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Sonntag, 19. Dezember 2010

Terrorangst in Dunkeldeutschland

Es war ein Dokument der ungebrochenen Staatsgläubigkeit der Deutschen und vor allem der deutschen Medien, ein Festtag für alle Verschwörungstheoretiker und größte Moment im Leben des früheren Sachsen-Bank-Aufseher Thomas de Maiziere: "Sehr besonnen" gab der derzeit amtierende Innenminister vor genau einem Monat durch, Al Kaida plane grauenhafte, menschenverachtende Terroranschläge auf das friedliebende Deutschland. Weinachtsmärkte und der demokratisch verfasste Bundestag waren bedroht, "sehr konkret" konnten bereits vorab Anschlagziele, Reiseroute der Täter und deren Visanummern in sehr besonnenen Sondersendungen gewürdigt werden.

Das Fazit nach einem Monat Terrorangst fällt nun jedoch ernüchternd aus. Bis auf einen Anschlagsversuch in Schweden, das von den deutschen Behörden offenbar nicht gewarnt worden war, und die üblichen Attacken in Afghanistan blieb Al Kaida tatenlos: Der Reichsttagssturm fiel aus, die reisenden Attentäter blieben weg, die Adventszeit brachte weder Blutsonntag noch Massaker. Aus "sehr konkreten" Warnungen wurde ein fast schon mit Händen greifbares Schweigen, aus einem besonnen warnenden Innenminister ein schweigender. Die unbestechliche Google-Timeline (links) zeigt zudem einen erdrutschartigen Rückgang des Medieninteresses an den Terrordrohungen: Nie fragte irgendeine Zeitung, irgendeine Fernseh-Sondersendung, ja, nicht einmal ein Politiker der Opposition, warum de Maiziere diesen Sturm im Wasserglas losblies, welchen Zweck die Behörden mit dem blinden Alarm verfolgten, welchen Sinn eine ministerielle Mahnung haben kann, man solle sich in den Zeiten des eingebildeten Terrors "wie immer verhalten", wenn doch der Mahner selbst den Zustand des "wie immer" per Ausnahmezustand suspendiert hat.

Die letzten Reste der großen Angst werden nur noch in Satiresendungen beschworen. In Templin etwa, einem von Gott und beinahe allen Menschen verlassenen Flecken, fanden mutige Reporter versteinerte Rudimente der großen Al Kaida-Furcht von letztem Monat. "Ich hab ja meistens meinen Hund bei", sagt eine Frau auf die Frage, wie sie mit den Drohungen des Terrornetzwerkes Al Kaida umgehe.

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