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Samstag, 13. November 2010

Das ungeborene Drittel

Als Ursula von der Leyen damals noch im Familienministerium saß, klappte es mit den Geburten. Immer wieder konnte die emsige Mutter der Nation verkünden, dass die Zahl der Neugeborenen in Deutschland aufgrund der klugen Familienpolitik der Bundesregierung nach vielen Jahren endlich wieder steige. Daran war, so von der Leyen, vor allem das Elterngeld schuld, das die Geburtenzahlen sogar schon hochgetrieben habe, als es noch gar nicht beschlossen gewesen sein.

Kristina Schröder, die Nachfolgerin der erfolgreichen Geburtshelferin, konnte von der Leyens Versprechen dann nicht einlösen. Nun sanken die Geburtszahlen nicht nur wirklich, sondern auch in der ministeriellen Verlautbarungen. Schlagartig entdeckte das Familienministerium, dass die Zahl der Geburten zurückgehen müsse, weil es in Deutschland immer weniger Frauen im gebärfähigen Alter gebe. Trost aber sei nahe, denn obwohl die Zahl der Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren in Deutschland allein während der Amtszeit von der Leyens um mehr als eine halbe Million gesunken sei, zeige sich, dass die verbliebenen Damen Verantwortung übernähmen: Die Zahl der Kinder pro gebärfähiger Frau sei, freut sich Kristina Schröder, weitgehend stabil.

Weitestgehend ist sie das immer noch, nur umgerechnet auf alle Frauen zeigt die neueste Statistik ein weiteres Nachlassen des von Wissenschaftlern inzwischen "Von der Leyen-Dynamik" genannten Phänomens steigender Geburtszahlen während der Pressetermine der früheren Familienministerin, die jetzt im Arbeitsministerium mit gleicher Methodik für sinkende Arbeitslosenzahlen sorgt. Im Familienbereich dagegen ist Alarm: Seit der Einführung des Kindergeldes ist die Zahl der Kinder je Frau in Deutschland beständig gefallen, für 2009 liegt sie nur noch bei 1,36. Geboren wurden nur noch 665.000 Mädchen und Jungen, noch einmal 17.000 weniger als 2008, 20.000 weniger als 2007. Umgerechnet pro Einwohner fiel der Wert damit auf unter 0,7.

Damit hat jede nachfolgende Generation etwa ein Drittel weniger Angehörige als die vorhergehende. Aus derzeit 82 Millionen Deutschen werden im Verlauf der kommenden 70 Jahre noch höchstens 55 Millionen, von diesen wiederum werden weitere 70 bis 80 Jahre später nur noch 36 Millionen übrig sein. In nicht einmal 300 Jahren wird Gesamtdeutschland dann mit der Menge an Bürgerinnen und Bürgern auskommen müssen, über die seinerzeit die DDR verfügte.

Zum sozialpolitischen Erfolgsarchiv:
Eine neue Lüge ist wie ein neues Leben
Lügen haben langes Haar
Gewissenlos am Laufgitter
Wir sterben schneller aus
Immer mehr weniger
Langsam zusammenpacken
Wir sterben langsamer aus
Mehr oder weniger Kinder

Kommentare:

VolkerStramm hat gesagt…

Es ist ein Irrtum zu glauben, dass bei einer Geburtenrate unterhalb der Reproduktionsrate das Volk ausstirbt. Außerdem ist dieser Gedanke Autobahn.
Hier ein erfrischend nachdenklicher Artikel aus der
Welt der Wissenschaft.
Erstens sterben die Deutschen nicht aus. Und zweiten ist das klein Problem.

ppq hat gesagt…

ich sage mal so: da du und ich dann sowieso nicht mehr beifall klatschen oder buhen können werden, darf uns das völlig gleichgültig sein.

VolkerStramm hat gesagt…

Die offiziellen 1,3x sind schon eine Katastrophe.
Tatsächlich ist es aber noch schlimmer. Die autochthonen deutschen Frauen kriegen statistisch 1,1 Kind. Die 1,3x kommt daher, weil die Barbaren mit deutschem Pass sich vermehren wir die Ratten.
Keine schönen Aussichten.

Anonym hat gesagt…

Man könnte das deutsche Gen auch auf Spitzbergen einfrieren, um in 1000 Jahren mal zu testen, ob Idiotie vererbbar ist/war.

VolkerStramm hat gesagt…

Das mit dem Idiotie-Vererbungstest wird schwer sein. Da unser geistreicher Anonymus zeugungsunfähig ist, werden wir nie erfahren ob mögliche Nachkommen genauso dumm sind wie er.

nwr hat gesagt…

@VolkerStramm
Danke, für soviel Geisteserfrischung aus den intellektuellen Flaggschiffen des Linksliberalismus:

"Wenn die Babyboomer sterben, erlebt Deutschland also eher eine ungebremste Verjüngung statt einer Vergreisung."

Das ist ein segensreicher Trost, an dem sich die Bevölkerungspyramidenfaschisten endlich ergötzen können, unter dem Leitspruch: "Tötet die Babyboomer!"

PS: Ey Alder, des Word is cool! You bischt ä Bäbbyboomer? Pengpeng!