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Donnerstag, 17. Juni 2010

Dresden: Aufschwung ohne Welterbe

Wie schön hätte das doch werden können, wenn die Volksmassen sich an das gehalten hätten, was Medienarbeiter und Politiker in Monaten nimmermüder Apokalypsebeschwörung an die Wand gemalt hatten. Wenn Dresden sich dem Willen der Unesco nicht beugt, und aufhört, eine Brücke über die Elbe zu bauen, verliert es zuerst seinen Welterbe-Titel. Und gleich anschließend die Touristen, von denen die Elbemetropole lebt.

Im Juni vor einem Jahr war es so weit, die Brücke wurde störrisch weitergebaut, das Welterbekomittee schlug zurück und nahm Dresden den Titel der Unesco-Welterbestätte. Nur Wochen später schwor ein wackerer Streiter gegen die Elbequerung,nebenbei Museumschef in Dresden, in allen deutschen Qualitätszeitungen, dass er einen spürbaren Rückgang der Touristenzahlen bemerke.

Eine letzte Beschwörung, die - nunmehr jedoch schon völlig ohne Kenntnisnahme der überregionalen Medien - wenig zum Guten wenden konnte. Glaubte mancher, die Aberkennung des Unesco-Titels werde Dresden vielleicht gerade so überleben, sieht die Sache nach genau einem Jahr ganz anders aus. Als hätten die Touristen in aller Welt nur darauf gewartet, einem titellosen Dresden einen Besuch abstatten zu dürfen, sind die Touristenzahlen seit dem Tag der Welterbeaberkennung förmlich explodiert: Statt 100000 Gäste wie im April letzten Jahres begrüsste Elbflorenz in diesem April schon 116000, statt 12000 Ausländer kamen 17000, alle zusammen verbrachten sie nicht 216000 Nächte in der Stadt, sondern 240000.

Auf Teneriffa, zuletzt vom Rückgang der Touristenzahlen geplagt, will man das Dresdner Erfolgskonzept nun nachmachen: Der historische Palast in der Altstadt von La Laguna, erbaut im 17. Jahrhundert und seit 1999 Weltkulturerbe, wurde bereits 2006 niedergebrannt und komplett zerstört, seitdem hofft die Insel, die Unesco möge den Trümmern den Welterbestatus aberkennen und damit den Weg frei zu einem Aufschwung im Tourismus machen.

Kommentare:

Sax hat gesagt…

Ein ganz böses Bild! (für Auswärtige: Das ist nicht die "Monsterbrücke", wie sie liebevoll von den Unescojüngern vor Ort genannt wird.)

ppq hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
ppq hat gesagt…

das wird ja keiner denken, die ist ja schließlich noch nicht fertig. das bild sollte nur illustrieren, wie schlimm kein welterbe aussieht!

Anonym hat gesagt…

100.000 Gäste hat, glaube ich, auch Castrop-Rauxel. Herzlichen Glückwunsch der Barock-Perle!

ppq hat gesagt…

naja, die gesamte "metropole ruhr" hatte im april 284.000 besucher, aber die werden nicht alle in castrop-rauxel gewesen sein, fürchte ich

VolkerStramm hat gesagt…

150.000.000€ wurden für die WSB geplant. Hand hoch wer glaubt, die Kosten werden sich an die Pläne halten.
Eben.
Unterdessen sind wir bei 180.000.000€. Nur eine Frage der Zeit, bis wir die 200.000.000 überschritten haben.
Ziemlich viel für ein Bauwerk, dass es anderswo (Torgau, Meißen) für 13.000.000 gab.

Der neue Rügendamm bewegt sich im gleichen Preisrahmen wie die WSB - ist aber 10-mal so lang.

Wenn es wenigstens was nützte.
Tut es aber nicht. Jedenfalls kaum
Die (wegen stadtplanerischer Genialität) am meisten überlastete und am meisten fragile Brücke (das Blaue Wunder) wird nicht im geringsten entlastet.

Die Brückenbefürworter sind natürlich im Recht, ganz klar. Hier kann man alles Pro lesen
Aber flexibel sind die auch. Vor einiger Zeit wurde noch „begründet“, warum die anfang der 90er ins Auge gefasste (nur ca. 100.000.000€ teure) Zweibrückenlösung (eine am Thomas-Münzer-Platz und eine in Laubegast) verworfen wurde. Unterdessen haben die bemerkt, dass die „Begründung“ was mannichlhaftes an sich hat und diesen Teil entfernt.
Scheint, es gibt nicht viel, das für die WSB spricht.