Dienstag, 17. Mai 2011

Im Passgang zum Pokal

Zum Kampf der Giganten sind sie natürlich alle wieder da. Der Finanzminister, ein Vorzeige-Fan bei allen passenden Gelegenheiten. Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzender, der als künftiger hallesche Oberbürgermeister heute sein Fandebüt gibt. Und auf der Gegenseite der Ministerpräsident, der dem Koalitionspartner selbstverständlich nicht kampflos das Feld überlassen kann und deshalb erstmals einem Pokalfinale die Ehre gibt. In Nebenrollen dann noch die zwei Mannschaften - der Außenseiter Grün-Weiß Piesteritz hier, der Favorit Hallescher FC dort.

Wie das Land, so das Jever, hieß es früher in einem Werbespot für gallebitteres Bier. Wie das Land, so das Landespokalfinale, könnte über diesem Endspiel 2011 stehen, das in Dessau stattfinden darf, weil der 1. FC Magdeburg diesmal durch Fehlen glänzt. Vierte Liga gegen sechste Liga, höher hinaus geht es im Fußballarmenhaus Sachsen-Anhalt nicht. Das Ambiente ist entsprechend: Die Anzeigetafel bleibt ausgeschaltet, denn hier kann das Publikum sich den Spielstand noch merken. Ehe es losgeht, räumen Order einen Teil der Tribüne für die Ehrengäste. Plätze zu reservieren, hatte man wohl vergessen. Dafür darf das politische Magdeburg in seinen großen Öko-Limousinen aber wenigstens bis zum Vip-Zelt vorfahren. Denn es regnet kurz vor Anpfiff, so muss der Rasen zumindest nicht künstlich gesprengt werden.

Die Rollen auf dem Rasen sind klar verteilt. Piesteritz ist froh, hier sein zu dürfen. Halle muss gewinnen, um mit dem dann sicheren DFB-Pokalgeld die Lizenz für das nächste Oberligajahr zu sichern. Die in Permanentmarker-Grün gekleideten Außenseiter legen denn auch los wie die Forstwacht. Angeführt vom 39-jährigen Ex-HFC-Abwehrrecken Wellington da Luz stürmt Piesteritz, als wolle man in der ersten halbzeit alles klar machen. Bei 3:0 Ecken für den Außenseiter steht die Partie nach einer Viertelstunde, Halle scheint verblüfft. Nachdem er mit einer Riesenparade einen Kopfball wegfausten muss, schimpft Torwart Darko Horvat mit seinen Vorderleuten. Der künftige Oberbürgermeister liest auf dem Handy Emails. Die Staatsgeschäfte müssen ja weitergehen.

Irgendwie hilft es. Nachdem Wiesegart verletzt raus muss, beruhigt der Favorit das Spiel. Mast hat eine Riesenchance, das Eckenverhältnis gleicht sich allmählich aus. Nach einer halben Stunde ist der Fahrplan für den Rest des Abends klar: Halle lässt Piesteritz laufen und wartet, dass den Amateuren die Luft ausgeht. Piesteritz versucht, schnell über die Flügel zu spielen, und hofft, dass Wellington hinten alles wegköpft.

Tut er auch. Bis Aydemir flach kommt. 44. Minute, schöner Pass von Lindenhahn auf die Nummer zehn, kurzes Solo, der Piesteritzer Anhang quengelt abseits, der Türke schiebt ein. Der Demnächst-OB springt erfreut auf und grüßt den Schon-Finanzminister mit einer durch die Luft wedelnden Gimme-Five-Hand.

Der restlichen Weg zum Pokalsieg, in den Vorjahren immer ein steiniger Pfad, an dessen Ende eine Würstelbude zum Festbankett lud, legt der HFC diesmal im nervenschonenden Passgang zurück. Der baldige OB schreibt Emails, gibt dann aber seinen Vip-Platz auf der Notehrentribüne auf. Jetzt muss wohl erstmal der Euro gerettet werden.

Gibt auch nicht mehr viel zu sehen. Halle hat alles im Griff, Piesteritz hechelt dem Schlusspfiff entgegen. In der 68. Minute macht ausgerechnet Marco Hartmann, der Aufsteiger der Saison in Rot-Weiß, alles klar. Er spielt im Mittelfeld Hauk an, bekommt den Ball am Elfmeterpunkt zurück und köpft ihn unbedrängt ins Netz. Dann kommt noch Thomas Neubert, der Westernhagen des deutschen Fußballs, den die Kurve freundlich als "Fußballgott" feiert, obwohl er vor dem Abschied steht. Oder auch deshalb.

Auf der Anzeigetafel mit der schönen Aufschrift "Sportstadt Dessau" ist immer noch Nacht, aber die Partie ist vorbei. "Ihr klatscht wie früher das ZK", brüllt ein aufgebrachter Grün-Weiß-Fan in Richtung der luftig besetzten, aber erfreut händepatschenden Notehrenlounge (Foto rechts). Das bleibt die einzige Fanausschreitung an diesem Abend. Abgesehen von den notorischen "Zigeuner"-Rufen, mit denen der Piesteritzer Anhang den halleschen Torwart fremdenfeindlich beleidigt - zum Glück hört auch der ehemalige Innenstaatssekretär und künftige hallesche Oberbürgermeister direkt auf der Tribüne daneben nichts. Er muss ja Mails schreiben. Sonst hätte er Piesteritz jetzt wohl wenigstens mal für ein Jahr verboten und den Fußballverband gezwungen, gegen die Grün-Weißen eine Strafe von drei Heimspielen in Wolfen und Förderstedt zu verhängen.

So versucht aber nur der Polizeieinsatzleiter, die zusehends
langweiliger werdende Lage durch den Einmarsch einer halben Hundertschaft Bereitschaftspolizei anzuheizen. Das ZK bereitet sich derweil auf den Auftritt vor, dessentwegen es angereist ist: Pokalvergabe zwecks Präsentation vor dem dankbaren Wahlvolk. Der Ministerpräsident zieht sich trotzig einen Piesteritzschal an, der Finanzminister orientiert sich Richtung Spielfeldrand. Der Schlusspfiff kommt pünktlich, die HFC-Fankurve tanzt, die Spieler in Rot-Weiß streifen Pokalsieger-T-Shirts über, der als nicht eben hochemotional bekannte hallesche Trainer Sven Köhler fliegt auf den Händen einer Spielertraube in die Luft. Diesmal kein Hoffen und kein Bangen, keine überbordende Euphorie, sondern Abfeiern des Erwarteten.

Im Sommer geht es nun für Halle in den richtigen Pokal,dann wird auch der Ministerpräsident (Foto links) wieder da sein, dann allerdings mit einem HFC-Schal. Sensation am Rande: Wie die Bild meldet, hat der Wolfsburger Trainer Felix Magath, der nahe Wittenberg ein Gehöft besitzt und der mitteldeutschen Region von Herzen verbunden, vorgeschlagen, seinen abtrünnigen Spielmacher Diego nach Halle abzugeben. Der HFC müsse sich nur melden, zitiert das Blatt den ehemaligen Meisterttrainer.

Epochal geht anders

Eine neue Maßeinheit macht Furore. Seit das An-Institut für Angewandte Entropie der Bundeskulturstiftung in Halle an der Saale im März hier bei PPQ exklusiv seine neue Studie zum grassierenden Themensterben in der deutschen Medienlandschaft vorstellte, hat die Idee einer einheitlichen Messgröße für die vielbeschworene Nachhaltigkeit von Aufregung im öffentlichen Raum zahlreiche Freunde und Unterstützer gewonnen: Das Emp als Messgröße überzeugte. Bei Heise schlägt jetzt Florian Rötzer in die Kerbe, der die Tötung des Terrorfürsten Bin Laden in Pakistan auf die elektronische Emp-Waage legt und das "epochale Ereignis" (Rötzer) an seinen Wirkungen misst.

Mit erschütternden Ergebnissen. Obwohl der Tod des Terrorfürsten nach dem zweiten Grundgesetz der Mediendynamik theoretisch alle Chancen gehabt hätte, mehrere Emp auf der nach oben offenen Aufregungsskala zu erreichen, konstatiert Florian Rötzer nur einen kurzzeitigen Ausschlag. "Die Werte für Barack Obama schossen in die Höhe (Im Nebel des Antiterrorkampfes)", schreibt er, "aber schon zwei Wochen nach dem Spektakel scheint alles – so eine Gallup-Umfrage - verpufft zu sein und die Wirklichkeit den Präsidenten wieder eingeholt zu haben."

Ein frustrierendes Ergebnis für die Öffentlichkeitsarbeiter im Weißen Haus, aber auch ein verheerender Leistungsnachweis für die Transmissionsriemen in privaten und öffentlich-rechtlichen Medienhäusern. "Der Ausschlag war sogar geringer als der, den Bush noch durch die ebenfalls mächtig inszenierte Festnahme von Saddam Hussein erzielte", hat Rötzer herausgefunden. Damals sei die Popularität des verhassten Bush immerhin für sieben Wochen um 15 Punkte in die Höhe geschnellt, Obama dagegen habe gerade einmal 6 Prozent Zuwachs erzielen können – "und das auch nur für zwei Wochen."

Inzwischen ist Osama bei vielen im Publikum bereits wieder vergessen und die Popularität Obamas liegt wieder wie vor Osamas Tötung bei 46 Prozent. Das Allzeitereignis, das die höchsten Emp-Raten erreicht, da gleicht Rötzers Analyse der der Forscher vom Institut für Angewandte Entropie, bleibe damit der Terroranschlag von 9/11 anno 2001. Er hielt sich über Wochen und "katapultierte Bush um 35 Punkte nach oben – und das für lange Zeit, viel länger als Roosevelt nach Pearl Harbour".

Seitdem habe aber die mediale Aufmerksamkeit noch einmal in ihrer Selektivität beträchtlich zugelegt. Gleichzeitig habe die Erregbarkeit der Menschen zugenommen, aber auch ihre Vergesslichkeit. Ein unguter Mix, meint Rötzer: Politische Inszenierungen verfingen nicht mehr so leicht, vor allem aber könnten sie eine politische Strategie nicht mehr nachhaltig stützen.

Gaskocher als Fegefeuer

Er ist zweifelsohne der größte Bassist der Rockgeschichte, wenn nicht von seinem Spiel, dann aber doch von seiner Körperlänge her. Seit mehr als zwei Jahrzehnten zelebriert Nicky Wire mit seiner Band Manic Street Preachers die Kunst der Auslöschung des Pop durch seine nadelfeine Zuspitzung. Alles, was dieses für Tourneen neuerdings zum Quintett aufgebohrte Trio spielt und singt und tanzt, ist vom Willen zur großen Hymne getragen und vom Pathos großer Orchester beseelt. Selbst wenn sie eine zornige Interims-Nummer wie die Klassenkampf-Schmonzette "The Masses Against The Classes" aufführen, deren Titel gut auch eine Anne-Will-Sendung zum Schicksal der FDP zieren könnte, ist das Fegefeuer mehr Gaskocher als sengende Sonnenglut.

Ein "euphorisches Bad in Erinnerungen", erlebt die "Welt". Dabei hatten sie sich eigentlich schon nach dem ersten Album auflösen wollen, die damals noch vier jungen Männer aus Wales in ihren selbstbemalten T-Shirts, mit den unkorrekten Pelzmänteln und den kajalverschmierten Augenringen. Stattdessen haben sie weitergemacht, erstmal unter Ausschluss der Öffentlichkeit und mit Liedern wie "Life Becoming A Landslide" oder "From Dispair To Where", in denen die Gewissheiten einer behüteten Jugend im Kalten Krieg parallel zur Auflösung der tiefgefrorenen ideologischen Blöcke dahinschmolzen. Als Bandmitglied Richey Edwards, Mädchenliebling, Textdichter und Gitarristendarsteller in einer Person, dann plötzlich am Vorabend einer US-Tour verschwand, erfand sich der Rest neu: Eine Balladencombo nun, die in unschuldiges Weiß gekleidet die Hitparaden stürmte mit großen Epen aus kleinen Städten, die "Design for Life" hießen und die ewig alte Geschichte neu erzählten. Man ist, wo man herkommt: "Libraries gave us power, then work came and made us free", singt James Dean Bradfield, der wirklich so heißt, ehe er sich fragt: "What price now for a shallow piece of dignity".

Man muss das nicht verstehen, man kann es fühlen, wenn das Schicksal einen dafür vorgesehen hat. Lust, die Botschaft in die Welt zu tragen, hatten Wire, Bradfield und der notorisch stille Schlagzeuger Sean Moore in den letzten Jahren immer weniger - mal wurden die Gitarren harscher, mal die Chöre opulenter, nur Konzerte gaben die drei allenfalls in Polen oder daheim in Großbritannien, nicht aber in Deutschland, das sie nie verstanden hat.

Auch in Hamburg, wo die Manic Street Preachers nun doch mal wieder einen einzigen Auftritt absolvierten, sind im Publikum viele nachgereiste Briten, ein paar Holländer und Dänen. Deutschland versteht das Stürmerische, das Glattkantige, die Sozialismus und individuelle Freiheit gleichzeitig reklamierenden Verse nicht. Liebe oder Krieg, das ist die Frage, wenn ein Lied aber behauptet, das hier sei nicht die Liebe, sondern nur das Ende des Krieges, dann ist der Deutsche zurecht verwirrt. Traditionell wollen die Menschen hier Steuersenkungen oder Steuererhöhungen. Dass die Steuern mal so bleiben könnten, weil ja offenbar alle irgendwie damit leben gelernt haben, nun, auf die Idee kommt nicht einmal die FDP. Sean Moore trommelt und schweigt. Nicky Wire trägt einen absurden Hut und später einen getigerten Pelzmantel. "We love the winter, it brings us closer together", singt James Dean Bradfield. Am Ende steht ein Albert Camus-Zitat: "A slave begins by demanding justice and ends by wanting to wear a crown."


Wiedergeboren in CSI New York

Montag, 16. Mai 2011

Wer hat es gesagt?

Konsum ist der einzige Sinn und Zweck aller Produktion; und das Interesse des Produzenten sollte nur insoweit berücksichtigt werden, als es für die Förderung des Konsuminteresses nötig sein mag. Diese Maxime ist so selbstverständlich, dass es unsinnig wäre, sie beweisen zu wollen.

Forcible Compulsion live

"Forcible Compulsion" klingt wie der Name einer Heavy-Metal-Band aus Sachsen, ist aber der Tatbestand, den die New Yorker Staatsanwaltschaft Dominique Strauss-Kahn vor, wie das Originaldokument aus den New Yorker Gerichtsakten (links) zeigt, das Gaby ausgegraben hat. Stimmt auch nur die Hälfte der sechs Anklagepunkte, ist der oberste Weltwährungshüter keineswegs der neue Jörg Kachelmann und auch nicht der nächste Julian Assange, mit Sexvorwürfen abgeschossen, weil er irgendwem im Wege war. Vielmehr wäre Strauss-Kahn nur ein weiterer Fall von geplatzter Hybris: Die Macht in der Hand verleiht das Gefühl der Unverwundbarkeit, der Eindruck, eine Welt zu lenken, sorgt für blinde Flecke in der Nahwahrnehmung. Die einen lassen sich Schlipse und Anzüge spendieren, die anderen fliegen auf Volkskosten oder nutzen den Wahljob zur Vorbereitung einer Karriere in der Wirtschaft. Ohne den weiter in Haft sitzenden 62-Jährigen läuft die seit einem Jahr vorangetriebene Euro-Rettung daheim zumindest wie geschmiert: Im Schatten der Sonderbeichterstattung über den "Sex-Skandal" gaben die Euro-Finanzminister für Portugal flott 78 Milliarden Euro Hilfe frei.

Fremde Federn: Nachhaltige Pferdekutschen

"Alle Welt redet von Nachhaltigkeit. Aber was soll das überhaupt bedeuten? Die Idee einer global gesteuerten Ressourcenbewirtschaftung ist utopisch und im Kern totalitär", schreibt Dirk Maxeiner in einem bemerkenswerten Essay in der "Welt", der den großen Umbauplan des Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung unter dem schönen Namen "Welt im Wandel" als Fortsetzung der Wortungetüm-Scharlatanerie mit den Mitteln des Umweltblabla enttarnt. Bei dem "Gesellschaftsvertrag für eine große Transformation" (Beirat), der das Ende des "fossilen industriellen Metabolismus" und den "Übergang zur Nachhaltigkeit" predigt, entdeckt Maxeiner das obrigkeitsstaatliche Erziehungsprinzip des "Wir wissen, was für Euch gut ist".

Der Beirat unter Vorsitz von Hans Joachim Schellnhuber, hier bei PPQ immer wieder gern gefeiert für seine biegsamen Überflutungsvorhersagen, schlage "Volksentscheide mit Teilnahmepflicht" und "Ombudsleute für die Rechte künftiger Generationen", bemäntele damit aber nur die vollkommene Hohlheit des Begriffes, der als "nicht zuletzt Fantasie" beschrieben werde. "Mit den verschiedenen Erläuterungen des Begriffs könnte man eine ganze Dussmann-Filiale füllen", schreibt Maxeiner, "was aber auch nicht schlauer machen würde, denn es handelt sich unisono um schwere Kopfgeburten, in denen eine gefühlte Elite dem dummen Volk das Denken abnimmt".

Er verweist auf die gleichermaßen schwammige Definition der Brundtland-Kommission der Vereinten Nationen aus dem Jahre 1987. Danach sei eine Entwicklung nachhaltig, wenn sie "die Bedürfnisse der gegenwärtig lebenden Menschen befriedigt, ohne die Fähigkeit künftiger Generationen infrage zu stellen, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen".

Doch wer bestimme, welche Bedürfnisse diese Vorgabe erfüllen? Ist eine vollwertige Mahlzeit pro Tag okay? Oder drei? Darf es auch eine Wohnung sein, Altbau oder Platte? Steht uns ein Urlaub zu, womöglich gar mit dem Flugzeug? Und wer entscheidet das? Vielleicht ein wissenschaftlicher Beirat für globale Umweltfragen? Nein, befindet Dirk Maxeiner. Es gehe um etwas ganz anderes. "Nachdem die Arbeiterschaft und die Dritte Welt sich selbstständig gemacht haben und als Mündel ausfallen, verschafft die Nachhaltigkeit Weltbeglückern die Chance, sich zum Sprecher des Klimas zu machen oder noch besser künftiger Generationen."

Wer nicht da ist, kann nicht protestieren, wenn jemand vorgibt, für ihn zu reden. Entmündigt werde die heutige Generation, "denn ihr wird eine eigene Entscheidung, ihr Leben selbstverantwortlich zu führen, abgenommen" - eine Regel, die auch für künftige Generationen weitergilt, wennes nach den Regierungen geht. So hat der Bundestag kommenden Bundestag per Gesetz das Recht genommen, neue Schulden nach eigenem Dafürhalten aufzunehmen. Eine heutige Politikergeneration beschneidet damit künftigen Politikergenerationen, was sie sich selbst als Grundrecht nimmt. Das Budgetrecht.

So, scheibt Maxeiner, "maßt sich derjenige, der im angeblichen Interesse künftiger Generationen Forderungen erhebt, an, für ebenjene Generationen sprechen zu können". Nicht gesagt werde natürlich, welche Zukünfte eigentlich gemeint seien. Die Generationen in 50 Jahren, in 100 Jahren, in 1000 Jahren oder in 100 Millionen Jahren? "Was hätte ein Wissenschaftler Ende des 19. Jahrhunderts zu unserem heutigen Wohle empfohlen? Nachhaltige Pferdekutschen? Nachhaltige Ritterburgen (Bild oben)? Petroleumlampen? Raddampfer? "

Das Fazit zeigt die Gegenwart als Blitzlichtfotom, eine Welt, unter dem Banner des Fortschritts unterwegs auf dem Weg in Erstarrung, Konservierung und Beharrung. "Anstatt die Zukunft als ergebnisoffenes Entdeckungsverfahren zu sehen, wird die Idee einer besseren Welt nach Plan wieder salonfähig", findet Dirk Maxeiner. Nachhaltigkeit ist die passende Täuschungsphrase dazu: "An die Stelle des tastenden Fortschritts durch Irrtum und Versuch soll eine global gesteuerte Ressourcenbewirtschaftung treten. Sie soll im Hinblick auf einen hypothetischen paradiesischen Endzustand erfolgen. Eine solche Idee ist utopisch und im Kern totalitär."

Zum Maxeiner Text geht es hier: Die Welt gehört den Lebenden

Blau ist keine Farbe, sondern braun

"Ja, ja, so blau, blau blau blüht der Enzian", hatte der bekannte Stimmungssänger Heino seinen Anhang versucht, getarnt wissen zu lassen. Doch jeder aufrechte und fortschrittliche Mensch wusste sofort: Blau ist nur Code für braun, das Lied dient mithin nur der raschen Wiedereinrichtung eines dritten oder sogar vierten Reiches und muss deshalb möglichst umgehend verboten werden.

Das geschah zwar nicht, doch nun bietet sich überraschend eine neue Chance, gegen das nur notdürftig als Blau verkleidete Braun vorzugehen.
Wie die in diesen Dingen traditionell hellwache SZ berichtet , konnte der französische Autor Antoine Buéno jetzt endlich nachweisen, was aufmerksame Leser schon seit Jahrzehnten argwöhnten: Die Schlümpfe sind Faschisten, ihre angebliche blaue Hautfarbe ist nur Tarnung für inwendig komplett braune Figuren. "Die Gesellschaft der Schlümpfe ist der Archetyp einer totalitären Gesellschaft, die Züge des Stalinismus und Nazismus trägt", schreibt Buéno in seinem Buch "Le Petit Livre Bleu" (Das kleine blaue Buch), in dem er den Mythos der angeblich so harmlosen Kinderfiguren gnadenlos auseinandernimmt.

Nichts bleibt am Ende mehr von der heilen Welt. Die Folge über schwarze Schlümpfe sei eindeutig rassistisch geprägt, zitiert die SZ. Während der einzige weibliche Schlumpf, Schlumpfinchen, mit dem blonden Haar dem arischen Schönheitsideal entspreche, gleiche die Feindfigur des Gargamel einer antisemitischen Karikatur, hat der Autor in den tieferliegenden Farbschichten erforscht.

Schlümpfe-Erfinder Pierre Culliford, der anfangs mit einer kaum misszuverstehenden Geschichte um einen schwarzen Kater Aufsehen erregt hatte, war zu Beginn seiner Karriere erst auf Druck seines damaligen Arbeitgebers bereit gewesen, die arisch-blonden Haare seiner Figur Johann schwarz auszupinseln, was viel über die Geisteshaltung des damals 18-jährigen Belgiers verrät. Dennoch gelang es erst jetzt, 19 Jahre nach dem Tod des Täters, das verhängnisvolle Treiben endgültig aufzudecken. "Blau ist das neue Braun", warnt die Tagesschau vor "Faschismus unter Zwergen" , von einem "schlimmen Verdacht" spricht auch das Comic-Magazin "Bild". Dabei war, zeigt sich auch die "Welt" entsetzt, "über Peyos politische Haltung bislang nichts Schlimmes bekannt."

Terrorfürst an der Himmelstür

Es war ein weiter Weg bis hierher in diesen Tunnel aus weißem Licht. Der Mann mit dem schütteren Bart aus grauschwarzen Locken staunt mit großen Augen nach vorn ins strahlende Weiß des langen Ganges. Dort, die Tür, das muss der Eingang sein zum Paradies, von dem er selbst so oft geschwärmt hat. Der Hüne, der das lange, fließende Schlafgewand trägt, in das er im Moment seines Tod gehüllt war, schreitet wacker aus, die Linke, der Mann ist Linkshänder, greift nach der goldenen Klinke, ohne ein Geräusch schwingt die Pforte auf und ja, wirklich, es öffnet sich der Blick in ein weites Land aus grünen Hügeln und blauen Seen, aus kleinen Wäldchen und blauem Himmel, wie er es zum letzten Mal gesehen hat, als er in seinem Haus saß, wie immer auf dem Fußboden vor dem kleinen Fernsehgerät, gehüllt in eine alte Decke und gegen die empfindliche Kälte aus den kargen Betonmauern geschützt mit einem Käppchen aus Filz. Und "Herr der Ringe" gesehen hat, den ersten Teil, leider nur auf Englisch und seines war schon ein wenig eingerostet. aber seis drum.

Niemand kann ihm nun mehr etwas tun, alles war richtig, was er getan hat, das weiß Osama Bin Laden in diesem Augenblick genau, als er durch die Himmelstür schreitet, hochaufgerichtet, und sich umschaut. Links von ihm ist eine Art Empfangstresen, zwei junge Frauen und ein junger Mann warten, eine der Frauen winkt ihm. Eine Frau winkt ihm. Osama Bin Laden ist irritiert. Die beiden Frauen, die eher Mädchen von vielleicht 20, 22 sind, lassen jede Scham vermissen und tragen ihr Haar offen. "Hallo, hierher", ruft jetzt eine von ihnen. Osama Bin Laden zwinkert nervös, eine Angewohnheit, die er der langen Gefangenschaft in der Luxusvilla in Abbodabad zu verdanken. "Nervöser Tick" hat es Sawahiri genannt, sein Stellvertreter und Leibarzt, der jetzt wohl die gesamte Organisation übernehmen wird. Aber was heißt schon Organisation, denkt Osama Bin Laden, wenn man ehrlich ist, haben wir seit 2003 nicht mehr viel auf die Beine bekommen.

Das könnte jetzt helfen, darüber hat er schon unterwegs spekuliert, die ganzen langen zwei Wochen, seit die Amerikaner kamen und ihm zwei Löcher in Kopf und Bauch schossen, noch ehe er die korrekten Vokabeln für "ich ergebe mich" zusammengesucht hatte. Zur Kalaschnikow, die neben dem Bett lehnte, hätte er es schaffen können. Natürlich, er ist 54 und ein bisschen eingerostet gewesen, aber doch kein alter Mann. Die paar Sekunden aber, in denen er überlegt hat, ob es sich lohnt oder ob er nicht besser führe, wenn er sich mitnehmen ließe - weg von den ewig nervenden, quengelden Kindern, von den Frauen, die immer nur Ansprüche stellen, von den angeblichen Gefolgsleuten, die von ihm wissen wollten, wie es weitergehen soll im heiligen Krieg, die aber hinter seinem Rücken hetzten, er sei auch nicht mehr der Alte...

Bin Laden hatte gezögert und sich dann für das Gerichtsverfahren entschieden. Die große Bühne, das wäre noch einmal was gewesen. Nicht wie Hitler feige verschwinden, sondern vor vollem Haus eine letzte Vorstellung geben.

Die Kreuzfahrer aber wollten nicht mitspielen. Noch ehe er rufen konnte, war er schon tot gewesen. Und erst der Ärger danach! Trotz seiner unbestreitbaren Verdienste um die Sache hatte diese Geschichte mit der Beerdigung im Arabischen Meer sich als großes Problem herausgestellt. Nicht schariagerecht sei das gewesen, hatte es unten an Hauptpforte geheißen, nein, man könne da keine Ausnahme machen, keinesfalls, ja, Beschwerde sei möglich, die Bearbeitungsfrist aber ungewiss. Inshallah.

Wer weiß, denkt Osama Bin Laden, wären da nicht der Prophet und Ali und ein paar andere mit Einfluss gewesen, darunter zugegebenermaßen auch der amerikanische Teufel McNamara, ob ich dann hier stände. Vor dem Mädchen, das ihn unverfroren anlächelt als habe sie gar keinen Anstand. Knittrig lächelt Osama Bin Laden zurück: "Ich bin", sagt er. "Ich weiß", antwortet die vorwitzige Schlampe, die aus ihrem Tod offenbar nichts gelernt hat, "wir warten schon auf Sie, Herr Laden".

Herr Laden. Osama Bin Laden, gewohnt, als Terrorfürst angesprochen zu werden, zuckt mit Muskeln, von denen er selbst nicht mehr weiß, wie man sie bewegt. Oder anhält. Das ruchlose Mädchen schiebt ihm Formulare über den Tisch. "Ausfüllen", sagt sie, "das ist wichtig für die Aufnahme." Er solle sich auf der anderen Seite an eines der Tischchen setzen, es gebe auch Tee oder Kaffee, gern auch Bierchen. Das Mädchen lächelt schamlos. "Wir sind hier zwar noch nicht im Paradies", scherzt sie, "aber ganz kurz davor!"

Bin Laden fühlt sich wie geohrfeigt. War denn alles umsonst. Der lange Kampf, die vielen Opfer? Ihm ist klar, dass sie unten auf der Erde nun versuchen werden, seinen guten Ruf als Chefterrorist und gläubiger Muslim zu zerstören. Sie werden die Anschlagspläne finden, die er mit seiner großen, kantigen Schrift in ein kleines Moleskine-Heftchen gemacht hat. "Eisenbahn sprengen" war das Letzte, das ihm eingefallen war. Nicht seine beste Idee, eher eine der schlechteren. Aber mit dem Personal, das in letzter Zeit noch Stange hielt, Bin Laden seufzt bei dem Gedanken, muss man nehmen, was man bekommt.

Natürlich werden sie auch seine Pornohefte und die Sasha-Grey-DVDs finden. Hätte er deshalb nicht ein paar Pornos haben dürfen? Bin Laden hat die Frage mit Sawahiri diskutiert und schließlich entschieden, dass es keine Rolle spiele, ob er Porno habe oder nicht. Hätte ich keine gehabt, denkt er, hätten sie mir sowieso welche untergeschoben, so, wie das vermutlich mit den Drogen machen werden. Er nickt abwesend und geht mit schweren Schritten auf die andere Saalseite. Ganz links sitzen zwei amerikanische Soldaten, weiter vorn ein Mann in Feuerwehruniform und eine Frau im Umstandskleid. Keine Fedajin. Osama Bin Laden nimmt einen Platz ganz an der Seite, er blättert die Formulare auf. Name, Alter, Todesart, Konfession, Versicherung, Familienverhältnisse, spielen Sie ein Instrument. Sein Englisch reicht, um schnell voran zu kommen. Er wartet auf die Spalte mit den Jungfrauen, 77 oder 72 stehen ihm zu, da ist er sicher. Und es ist klar, dass er da sehen muss, dass Anstand und Sitte herrschen.

Aber es kommt keine Spalte. Nur "waren sie Mitglied einer terroristischen Organisation", "waren Sie Mitglied einer kommunistischen Organisation" und "haben Sie ihre Konfession während Ihres Lebens gewechselt A: 1x, B: 2x, C: 3x, D: öfter als 3x.


Es schüttelt ihn. Die Hölle muss ein guter Platz sein, denkt Osama Bin Laden, während er durch die hereinfallenden Sonnenstrahlen hinübergeht zum Tresen, wo einer der US-Soldaten gerade seine Aufnahmeunterlagen abgibt. Der Mann schaut ihn nicht scheel an, sondern eher interessiert. Er lächelt und in Bin Ladens Gesicht zuckt derselbe Muskel wie vorhin. Er tut lieber so, als würde er im Gehen noch einmal Nachlesen, was er ausgefüllt hat. Aber dem Blick des GI entkommt er nicht. "Sagen Sie mal", spricht der ihn an, kaum dass er in der Wartezone ankommt, "sind Sie nicht der Typ, der damals in San Francisco an der Straßenbahnwendeschleife Judah Beach im Gebüsch gewohnt hat? Der im Java Café immer einen großen Becher Haselnusskaffee geschnorrt hat?"

Bin Laden auf Siegeszug
Wikileaks: Ist der Papst katholisch?
Versteck im Naturkostcafé

Sonntag, 15. Mai 2011

Kampfparole Kaffeesatz

Vierzig Milliarden Euro, sie waren "einfach weg", wie die kenntnisreiche Süddeutsche Zeitung klagte. Bund, Länder und Gemeinden müssten sich "in den nächsten Jahren auf deutlich geringere Steuereinnahmen einstellen und den Spardruck damit kräftig erhöhen", analysierte das Steuerfachblatt: "Bis Ende 2013 fließen 38,9 Milliarden Euro weniger in die Staatskassen als bisher eingeplant". Das stehe nun leider nach Abschluss der Beratungen des Steuerschätzerkreises (Foto oben) mit. Auch Finanzminister Wolfgang Schäuble war erschüttert. Von 2011 an müsse der Staat mit deutlich geringeren Steuereinnahmen rechnen. "Wir liegen erst 2013 wieder da, wo wir 2008 waren, aber nicht höher", wusste der Finanzminister letztes Jahr im April, nachdem ihm das Schätzergremium für 2011 Steuerausfälle von 11,7 Milliarden Euro vorhergesagt hatte.

11,7 - nicht 11,3, nicht 11,9, nein, 11,7, denn das hier ist eine exakte Wissenschaft. Oder doch zumindest eine Veranstaltung, die so tut und von den Medien so behandelt wird, als wäre sie mehr als ein Ratespiel. Letztes Jahr kam der Schätzerkreis - 35 Abgesandte aus den Finanzministerien von Bund und Ländern, der Bundesbank, von Forschungsinstituten, der Kommunen, des Sachverständigenrats und des Statistisches Bundesamtes - auch für 2012 zu ernüchternden Ergebnissen: 12,3 Milliarden Euro weniger Steuern werde der Staat einnehmen, hatten die Schätzer ausgerechnet, und 2013 steige der Ausfall dann sogar auf 13,7 Milliarden Euro.

Alles in allem, so die hochbezahlten Experten nach immerhin dreitägigen Beratungen, werde der Staat "frühestens 2013 mit 561,3 Milliarden Steuereinnahmen wieder das Niveau vor der Krise von 2008 erreichen.

Es ist dann selbstverständlich wieder anders gekommen. Kaum schätzt der Steuerkreis wieder, schon hat er sich verschätzt. Die "Steuereinnahmen auf Rekordkurs" heißt es nach der diesjährigen Schätzerrunde bei der staatlichen Nachrichtenagentur dpa. In diesem Jahr werde die öffentliche Hand demnach 555 Milliarden Euro einnehmen, gerade mal noch sechs Milliarden weniger als im Rekordjahr 2008. Für 2014 rechne man mit Einnahmen von rund 49 Milliarden, verglichen mit der Schätzung vom vergangenen Jahr. Bis 2015 sollen die Steuereinnahmen dann auf 652 Milliarden Euro steigen, das ist so sicher wie das Amen in einer beliebigen Moschee.

Für die drei geschätzten Jahre 2011 bis 2013 haben sich die Experten also alles in allem nur um 135,3 Milliarden Euro verschätzt - eine Abweichung von acht Prozent. Das hätte ein Affe mit Dartpfeilen wahrscheinlich annähernd erreicht - allerdings in viel kürzerer Zeit.

Doch auch diese Steuerschätzung, ungefähr so nachhaltig ist wie eine Rasur mit Blondierungscreme, dient nun wieder als Grundlage für die Aufstellung der öffentlichen Haushalte. Sicher aber ist dabei nur eins: Am Ende wird eine Meldung stehen, die von Steuerquellen berichtet, die "weniger als erwartet" oder "mehr als erwartet" sprudeln.

Unsere Ehre heißt Faktentreue

Die Eisenbahn ist da, aber er hat sie nicht gesehen. Nun muss "Spiegel"-Reporter René Pfister den nach dem SS-Kriegsberichtserstatter Henri Nannen benannten Journalistenpreis zurückgeben. Er habe den Eindruck erweckt, dort gewesen zu sein, in dem Ferienhauskeller, in dem einer der führenden Politiker des Landes zeitweilig mit einer Spielzugeisenbahn zu spielen pflegt. So aber werde der Leser getäuscht. Es werde ein "falscher Eindruck" erweckt, heuchelte eine Medienredakteurin der "Berliner Zeitung" in 3sat: "Die ganze Jury hat ja geglaubt, dass er da war."

Die ganze Jury bestand auch aus Journalisten, die inzwischen die Letzten sind, die sich selbst noch ernst- und die eigenen Mitteilungen für bare Münze nehmen . Wie sonst könnte sich die ganze Branche alljährlich mit staatsmännischen Aplomb bei einer Preisverleihung versammeln, die auf Initiative eines Mitgliedes einer der SS-Standarte Kurt Eggers zusammenfindet. Immerhin - es war eine Propagandakompanie, was insofern wieder gut passt.

Denn wenn deutsche Zeitungen und Magazine heute eines gut können, dann Propaganda machen. Und das am liebsten, indem sie den Eindruck erwecken, sie seien da gewesen. Das Handelsblatt etwa war kürzlich erst direkt im Reaktor von Fukushima, wie Bilder auf der Homepage verraten: Handelsblatt.com steht dort als Quelle von Aufnahmen direkt aus dem Höllenschlund. Gut, die Bilder sind in Wirklichkeit vom Kraftwerksbetreiber Tepco. Aber hat der Leser nicht das Recht, für sein Geld wenigstens den Eindruck vermittelt zu bekommen, er kaufe eine Leistung ein und nicht reine Public Relation?

So sieht das auch der "Spiegel", nach Ansicht von Branchenbeobachtern bei 3sat abgesehen vom Fall Pfister bekannt für seine strengen Rechercheregeln und die vielmalige Prüfung aller gemeldeten Fakten. Vor einem Jahr etwa kam heraus, dass ein Spiegel-Team eingebettet in einem US-Hubschrauber miterlebt hatte, aus dem heraus mehrere Menschen in Bagdad erschossen wurden. Die "Spiegel"-Männer drehten einen Film über den unglaublichen Vorfall, den Neugierige mit der Quellenangabe "Spiegel Online" auf der Homepage des Nachrichtenmagazins anschauen konnten. Erst auf PPQ-Nachfrage gestand die Redaktion dann ein, dass das Video eigentlich aus US-Army-Beständen stammte und man die Quellenangabe "Spiegel Online" nur hinzugefügt habe, um die "journalistische und redaktionelle Bearbeitung" kenntlich zu machen.

Ein Fall für den Presserat! Aber wohin denn. Eine Beschwerde gegen die Falschauszeichung der Videoquelle wurde vom höchsten Aufsichtgremium über Reinheit und Feinheit des deutschen Journalismus mit der Begründung abgelehnt, man könne keinen Verstoß gegen Standesregeln erkennen. Eine Beschwerde gegen die Ablehnung der Beschwerde wird seit mehr als einem halben Jahr "geprüft".

Das Ergebnis wird dasselbe sein. Denn borgen und klauen, fälschen und blenden tun sie alle. Die "Tagesschau" zum Beispiel kommt keine Woche aus, ohne dass Filmschnipsel aus "Youtube" mit der Quelle "Youtube" gesendet werden. Die Älteren in der Redaktion wissen sicherlich noch, dass Youtube so wenig eine Quellenangabe ist wie "ARD" eine wäre. Aber "Youtube" - ein Herkunftsnachweis, mit dem der mitteldeutsche MDR kürzlich auch Filmsequenzen ausschilderte, die von PPQ stammten, ist ja noch konkret. Andere Sender, andere Sitten: RTL beliebt, "Internet" als Quelle anzugeben. Gute Idee - der Film oben, nur zum Teil aus PPQ-Aufnahmen zusammengebaut, trägt den Quellennachweis "Fernsehen".

Samstag, 14. Mai 2011

Gefahr von der dunklen Seite

Hatten die Mayas also doch recht. Im April 2012 geht die Welt unter, wenigstens im Kunstwerk: "Iron Sky", ein finsterer Film aus Finnland, lüftet dann endgültig das Geheimnis, wohin all die Nazis verschwunden sind, als der Krieg vorüber war. Auf den Mond!

Dort, auf der dunklen Seite, haben Udo Kier und Julia Dietze ein Geschlecht von Space-Faschisten begründet, das mit martialischer Technik ausgerüstet auf den Tag wartet, an dem es zur Erde zurückkehren und "all die Untermenschen von der Erdkarte fegen" kann. Hier bei PPQ hatten wir das Unternehmen von Anfang an mit großer Furcht begleitet, weil uns immer klar gewesen war, dass die größte Nazigefahr vom Mond droht. Jetzt hat die finnische Produktionsfirma Energia Productions den 4. April kommenden Jahres als Termin für den Kinostart bekanntgegeben. Genug Zeit für bürgerschaftliche engagierte Akteure, die Rückkehr der Nazis in deutsche Kinos mit einem beherzten Verbot zu verhindern.

Kommando späte Reue

"Wer nur lange genug lebt, ist irgendwann automatisch das Oberschwein", erklärte PPQ vor zwei Jahren das Phänomen der späten Popularität des damals noch "mutmaßlichen" Kriegsverbrechers John Demjanjuk. Im greisen Alter von 88 hatte der Ukrainer erlebt, dem viele tausend deutsche Mitwirkenden an den Greueln des 2. Weltkrieges entgangen waren: Inhaftierung, eine Anklage und ein Prozess.

Der Beifall in Mediendeutschland war einhellig. Kein noch verfügbarer Täter dürfe straffrei ausgehen, gerade weil schon so viele straffrei ausgegangen seien, schreib die Generation der Enkel, ein bisschen auch froh darüber, in der eigenen Ahnenleiste keinen verurteilten Kriegsverbrecher anführen zu müssen. Aber jetzt hier! Kommando späte Reue: Der zuerst von den Sowjets und dann von den Deutschen zum Dienst gepresste Ukrainer ist genau das richtige Opfer als Täterdarsteller. Am greisen Rollstuhlfahrer lebt der über Jahrzehnte tatenlos gebliebene Rechtsstaat seine Fantasien von einer Welt aus, in der Mord nicht verjährt, dann aber doch keiner ist.

Wegen "Beihilfe" und weil er - offenbar im Unterschied zu Reinhard Gehlen, Kurt-Georg Kiesinger und Franz-Josef Strauß - "Teil des Machtapparats der Nazis" gewesen sei, wurde John Demjanjuk jetzt zu fünf Jahren Haft verurteilt. Da nörgelt sogar die Süddeutsche: Gerechtigkeit? Von wegen!

Oldies but Goldies

Sie ist nicht eben attraktiv, wenn man nicht gerade eine Vorliebe für Holzfäller hat, sie ist mit ihrer Popkarriere gescheitert und sie ist auch nur eine vopn immerhin dreihundert Nichten und Neffen des eben abgetretenen Terrorfürsten Osama Bin Laden. Doch für das Boulevardmagazin "Bild" ist Wafah Dafour allemal eine Schlagzeile wert: Immerhin hat sich die heute 35-Jährige vor fünf Jahren einmal mit bloßen schultern in einer vollgeschäumten Badewanne sitzend für "GQ" ablichten lassen.

Was Bild-Dichter am ‎10. Mai 2011 zu einem zeitlosen Text inspiriert‎: "Halbnackt räkelt sich Wafah Dufour (35) in Satin-Bettwäsche, ganz nackt tauchte sie für das Männermagazin „GQ“ in eine goldene Badewanne ein", heißt es bei Bild Online hinter einem Link namens "wafah-dufour-das-ist-osama-bin-ladens-sexy-nackt-nichte". Dass Wafah Bin Laden 30 war, als sie ihre sportlichen Waden öffentlich ausstellte, bleibt geheim - schließlich läuft seit dem Märtyrertod des Onkels alles, was mit Bin anfängt. Zur Zeit kränkelt Wafahs Popkarriere etwas. Aber sobald der Rest der Rudelmedien auf die unerhörte Sexgeschichte aus der Terrorfürstenfamilie anspringt, dürfte wieder ein Plattenvertrag winken.

In zwischen hat Bild den Link begradigt

Hitparade der willigen Helfer


Zwölf Hektar Fläche hatte das Lager Sobibor, gleichzeitig eingesetzt waren zwischen Anfang 1942 und November 1943 stets etwa 50 SS-Männer zur Bewachung der Teillager 1,2 und 3. Die Zahl der im Lager ermordeten Menschen wird auf zwischen 100.000 und 250.000 geschätzt.

Der in deutsche Kriegsgefangenschaft geratene Ukrainer John Demjanjuk, der wegen seiner Tätigkeit als "Trawniki" genannter Hilfswilliger im Lager Sobibor zu einer fünfjährigen Haftstrafe verurteilt wurde, etabliert sich mit diesem Strafmaß direkt unter den Top Fünf aller jemals für ihre Beteiligung am Massenmord in Sobibor verurteilten SS-Männer.

Das war allerdings auch nicht sehr schwer: Zwar wurde Erich Bauer, der Verantwortliche für die Vergasungsanlagen, ebenso wie Hubert Gomerski, der Leitung des Waldkommandos, und Karl Frenzel, der Chef des Lagers I, zu lebenslanger Haft verurteilt. Doch härter als Demjanjuk bestraft wurde außer diesen dreien nur noch der SS-Scharführer Franz Wolf, der im Lager regelmäßig die Entkleidung der zur Ermordung vorgesehenen Häftlinge beaufsichtigt hatte und dafür acht Jahre Zuchthaus bekam.

Alle anderen in Sobibor-Prozessen verurteilten Mittäter kamen wegen Beihilfe zum gemeinschaftlichen Mord an zwischen 15.000 und 79.000 Personen mit Haftstrafen zwischen drei und vier Jahren davon. Wobei alle anderen in diesem Fall die konkrete vier meint. Die anderen zwölf der insgesamt wegen Sobibor angeklagten 16 Männer wurden freigesprochen.

Freitag, 13. Mai 2011

Blogger ist zur Zeit nicht verfügbar

Ist das schon der Anfang vom Untergang der Internet-Mammute, wie er hier bei PPQ  seit Jahren mit unverbrüchlicher Zuversicht vorhergesagt wird? Das setzt sich nicht durch, das haben wir immer gesagt. Das ganze Internetzeug, wozu soll das gut sein?

Nun scheint es soweit. Das Finale hat begonnen. Gestern ein zwei Stunden langer Ausfall bei Googles Blog-Plattform Blogger, heute einer, der schon fünf Stunden anhält. Morgen schaltet sich Google vielleicht  selbst ganz ab, schamrot aufgrund der Tatsache, dass alle bösen Behauptungen, die Konkurrent Facebook gezielt hat lancieren lassen, einfach nur wahr sind.

Wir werden es sehen. Wenn wir nichts mehr sehen. Aber es war trotzdem schön.

Mittwoch, 11. Mai 2011

Wer hat es gesagt?

Es wäre ja schön, wenn die Welt so wäre, wie ihr sie euch denkt. Aber sie ist nun mal nicht so. Ich finde, wir sollten uns abschminken, immer die ganze Welt belehren zu wollen.

Immer mehr arme Kinder reich

Ehe die große deutsche Volksdichterin Tamara Danz starb, ahnte sie Schreckliches. "Der Wohnblock spuckt sie in den kalten Wind wo sie zu Hause sind", ahnte die Interpretin der "Wilden Mathilde", "ab und zu nur sieht einer frierend hin wo sie zu Hause sind." Dort ist, "wo die Fenster locken mit so gelbem Licht" - doch sie wissen natürlich, "diese Zimmer wärmen nicht".

Der Kenner weiß, es geht um die "verlorenen Kinder in den Straßen von Berlin", um, alle Poesie beiseite gelassen, soziale Kälte, Hunger, Armut, Krankheit, Tod, keine Playstation haben, kein iPhone und nicht genügend Essen, um es wegwerfen zu können. Tamara Danz vermutete es, inzwischen ist es Fakt: Mit der großen Armut, gerade bei Kindern, ging es erst richtig los, als die Mauer fort war. Jedes sechste Kind lebte in Armut, darauf wiesen Statistiken unwiderlegbar hin. Kommissionen tagten, Experten warnten, Politiker versprachen zu handeln.

Und nun der Schock: Die Kinderarmut in Deutschland ist seit Jahren offenbar weit niedriger als von vielen Medien behauptet. Statt bei 16,3 Prozent, wie 2009 über anderthalb Wochen aufgeregt berichtet, lag sie nach neuen Erkenntnissen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung damals nur bei zehn Prozent. Eigentlich sei die Kinderarmut auch nie höher als der OECD-Schnitt von 12,3 Prozent gewesen hieß es.

Was jedem Anwohner eines deutschen Schulhofes immer klar war, erschüttert das Selbstverständnis gleich mehrerer Gewerbe, die von der Kinderarmut leben, in den Grundfesten. Wo sind sie hin, die armen Kinder? Und was soll werden, wenn jetzt nur noch 8,3 Prozent arm sind und damit nur noch jedem 12. geholfen werden muss? Eine Katastrophe, schließlich hatte das „Phänomen der Kinderarmut“ (dpa) in Deutschland gemeinsam mit der "rechten Gefahr" und allerlei Warnungen vor Blutbädern und Schweinegrippen die Aufgabe übernommen, die früher Atomkriegsangst und die Furcht vor dem Einfall der Russen erfüllten.

Mit Erfolg. "Vor 42 Jahren war nur jedes 75. Kind unter sieben Jahren zeitweise oder dauerhaft auf Sozialhilfe angewiesen", rechnet der "Spiegel" stolz vor, "2006 war es jedes sechste Kind." Dieselbe Steigerungsrate vorausgesetzt, wären bereits in 30 Jahren mehr deutsche Kinder arm gewesen, als es überhaupt gibt. Doch der Traum ist aus. Die Zahlen waren alle falsch, wie PPQ bereits 2008 nach einer Überschlagsrechnung feststellte, die ergeben hatte, dass der Trend, wenn es ihn gäbe, dazu führen würde, dass Deutschland in den nächsten 25 Jahren die Vollverarmung erreichen werde.

Werden dem erfindungsreichen Danachrichtenmagazin nun auch noch alle anderen Henry-Nannen-Preise aberkannt?

Alles nur ein Irrtum, der Druckfehlerteufel! Weil die zur Erfassung des beständig wachsenden Elends im Lande regelmäßig befragten "tausende Haushalte" wegen des von der Regierung geforderten Datenschutzes immer öfter Auskünfte über ihre missliche Lage verweigern oder aus hungerbedingter Schwäche nicht mehr antworten können, seien Einkommensangaben oft unvollständig gewesen. Dadurch sei der Anteil der Armen gestiegen, ohne dass Passanten und Schulhofanwohner die Betroffenen jemals auf der Straße entdecken konnten. Durch eine Änderung der Zählweise sei der "Fehler" jetzt behoben worden, teilte das DIW mit. Tamara Danz´verlorene Kinder sind wieder da. Demnächst in einer Studie mit dem Titel "Immer mehr deutsche Kinder zu dick".

Hängt ihn höher!
Geld macht arm
Wirbel um Wohlstandsarmut

Dienstag, 10. Mai 2011

Theater mit lebenden Puppen

Das war knapp. Mehrere Minuten hatte die Welt stillgestanden, weil die FDP sich nicht über ihre neue "Führungsmannschaft" (Tagesschau) hatte einigen können. Westerwelle weg, Homburger noch da, Brüderlei kompromissbereit, aber hinterlistig, Bahr karrieregeil, Niebel gewieft, Koch-Mehring verwickelt in eine Plagiatsaffäre. Rösler, warfen Experten auf sämtlichen Sender immer noch einen völlig unbekannten Namen in die Runde, sei schon "beschädigt" (dpa), ehe er sein Amt angetreten habe.

Welcher Rösler? Welches Amt? Und wer war dieser Westerwelle, von dem früher soviel die Rede gewesen ist? Tagelang wurde hinter den Kulissen geschoben und gekungelt, geschachert und erpresst, um dem Publikum zum neuen Parteivorsitzenden eine verjüngte Führungsmannschaft des deutschen Liberalismus präsentieren zu können. Conny Pieper, als Liberale bekannt geworden durch einen Haschischfund im Blumentopf, muss weichen, Frau Homburger übernimmt - ein Situation wie kurz vor dem Mauerfall, als der greise Egon Krenz als junge Garde antrat, den noch greiseren Erich Honecker zu beerben.

Wenigstens Daniel Bahr ist jung, ein 34-Jähriger, der sich vor 20 Jahren entschloß, Politiker zu werden. Als Staatssekretär bei Rößler stand der nordrhein-westfälische Landesvorsitzende seit der Wahl Gewehr bei Fuß, um höhere Aufgaben zu übernehmen. Nun endlich wird er Minister. Sein bisheriger Chef wechselt ins Wirtschaftsministerium, weil er Außenminister nicht werden kann, denn dieses Amt hat sich Guido Westerwelle als Preis für den freiwilligen Rückzug vom Parteivorsitz ausbedungen. Ein Theater mit lebenden Puppen, ein Trauerzug zum Totenbett des Liberalismus, dessen Partei sich - im Gegensatz zu zahlreichen Behauptungen in der Vergangenheit - hier zum ersten Mal als das zeigt, was sie ist: Keine Vereinigung zur Durchsetzung politischer Zeile. Sondern ein Verein zum Erhalt der eigenen Existenz, um die er sich selbst nach Kräften zu bringen sucht.

Kabinettsumbildung auch beim Postillon
und Daniel Drungels zur FDP

Gesänge fremder Völkerschaften: Gott in der Kehle

Gott ist groß, darauf können sich die großen Religionen dieser Welt schneller einigen als auf den Namen des Betreffenden. "Gott ist tot", hielten Denker im Abendland der religiösen Verblendung bezeiten entgegen, ohne verhindern zu können, dass weltliche Nachrichtensendungen sowohl Protokoll führen beim alljährlichen "urbi at orbi" des Vorsitzenden der katholischen Kirche als auch beim "Seligsprechung" genannten Hokuspokusfidibus um einen seiner wundertätigen Vorgänger.

Es liegt vielleicht an der Musik, das der Mensch gelegentlich vom Glauben abfällt, letzlich aber immer wieder in den Armen Gottes landet, auch wenn der keinen Namen hat. Wenn die unschuldige Kinderstimme der minderjährigen Vorsängerin der Los Blauets im spanischen Kloster Lluc sich und die andächtig lauschende Gemeinde nach "Jerusalem" barmt, öffnen sich die Herzen auch kaltgestillter Atheisten.

Der Himmel ist nah, die Orgel weint, der weltmusikkritischen PPQ-Feldforschungsgruppe auf der Suche nach den Gesängen fremder Völkerschaften fließen die Tränen in Sturzbächen aus den Augen. Was sind entzogene Doktortitel, erschossene Terrorfürsten, beschädigte Freidemokraten und griechische Schuldendramen gegen den reinen, feinen Klang aus Gottes eigenen Kehlen. Große Oper, die nunmehr ihren rechtmäßigen Platz in unserer einzigartigen völkerkundlichen Multikulti-Musikreihe "Gesänge fremder Völkerschaften" gefunden hat.

Die weltkulturkritische PPQ-Dokumentationsreihe "Gesänge fremder Völkerschaften":
Blasen in Steueroasen
Pogo in Polen
Hiphop in Halle
Tennessee auf Tschechisch
Singende Singles
Multikult im Elektroladen

Heile Weltuntergang

Das ist also, so sagt man, Osama Bin Laden, wie er in einer kümmerlichen Kammer in seinem Haus in Abbottabad sitzt und sich auf einem kümmerlichen 14-Zoll-Röhrenfernseher Videos anschaut, die zeigen, wie Osama Bin Laden vor einem Felsen sitzt und mutmaßlich düstere Botschaften in eine Videokamera spricht. Ein Gehilfe des Terrorfürsten filmt das Ganze, womöglich zu dem Zweck, dass Osama Bin Laden sich später auf Video anschauen kann, wie Osama Bin Laden in einer kümmerlichen Kammer in seinem Haus in Abbottabad sitzt und sich auf einem kümmerlichen 14-Zoll-Röhrenfernsehgerät Videos anschaut, die zeigen, wie Osama Bin Laden vor einem Felsen sitzt und mutmaßlich düstere Botschaften in eine Videokamera spricht.

Eine Szene, die an das große Opus vom Ritter Blaubart erinnert, der eines Tages mit seiner Tochter am Fenster gesessen hatte und ihr eine Geschichte erzählte, die davon handelte, wie der Ritter Blaubart eines Tages mit seiner Tochter am Fenster saß und ihr eine Geschichte erzählte, die davon hamndelte, wie der Ritter Blaubart...

Der Zweck der Übung im Falle Bin Laden bleibt geheim, selbst willigen Beobachtern. Der "Spiegel" liest eine gewisse Selbstverliebtheit des Al-Kaida-Anführers aus den Filmschnipseln. Osama habe sich wohl einfach gern selbst gesehen. Die USA dagegen trauen selbst dem toten Feind des Westens zu, per Video weiterzuwirken: Alle Filme wurden ohne Tonspur herausgegeben, auf dass der fürchterliche Fürst der Terrorfinsternis nicht noch aus seinem nassen Grab im arabischen Meer Anhänger für den heiligen Krieg begeistern könne.

Missverständnissen sind so Tür und Tor geöffnet. Wieso etwa sieht sich Osama Bin Laden die Nachrichten der Deutschen Welle an? Niemand schaut Nachrichten der Deutschen Welle, nicht einmal Deutsche. Und wieso ist sein nach Angaben der US-Behörden für Filmaufnahmen Anfang 2010 schwarzgefärbter Bart auf den Aufnahmen, die ihn beim Betrachten von Bin-Laden-Videoaufnahmen zeigen, schon wieder grau? Obwohl er seinen Bart doch im einklang mit seinen selbstgemachten religiösen Regeln nicht schnitt?

Wer, schließlich, hat die chaotische Elektroinstallation des Videoraumes zu verantworten? Ist das die Handwerkskunst einer Atommacht? Und wer ist für das zerknitterte Bettlaken verantwortlich, vor dem sich der Terrorfürst in einer Sequenz aufbaut, um - nunmehr tonlos - die Welt oder den Heiligen Krieg zu erklären? Während sich sein Publikum zwangsläufig fragt, ob es im Haushalt des meistgesuchten Mannes der Welt kein Bügeleisen gibt? Oder ob das Laken dasselbe ist, auf dem Bin laden eben noch mit seinen drei Frauen genächtigt hat? Oder ob es tatsächlich in diesem Zustand frisch aus dem Schrank genommen wurde. Und wie es dann wohl in dem Schrank aussieht? Und wie ein Mann, der nicht einmal Ordnung in seinem Kleiderschrank halten kann, den Weltterrorismus voranbringen will?

Fünf Jahre hat Bin Ladens Frau Amal Ahmed Abdulfattah die rettungslos vermüllte, schimmlige und baufällige "Luxusvilla" (dpa) ihres Terrorfürsten nicht verlassen. Sie hat hier nach eigenen Angaben sogar ein Kind bekommen, das gute Aussichten hatte, mit dem Nachwuchs des "Inzest-Monsters von Amstetten" (Bild) um den Titel "schlimmste Kindheit im geschlossenen Raum" zu konkurrieren. Die Navy Seals haben den Grund für die bereits fast 2000 Tage währende Haft beseitigt - Deutschland diskutiert wie seinerzeit im Fall der "klammheimlichen Freude" des Göttinger Mescalero, ob Freude über den Tod überhaupt jemals angebracht sein darf, soll oder kann. Und natürlich, wie es in der FDP weitergeht. Bin Laden ist damit nach nur einer Woche ebenso Geschichte wie Fukushima, Libyen, Guttenberg, E10 und die Gorch Fock. Frau Homburger hat übernommen. Ja, auch der Mindestlohn ist wieder ein Thema. Heile Welt eben.

PPQ erklärt die Medienwelt: Emp: Erste Einheit für einheitliche Empörung
Le Penseur listet die Widersprüche im Fall Laden auf