert werden. Mit einer neuen Produktionsanlage werde die Kapazität bis kommendes Jahr auf 1.500 Tonnen vervierfacht.

Angeboten werden die Aktien in einer Preisspanne zwischen 6,5 und 8,5 Euro, ein zumindest optisch niedriger Preis, der Kleinanleger ansprechen dürfte.

Genau betrachtet aber ist die Süßigkeiten-Aktie eher nichts für Börsenneulinge. Mit einem Kurs-Gewinnverhältnis zwischen 20 und 26, wie es normalerweise Aktien in einem stürmisch wachsenden Markt zugebilligt wird, ist das Halloren-Papier keineswegs günstig. Denn der Markt für Süßwaren stagniert und von der Million Gewinn im letzten Jahr stammt die Hälfte aus einer Investitionszulage, die andere Hälfte aus einer Steuergutschrift. Positiv beeinflusst wurden die Zahlen zudem durch eine Senkung der Werbeausgaben um eine halbe Million, die sicher nicht unbedingt zur angestrebten Stärkung des Markennamens beigetragen hat.

Zudem genehmigten sich die Altaktionäre eine Gewinnausschüttung von einer halben Million - bei einem wirklich erzielten Gewinn von 74.000 Euro. Entsprechend sieht die Halloren-Bilanz aus: Die Eigenkapitalquote beträgt gerademal zehn Prozent, der Erlös des Börsengang muss also vermutlich auch dazu dienen, die hohe Verschuldung abzubauen.

Das gesamte Geld aus dem Börsengang wird die AG dennoch nicht erhalten, denn ein Drittel der angebotenen Aktien stammen aus dem Besitz des Hannoveraner Wirtschaftsprüfers Paul Morzynski und vier anderer Altaktionäre, die dadurch auf Einnahmen von etwa fünf Millionen hoffen dürfen, gleichzeitig aber weiterhin die Aktienmehrheit behalten. Wer dennoch Appetit hat: gezeichnet werden kann die Aktie noch bis 9. Mai unter der WKN A0LR5T

Abriß-Exkursionen: Speicherstadt Jungfernwiese

Halle, Hinterhof der Stadt. Ganz in der Nähe der Rockstation, von der dumpfe Punkgitarrenklänge herüberwehen, verblühen die Reste der einstigen Industriestadt Halle. Wie ein Hochhaus überragt das Gebäude eines ehemaligen Speichers die Kleingartenanlage an der Jungsfernwiese. In den finsteren Hallen dahinter finden sich die Spuren ausgeschlachteter Versandhaus-Sendungen, Berge von Müll und seltsame Stahlgerippe, die anmuten wie halbfertige Luftschiffe. Fünfzehn Jahre nach dem Auszug der letzten Nutzer überwuchert tiefes Grün die Backsteinmauern, die hölzernen Gewölbe dienen Sprayern als Leinwand und nur ein handgemaltes Segelschiff an einer Wand erinnert noch an die ursprüngliche Funktion des Areals, das einst als Zwischenlager für die Saaleschifffahrt diente und heute verwunderlicherweise einer Magdeburger Maschinenbau-Firma gehört. Die nennt die Ruinen treffend "Außenstelle Halle".

Dänenorchester mit Gaspedalgitarren

Kleine Bühne, große Musik: Die Dänen-Combo Doi hatte am Vorabend des 1. Mai zwar kaum Platz auf der winzigen Bühne des ehemaligen Diesterweg-Hauses am Steintor, füllte die verwinkelten Räume aber dennoch mit atemberaubendem Orchesterrock. Wie die Kollegen von Sigur Ros oder Under Byen spielt die Band um Sänger Martin Dirkov nicht einfach Rockmusik im Viervierteltakt, sondern Geräuschkrawall mit Gaspedalgitarren, Kopfgesang und trötender Viola. Worum es in den ausufernden Barock-Gemälden des Quintetts aus Kopenhagen genau geht, bleibt dabei unaufgeklärt: Die Melodien rauschen einfach dahin, es dröhnt in Moll und donnert in Dur, Dirkov singt in zwei Mikrophone abwechselnd, Bassist Caspar Ryttergaard schwenkt den Schädel wie ein Schwermetaller, Keyboarder Michael Fischer drückt die Tasten, als säße er über einer Mozart-Partitur. Gesprochen wird wenig auf der geschätzte zwei Meter schmalen Wackel-Bühne, dafür schichten sie unverdrossen einen Melodiebogen auf den anderen und hämmern einen Rhythmus in den nächsten, dass das Publikum im bröckligen Hühnermanhattan nur noch verwirrt mit den Köpfen wackeln kann. Sehr weit vorn versucht ein einsamer junger Mann mit Fahrradklemme an der Hose, auf Knackbässe und mit Geigenbogen gestrichene Gitarren zu tanzen. Dafür ist diese Musik aber weiß Gott nicht gedacht.

Montag, 30. April 2007

Alle da, außer Erich Honecka

Es wird das Woodstock der 2000er Jahre, eine Woche wie Live Aid und Diana-Begräbnis an einem Tag. Beim G8-Gipfel in Heiligendamm steigt am 7. Juni 2007 eine große Protest-Sause unter dem filigranen Motto "Music & Messages". Auf dem IGA-Gelände, heißt es offiziell, erwarte die Aktion "Deine Stimme gegen Armut" tausende Teilnehmer zu einer "friedlichen Kundgebung gegen die Armut in der Welt und für ein stärkeres entwicklungspolitisches Engagement der reichen Industrieländer". Damit die "Message" auch ankommt, machen wie immer Herbert Grönemeyer, Bono, die Fantastischen Vier, die Toten Hosen und Silbermond die "Music". Dazu gibt es dann "musikalische Botschafter und Redner aus acht ausgewählten Entwicklungsländern". Der englische Bassist Nicky Wire hat sich nicht angesagt, dergleichen Spektakel aber kürzlich treffend kommentiert: Its all so Bono.

Mondlüge doch nicht wahr

Seit Neil Armstrong seinen Fuß auf den Mond setzte, zweifeln Verschwörungstheoretiker weltweit fleißig daran, dass die Amerikaner wirklich auf dem Mond waren. Aus allerlei Lichtreflexen auf Fotos, technischen Ungereimtheiten und viel Fantasie entstand so die Mondlüge, die - als es erst das Internet gab - schon fast so etwas wie eine Wahrheit war.Dabei liegt der Beweis dafür, dass die Apollo-Astronauten tatsächlich auf dem Erdtrabanten waren, seit dem Juli 1969 auf dem Mond: Bei der ersten Mondlandung ließen die beiden Astronauten Neil Armstrong und Edwin Aldrin einen Spiegel aus rund 100 Katzenaugen zurück, der bis heute zur Messung der Entfernung Erde-Mond benutzt wird.

Im August 1969 war es dem Lick-Observatorium in Kalifornien erstmals gelungen, mit einem Laserpuls von 1,8 Millionen Kilowatt Leistung den Spiegel auf dem Mond anzuvisieren. Der Strahl war beim Auftreffen 1,6 Kilometer dick, bei seiner Rückkehr zur Erde nach etwa 2,5 Sekunden 16 Kilometer. Obwohl die Aufweitung das Licht stark abschwächt, konnte das Drei-Meter-Teleskop den reflektierten Puls noch nachweisen. Mit Hilfe der gemessenen Laufzeit lässt sich der Abstand Erde-Mond auf 20 Zentimeter genau bestimmen.

Für echte Verschwörungsfans allerdings ist das kein Grund, an der Lüge zu zweifeln. Denn wer eine Mondlandung im Fernsehstudio nachbauen kann, schafft es sicher auch, einen Laserstrahl zu fälschen.

Kanada ist nicht die USA


Bislang galten die USA traditionell als die Hauptschuldigen an der nach medialer deutscher Grundüberzeugung kommenden Klimakatastrophe, weil sie sich seinerzeit geweigert hatten, das Kyoto-Protokoll zu unterzeichnen.
Kaum bekannt ist, dass die Mehrzahl der europäischen Kyoto-Unterzeichner-Länder die im Kyoto-Vertrag vereinbarten so genannten Klimaschutz-Ziele zum Teil weit verfehlt hat. So hatten Länder wie Spanien oder Portugal eine Reduktion des Kohlendioxid-Ausstoßes zugesagt, erreicht haben sie eine Steigerung. Deutschland, nach dem Willen seines Pop-Beauftragten und Klimaschutzkuschelbär-Paten Sigmar Gabriel eine Klimaschutz-Weltmacht, verfehlte seine selbstgesteckten Ziele ebenso, dank der Großabschaltung der ostdeutschen Industrie aber immerhin nur knapp. Thematisiert wurde das wenig, denn auf Nachfragen konnte immer der Finger Richtung USA gereckt werden: Die haben nicht mal unterschrieben!
Kanada hat unterschrieben, jetzt aber eingestehen müssen, dass es die vereinbarten Ziele gemäss Kyoto-Protokoll nicht wird. Die kanadische Regierung hat die Ziele deshalb jetzt einfach dem bisher erreichten Stand angepasst. Das Kyoto-Protokoll verlangte von Kanada ursprünglich eine Reduktion um 6 % gegenüber den Werten von 1990, tatsächlich aber liegen die Emissionen derzeit mehr als 30 % über denen von 1990. Das ist nun prima erreicht worden.
Dennoch wolle Kanada aus dem Vertrag nicht ausscheiden, hieß es. Schließlich ist Kanada nicht die USA! Sondern ein Land, das den Klimaschutz quasi in der Landesflagge führt. Neues Ziel: Kanada will den Ausstoss klimaschädlicher Treibhausgase von 2007 bis 2020 um 20 % reduzieren. Klappt das nicht, wird dann sicher einfach wieder das Ziel reduziert.
Dem Kyoto-Nicht-Unterzeichnerland USA ist seit 1990 übrigens eine Reduktion des Kohlendioxid-Ausstoßes gelungen

Sonntag, 29. April 2007

Aufschwung

ich freue mich, vermelden zu dürfen, dass der aufschwung auch in halle angekommen ist. wie auf dem foto deutlich ersichtlich ist, richtet sich das begehr einheimischer mittelständler nach neuen arbeitskräften schon lange nicht mehr - auf einheimische. die haben offenbar genug damit zu tun, ihre millionen zu zählen.

Zeitungsspiele

Wenn man in letzter Zeit durch Berliner Zeitungsstuben schlendert, sieht man auf den Computer-Bildschirmen immer wieder das gleiche Bild. Nicht aber etwa die Internetseiten von Suchmaschinen oder den Hauptstadt-Blogs oder auch diverse Recherche-Seiten.
Zu sehen sind kleine Männchen, die mit Bogen auf Burgen schießen. Oder verschiedene Tiere, die mit allerlei Zeugs beschossen und beworfen werden. Denn eine neue Manie beherrscht die Hauptstadt-Redaktionen: Online-Spiele. Ob nun die genannten oder andere, wo Autorennen stattfinden oder Rohre in die richtige Stellung gedreht werden müssen, Hauptsache man spielt irgendetwas.
Die ganz Schlauen spielen dann auch schon einmal online eine Partie Schach. Gegen den Rechner oder gegen einen realen Gegner, der irgwendwo in der Welt vor seinem Rechner sitzt. Manchmal sind die Gegner jedoch näher, als man glauben möchte.
Folgendes begab sich jüngst in der Redaktion einer großen Berliner Zeitung: Ein Redakteur begann kurz nach der Mittagspause mit einem Online-Schachspielchen. Zwischendurch schrieb er mal ein paar Nachrichten und auch einen (seinen) Aufmacher.
Das Spiel ging verloren, obwohl der Betreffende lange gekämpft hatte und am Beginn der Partie noch sehr zuversichtlich war. Aber zum Ende hin hatte er wohl einen schweren Fehler gemacht, einen wichtigen Bauern geopfert.
Kurz nachdem er fluchend seine Niederlage eingestanden hatte, kam sein Chef zu ihm. Und dieser Sprach: "Der Text von Deinem Aufmacher ist totale Scheiße, komplett am Thema vorbei geschrieben. Mach das nochmal."
Zu den anderen Kollegen sagte der Chef: "Da hab ich doch gerade wieder einen Schachgegner in Grund und Boden gespielt. Der Blödmann hat zwar lange gekämpft. Aber als er seinen wichtigsten Bauern opferte, war der Sieg mein."
Tja, so ist das im Leben. Manchmal verliert man und manchmal gewinnen die anderen.

Malen nach Zahlen

Im letzten Jahr haben die Staatsanwaltschaften des Landes Sachsen-Anhalt insgesamt 1.567 Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Begehung rechtsextremistischer und fremdenfeindlicher Straftaten eingeleitet, tickerte es gestern durchs Land. Dies entspräche einer Steigerung von über 5 % gegenüber dem Vorjahr, unglücksboteten die Schlagzeilen. Im Kleingedruckten dann noch der Hinweis: Drei Viertel der Taten hatten die Verbreitung und das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen gemäß §§ 86a StGB zum Inhalt.

Auslöser eines dieser Verfahren war nebenstehend abgebildete Zeichnung. Im Zeitraum der Erhebung der oben genannten Zahlen lieferte sie tatsächlich den Anlass für ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Halle.

Der Schüler, der die Karikatur angefertigt hatte, war - so ist es seit Herbst letzten Jahres vom Kultusministerium des Landes allen Schulen angewiesen - wegen der Zeichnung, die sein Lehrer zufällig in einem Schulblock entdeckt hatte, von seiner Direktorin bei der Staatsanwaltschaft angezeigt worden. In der Folge ermittelte das Fachkommissariat 4, betraut mit dem "Staatsschutz" genannten Kampf gegen Verfassungsfeinde aller Art, wegen des Vorwurfs des Zeigens verfassungsfeindlicher Kennzeichen.

Im Zuge der Ermittlungen, die zufällig in die Zeit des Filmstarts von Helge Schneiders "Mein Führer" fielen, wurde der betreffende Schüler von Staatsschutzbeamten mehr als zwei Stunden lang vernommen. Im Anschluss daran hatten die Ermittler eine umfangreiche erkennungsdienstliche Behandlung des Verdächtigen geplant, die erst anwaltliches Eingreifen verhinderte. Der ermittlungsführende Staatsanwalt ließ anschließend zwar wissen, dass das Verfahren aus seiner Sicht nie hätte eröffnet werden dürfen. Allerdings sei er nunmehr - aufgrund der besonderen inhaltlichen Umstände - leider nicht in der Lage, es einfach einzustellen. Auch wenn Helge Schneiders Führer-Karikatur zeitgleich straffrei aus jeder Fernsehzeitschrift schaue.

Der Deal lautete am Ende: Keine Anklage gegen Schuldbekenntnis, dafür keine Strafe, sondern die Auflage, 20 Stunden gemeinnützige Arbeit zu leisten - auf Anweisung des Jugendamtes der Stadt Halle übrigens beim Schützenverein abzuleisten.

Nachdem das geschehen ist, steht der der ganze dramatische, den Rechtsstaat in seinen Fundamenten bedrohende Fall nun in oben erwähnter Statistik. Von der im übrigen völlig unklar ist, worauf sich die genannten Zahlen beziehen. Handelt es sich um Straftaten, die aufgeklärt wurden? In denen Anklage erhoben worden ist? In denen Täter verurteilt worden sind? Oder umfasst die Statistik alle Vorfälle, in denen - aufgrund von Anzeigen oder von Amts wegen - ermittelt wurden? Also auch um jene, in denen die Ermittlungen später wieder eingestellt werden konnten? Ohne dass es zu einem Strafbefehl oder einer Anklage kam? Weil vielleicht gar keine Straftat vorlag? Oder Ermittlungen, die aufgrund der besonderen inhaltlichen Umstände leider nicht so einfach eingestellt werden konnten?

Der Link zum Stasi 2.0-Shirt

Das Shirt gibt es u.a. in mittelschichten-unterhemdweiß und prekariat-rot.

Samstag, 28. April 2007

Mach' mir den Mielke! Das Shirt zu Stasi 2.0

Aus für SMS-Sex im Iran

Viele ernsthafte Freunde der islamistischen Kultur werden sagen, das wird ja langsam wirklich Zeit. Aber nun ist es ja soweit: Der iranische Telekommunikationsminister hat eben angekündigt, dass im Gottesstaat künftig "unmoralische" Audio- und Video-Mitteilungen, die per SMS oder Handy gesendet werden, von einem speziellen Filtersystem abgefangen werden sollen. Nähere Angaben zur Technik, mit der der scharia-treue Filter arbeitet, machte der Mullahminister nicht, ebensowenig wurde definiert, was genau eine "unmoralische" Mitteilung ist. Allerdings soll Wolfgang Schäuble dem Vernehmen nach bereits auf dem Weg nach Teheran sein, um für Deutschland eine Lizenz des Verfahrens zu erwerben

Hobbyschauspieler soll Halles Fußball retten

Er war fünfmal Meister mit Bayern München, stand bei den belgischen "Roten Teufeln" im Nationalmannschaftstor und erfreut sich daheim in Belgien großer Popularität, seit er als Hauptdarsteller in der Reality-Soap "De Pfaffs" sich selbst spielte: Torwart-Legende Jean-Marie Pfaff (auf dem Foto der Blaue unter den Roten), hauptberuflich Vertreter der Paketzustellbude DHL und des Kreditkartenunternehmens Mastercard, hat sich jetzt vorgenommen, den schwer komatösen Halleschen Fußballklub zu retten. Beim traditionell verlorenen Heimspiel gegen die Kleinstadtmannschaft aus Eilenburg überreichte der 53-Jährige Gästen aus einem Kinderheim kleine Präsente, dann wurde er als neues Mitglied des Wirtschaftsrates des Vereins vorgestellt, dessen Vorsitzender Wilfried Klose als eigentlicher HFC-Herrscher gilt. Während der Halbzeitpause machte sich der Ex-Weltstar schonmal nützlich, als er dem verletzten HFC-Stammtorwart Küfner irgendwas Nettes erzählte. Daheim in Flandern hingegen hat Pfaff gerade mal wieder Ärger, weil er in seiner Reality-Show «De Pfaffs» einen schwarzen Gärtner getreten hat, der ihm den Zugang zu einer Dusche in einem Luxushotel auf Barbados verstellte, in dem die Pfaffs ihre Ferien verbrachten.

Das belgische «Centrum voor Gelijkheid van Kansen» («Zentrum für Chancen-Gleichheit») nannte das natürlich ebenso umgehend wie reflexhaft «... beklagenswertes Verhalten eines reichen Weißen gegenüber einem armen Schwarzen», Pfaff, der in Belgien als großer Humorist gilt, tat hingegen erstaunt über die Aufregung. «Ich bin kein Kolonialist! Ich habe Respekt vor jedem und wollte nur ein wenig Spaß machen.»

Inwieweit seine neue Position im HFC-Wirtschaftsrat nur Spaß ist, muss sich noch herausstellen. Vor zwei Jahren erst war Jean-Marie Pfaff Mitglied des DDR-Rekordmeisters BFC Dynamo geworden, bei dem er ein Jugendleistungszentrum aufbauen wollen, das seinen Namen tragen sollte. Letzten Sommer aber kündigte er den Vertrag und gab zu, dass es sich bei seinem Einstieg lediglich um eine missratene PR-Aktion gehandelt habe.

Hamas in Halle

Gerade haben die Kämpfer der palästinensischen "Hamas"-Terrorbrigaden den Waffenstillstand mit Israel gebrochen, indem sie einfach mal wieder 20 Raketen über die Grenze schossen. Israel ließ darauf wissen, dass es auf den Bruch der Waffenruhe vorerst nicht militärisch reagieren werde. Daraus folgern hamas-nahe Kreisse in Halle recht schlüssig, dass es jetzt gilt, die Volksmassen zu mobilisieren, um - natürlich - Israel zu stoppen. Wobei? Wovor? Warum? Wer das fragt ist dumm. Bestes Aufrüttel-Mittel, so hat es das Plenum augenscheinlich beschlossen, ist ein nächtens in der Großen Steinstraße an ein Abrißhaus gekleistertes Spruchband. Na, wenn das nicht hilft...

Immer noch Stasi 2.0

Mal ganz davon abgesehen, welche Abhörziele einige Politiker haben. Die alten Abhörer sind auch immer noch aktiv. Okay, wenn olle Schwanitz oder Grossmann von ihrer Neubaubude in Mitte nen Spaziergang zum nächsten Supermarkt machen, kann man ja nichts gegen sagen. Oder wenn sich die alten Genossen zum Kaffeekränchen in Hohenschönhausen treffen. Soll´n sie doch machen.
Aber wenn sich die alten Stasi-Kader regelmäßig im Berliner Haus der ehemals größten SED-Postille treffen, sich im Internet organisieren, dort gegen alles wettern, was mit der Aufarbeitung der Geschichte zu tun hat; wenn sie gemeinnützige (!!!) Vereine gründen, um ihre Renten zu sichern, dann kann einem schon mal Angst und Bange werden.
Stasi 2.0 ist aktiv. Hubertus Knabe hat das in seinem neuen Buch "Die Täter sind unter uns" beängstigend beschrieben.
Letzte Woche war wieder eines der Geheim-Treffen. 60 Ehemalige sprachen und träumten von ihrer Helden-Zeit als Kundschafter des Friedens. Mancher mag meinen, dass dies eh keinen mehr interessiert, dass deren Zeit vorbei ist. Falsch. Gerade haben eben jene Leute verhindert, dass in Prenzlauer Berg eine Gedenktafel für Stasi-Opfer angebracht wird. Stasi 2.0 trifft eben nicht nur zu, sondern auch ins Ziel.