Google+ PPQ: Taschenspieler im Dienst der Wissenschaft

Montag, 16. April 2007

Taschenspieler im Dienst der Wissenschaft

Wissenschaftler der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) trompeten heute eine revolutionäre Erkenntnis in die Welt: Die Fußball-Weisheit, nach der ein gefoulter Spieler besser nicht selbst den fälligen Elfmeter schießen sollte, sei "empirisch widerlegt". Woher die neue Weisheit kommt? Die Forscher haben alle 835 Bundesliga-Foulelfmeter von August 1993 bis Februar 2005 untersucht. 102 davon wurden vom gefoulten Spieler selbst ausgeführt: Die Erfolgsquote der Gefoulten lag bei 73, die der nichtgefoulten Schützen bei 75 Prozent. "Dieser Unterschied liegt im Rahmen der zufälligen Schwankung und lässt nicht auf einen echten Effekt schließen", erklärte Oliver Kuß, Biometriker an der Medizinischen Fakultät der MLU, der an der Studie in seiner Freizeit gearbeitet hat. "Unsere Analyse geht über die bisherigen, einfach beschreibenden Analysen hinaus, indem sie mit Hilfe statistischer Modelle andere potenziell das Geschehen beeinflussende Faktoren einbezieht", erläutert Kuß bei n-tv. Welche Erkenntnisse sich auf einer Datenbasis von 102 Elfmetern, die in diesem Fall von gefoulten Schützen geschossen wurden, überhaupt gewinnen lassen können, erläutert Kuß allerdings lieber nicht. Dafür hat er bemerkt: "Jüngere und unerfahrene Spieler treten häufiger an, wenn sie selbst gefoult wurden." Fußballer ahnen den Grund: So lange sie jung und unerfahren sind, glauben sie noch, dass es keine Rolle spielt, ob sie selbst antreten. Später legt sich das.

1 Kommentar:

panzerbummi hat gesagt…

zwei nullen sind keine acht: journalisten können/wollen so etwas offenbar per se nicht hinterfragen. bei jeder zahl, die größer als zehn ist, müssten eigentlich aus erfahrung sofort die alarmlichter angehen. aber nein: grdruckt wird, was reinkommt. morgen auch in der hz.